Entdeckungen, honorierter Post
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Getreidemühlen

Irgendwann vor fünf Jahren, mitten im ReduzierProzess, bot mir eine Freundin eine Getreidemühle an, die sie doppelt hatte. Und außerdem hatte sie ja den Thermo… ihr wisst schon, wen ich meine. Irgendwie ist es nie dazugekommen und ich wünsche mir seitdem kontinuierlich eine handbetriebene Getreidemühle. Diese „einen-Wunsch-30Tage-lang-auf-die-Wunschliste-zu-setzen-und-dann-mal-schauen-ob-ich-‚es‘-immer-noch-gerne-haben-mag“-Challenge habe ich also dicke erfüllt.

Dennoch kam es nie zu der Erfüllung dieses Wunsches. Irgendwie stand ich einige Male kurz davor und habe dann doch wieder einen Rückzieher gemacht. Bis vor vier oder fünf Wochen.

Und das war so…

Ich hatte mal wieder im Netz nach Getreidemühlen gesucht und bin dabei auf die Firma Kornkraft im Saarland gestoßen. Wir kamen in Kontakt und ich berichtete, dass ich auf der Suche nach einer Getreidemühle sei. Mir gefiel die ReiseGetreidemühle ihres Sortiments sehr gut. Nach einem informativen Gespräch entschied ich, mich nochmals (zum fünften Mal oder so) im OnlineShop des Unternehmens umzuschauen und danach nochmal zu melden. Inzwischen wollte ich nicht nur einfach eine Getreidemühle haben, so wie so manch einer eine KüchenHighTechMaschine.

Was ich wollte:

* Frischkornmüsli
* Getreide auch im Falle eines Blackouts mahlen können
* backen als auch „müslien“
* Möglichkeit der pädagogischen Verwendung
* eine nachhaltige Herstellung des Geräts

Frischkornmüsli. Bislang konnte ich mir mein Getreide im Bioladen kaufen und habe dort die halbe Packung schroten lassen. Da ich noch die Einzige in unserer Familie bin, die das mag, habe ich dann immer zwei Wochen gekämpft, um das geschrotete Korn auch rechtzeitig leer zu kriegen. Denn spätestens nach zwei Wochen schmeckt das geschrotete Getreide nicht mehr so richtig und ist nicht mehr wirklich frisch. Man sollte dieses Korn möglichst bald als FrischkornMüsli verzehren – innerhalb von 14 Tagen. (Letzteres rieten mir zwei unabhängige BioladenQuellen.)

Blackout. Lächerlich? Vielleicht. Dennoch kann ich mir mein Korn jetzt handbetrieben, manuell mahlen und bin in keiner Weise auf Strom angewiesen, wie KitchenHilfen und ThermoDingens.

Backen. Ja gut. Geht nicht, wenn nicht auch der Strom da ist. Aber nehmen wir mal an die Sache mit dem Strom funktioniert, dann kann ich mit der Mühle auch so fein mahlen, dass Kuchen und Brot dabei herauskommen. Das Fassungs- und Mahlvermögen ist außerdem ergiebiger als bei der von mir zuvor ausgesuchten ReiseHandgetreidemühle.

Pädagogische Verwendung. Heute morgen noch saßen wir am Tisch und der große Kerl wollte lieber schnell fertig werden, als sein Brot zuende essen. Auf meine Ansage, dass er sich das Brot gewünscht habe und es bitte weiteressen solle, kam ein „Warum denn?“ Ich war erst etwas vor den Kopf geschlagen. Hatte er keinen Hunger? Er hatte das SchokocremeBort bestellt. Hatte er einfach keine Lust? „Ok, dann pack ich es weg und du kannst es heute Mittag oder Nachmittag essen.“ – „Och nööö!“ Ich: ??? „Ich werd es nicht wegschmeissen.“ – „Aber warum denn nicht?“ Das hat mich dann doch ziemlich von den Socken gehauen.
Ich meine, klar, vielleicht hatte er einfach keinen Bock mehr auf das Brot. Vielleicht ging es ihm in dem Moment auch nur um Kontra geben – das ist momentan hier nämlich so und ich bin so froh, das einigermaßen mit der Lautstärke in den Griff bekommen zu haben. Mir Zeit zu nehmen. Uns Zeit zu lassen, wenn diese Situationen eintreten.
Jedenfalls meinte ich dann nur: „Das Brot hat jemand mit viel Arbeit gebacken. Mal abgesehen davon…“ – „Wie?“ – Ich: „Wie, wie? Jemand hatte Mehl und Wasser und hat daraus ein Brot gebacken.“
Plötzlich hatte ich den großen Wunsch, meine Kinder mal das Korn mahlen zu lassen, was wir für ein Brot benötigten, das Mehl zu verwenden und gemeinsam daraus ein Brot zu backen. So, und das steht jetzt auch auf unserer Liste. Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie den Wert der Dinge, der Lebensmittel, der Welt, in der wir leben und durch die Natur versorgt werden, neu schätzen lernen. Überhaupt schätzen lernen. Neu schätzen lernen musste ich das. Ich glaube, dass das durch so einen unmittelbaren Einsatz eines Geräts wie der Getreidemühle sehr viel mehr nachvollziehbar ist, als durch 1000 gesprochene Worte meinerseits. dafür muss sich die Getreidemühle aber auch von kleinen Kinderhänden drehen lassen.

Nachhaltig. Ich gestehe, diesen Punkt kann man nie so ganz sicherstellen. Ich muss darauf vertrauen, dass das Unternehmen die Wahrheit sagt, wenn es seine Mühlen als aus heimischen Hölzern gefertigt bezeichnet. Das mach ich einfach mal.

So, und seit nicht ganz zwei Wochen habe ich nun tatsächlich eine solche Getreidemühle hier stehen. Ein wirkliches WunschSeeligkeitsDing, zur Verfügung gestellt von Kornkraft: Mulino ist ihr Name.

Zur Getreidemühle: Bei der Mulino handelt es sich um eine Getreidemühle, die anhand ihres Äußeren an eine Kaffeemühle erinnert. Als ich sie ausgepackt hatte, musste ich sehr an die alte Kaffeemühle meiner Mutter denken, mit der wir nach der Lektüre des Räuber Hotzenplotz sehr häufig gespielt haben. Das Gerät ist stabil und standfest. Mittels zweier Tischschrauben lässt es sich auf einer Arbeitsplatte oder aber am Mittagstisch befestigen. Wobei ich leider feststellen muss, dass die Schrauben für unseren Esstisch leider nicht weit genug zu öffnen sind. Allerdings stört mich das bislang nicht wirklich. Entweder ich fixiere die Mühle zwischen den Knien und drehe selber oder aber ich halte sie mit beiden Händen auf dem Tisch fest, während einer der Kerle dreht beides ist möglich. In einer kleinen Holzschublade wird das gemahlene Getreide aufgesammelt und lässt sich leicht in eine Schüssel umfüllen. Auch für kleine Kinderhände, da sich die Schublade leicht rein und rausziehen lässt.

In der Schublade der Mühle lag außerdem ein Zettel, der ausdrücklich darauf hinwies, eine Mühle niemals mit einem nassen Lappen zu säubern, da sich sonst das Holz verzieht und die Mühle Gefahr läuft unbrauchbar zu werden.

Ha! Und damit habe ich mir nach langer Zeit etwas gegönnt, was mich jetzt jedes Mal richtig glücklich macht, wenn ich in unsere gebrauchte Küche trete. Jiiipiieh!!

Was für Küchengeräte oder Utensilien machen euch so richtig glücklich? Und warum? Wer von euch mahlt sich sein Korn auch selbst? In welchem Maße?

13 Kommentare

  1. Deckt ihr euren Brotbedarf komplett mit Selbstgemahlenem?
    Wir hatten lange eine geerbte Handmühle, so eine mit Trichter oben und zum an die Tischkante schrauben. Da saß man locker ne halbe Stunde dran für ein kleines Brot. Wir haben dann nach jedem Mahlen was in die Spardose und uns nach ein paar Monaten eine elektrische erstanden. Ist laut und pädagogisch nicht so wertvoll wie die Muskelarbeit… aber irgendwann finden die Kinder eh raus, dass der Bäcker auch nicht erst ne Stunde kurbelt und dann von Hand knetet oder rührt…
    Dafür gibt es die Müsliflocken am Morgen handgekurbelt.
    Ein Blackout wäre das Aus für unser leckeres Sauerteigbrot mit Körnern, unvorstellbar. Oh man, wie scheußlich öko das für Weißbrotesser klingen muss! 😀
    Was mich sonst jeden morgen in der Küche freut? Dass bis auf den Edelstahlwasserkocher alles aus zweiter Hand ist und davon außer Flocker und Mühle auch noch alles geschenkt. Sogar vom Sperrmüll. Manchmal denke ich „Wir leben quasi im Müll anderer Leute!“ und kann mich nicht beklagen.
    Wie bereitest Du Dein Müsli zu?
    Sorry dass ich mal wieder so ausschweife,
    herzlichen Gruß!

    • Findest du das ausschweifend?!? Ich find’s toll ins Gespräch zu kommen. Nein, unseren ganzen Bedarf werden wir wahrscheinlich nicht damit abdecken. Mal abgesehen davon, dass ich aktuell wirklich keine Zeit dazu finde, Brot zu backen. Aber fürs Müsli reicht’s erstmal.
      Und natürlich mahlt der Bäcker sein Mehl nicht selbst. Aber er arbeitet hart für sein Geld – ich hatte eine Freundin, die eine Bäckerausbildung gemacht hat. Das war schon krass. Ich wünsche mir ja einfach nur, dass sie verstehen, was es bedeutet, ein Brot zu haben und es einfach wegzuwerfen. In der Regel ist das ja einfach Unbedachtheit. Das Brot ist einfach da und wird am nächsten Morgen auch wieder da sein. …
      In unser Müsli? Da kommt meist nur eine Birne, ein Apfel und eine Banane und das wars auch schon rein. Und bei euch?
      Oh ja, schrecklich öko komme ich mir manchmal auch vor. 🙁 Hab aber von einer Freundin auch ein ganz wunderbares MüsliCrunch Rezept. Super lecker auch nur so. Trocken für zwischendurch. Und ihr? Was ist das für ein ÖkoBrot?

  2. Als ich die Fotos gesehen habe, habe ich auch sofort an eine Kaffeemühle gedacht! Wir haben so eine ähnliche, allerdings nutzen wir die nicht. Da kann der Mahlgrad nicht so gut eingestellt werden.

    Ich liebe mein richtig scharfes Küchenmesser (schneidet auch Fingernägel :o)) und mir geht beim Anblick von Herrn PCs Kaffeenerd-Kram immer das Herz auf. Er mahlt seinen Kaffee nämlich meist selbst und bereitet ihn morgens liebevoll zu. So mit Pulver abwiegen… Netterweise kocht er mir auch Tee…
    Liebe Grüße Nanne

    • Oh Kaffee! Ich bin inzwischen auch auf den Geschmack gekommen. Hat er schon mal was von Cold Brew gehört? Wird das überhaupt so geschrieben? Das ist das Neueste und wird gerade in London getrunken. Kommt dann vermutlich in 4-5 Jahren hier im Hinterland an. 😉

      • Natürlich! Wobei ich glaube ausprobiert hat er es noch nicht. Aber die Leidenschaft passt gut mit meiner für Cafés (also den Ort, wo man teueren Kaffee trinken kann :o)) zusammen und in unseren Urlauben in Berlin waren wir in so Szenenerdläden, wo es dann sogar Kaffee aus der Karaffe gibt. Der wird in einer Art Whiskeyglas getrunken… Weißte Bescheid :o))

  3. Ja, ich vermisse dieses kleine Kurbelding. Hatte mal sowas aus Metall vom Flohmarkt. Meine Tochter hat damit immer Katzenfutter hergestellt als sie klein war und Omas Katze geschickt. :))))
    Dann lasst euch das Müsli/Katzenfutter schmecken!
    Liebe Grüße – Tanja

    • Hihichi! Danke. Katzenfutter. Aha. Wir haben hier auch eine Art Kurbel mit spitzen Harken. Die Kerle nutzen sie für die Spielküche. Auch gut.

  4. maybee sagt

    Mahlen in der Kategorie ist für uns auch noch auf dem Programm. Aber bis dato müssen wir noch diverse uralte Modelle auf ihre (Multi)funktionsfähigkeit prüfen 😀

    Aber definitiv nicht wegdenkbar ist unser Mörser. Unter anderem Gewürze lassen sich damit so frisch und lecker zubereiten. Auch für Pestos eine tolle Sache.
    Körner mahlen geht auch. Allerdings ist das Fassungsvermögen da einfach zu klein.

    • Oh ja ein Mörser! Nach dem suche ich nun auch schon eine gefühlte halbe Ewigkeit. Ich hätte halt gerne einen aus Stein. Nicht aus Holz. Nicht mit Lasur. Was kannst du empfehlen? Granit? Naturstein? Worauf muss ich achten?

      Ah ja, und gebraucht hat in meinem Umfeld einfach keiner einen abzugeben. Vielleicht muss ich mir dann doch einfach mal einen kaufen. 😉

      • maybee sagt

        Wir haben einen aus Granit. Der ist wunderbar. War ein Geschenk. Keine Ahnung also zu den sonstigen Details.

        Dass die so elend schwer sind ist in der Benutzung von Vorteil. Man bekommt wirklich harte Sachen (Nüsse, Pfeffer etc.) gut klein, ohne dass das Arbeitsgerät sich rührt.
        Wir haben da auch schon ölige Sachen mit gemacht (Pesto), was auch ganz gut geht. Das Öl bekommt man halt nicht so weg, wie bei Keramik, aber das stört auch nicht. Wenn man danach was trockenes drin mörsert, ist das Restöl dann mit weg.

        Wichtig ist imho dass der Stößel nicht zu leicht ist und gut in der Hand liegt. Du kannst auch schauen, ob du lieber eine kleinere Fläche/Öffnung hast (dann setzt sich nix in der Mitte ab und man muss sich darum nicht kümmern ABER die Füllmenge reduziert sich so durchaus erheblich) oder eine etwas größere (passt mehr rein und macht ab und an kleine Haufen in die Mitte ;)).
        Unserer hat ne relativ große Fläche. Das ist insbesondere dann gut, wenn man schon relativ feine Beigaben hat: Beim Curry machen geben wir schon gemahlenes Kurkuma dazu und mischen das im Mörser bzw. mörsern es mit. Das Geht ganz gut in dem großen. In einem kleineren (von Bekannten) gab es da Probleme, weil man nur überall Kurkuma hatte und der Rest nicht kleiner werden wollte.
        Luxusproblem imho, aber gut das vorher zu wissen ;).

  5. Anna sagt

    Ich finde es total interessant, dass viele Menschen, die sich mit Minimalismus beschäftigen auch Ökologische Apsekte miteinbeziehen (oder anders herum) und bei den meisten gleiche Themenfelder / Interessen / Gedanken auftauchen!!
    Ich weiß gar nicht genau, wann ich zum Thema Minimalismus genau kam und warum genau. Das ist irgendwie ein jahrelanger Prozess bei mir. Angefangen hat es denke ich mitunter zu dem Zeitpunkt, als ich Vegetarierin (fast vegan) wurde.
    Auf jeden Fall bleibe ich bei meinen Suchen/Nachforschungen im Netz immer wieder bei Getreidemühlen stehen.
    Bisher habe ich leider das nötige Kleingeld noch nicht zusammen… Aber der Wunsch steht schon laaaange auf meiner Wunschliste ;-).
    Dass es für deine Jungs auch einen pädagogischen Wert hat, das Mehl selbst herzustellen und zu verarbeiten finde ich total toll. Nur so lernen Kinder, welche Arbeit hinter hier dem Mehlmahlen steckt. Kinder (aber natürlich auch Erwachsene) schätze Dinge / Arbeit ganz anders wert, wenn sie wissen was dahinter steckt!! Toll, so hat die Mühle bei euch direkt mehrere „Verwndungszwecke“: Ihre eigentliche Aufgabe das Mehlmahlen (und Flocken quetschen etc.) und einen pädagogischen Wert für alle, die mit ihr Arbeiten (dürfen) 🙂

  6. Also ich habe die Combi Star von der Fa. Waldner aus Osttirol. Die gleiche Getreidemühle – nur unter einem anderen Namen – bekommst Du auch bei der Fa. Häussler.

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