AlltagsAbenteuer, DiY & Projekte, Projekte
Kommentare 10

BauTagebuch (6). Die Küche

Vielleicht kann sich die ein oder der andere daran erinnern, dass ich mich vor etwa einem Jahr ganz furchtbar darüber geärgert habe, dass „eine richtige Küche 10 000€ kostet.“

Ist das so, ja? Damals hatte ich mich dazu entschieden, dass ich mir wohl keine neue Küche im neuen alten Haus zulegen werde. Auch nicht zulegen _können_ werde. Ich wüsste gar nicht, woher ich das Geld dafür nehmen sollte. Damals nicht und heute auch nicht.

Aber dann sagt mir meine Umwelt: „Leih es dir doch.“
Darauf ich: „Das kann ich nicht.“
„Aber warum denn nicht?“
„Ich will es nicht.“
„Aber wieso denn nicht?“
„Ich will frei sein.“

Jedenfalls: Nachdem wir aus Skandinavien zurückgekehrt sind, machte sich in mir irgendwann, als klar war, wir konnten endlich ins neue alte Haus, um zu entrümpeln, der Gedanke breit, vielleicht eine neue alte Küche für das Schmuckstück an Haus zu finden. In einem der vielen AuktionsPortale vielleicht?

So landete ich eines abends zwischen all diesen Angeboten und sah eine Küche, die ich einfach nur wunderschön fand. Aus der Anzeige ging nur hervor, dass die Küche von einem Schreiner individuell angefertigt wurde. Die Geräte sahen einwandfrei aus und irgendwo stand was von einem Jahr alt. Wer verkauft bitte schön eine 1jährige handgefertigte individuelle Küche? Ich war neugierig und wollte wissen, wie teuer diese Küche sein sollte. Die würde mit Sicherheit mehr als 10 000€ kosten. Das war mir klar und vielleicht brauchte ich nur einen Grund mich weiter zu ärgern.

Nur so aus Neugier rief ich also dort an. Auf meine Frage, wie alt die Küche sei, stellte sich sofort heraus, dass es sich um eine etwa 14 Jahre alte Küche handelte, die ein Schreiner damals für etwa 30 000DM hergestellt hatte. What?!! Ja, das war mal eine echte Küche. Im Kopf hatte ich das Objekt schon wieder abgehakt, bis dann die Frage kam, ob wir Interesse hätten. Ich meinte, dass das vermutlich nicht in unserer Preisklasse läge. Wie viel sie denn dafür noch haben wollten? Inklusive Geräte (alles hochwertige Küchengerätschaften, von denen das eine noch nicht einmal ein Jahr alt war), wären so 2500€ ganz nett, es bestünde jedoch Verhandlungsspielraum.

(denkdenkdenk)

So ein Mist! Was hatte ich dort auch anrufen müssen?
„Äh ja. Wir lassen es uns durch den Kopf gehen.“
Mehr bekam ich einfach nicht über die Lippen.
Ich war eigentlich auf der Suche nach einer alten Küche für etwa 30-150€ gewesen. Allerdings war ich auch davon ausgegangen, so ein typisches, dunkles, rustikales „OmaModell“ zu bekommen, das ich mir mit viel Arbeit aufhübschen wollte. Jetzt bot mir jemand eine Küche an, die ich durchaus in die Kategorie „Traumküche“ einordnen musste, zu einem Preis, den ich total „erschwinglich“ fand, ich aber nicht in unseren Kalkulationen vorgesehen hatte. DEFINITIV nicht eingerechnet hatte. Wenn wir das machten, würden wir an einer anderen Stelle massiv einsparen müssen und ich müsste irgendwie das Geld zurück erarbeiten. Im schwangeren Zustand.

Wir entschieden uns für die Küche. Wir hatten aus drei Räumen einen großen gemacht, hatten den Boden rausnehmen müssen, weil die Balken feucht geworden waren und den Hohlraum mit einer Perliteschüttung aufgefüllt. Darauf legten wir eine neue Holzkonstruktion. Als Bodenbelag wählten wir erneut einen Seekiefer-Holzboden, der ein wenig besser mit Feuchtigkeit klarkommt. Auch diese Holzkonstruktion war nicht geplant, weil keiner gedacht hätte, dass unter den damaligen Fliesen Feuchtigkeit geherrscht hatte. Dann wurden die Wasseranschlüsse verlegt und der Raum mit seinem Durchbruch neu verputzt. So.

Was ich mit dieser ungefähren Darstellung der „Küchenarbeiten“ erläutern möchte: Meine Küche hat keine 10 000€ gekostet. Sie war teurer als geplant. Doch den vierten Umzug hätte unsere Studentenküche einfach nicht mehr mitgemacht. Jetzt habe ich eine wunderschöne, gebrauchte, edle, echte Küche.

Die Lieblingsstücke meiner Küche?

* die Schieferarbeitsplatte
* das Topfrondell
* die 1000 Schubladen
* meine Teesammlung
* meine kleine Kaffeekanne (neu zum „Runterdrücken“ – die Kerle lieben sie)
* mein neues Brotmesser (bei Memo bestellt)
der große Tisch, an dem alle Platz finden
* ach so, und ein CeranFeld ( – ganz neu für mich)

Was macht deine Küche zu deiner richtigen Küche?

10 Kommentare

  1. Ich habe schonmal einen Blick in unsere Küche gewährt, nach dem Umzug. Es hat sich nicht viel verändert. Ich mag n meiner Küche besonders gern das Gewürzregal und meine Teesammlung, aber auch die Offenheit und Verbindung zum Wohnzimmer, sodass man gemütlich da sitzen und sein kann, aber nicht in einem extra Raum verbannt sein muss, wenn man grad kocht oder die Spülmaschine einräumt.

    http://jademond.de/wohnen/unsere-neue-kueche/

    • Stimmt. Darauf freu ich mich auch: aufs gemeinsam Sitzen, während es brötschelt. Unser Zugang ist nicht ganz so offen, aber ok. Die Statik hätte einen anderen Durchbruch nicht zugelassen. Und auf zusätzliche Stahlträger hatte ich nicht ganz so groß Lust…

  2. Zum ersten Mal kann ich mir den (gebraucht) Kauf einer Küche vorstellen. Wir sind auf Wohnungssuche und da ist ja immer spannend, ob eine drin ist oder nicht. Im Moment haben wir eine klitzekleine, das mag ich daran. Obwohl so offene sicher auch schön sind…
    Ich frag mich immer warum Küchen aus so viel Kunststoff sein müssen. Der aktuelle glatt-weiß-trend ist irgendwie auch schräg. Danke für’s Zeigen!

  3. @Fräulein Rucksack: Das mit dem Kunststoff kann ich nicht wirklich beurteilen. Kann’s mir aber vorstellen. Langlebiger. Vermeintlich langlebiger. Wenn ein Kratzer dran ist, kann man selber nichts machen. Dasselbe in Holz und man kann den Kratzer abschmirgeln oder durch eine neue Holzleiste austauschen. Ich mag Kunststoff einfach gar nicht mehr.

    @Mina: Danke. *flush*

    @Tanja Heller: Ja, ich kann mich dran erinnern. 🙂

  4. Sabine Biesalski sagt

    Was für eine edle Küche! Und was ich an meiner Küche mag: Sie ist kleiner als 4 qm und es passt alles rein, was ich brauche. Schade, dass ich nicht drin sitzen kann, denn ich liebe es, in der Küche zu sitzen. Der minimale Raum zwingt mich, meine hunderttausend Dinge zu reduzieren. Das gefällt mir.

    • Danke. Damit hast du wirklich recht. 😀 Ich fühle mich auch immer noch sehr geehrt, dass ich mit und in ihr kochen darf. hihihi

  5. Auch wir mussten uns eine Küche nach eigenem Budget Kaufen… Ich sag man wird richtig „Kreativ“ wenn man nicht genug Geld für die „Traum Küche“ hat. Zum Schluss gibt man sich eh meistens mit etwas zufrieden was ein Kompromiss zwischen billig und Qualität ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.