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Ohne Zucker. (2)

So, die erste Woche liegt jetzt hinter uns. Ich weiß gar nicht, muss ich jetzt aufatmen, es bis hierher geschafft zu haben?

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Zucker und die Medien

Ich bin wirklich erstaunt, wie häufig ich allein in den letzten acht Tagen davon gelesen habe, dass Fett ja ach so viel besser sei, als der Zucker, den wir hier gerade zu vermeiden versuchen. Zwar haben wir keinen Fernseher, doch durch die aus diversen Mediatheken geteilten Beiträge bekommen wir ja schon die ein oder andere Sache mit, die im Fernsehprogramm läuft:

Abnehmen trotz fettiger Ernährung oder auch die story. Die Wahrheit über Fett

Zucker ist aktuell also böse und Fett gut. Manchmal ist alles Fett gut, manchmal nur das Kokosfett oder nur Käse, Milch und Eier. Dann wiederum doch nur Nüsse und Samen? Ich weiß noch genau, wie ich vor etwa acht oder neun Jahren auf den öffentlich-rechtlichen eine Sendung gesehen habe, in der Passanten eine Schätzung des Fettgehaltes von einem kleinen Stück herkömmlichen Gouda abgeben sollten. Natürlich lagen alle Schätzung weit unter dem tatsächlichen Fettgehalt. Das Fazit des Beitrages lief darauf hinaus, dass wir alle viel zu Fett essen – blablabla.

Was ich damit sagen will: Unser zivilisatorisches Ernährungsverhalten erscheint mir gerade voll und ganz den Bestrebungen und Marketingstrategien wirtschaftlicher Unternehmen unterliegen, die durch die Medien uns in die entsprechenden Supermarktgänge dirigieren. Und wenn man dann aus guten Gründen diesen Gedanken denkt, wird er auch von anderen gedacht und man landet plötzlich im Portal der PaläoDiäten, die wiederum auch auf dem Weg zum hippen Trend sind. Irgendwie perfide.

Ich will damit gar nicht gegen irgendwas ranten – Wut reden bzw. schreiben. Ich frage mich gerade lediglich, ob ich einem Hype, einem Trend aufgesprungen bin, der gesellschaftlich aktuell besteht? Die sich daraus ergebende Frage, egal ob ich die vorherige mit Ja oder Nein beantworten würde, stört mich das? Dann atme ich erleichtert auf und stelle fest: Ich will keinem Trend aufspringen. Tue ich es doch, was soll’s? Mein Zucker- und Schokoladenkonsum ging auf keine Kuhhaut mehr. Seitdem ich stille, schlage ich mir den Bauch mit süssem Zeug voll,
* obwohl ich genau weiß, wie schlecht es mir davon geht,
* obwohl ich genau weiß, da isst ja noch jemand mit.

Ich möchte wirklich keinen Zucker mehr in den Massen konsumieren. Vor allem, wenn ich zeitgleich Dokus und Reportagen sehe und höre, in denen von „Tsunamis von Zivivlisationskrankheiten“ gesprochen wird, die wir inzwischen erleben. Nun denn. Auf in die zweite Woche ohne Zucker.

Zucker in süsser Gesellschaft

Dabei fällt mir auf, es kann wirklich schwierig werden, wenn man auf BesuchsTour ist. Zunächst hatte ich den Eindruck, dass es gar nicht gern gesehen ist, keine Zucker zu essen. Auf Nachfragen erfuhr ich im Netz, dass das ein gar nicht so untypische Reaktion ist. Inzwischen ist es tatsächlich so, dass der Konsum von Zucker fast schon sowas wie zum guten Umgangston gehört.

Meine Sorge noch auf dem Weg zum Besuch bewahrheitete sich zum Glück nicht. Dass wir beide keinen Zucker aßen, keinen Kuchen, keinen Obstsalat, keine Marmelade, kein Nutella, keinen gesüssten Joghurt und keine Schokolade wurde vollstens akzeptiert und überhaupt gar nicht in Frage gestellt.

Vielmehr wurde nachgefragt, wie es uns denn gehen würde? Ohne Zucker. Darauf ehrlich antworten zu können, dass es uns richtig gut geht – Momente der SchokoladenSehnsucht mal ausgenommen, die ich in dieser Zeit bislang zweimal erlebt habe – tat supergut.

Fett statt Zucker

Was steht nun in der zweiten Woche unseres Experiments an, bei dem wir uns die ersten acht Wochen ein wenig an Sarah Wilsons 8-Wochen-Programm orientieren wollen? Den fehlenden Zucker durch „gute Fette“ ersetzen, was auch immer das bedeuten mag.

Ich werde unsere Ernährung bei drei kleinen Kindern, der mäßigen Kokosliebe des Mannes und meinen verinnerlichten Regionalitätsansprüchen nun nicht gaz auf die Kokosnuss umstellen.

Ich weiß noch gar nicht, wie genau die kommende Woche aussehen soll. Wir sind ja auch schon mitten drin. Ich denke folgende Punkte werde ich weiter beherzigen:

  1. Nachsichtig mit mir sein. (SanftMut)
  2. Reflektieren, woran es liegt, wenn die süsse SchokoSehnsucht wieder auftreten sollte.
  3. Mir durch etwas anderes etwas Gutes tun.
  4. Das ein oder andere KokosRezept für mich ausprobieren und für den Mann mal EierCupcakes ausprobieren. Nicht vegetarisch, aber er freut sich drauf.

Ein paar von euch versuchen sich aktuell ja auch im Zucker reduzieren. Wie ist es euch in der letzten Woche ergangen? Und was mich noch vielmehr interessiert, kennt ihr das Unverständnis, wenn ihr erzählt, keinen Zucker mehr zu verzehren? Wie geht ihr damit um?

16 Kommentare

  1. Nina sagt

    Liebe Rage,

    ich finde das alles sehr sehr spannend. Die Frage, die sich mir stellt ist: Was ist du denn nun tatsächlich?
    Auch wenn es sehr Hipsterstyle ist, vielleicht könntest du mal ein WIEIAD für mich machen.

    Ich habe neulich auf einem Blog von „That Sugar“ bzw „Voll verzuckert“ gelesen und ihn mir dann darauf hin angeschaut. Überzeugt hat es mich nicht. Bacon und Eier, Fisch und Käse also gesünder als Zucker? Hm.. Und nur Obst, Femüse, Vollkornbrot mit Gemüsestreich und Hülsenfrüchte klingt auch doof. Bin sehr gespannt, was du also so isst ;0)
    Sonnige Grüße von Nina

    • Hej Nina, ich schau mal, ob ich das mit dem WIEIAD hinkriege. In der Regel scheitert das meist an leerem Akku oder zu viel Trubel am Essenstisch. Ich probiers trotzdem mal.

      Und deine Bedenken: Sind Eier, Fisch, Bacon die gesündere Alternative?!? Diese fast schon rhetorische Frage teile ich aus tiefstem Herzen. Wie gesagt, heute Morgen gab es diese BaconSpiegelEier. Mit den Eiern an sich habe ich kein Problem. Ich weiß wo sie her kommen, bald werden es hoffentlich unsre ganz privaten Eier sein. Aber der Bacon? Oder Lachs aus der irischen Finschkultur oder wie auch immer man das schimpft. Nein, für die gesündere, ökologischere und ethisch vertretbarere Lösung halte ich das nun wirklich nicht. Nichtsdestotrotz: Zucker will ich gerade keinen mehr haben. Ich versuch das die Woche mal hinzurkiegen. Gibt dann einen speziellen Post.

      BTW: Bei meinen Paranusskernen muss ich immer an dich denken…

  2. Hallo Rage,
    das Unverständniss im Bezug auf Zucker habe ich im Verwandten Kreis noch nicht so erlebt 🙂
    Ich habe als junge Erwachsene einige Monate auf Zucker Krankheitsbedingt verzichten müssen und bin in der Zeit auf Diätprodukte mit Süßstoff umgestiegen. Schrecklich wenn man wie ich eine Kaffeetante ist die sich in einen Becher zu der Zeit vier bis fünf Teelöffel
    da reingehauen hat. Jeder hatte aber Verständniss das ich mir eigenen Diätkuchen oder Gebäck mitbrachte oder auch Diätschokolade
    auf der Arbeit eben nur für mich war, weil ich ja keinen Zucker durfte.
    Was ich ganz amüsant fand als ich wieder Zucker durfte, mein Schwiegervater nimmt keinen Zucker in seinen Kaffee und versteht auch nicht das ich den mit trinke, der fragte immer ob er den Kaffee gleich in den Zuckertopf gießen soll *gg……
    Mittlerweile gibt es aber nur noch drei Teelöffel in den Becher 🙂 finde ich ja auch irgendwie einen Fortschritt. Man soll sich ja auch selber loben 🙂 und damit auch diese Menge nicht zu viel wird trinke ich nur noch Morgens Kaffee und selten mal Nachmittags. Da dann lieber Tee mit einem Süßstoff oder nur Leitungswasser. Ganz auf Zucker im Kaffee verzichten mag ich aber nicht 🙂
    Nutella, Marmelade und Co. esse ich schon ewig nicht mehr auf Brot, da mag ich es lieber Herzhaft. Und Schokoladen Jibbel kommt
    auch nicht vor, das ist dann ein wenig Naschen und gut ist. Muss auch nicht jeden Tag sein das wechselt sich immer mit Lust auf Chips ab. Wobei wenn man es genau betrachtet Chips ja auch Zucker sind 🙂

    LG Aurelia

  3. Hallo Rage,

    mir fällt schon länger auf, dass ihr oft krank seid. Wie kommt das? Ich war einmal erkältet in den letzten zwei Jahren. Ich gehe bei nassem Wetter nicht raus oder so, dass ich dabei nicht auskühle. Vielleicht hilft dir eine Darmsarnierung, um dein Immunsystem zu stärken? Da nimmst du Bakterien per Tropfen ein. Die Darmwandbakterienbesiedlung hat vielleicht Löcher von dem ganzen Zucker abbekommen.

    Mich wundert dieser Fetthype auch. Ich würde Nüsse schon nicht wegen der Kalorien essen und mag sie auch nicht besonders.
    Schokolade esse ich weiterhin. Wenig und bewusst. Verbote bringen bei mir nix. Süßspeisen koche ich schon länger nicht mehr. Ich habe keinen Hunger darauf. Ich esse so ursprünglich wie möglich. Kauen ist ein wichtiger Vorgang für die Enzyme. Mir wird es schlecht von Kuchen und ich lasse mir lieber Obst schenken, Mango z. B. Gesellschaftlich rassele ich nirgends an weil das keinen interessiert. :)) Meine Tochter hat als kleines Kind einen Tag mit und einen ohne Süßigkeiten gelebt. Außer bei Festen. Die Regel hat sie sich selbst ausgedacht. Sie fastet auch jedes Jahr Süßigkeiten für ein paar Wochen. Komisches Kind. ))

    Liebe Grüße – Tanja

    • Das mit der Darmsanierung könnte eine Idee sein. Meine Heilpraktikerin meinte mal, dass zwei mal im Jahr erkältet sein und einmal MagenDarm – zumindest mit Kindern – noch im Rahmen sind. Und wenn ich das an meinem Umfeld bemessen würde, dann muss ich sagen: Sie hat recht.

      Ja, wir waren definitiv viel krank. Vor allem immer abwechselnd, nacheinander und einmal komplett. Aber die bringen ja gerade auch alles mit nach Hause. Aus dem Kindergarten, der Schule… Auch so Zeug wie Bindehautentzündung und Hand-Mund-Fuß-Gedöns. Das haben dann in der Regel auch alle anderen in den umliegenden Orten. 😛

      Nun ja. Aber wie gesagt, mit der Darmsanierung habe ich zuletzt auch geliebäugelt. Das Zucker-Experiment kommt uns da vielleicht ganz gelegen. Ich hoffe es!

      • Fussel sagt

        Interessanterweise sammeln gerade Kinder so vom Kindergartenalter bis so ca. 12 Jahren sehr viele Infekte auf und stecken dann auch gern Eltern und Großeltern an. Ab der Teenagerzeit wird das signifikant weniger und dann sind auch die Eltern weniger krank. Warum das so ist – keine Ahnung.
        Ich war nie besonders viel krank, aber von diesen „Geschenken“ hab ich auch so einiges abbekommen. Aber so eine Darmsanierung kann sicher nicht schaden – wenn sie Nutzen bringt, umso besser.

  4. Ich glaube, du liegst vollkommen richtig mit deiner Beobachtung, dass wir unser Ernährungsverhalten den Medien- und Marketingleuten unterordnen. (Als neugieriger Mensch probiert man ja auch gerne aus…das finde ich nicht schlimm. Schlimm ist nur, wenn man sich dadurch verblenden lässt)
    Deshalb kann ich auch euer Experiment nur unterstützen! Findet raus, wie es euch damit geht, blendet alles andere aus und entscheidet nach dem Experiment, wie ihr das in Zukunft handhaben wollt. Durch mein Achtsamkeitsexperiment (die Minus-1-Diät) habe ich gelernt, wie sinnlos es ist anderen Ratschläge in Sachen Ernährung zu erteilen. Jeder Körper ist anders, jeder isst anders. Eigentlich weiß das jeder. Der Trick ist, sich von diesem vielen sinnlosen Blabla in den Medien oder von Ernährungsgurus im Bekanntenkreis frei zu machen und zu lernen, was der eigene Körper will und braucht. Ich bin ohne Zucker total gut gelaunt, fast schon manisch gewesen und mir ist die Wirkung von Zucker auf mein Gehirn nun vollkommen klar.

    Weiterhin gutes Durchhaltevermögen!
    FDD

    • Eigentlich wollte ich einen langen Kommentar schreiben, aber jetzt sag ich einfach: Das was Frau DingDong sagt. Macht euer Ding & findet raus, was euch gut tut (und was ihr gut findet).

      Nach meinem Zuckerfrei-Projekt hab ich gemerkt, dass ich Süßes häufig esse, wenn ich schon Hunger habe, aber noch nicht Essenszeit ist. Also als Überbrückung sozusagen. Jetzt frag ich mich: Ist der Hunger schon groß? Dann mach ich was zu essen, schmier mir ein Brot oder esse Obst. Wenn nicht, dann warte ich einfach ab. Ansonsten esse ich manchmal mehr Süßigkeiten und manchmal wochenlang gar nicht. Ich habe allerdings auch das Gefühl, dass z.B. vegane, gekaufte Süßigkeiten sehr viel weniger „süß“ sind als die „normalen“ aus dem Supermarkt – vielleicht aber auch nur Einbildung?!

      Liebe Grüße, Svenja (Apfelmädchen)

    • Ich hatte vor drei, vier Tagen auch so einen Moment, da bin ich total energiegeladen mit den Jungs über die Straße getrollt. Also echt, ich hab mich irgendwie selber nicht wiedererkannt und jetzt denkt auch der Letzte im Ort, „Die hat nen Vollknall.“ …

  5. Mich nervt es auch sehr wenn Dinge die mich gerade beschäftigen plötzlich Mainstream werden. Das kann ich irgendwie gar nicht haben. Aber ich versuche mich davon nicht beeinflussen zu lassen und einfach weiterhin mein Ding zu machen.

    Meine Lösung für den kleinen Hunger zwischendurch (z.B. Nachmittags nach der Arbeit) sind Nüsse. Ein Handvoll gemischte Nüsse, kein Zucker, dafür ein paar B-Vitamine.
    Was die Kalorien angeht: 10g Nüsse (eine kleine Handvoll) haben etwa 100kcal, das ist im Vergleich mit Schokolade nicht wirklich fatal.

    • Oh da bin ich endlich mal nicht allein. Ich meine, bei der Zuckerkiste fallen mir gleich eine Handvoll in meiner Blogosphäre ein, die schon letzte und vorletztes Jahr am Ball waren. Aber sei es nun das Reduzieren in welcher Weise auch immer, eine bestimmte Essgewohnheit oder auch eine Art des Kleidungsstils. Ich muss mich dann auch immer sehr bewusst davon distanzieren und mir sagen, dass ich mein Ding mache. Der Trend ist gewissermaßen mir aufgesprungen. 😉

  6. Als Familie mit Kindern hat man oft das Problem, dass nach den Feiertagen der ganze geschenkte Süßkram einen riesen Vorat hergestellt hat. Das schaffen wir nie bis Ostern, wo erwartungsgemäß der nächste Berg Süßigkeiten geschenkt wird.

    Wir machen kein Ohne-Zucker-Experiment. Ich hab mir aber zwei Dinge vorgenommen:
    1. diesen Berg Süßigkeiten als Anlass nehmen, mehrmals Leute einzuladen, die uns helfen, diesen Berg zu vertilgen (dann wurde es zwar gegessen, aber von möglichst vielen Menschen), z.B. mit Freunden oder den Kiddies aus dem KiGo.
    2. Ich versuche, wie oben gesagt wurde, Halb-Hunger NICHT durch süße Snacks zu überbrücken oder auch um einen ANDEREN GESCHMACK in den Mund zu bekommen. Dann lieber mal Zähne putzen oder Kaugummi kauen.

    • Ich hab hier vor Weihnachten auch noch SchokoEier verbacken, in böser Vorahnung, was uns da wieder blüht. Aktuell verschenke ich vieles an meine Schüler und deren Betreuer. Die sind total dankbar dafür und ich glücklich was von dem Zeug losgeworden zu sein.

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