AlltagsAbenteuer, Minimalismus
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Reduziertes Kinderzimmer

IMG_9673Das ist nun also der letzte Blick, den ich euch in unser altes Zuhause machen lasse. Das Kinderzimmer. Verzeiht, wenn es hier nicht allzu viele Bilder gibt. Aber die braucht es auch nicht, um aufzuzeigen, wie sinnvoll, wie schwierig und wie zwiespältig ich das Reduzieren von Spielzeug finde.

Machen wir zunächst einen Ausflug in die SpielTheorie und einige Gedanken zu sogenannten FlowErlebnissen; allerdings nur sehr, sehr verkürzt und wissenschaftlich nicht ins Detail gehend. Nach meinem Studium der Sozialen Arbeit halte ich für die Grundlage des Spiels den von Montessori mit schöpferischer Leidenschaft umschriebenen Augenblick des „Sich Vergessens“, den Mihály Cskiszentmihályi auch als TätigskeitsRausch und FunktionsLust bezeichnet. Heute meist mit dem Begriff Flow umschrieben. Dabei geht es um den Moment, in dem wir während des Spiels durch das Spiel abtauchen in eine andere Welt. In ein Erlebnis, das unsere Wahrnehmung und Sinnesschärfe in großem Maße von der äußeren realen Welt abzieht.

Diese Augenblicke sind sehr wertvoll. Sie sind vielleicht das, was unsere Kindheit so „magisch“ erscheinen lässt. Augenblicke, in denen wir nahezu berauscht vom eigenen Spiel sind. Augenblicke, die unserem Inneren unendlich gut tun, weil wir irgendwie ganz bei uns selbst sind und doch ganz weit weg. Sorgen, Gedankenlosigkeit oder äußere Störfaktoren sind fast vollkommen ausgeblendet. Ich habe diese Augenblicke geliebt und sehr genossen. Also frage ich mich als Mama, was kann ich tun, um meinen Kerlen diese Zeiten zu ermöglichen? Wieviel muss ich von außen beisteuern, dass sie dieses FlowErlebnis auch kennenlernen? Kommt es von ganz allein? Oder brauche ich besonderes ausgewähltes SpielZeug dafür?

IMG_9674In meiner Kindheit hatte ich diese FlowErlebnisse beim Spiel mit unserem von Mama selbstgebauten Puppenhaus, im Sandkasten, in den wir riesige Landschaften für unsere SchlumpfFiguren gebaut haben, beim FangenSpiel im Garten oder auch während des Bastelns riesiger TannenbaumGoldfolienKetten im Advent.

Bei meinen Kindern erlebe ich diese Momente,
* wenn sie am EssTisch sitzen und mit Klebebildern, Stiften und Scheren kleine Kunstwerke gestalten; ganz ohne mein Zutun.
* wenn sie mit Omas Ritterburg spielen.
* wenn sie draußen im Garten mit Schippe, Rechen, Schubkarre und Sand einfach machen dürfen; ohne dass ich mich dazu begebe.
* wenn sie in ihrem Zimmer als Krake, Taucher oder MeerJungfrau unter dem MiniHochbett umher tauchen und wertvolle Schätze bergen.
* wenn sie mit Kichererbsen und BelugaLinsen am Tisch setzen und sie dieselben mit diversen Löffeln von einem Schälchen ins andere Schälchen füllen.

IMG_9675Meine Kindheit und das Erleben des Spiels meiner Kerle sind für mich Beweis genug, dass es nicht viel braucht, um ihnen diese Flowerlebnisse zu ermöglichen. Sie brauchen keine ausgefeilten EntertainmentProgramme meinerseits, zu denen ich mich dennoch manchmal verleitet fühle. Sie benötigen auch kein volles Kinderzimmer. Kinder sind kreativ und nutzen Gegenstände von ganz alleine zweckentfremdet, um sich in ihr eigenes Spiel zu begeben.

Ich hatte früher ein sehr volles Kinderzimmer, auch wenn ich nie all das Spielzeug hatte, wie meine damaligen Klassenkameraden. Da war jede Menge Spielzeug in Kisten, Dosen und Schränken untergebracht. Gespielt habe ich jedoch immer nur mit ausgewähltem Spielzeug. Ich erinnere mich an meine BarbiePuppe, mit der ich alle möglichen Märchen von Grimm bis Hans Christian Andersen nachgespielt habe und ganz oft das weibliche Pendant von Robin Hood war. Dann gab es noch PlastikTiere, denen wir ebenfalls regelmäßig kleine Weiden gebaut haben oder auch mein LieblingsKuscheltier und meine riesige Puppe Annabell. Auf meinem Fahrrad bin ich damals wie Atreju auf Fuchur aus der unendlichen Geschichte über die Straße geflogen, um die Welt zu retten. (Daher vielleicht mein WeltrettungsSyndrom.) Ich brauchte nicht viel, um zu spielen.

Wenig Spielzeug
* lässt meinen Kindern Raum. Physisch, mental und emotional.
* macht Langeweile möglich, die meines Erachtens sehr Kreativitätsfördernd wirken kann.
* fördert Kreativität und Phantasie.
* lässt ein Wertgefühl entstehen, dass nur schwer auszubilden ist, wenn das Kind alles haben kann und bekommt, wonach ihm gerade der Sinn steht.
* dient der Übersichtlichkeit.
* macht das Erlernen von „Ordnung halten“ einfacher und ist für mich als Mama leichter einforderbar.
* ist mein Statement gegen eine SpielzeugIndustrie, die in Kindern eben nur geschrumpfte Konsumenten sieht, denen man aufgrund ihres KindSeins und ihrer Gutgläubigkeit alles unterjubeln kann.
* macht es möglich auch in teureres, pädagogisch wertvolles und gut durchdachtes Spielzeug zu investieren.

Die Liste lässt sich vermutlich noch verlängern. Was sind eurer Meinung nach Gründe, die für weniger Spielzeug sprechen? Das ist die eine Sicht, die ich auf unser Spielzeug habe. Die andere ist die Feststellung, dass jedes Kind anders ist und dementsprechend auf unterschiedliches Spielzeug anspricht. Von mir oder meinem Mann geliebtes Spielzeug muss nicht das sein, womit sich meine Kerle gerne beschäftigen.

Mein Mann liebte es seine gesamte Kindheit hindurch zu bauen. Hauptsache eine Bauanleitung und entsprechende PlastikSteinchen und zack! wurde ein Monstertruck nachgebaut. Jeweils in altersentsprechenden Schwierigkeitsgraden.
Meine Kerle hingegen lieben das RollenSpiel. Omas Ritterburg ist der ganz große Hit. Sie wird permanent bespielt, so dass ich uns einen Teil davon während der letzten KrankheitsPeriode ausgeliehen habe; obwohl hier eine aus Holz steht. Das Besondere scheint das „Inventar“ zu sein. Sperre, Lanzen, Schwerter, Lagerfeuer, Eimerchen, Edelsteine, Schatztruhen… Wenn sie damit spielen, muss ich sie mehrmals ansprechen, wenn es ums Aufräumen oder Rausgehen geht.

Was mach ich jetzt? Haben wir vielleicht doch zu wenig Spielzeug? Vernachlässige ich durch unsere Reduziererei die Förderung ihrer sozialen, emotionalen oder körperlichen Kompetenzen? Ihrer speziellen Fähigkeiten? Es ist nicht richtig, ihre persönlichen Vorlieben auszublenden, oder?! Soll ich dem Drang ins SpielzeugGeschäft zu fahren und aufzukaufen nachgeben? Wer soll das alles bezahlen? Und widerspreche ich dann nicht völlig meinen konsumkritischen Gedankeninhalten? Was spricht gegen weniger Spielzeug?

In diesem Zwiespalt befinde ich mich regelmäßig. Bei jedem Buch, das wir geschenkt bekommen oder das ich nach ein paar Monaten aussortiere und weitergebe. Jedes Mal, wenn ich erlebe, was andere Kinder alles in ihren Kinderzimmern aufgebaut haben. Wie muss das auf meine Kerle wirken?

IMG_9556„Boar, Mama! Der hat so viele Dinos! Und ich hab gar keinen!“ – „Magst du denn Dinos?“ – „Jahha!“ – „Ach so, das wusste ich ja noch gar nicht.“ – „Das ist gemein. Ich hab keinen und der hat alle.“ – …

Ich habe beschlossen mich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Stattdessen versuche ich auf „FreiVerfügbares“ zuzugreifen.

* Bücher aus der Bücherei. Wir wandern da inzwischen regelmäßig hin und decken uns ein.
* Spiele von meinen Eltern, die sie aufbewahrt haben.
* Es gibt in unserem Kindergarten eine Ausleihstation von Büchern und Spielen.
* Kürzlich habe ich uns einen Teil der Ritterburg von Oma ausgeliehen.
* Manchmal kaufe ich etwas Größeres, wofür ich bewusst für längere Zeit Geld zurückgelegt habe. Erst wird allerdings im Bekanntenkreis gefragt und nach gebrauchtem Spielzeug geschaut (wie z.B. unsere HochbettRutsche, die immer noch der Renner im Kinderzimmer ist.), bevor es ins SpielzeugGeschäft geht.

Dieser Weg beansprucht in der Regel etwas mehr Zeit, weil ich nicht sofort im Netz mal eben auf „kaufen“ klicke, sondern meine sozialen Netze abfrage.

Wie seht ihr das mit dem wenigen Spielzeug? Was sind eure Strategien? Wo geht ihr Kompromisse ein und wie genau sehen diese aus? Was ist euch fürs Kinderzimmer wichtig? Wie sahen oder sehen heute eure Kinderzimmer aus?

PS: Noch ein paar Gedanken bzgl. Minimalismus und Spielzeug habe ich die vergangenen Wochen immer mal wieder beim Fräulein im Glück entdeckt. Ihre Seite ist eines der Fundstücke im Netz, die ich euch in den kommenden Wochen mal was näher vorstellen werde; wenn ich das darf.

21 Kommentare

  1. Hallo Rage,

    ich hatte zum Glück wenig Spielsachen. Und bin heute noch dankbar dafür. Das macht die kreativen Menschen. Weil ich alles selbst hergestellt hab, was ich brauchte.

    Meine Tochter lag die ganze Grundschulzeit am liebsten auf ihrem Gymnastikball, fuhr Einrad (am besten von 2 Schulen). Sie baute sich Parcours und Hindernisse zum Balancieren und Springen.

    Eine ZirkusTeleskopStange mit Glitzer (wichtig) und Seil dran, hatte ich in ihre Schultüte gemacht. Das trug sie 4 Jahre bei sich. Zum Springen und Zirkusspielen. War ein Glückstreffer das Teil. Kinder mögen wenn man Essen am Seil zur Hauswand runter lässt. Dann wollen alle Kinder der Straße draußen Abendessen. Banden sind wichtig. Wilde Hühner. Das Bandenbuch haben sie alle noch. Das hab ich mal getextet für sie. Jetzt sind sie groß und spielen nur noch Topmodels. 🙁

    Fertige Spielsachen? Nö. Langweilig.

    • rage sagt

      Oh! Ein Einrad hab ich auch noch in der Garage… Oups. Banden! JA. Ich weiß, was wir morgen spielen, wenn das Wetter gut ist! Danke.

  2. Hallo =)
    Einen tollen Beitrag, wie ich finde. Unser Wurzelzwerg ist ja noch junge 5 Monate… Aber auch hier häuft sich schon das geschenkte Spielzeug..
    Ich finde man muss wirklich einen guten Mittelweg finden… Spielzeugfreie Tage in Kitas find ich klasse.
    Für mich ist dabei die Sache mit der Kreativität mit am wichtigsten… Ich find es schade und es macht mich auch ein bisschen traurig, wenn Kinder mit einem Stock in der Hand dastehen und nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Ein Stock hat sooo viele Möglichkeiten : Ein besen, Ein Löffel zum Umrühren, eine Pistole, eine Brücke etc.
    Eine Plastikpistole ist einfach nur eine Plastikpistole und ein Besen einfach nur ein Besen..

    Ich habe mir auch vorgenommen, mein Kind nicht mit Spielzeug zu überschütten, jedoch möchte ich auch dem einen oder Anderen Wunsch nachgehen.
    Wir werden sehen, ob ich mein Vorhaben auch so umgesetzt bekomme, wie ich es mir wünsche- und wie glücklich der Wurzelzwerg damit sein wird.
    Danke, für deine tollen Beiträge- es sind immer wieder tolle Anregungen!

    Liebste Grüße
    JaKu von http://jakuswurzelzwerg.blogspot.de/

    • rage sagt

      Hallo JaKu! Herzlich Willkommen auf diesem Blog. Hab mich eben gleich mal ein wenig auf deinem Blog umgesehen. Ich bin bei einem deiner Posts hängen geblieben, in dem es ums schwanger Autofahren ging. Du bist mir sehr sympathisch!
      Ich bin im sechsten Monat draußen joggen gewesen und habe „kopfschüttelnde Honorationes“ bekommen. Ganz toll!
      Jedenfalls komm ich auch bei die demnächst häufiger mal vorbei. Schönen Abend euch!

      • Vielen lieben Dank, über Besuch freu ich mich ! Steh ja noch ganz am Anfang… 🙂

        Ja, ich finde, man könnte mit solchen Erfahrungen aus nur einer Schwangerschaft ein ganzen Ratgeber an die Umwelt schreiben, und damit füllen – was denn nun wirklich nicht angebracht ist… und welcher Kommentar verkniffen gehört 😀

  3. Dam sagt

    Der größte Vorteil an wenig Spielzeug ist für mich, wie Du, Rage, geschrieben hast, dass Ordnung leichter erreichbar und einforderbar ist. Wenn ich Kinderzimmer von Freunden, denen viel Spielzeug zu haben wichtig ist, betrachte gruselt es mich, dass deren Kinder in permanenter „Vermüllung“ zubringen sollen (So viele Schränke wie Spielsachen kann man gar nicht haben).
    Wir haben 3 Schuhkartons voll und noch zwei größere Spielzeuge, die im Wohnzimmer stehen. Das reicht erst mal. Wenn die Maus größer ist, plane ich aber eine ausgiebige Kreativ-Ecke. 😉

  4. „Vernachlässige ich durch unsere Reduziererei die Förderung ihrer sozialen, emotionalen oder körperlichen Kompetenzen?“ Genau diese Frage quält mich immer wieder. Manchmal google ich dann „Fisher-Price Ipad Apptivity Seat“ um mich daran zu erinnern, dass das wahrscheinlich der Einfluss des Marketing ist, oder denke, dass das Curriculum bei der Tagesmutter sie genügend fördert ;-).
    Ich habe gemerkt, dass meine Tochter (22 Monate) zu wenig spielt und zu viel schmeißt, wenn sie zu viele Dinge zur Verfügung hat, und ich wahnsinnig werde, weil überall Spielzeug herumliegt. Sie hat kein eigenes Zimmer, und so verteilen sich die Spielzeuge in Wohnzimmer, Flur und Küche. Wir sind, wenn es irgendwie geht, draußen.
    Wir hatten als Kinder ziemlich viele Spielsachen, aber ich erinnere mich an nur wenige; die Flowerlebnisse verbinde ich alle mit dem Spielen in der Natur. Ich finde es traurig, dass meine Tochter das so nicht erleben kann. Mein anderer großer Zwiespalt ist also, ob wir nicht doch ‚auf’s Land‘ oder zumindest weiter raus ziehen sollten – irgendwo hin, wo Draußen noch was anderes ist als Müllbeutel, Hundekot und überfüllte Spielplätze.

    • rage sagt

      @Dam: Oja! Ich brauche morgens früh Ordnung, wenn ich in mein Esszimmer trete und will nicht in einen kleinen viereckigen PlastikBaustein trampeln. Aber wenn das Zeug zu viel ist, wie soll ich das abends, nach einem langen Tag, manchmal ohne Pause und am Ende meiner Kräfte noch schaffen, wenn hier tonnenweise Spielzeug in der Gegen verteilt wurde. Ich fühle mich sehr verstanden. Danke.

      @Frau L.: Hahaha! Auch von dir fühl ich mich echt verstanden. Ich glaube, den Trick mit dem „FisherPrice iPad… Irgendwas“ werde ich demnächst auch anwenden. Großartig!!

      • Lydia sagt

        Liebe Rage, sag könnte ich wissen, wie die Abmessungen eurer Rutshe sind, wer sie gebaut hat, wie lange sie ist, ob es einen Rusfallschutz gibt, mit was sie „beklebt“ ist, damit sie gut rutscht undundund. Eine Skizze oder ein paar Bilder würden uns sehr freuen ;-), wollen nämlich für unsere kleine Nora ein Hochbett in das viel zu kleine Zimmerchen (aber hoch) bauen und sie wünscht sich soooo eine Rutsche ;-))). Lieben Dank Lydia

        • Hallo Lydia. Ich habe deine Anfrage gelesen. Sobald ich was hab ausmessen können oder mein Mann noch ein paar Bilder an mich weitergeleitet hat, werde ich sie dir gerne zukommen lassen. Ich hoffe, es wird noch was zum Wochenende. Ansonsten hoffe ich, du kannst mit den untenstehenden Infos was anfangen.

          RausfallSchutz hat sie mE nicht. Aber durch das Podest ist ein wenig Schutz geboten, da man sich da festhalten kann. Such im Netz doch einfach mal nach einer Flexa Rutsche mit Podest oder Turm. Wir haben sie uns damals gebraucht ersteigert. Ich fand das Podest so sinnvoll und auch die leicht auslaufende Rutsche. Alle anderen Rutschen stoßen immer mit der AbschlussKante gegen den Boden. Und wenn sie dann auch noch superschnell sind. Unsre ist nicht zu schnell und nicht zu langsam. Sie hat so eine weiße Folie, auf der runtergerutscht wird. Schnell genug für den Großen. Nicht zu schnell für den Kleinen. Wenn sie denn nicht gerade kopfüber Stunts ausprobieren. Sowas ist ja immer relativ… Bei allnatura und innatura gibt es ähnliche Optionsmöglichkeiten. Viel Spaß beim Suchen, Überlegen und Hämmern.

  5. jarea sagt

    unser Junge (4,5 Jahre) hat mich kürzlich gefragt, ob ich ihm nicht neue Schuhe machen könnte …. er ist der festen Überzeugung, dass man alles selber machen kann … ich nähe und stricke so viel Kleidung wie möglich selber für die Kinder … – er brauchte einen Lastwagen, also hat er eine grosse Kartonkiste genommen als Anhänger, eine kleinere als Fahrerkabine, verbunden mit einem Springseil, et voilà!

    Bei uns hat das gesamte Spielzeug von beiden Kindern in einem alten Einbauschrank im Wohnzimmer Platz: Legos, Holzklötze, Baumwolltücher in vielen Farben, Fahrzeuge und Anhänger, 2 handgenähte Puppen mit Kleidern (die liebt mein Mädchen 2,5 sehr!) und eine Holzbahn. Dazu eine grosse Kiste mit Puzzles und einigen Gesellschatsspielen, Mal- und Bastelsachen für Regenwetter. Im Kinderzimmer ist vor allem eines: sehr viel Platz zum spielen! Da stehen auf 27 qm zwei Betten, ein alter Holzschrank für die Kleidung, 2 Spielständer mit „Dach“ aus Stoff, eine Leseecke (bestehend aus 3 Bodenkissen), ein niedriges Regal als Raumteiler und um Decken etc aufzubewahren.

    Der grösste Vorteil an einem reduzierten Kinderzimmer für mich: Förderung von Kreativität und Konzentration. Ich habe schon einige male erlebt, wie Kinder die bei uns zu Besuch sind (und zu Hause ein proppenvolles Kinderzimmer haben), bei uns ruhiger und konzentrierter werden, sich besser mit etwas beschäftigen können. Mich persönlich erschlagen solche vollen Spielzimmer.

    Diesem Sommer kommt unser Sohn in den Kindergarten – wir haben uns für einen Rudolf Steiner Kindergarten entschieden, weil er da genau diese wunderbaren Momente des sich Vergessens im Spielen ausleben und erleben kann.

  6. Die Kinder von meiner Schwester (8, 5, 2) haben extrem viel Spielzeug und wir beobachten oft, wie sehr sie das überfordert. Und eigentlich spielen sie am liebsten im Garten und werkeln und basteln. Oft genug komplett ohne Spielzeug. Der älteste hat nie viel für Spielzeug übrig gehabt, der hat immer schon fast nur gebastelt und geschnitzt und gestickt. Der mittlere liebt Tiere über alles und ist mit seinen Schleichtieren und Wimmelbüchern glücklich. Die Kleine lärmt am Liebsten mit den großen herum oder hilft der Mama. Beliebt sind Bewegungssachen (Trampolin, Fahrräder) oder wo man möglichst viele Gestaltungsmöglichkeiten hat (Sandkiste, Plastilin). Bücher aus der Bibliothek sind auch sehr beliebt.
    So viel Spielzeug haben sie eigentlich nur, weil von allen immer so viel geschenkt wird. Und ihgitt, die haben echt so viel lieblosen Plastikkram…
    Ich find es echt gut, wie du das mit deinen Kerlen machst. Wie werdet ihr mit dem Woofing umgehen? Da kann ja nicht so viel mit.

    Ich bin mit einer alles selbermachenden und sehr liebevollen und recht introvertierten Mutter aufgewachsen, die mir (ebenfalls introvertiert) viel Raum gelassen hat, aber gleichzeitig für mich immer da war (emotional. Räumlich natürlich auch, weil Hausfrau). Sie hat mit mir gebastelt, gelesen, gespielt, aber mich sehr oft auch einfach machen lassen, mein eigenes Ding. Mein Vater ist ein extrovertierter Macher und Menschenfreund, er hat mit mir an den Wochenenden viel Action gemacht (oder so viel Action wie ein Bücherkind eben erträgt haha). Schnitzeljagden zum Beispiel, und am Abend die tollsten Geschichten erfunden. Eigentlich sind das die Dinge, die ich viel eher in Erinnerung hab, als wie viel Spielzeug ich hatte. Das meiste war eh von meinen zehn Jahre älteren Schwestern. Ich mochte Lego, Holzeisenbahn, Barbie und Bücher. Ich kann mich aber auch gut erinnern, dass meine Mutter regelmäßig mit mir ausgemistet hat und es bestimmte Dinge nur zu besonderen Zeiten gab (die elektrische Legoeisenbahn von meiner Schwester durfte ich immer zu Weihnachten aufbauen) – das waren Dinge, die mir als Kind gut taten.

  7. Jessie sagt

    Liebe rage!

    Zu diesem Thema MUSS ich natürlich auch meinen Senf loswerden 😉

    Ein wirklich schwieriges Thema… meine drei Mädels (8,4,4) haben mehr, als ich gut finde. Obwohl ich ständig am Ausmisten und Hergeben bin.

    Wir haben eine große Familie, und da schenkt jeder wie er will und bisher komm ich noch nicht dagegen an… Es fragt mich auch keiner, was sie brauchen könnten, und viele haben keine eigenen Kinder, da kommt dann echt der größte Schwachsinn raus!

    Oft tue ich geschenkte Dinge noch am gleichen Abend weg, weil ich merke, es interessiert sowieso keine. Das haben sie noch nie gemerkt – daran sehe ich dass das richtig ist.

    Auch in den Kinderzimmern miste ich sehr regelmäßig sehr gründlich aus. Die Sachen kommen in einen Umzugskarton (undurchsichtig ist wichtig!) und was sie nach drei Monaten nicht vermisst haben, kommt weg. Bisher kann ich mich an drei (!) Sachen erinnern, die ich wieder rausgeholt habe. Von hunderten.

    Seit meine Große in der Schule ist, wird es zunehmend schwieriger. Sie will eben auch das, was andere haben, und ich will da auch nicht alles verbieten. Aber ich versuche, es in vernünftige Bahnen zu lenken. Manchmal aufzuzeigen, wenn etwas einfach Blödsinn ist. Und gebe manchmal auch nach… 😉

    Flow-Erlebnisse haben meine aber – im Unterschied zu oben genannten Beobachtungen – durchaus auch mit Spielzeug. Bei meinen Zwillingen sind derzeit auch die Rollenspiele am Wichtigsten. Und da bin ich immer wieder erstaunt, was da alles zusammenfindet (Schlümpfe und Barbies und Playmobil-Prinzessinnen spielen Märchen nach).

    Meine Große ist gerade so in der Umbruchphase, da wird mit Freundinnen hauptsächlich gebastelt (Armbänder knüpfen, Bügleperlen, Knete) – „spielen“ tut sie hauptsächlich mit den kleinen Schwestern. Schade, denke ich oft, dass heutzutage die Kindheit so früh rum ist. Ich bekam in ihrem Alter die erste „richtige“ Puppe und mit ca. 10 die erste Barbie. Das hat sie alles schon hinter sich und ich weiß nicht, wie lange sie überhaupt noch damit spielen wird…

    Ich bin sehr gespannt, was da noch kommt an Anregungen!

    Viele Grüße, Jessie

  8. Liebe Rage,

    danke für diesen persönlichen Einblick und für die Verlinkung, ich freu mich sehr darüber.

    Wie du ja schon geschrieben hast, ist die Spielzeugmenge auch für mich ein großes Thema, denn ich finde nicht nur, dass es für die Glückskinder zuviel ist, sondern echt auch für mich. Es sind Luxusprobleme, aber ich hab manchmal das Gefühl bei vier Menschen, wenn man das Zeug nicht unter Kontrolle bekommt, erstickt man. Aber auch dieses ewige Habenwollen des großen Glückskindes (das Baby ist noch zu klein) ist einfach mühsam und anstrengend. Bitte noch eines….eeeeeeiiinessss.

    Und zu den Flow-Erlebnissen. Ich bewundere Kinder dafür, dass sie eigentlich bei allem von selbst „zack“ einfach so in den „Flow“ kommen. Mein kleiner steht auf und ist voll bei der Sache, Lob von außen ist eigentlich nicht notwendig, die Zufriedenheit mit sich und dem Leben entsteht einfach aus sich selbst heraus (außer manchmal in der Trotzphase ;-)) Prokastination sowieso ein Fremdwort.

    Ich finde es sehr schade, dass wir als Erwachsene diesen wichtigen Schritt zu einem zufriedenen Leben irgendwie verlernt haben (glaube ehrlich dass die Leistungsgesellschaft einen wesentlichen Teil dazu leistet) aber ich versuche mein Bestes da wieder hinzukommen (bisher noch vergebens)

    Gibt einen schönen Ted Talk zum Flow von Mihály Cskiszentmihályi selbst http://www.ted.com/talks/mihaly_csikszentmihalyi_on_flow

    Alles Liebe

    vom Fräulein

  9. Kim sagt

    Hallo Rage,
    bei meinem absolutem TopThema muss ich doch mal gleich einklinken.
    Wir haben bewusst wenig Spielzeug im Kinderzimmer (Berufskrankheit als Erzieher, glaub ich). Wir haben zwei Rast-Regale vom Möbelschweden, da stehen dann die Körbchen drauf. Dazu ein paar Bücher, eine Küche (selbst gebastelt aus altem Nachtschrank) und ein paar Turnelemente aus Schaumstoff, verteilt auf zwei Kinderzimmer. Im Bett sind noch ein paar Kuscheltiere und dazu ein Puppenwagen und ein Holzlaster (für den Flur, super bei Gewitterwetter).

    Wir haben durchaus mehr Spielzeug. Ich wechsel da immer durch. Die Holzeisenbahn und das LegoDuplo machen gerade Urlaub auf dem Dachboden. Kommt eines davon wieder, wandert etwas anderes ins Dach. So ist ein bissel Abwechslung drin und trotzdem nicht zuviel im KiZi. Beim Spielzeug selbst ist mir wichtig, das nicht alles nur auf eine Form festgelegt ist (Murmeln beispielweise sind auch super Spielkartoffeln oder Schätze).

    Zur lieben Verwandschaft: Wir haben unseren Standpunkt deutlich gemacht und ich behalte mir vor, wenn uns „Schrott“ geschenkt wird (und ja, es gibt Spielzeug, das diesen Namen verdient), diesen schlicht weiter zugeben. Mittlerweile werden wir gefragt 🙂

    Zur deine Wohnungstour insgesamt: Hättest du Lust, uns deinen Flur zu zeigen. Ich find die Kombi aus Garderobe/Schuhschrank/Wo-hängen-Rucksack-und-Tasche und Minimalismus ist manchmal schwer unter einen Hut zu bekommen.

    Dir und deiner Familien einen gesegneten Sonntag!
    Kim

  10. rage sagt

    @jarea: Ein Rudolf Steiner Kindergarten? Den Namen habe ich echt noch nie gehört. Werde mich gleich mal schlau machen. Danke für den Hinweis.
    @materialfehler: Beim WWOOFen? Ha, da mache ich mir erstaunlich wenig Gedanken zum Spielzeug. Vermutlich wird eine Kiste BauKlötze mitgenommen und jeder darf sich zwei oder drei seiner LieblingsSpielzeuge seiner Wahl aussuchen. Drei MiniAutos, Ritter, Tiere oder Holzmännchen, zum Bespielen. Dann gibt’s eine handvoll Bücher ins Gepäck. Zwei Malbücher und Stifte. Das ist mein Plan. Was die Kerle davon halten? Ich weiß es nicht. Der Papa wird bestimmt alle Fahrräder mitnehmen wollen. Phew. Das wird noch ein Stück DiskussionsArbeit. Mal schauen, wo uns das hinführen wird. Aber interessant. An dem Punkt halte ich es gar nicht für notwendig so viel Spielzeug dabei zu haben.
    @Jessie: Erstaunlich. Die Erfahrung mit dem Wegpacken und dass in der Tat nur drei von zig weggeräumten Spielzeugen zurückkamen, kann ich nur bestätigen. Beide Male war es ein Buch.
    @FräuleinimGlück: Danke für den Link. Werde ich mir gleich auch mal anschauen.
    @Kim: Bei uns sieht das mit der Verwandtschaft ähnlich aus. Ich kann mich noch an den allerersten Geburtstag des ersten Kerls erinnern. Da hat er von den meisten eben nicht nur eins, sondern zig kleine Geschenke bekommen und war völlig überfordert; obwohl ich darum gebeten hatte nur ein Geschenk, bitte ausgewählt, zu schenken. Von den Sachen hat er kaum etwas wirklich behalten und geliebt. Wie auch? Es war in der Situation fast schon nicht mehr wertvoll und viel zu viel. Inzwischen ist unser Bekanntenkreis sehr darauf bedacht, uns nur das zu schenken, was wir uns wirklich wünschen oder bei dem sie sich sicher sind, dass wir uns freuen würden. Manchmal bekomme ich heute auch Geschenke überreicht, mit einem leichten ängstlichen Zucken im Gesicht. Ich könnte das Geschenk ja wutentbrannt zurückgeben oder zu Boden werfen. Schließlich reduzieren wir ja. Aber in der Regel sind die Geschenke, die wir heute erhalten total genial! Kürzlich habe ich eine Kaffeemaschine für auf den Herd geschenkt bekommen. Gebraucht. Aber nicht mehr so richtig genutzt! Ich habe mich so unglaublich über dieses Gerät gefreut, so dass es seitdem jeden Tag einmal liebevoll auf den Herd gestellt wird, um herrlich duftenden Kaffee zuzubereiten. Dabei bin ich durch und durch „eingefleischte“ TeeTrinkerin.
    Meinen Flur zeigen? Oje, @Kim. Den Ort des Grauens? Wirklich? Also gut. Aber ich weise schon an dieser Stelle nochmal darauf hin: Wir reduzieren als Familie so, wie es uns möglich ist und stressen uns nicht mit höchstens 100Teile pro Raum oder pro Person oder sonstwie anpreisen zu können. Bei uns ist das der Raum der am ehesten durch unser draußen sein… ach, ich greife vorweg. Es gibt einen Post.

    @All: Danke für eure Einblicke und Bestätigung. Das Reduzieren an diesem Ort des Hauses macht Sinn, sofern die Kinder miteinbezogen werden. (Omas Ritterburg, ihr wisst schon, was ich meine.)

  11. Kim sagt

    Guten Morgen Rage!
    Die Kaffeemaschine klingt spannend, muss ich gleich mal Tante Google fragen.

    Ja, das mit dem Reduzieren halten wir auch so. Ich find es einfach unsinnig, das an einer bestimmten Zahl festzumachen (auch wenn ich als Richtwert dieses Jahr 1000 Dinge wegzugeben anpeile). Ich möchte so weit reduzieren, dass es sich für uns gut anfühlt. mich Dinge umgeben, die wir hier haben WOLLEN (und nicht Dinge, die einfach noch da sind), also auch gerne mal Deko, oder unseren Jahreszeitentisch aber eben keine volleDachkammer oder Schränke mit Dingen die man nicht nutzt.

    Zu Steiner: Er ist der Begründer der Waldorf-Pädagogik. Einiges steht im Widerspruch zu meinem Glauben, aber manche Anregung konnt ich gut mitnehmen. Ganz toll find ich das Spielzeug in Waldorf-Kitas und die Jahreszeitentische. Wir haben unseren Jahreszeitentisch derzeit im Wohnzimmer, dekoriert mit einer Frühlingslandschaft und aktuellen Fundstücken der Kinder (bspw aus dem Waldkindergarten).

    Sei gesegnet, Kim

  12. jarea sagt

    wir wohnen in der Schweiz, bei uns gibts einige Rudolf Steiner Kindergärten (und auch Schulen), einer davon bei uns im Ort 🙂 unser Grosser durfte da einen ganzen Kindergarten-Vormittag „schnuppern“ gehen und in den Gesprächen mit der Leiterin war für uns schnell klar: das stimmt für uns. Sie orientieren sich stark nach den Jahreszeiten, im Herbst holen sie beim Bauern Ären, die werden von den Kindern über einige Tage hinweg immer wieder in kleinen Portionen gedroschen und in einer Schale gesammelt. Dann holen sie die alte Steinmühle aus dem Keller, malen es zu Mehl. Daraus backen sie Brot und feiern mit allen Eltern ein Erntedankfest, zu dem sie gerne noch Sachen aus dem Garten mitbringen dürften … so wird das ganze Jahr gestaltet. Mir hat das so gut gefallen, es fühlt sich so echt an. herzlich, ela

  13. Prot sagt

    In der Erziehung habe ich es mit meiner damaligen Lebensgefährtin so gehalten. Weniger war mehr, und zu Weihnachten haben wir dem Sohn erfüllt was ihm am Herzen gelegen hat. Nein, es wurde keine Konsumorgie! Es war immer wieder erstaunlich das zwei höchstens drei tiefe Wünsche bis Weihnachten durchgehalten haben. Die waren dann so sehr gewollt, das wir diese auch erfüllt haben. Alle schnellen Konsumwünsche hatte er bis dahin abgelegt.
    Das habe ich immer als gut empfunden. So hat er immer etwas bekommen dessen Freude ein Jahr anhielt. Und mein Umfeld nannte mich damals immer ein „Hinterteil(neudeutsch Arsch). Aber ich selber weiß gut das viel Materie den Verstand verdirbt. So konnte ich immer gut damit Leben.

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