Alle Artikel in: res publica

#TTIPleaks: Demokratie und Transparenz

Noch während ich die Einkäufe verstaue, das Notebook hochfährt und der Toddler durchs Wohnzimmer rast, fällt mir siedend heiß ein, dass heute die re:publica – und zwar die zehnte – in Berlin stattfindet. Wem diese Konferenz kein Begriff ist, der klickt einfach mal hier. Vielleicht reicht euch aber auch das Wissen, dass es sich um eines der bedeutendsten Festivals handelt, bei dem es um digitale Gesellschaftsthemen geht. Gewachsen aus ehemals einem Bloggertreffen, kommen hier seit rund zehn Jahren “… AktivistInnen, WissenschaftlerInnen, HackerInnen, UnternehmerInnen, NGOs, JournalistInnen, BloggerInnen, Social Media- und Marketing-ExpertInnen und …” (Quelle: re:publica: https://re-publica.de/uber-republica, Stand 02.05.2016) viele mehr zusammen, um sich über Themen wie Netzpolitik, technologische Innovationen bis hin zu Kultur und Medien, Musik, Gesundheit und Bildung auszutauschen. Und ich? Ich bin wieder nicht dabei. Schon die vergangenen drei Jahre wünschte ich mir so sehr bei diesem Event einmal dabei zu sein. Aber … das ist eine andere Geschichte. Denn dieses Mal entscheide ich mich dafür, die re:publica von Zuhause mitzuverfolgen. Und was passiert, als ich hier im Hinterland meine Social Media Kanäle anschmeiße? …

Wer hat deine Klamotten gemacht?

Wer hat eigentlich deinen Pulli genäht? Wer hat den Stoff zurecht geschnitten? Wer hat die Industrienähmaschine bedient? Seit Ende 2012, als sich der erste große Textilfabrikbrand ereignete, den ich bewusst wahrgenommen habe, kaufe ich mir seltenst Kleidung und so gut wie keine, meines Wissens unfair produzierte Ware. Meines Wissens deshalb, weil ich eben nie ganz ausschließen kann, wer den Stoff gewebt, gefärbt und schließlich zu einem Kleidungsstück zusammengenäht hat. Globalisierung und Industrialisierung machen es mir so gut wie unmöglich diese Informationen einzusehen und entsprechend zu entscheiden. Die Frage, wer wohl meine Hose, Unterwäsche oder Socken hergestellt hat, lässt mich nicht mehr los. Aber nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Menschen geht es so. Einige haben sich zusammengetan und dieses Jahr erneut eine Fashion Revolution ausgerufen. Sie geht 2016 in die dritte Runde und dauert erstmals eine Woche, in der viele Aktionen rund ums Thema durchgeführt werden. Wenn ihr wissen wollt, wie ihr mitmachen könnt, dann schaut euch selber mal auf Fashion Revolution um. Über facebook, twitter und instagram gibt es viele Möglichkeiten auf diese …

Wir lernen Deutsch. (4)

Es ist schon wirklich lang her, dass ich euch über unsere DeutschunterrichtSituation auf dem Laufenden gehalten habe. Vor einer Woche etwa kam ein weiteres Buch einer Blogleserin hier an. Vielen Dank auch nochmal an dieser Stelle. Die Jungs können mit dem Material des finken-Verlag sehr viel anfangen! Wie sieht es momentan aus? Gut. Es ist erstaunlich, wie viel Beziehungsarbeit zu diesem “einfach mal Deutsch unterrichten” dazu gehört. Das war mir im Vorfeld irgendwie nicht so bewusst. Im vielleicht, aber nicht im Herz. Einer der Jungs hat eine Familie gefunden und mir geht das Herz auf, wenn ich daran denke, wie gut ihm das tut. Ganz schnell sind da plötzlich neue Mamas. Und aus den toughen Jugendlichen, die eine unglaubliche Flucht durch die Welt und über die Kontinente hinter sich haben, werden von jetzt auf gleich zu Kindern, die eine noch gar nicht so lange bekannte Frau “Mama” nennen. Mit einem Strahlen und so viel Freude im Gesicht, dass die Erleicherung einen selbst ergreift. Erstaunlich. Mitreißend. Ein Aufatmen. Erste Konfliktsituation Meine erste Konfliktsituation hatte ich auch. …

Ein politischer MamaBlog

Wir sollten darüber reden. Über die letzten Landtagswahlen, die aktuellen politischen Entwicklungen. Überall. Im Supermarkt. In der Bahn. Beim Bäcker. Auf dem Spielplatz. Im Sportverein. Beim Abholen der Kinder aus der Tagesstätte. Wir sollten politisch werden. Ich weiß, dass ich als Abiturientin und Studentin oft gesagt habe, dass ich überhaupt keinen Nutzen darin sähe, wählen zu gehen. Politikverdrossenheit. Parteienverdrossenheit. Ich hatte vermeintlich gute Gründe und Argumente, warum ich auf das Ganze keinen Bock hatte. Meine Eltern gingen jedes Mal zu den Wahlen. Als Kind und Jugendliche fand ich diese Sonntage immer blöd. Man konnte nicht das machen, wozu man eigentlich Lust hatte. Musste draußen warten. Bekam von Mama und Papa nix gesagt. Nix davon, wie das da aussieht? Wir durften nie einen Blick auf dieses wichtige Kreuz werfen. Dabei hätten wir doch so gerne. In der Wahlkabine. Warum überhaupt das Ganze? Sowas wie damals zur Zeit des Nationalsozialismus würde es nie wieder geben. Dazu wären wir Menschen, zumindest wir Deutsche viel zu erfahren und klug und so. Von meinen Eltern bekam ich nichts dazu gesagt. …

EqualCareDay

Ich hatte irgendwann die vergangenen Wochen schon mal davon gehört. Von diesem ominösen #EqualCareDay. Heute Morgen saß ich mit zwei der Jungs auf unserem Fußboden und ging die Nachrichten des Tages durch. Dabei stieß ich in meiner twitter-TL erneut auf den #EqualCareDay. Erst gestern Abend hatte ich ein gefühltes xtes Mal diesen Text entdeckt, bei dem der Mann von der Arbeit kommt und das totale Chaos Zuhause vorfindet. Die Zustände im trauten Heim sind so katastrophal, dass er davon ausgeht, dass seiner Frau etwas Schreckliches passiert sein könnte. Er hastet die Treppen in die 1. Etage hinauf und entdeckt seine Frau lesend und lächelnd im Bett. Ihre Antwort auf sein Entsetzen geht dahin, dass er sie doch immer frage, was sie eigentlich den ganzen Tag über treibe? Nun ja, an diesem Tag hat sie all diese Dinge nicht getan, um ihm das Ausmaß ihres Einsatzes zu zeigen. Grundsätzlich: Ja, die Leistungen der CareArbeit entdecken wir erst, wenn wir sie für einen Zeitraum einstellen. Nur allzu schnell nehmen wir sie als selbstverständlich an und hin und …

Arbeit der Zukunft

Wie hängen Kindergarten, MOOCs, Flüchtlinge, Roboter und die Arbeit von Morgen zusammen? Hier ein Einblick in meine Überlegungen. Seitdem ich meine DeutschSchüler habe bin ich natürlich unentwegt auf der Suche nach adäquatem Material, um sie in ihrem Spracherwerb zu unterstützen. Unter anderem fragte ich in unserem Kindergarten nach, da sich hier viel Bild- und Spielmaterial befindet, das sich entsprechend nutzen ließe. Die Erzieherinnen waren mir eine große Hilfe, hatten eine Menge Ideen und wiesen mich auf das ein oder andere Material hin. Dabei erhielt ich zudem den Hinweis auf entsprechende E-Learning-Kurse, um z.B. darin “fortgebildet” zu werden als Ehrenamtliche Flüchtlinge in Deutsch zu unterrichten. Es fiel die Abkürzung MOOC. In dem Moment wurde ich hellhörig. Hatte dazu nicht unlängst jemand mal gebloggt?? MOOC Aber natürlich. Frau DingDong hatte in einem ihrer Beiträge darauf hingewiesen und ich hatte es einfach vergessen. Dabei hatte mich das Thema damals schon unglaublich interessiert. Denn: Ich liebe lernen. Ich mag Wissen über alles mögliche erwerben. Ich mag die Welt zum Positiven verändern und solche Möglichkeiten nutzen. Gestern Abend habe ich …

Vereinbarkeit von Familieplanung und Beruf

Ja, heute geht es tatsächlich mal nicht um den “bösen” Zucker und auch nicht um die wachsende Anzahl meiner Deutschschüler. In unserem Alltag erlebe ich gerade immer wieder tiefste Trauer und größte Freude gleichzeitig. Manchmal frage ich mich, wie wir Menschen das eigentlich asuhalten? Aber es ist wie es ist. In solchen Momenten kommt es ab und an vor, dass wir uns urplötzlich in existenziellen uns betreffenden Gesprächen wiederfinden – mein Mann und ich. Ich liebe das und bin sehr dankbar dafür mit einem solchen Partner durchs Leben zu gehen. Heute ging es um Familienplanung. Weitere Kinder. Baustelle. Wir leben, was das betrifft weitestegehend aus Gottes Hand. So formulieren wir das für uns. Es hat ein bisschen was von der Aussage, das Leben zu nehmen, wie es kommt. Ein bisschen. Nach unserem letzten Kind kann ich mir sehr gut vorstellen, dass da auch noch ein nächstes kommt. Ich weiß, wir werden versorgt sein. Ich weiß, die Kerle werden es genießen nochmal ältere Brüder zu werden. Diese Gewissheit reicht jedoch nicht aus. Was weiterhin unbedingt erforderlich …

Wir lernen Deutsch. (3)

Ich bin ja sehr häufig versucht in diese gesamte Diskussion über Flüchtlinge, Flüchtlingshilfe, Flüchtlingshetze und Rassismus einzusteigen. Ganz ehrlich, immer kurz davor. An dieser Stelle habe ich mir erlaubt kritisch anzumerken, den “Zeigefinger zu erheben”. Aber so richtig losgelegt habe ich noch nicht. Oftmals würde ich gerne so treffend formulieren, wie Ella von ringelmiez oder so präzise und durchdacht meine Gedanken- und Gefühlsflut aufschreiben, wie Tina von vomwerdenzumsein. Manchmal wäre ich auch gerne so aufmüpfig, wie … oh, ich spare mir die Erwähnung dieser Bloggerin, sie nimmt es mir sonst übel. Ich für meinen Teil mag dieses “Pippi Langstrumpf – Sein” der nicht genannten. Oder die Herzlichkeit von Frau Weh in ihren Posts über ihre Liebe zu ihrem Beruf, ihre Freude über den Umgang mit ihren Schülern oder über den Herzschmerz, den die brüchige und ungesunde Struktur des Schulsystems mit sich bringt. Das kann ich aber alles irgendwie nicht so, wie diese Herzdamen. Dafür bin ich zu sehr rage. Mir gelingt es eher – inzwischen – einfach loszulegen. Ich belasse es bei all den Diskussionen …

Lesestoff: Komm zu Wort! 1 von Doris Fischer und Christina Kellner

(erschienen und freundlicher Weise zur Verfügung gestellt vom Finken-Verlag GmbH) Als klar war, dass ich zwei Flüchtlingen dabei helfen würde, Deutsch zu lernen, bin ich erstmal auf die Suche nach Ideen gegangen. Die Recherche verlief durchwachsen. Ideensammlung erstellt Viele eigene Ideen hatte ich selber schon im Kopf. Angefangen bei Schreibübungen, über Rollenspiele alltäglicher Situation, bis hin zu Karten- und Reisespielen meiner Kerle war einiges dabei. Meine Suche im Netz führte mich zum einen auf die Seite des Goethe-Instituts. Dafür hätte ich mich einmal mehr im Netz registrieren müssen und es war mir in dem Moment nicht niedrigschwellig genug. Es musste schnell gehen. Jetzt, da ich meinen roten Faden habe, muss ich meine Registrierung aus reinem Interesse doch mal noch nachholen. Zudem habe ich Gespräche mit Menschen geführt, die sich in diesem Metier auskennen und bewegen. Zumindest sollten. Dazu zählen in der Regel auch Grundschullehrer und prompt bekam ich von einer Lehrerin den Hinweis auf den Finken-Verlag, welchen ich wiederum kurz vorher bei der lieben Frau Weh entdeckt hatte. Verlagsmaterial Ich nahm den Kontakt auf und …

Wir lernen Deutsch. (2)

So. Ich bin etwas verwirrt. Bin mir nicht sicher, wohin mich dieser Blogartikel führen wird. So viel zu Beginn: Einen Lehrplan, wie man Jugendlichen aus Syrien, Aserbaidschan oder dem Iran Deutsch beibringt, wird es hier nicht geben. Es ist eher ein Blick auf die vergangenen Tage. Wir haben viel in den Weihnachtsferien gelernt. Die beiden Jugendlichen hatten einiges aufzuholen und es freut mich, wenn ich sehe, dass der Wortschatz jedes Mal was größer geworden ist. Wenn Fragen wie “Was ist das?” oder “Wo ist das?” oder “Wie geht es dir?” richtig angewendet werden. Wenn statt des Infintivs immer häufiger auch die 1.Person Singular verwendet wird. Mich freut das sehr. Wenn dann zeitgleich etwas total anderes an Hauptbahnhöfen geschieht, wenn die Medien plötzlich Informationen lostreten, die nicht journalistisch aufbereitet wurden. Wenn von ausländischen Flüchtlingen gesprochen wird, die unser abendländisches Frauenbild nicht akzeptieren, sogar zu sexualisierter Gewalt übergehen. Ich merke, wie sich mir die Haare aufstellen, wenn alle über einen Kamm geschert werden. Rassismus und Feminismus sind die Themen, die mich neben meinem MamaSein gerade umtreiben. Ich …