nachhaltig leben
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Mehr Nachhaltigkeit leben ist eine gute Wahl, auch wenn man mal daneben liegt

Eine Frage der Nachhaltigkeit 5

Liebe Rachel,
schon wieder ist es so weit und ich darf deine fünfte Frage der Nachhaltigkeit beantworten. Dieses Mal wolltest du wissen wie ich und meine Familie mit Fehlentscheidungen umgehen. Eine sehr gute Frage, denn tatsächlich ist der Weg hin zu einem nachhaltigeren Leben ein langer Prozess kleiner Schritte und bewusster Entscheidungen. Und natürlich kann sich so eine Wahl im Nachhinein auch als falsch herausstellen. Ehrlich gesagt passiert uns das leider auch gar nicht so selten und jedes einzelne Mal ärgert mich sehr! Ich werde dir ein paar ganz banale Beispiele geben. Unser heiß geliebter kleiner Bio-Laden hatte die letzten Wochen Sommerpause und so endete der Einkauf leider mehr als einmal mit der Qual der Wahl. Was ist jetzt nachhaltiger?

Konventionelles Obst und Gemüse ohne Plastik, oder die meist in Kunststoff eingeschweißte Bio-Variante?

Klar, kann ich die Verpackung im Laden lassen, aber richtig gut fühlt sich doch keine der Varianten an, oder?! Vor einigen Tagen wollten wir Kräutertee kaufen und haben uns für Bio entschieden. Losen Tee gab es nicht, also griffen wir zu Teebeuteln im Pappkarton. Am Ende steckte jeder einzelne Beutel in einer kleinen Verpackung aus Plastik. Wer bitte kommt denn auf so eine bekloppte Idee? Und vor allem: Warum um Himmels Willen?

Da versucht man bewusst und nachhaltig zu entscheiden und zu handeln, und scheitert manchmal doch grandios mit seiner Wahl.

Und das sind nur die alltäglichen Dinge und Fehlentscheidungen von eher kleinem Ausmaß. Die Dinge, die man beim nächsten Einkauf einfach revidieren kann. Manch andere falsche Wahl lässt sich leider nicht so schnell korrigieren. Auch weil es nicht nachhaltig wäre. Ich weiß zum Beispiel heute, dass Vorratsdosen aus Plastik eindeutig ein Fehlkauf waren. Wegwerfen werde ich sie aber trotzdem nicht, denn das wäre schlicht Verschwendung von wertvollen Ressourcen. Erst wenn sie wirklich nicht mehr zu gebrauchen sind, werden wir sie durch eine umweltschonende Variante aus Glas oder Edelstahl ersetzen. Das mit den Fehlentscheidungen ist also so eine Sache. Einige davon entstehen trotz bester Absichten und andere sind schlicht ein Kompromiss auf Zeit.

Oft kann man nur das Bestmögliche wählen. Oder eben das geringere Übel.

Sowie bei unserem Familien-Auto. Die Wahl unseres Autos war nämlich richtig und falsch zugleich. Ein sehr umweltschonender und klimafreundlicher Antrieb, aber ein deutscher Autobauer, der die letzten Jahre nicht unbedingt durch nachhaltiges Handeln aufgefallen ist. Klar, unterstützen wir diesen Konzern mit unserer Kaufentscheidung, für uns war es jedoch gewichtiger so ökologisch wie möglich unterwegs zu sein, solange wir unser Auto (noch) tagtäglich brauchen. Ein Kompromiss also und eine Wahl nach Prioritäten, die wir für diesen Moment nach bestem Wissen und Gewissen und im Rahmen unserer Möglichkeiten getroffen haben. Du siehst: Mehr Umweltbewusstsein im Alltag ist ein Marathon aus vielen einzelnen Schritten.

Meistens geht es nach vorne, ab und zu tritt man auf der Stelle und ganz selten gibt es auch mal einen kleinen Rückschritt.

Klar, ärgere ich mich, wenn ich scheitere und ich bin frustriert. Aber ein nachhaltigeres Leben zu führen ist eben kein Sprint. Und ich will mich durch Fehler auf dem Weg nicht lähmen lassen. Leben heißt Fehler zu machen, Prioritäten zu setzen und Kompromisse zu schließen. Daran wächst man und daraus lernt man. Wer ist schon perfekt? Und dann gibt es ja (fast) immer ein nächstes Mal, in dem man es (noch) besser machen kann, oder?

Die Hauptsache für mich ist nie aufzugeben und weiter zu versuchen so zu leben, dass ich es vor meinen Kindern und Enkeln guten Gewissens vertreten kann.

Und eines dürfen wir auf keinen Fall vergessen! Es ist nämlich ein riesengroßes Privileg in einem Land leben zu dürfen, in dem wir überhaupt eine Wahl haben. In dem es genug von allem gibt, in den unterschiedlichsten Varianten und in dem viele Menschen auch über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, um überhaupt auswählen zu können. Ich fühle mich deshalb glücklich verpflichtet bewusst wählen dürfen. Immer wieder. Auch, wenn ich einmal daneben liege. Denn:

Nachhaltiger zu leben ist immer richtig, selbst wenn man die ein oder andere Wahl nachbessern muss.

 

P.S. Das trifft im Übrigen nicht nur auf Konsum-Fragen zu. Wählen ist IMMER ein Privileg, also nutzt am kommenden Sonntag bitte alle dieses Geschenk der Demokratie: Eure Stimme!

 

So liebe Rachel,

das musste jetzt noch raus. Sorry! Ich hoffe sehr, dass ich deine Frage beantworten konnte. Und jetzt darf ich nochmal ran.

Wir waren letzte Woche im Urlaub auf einem kleinen Bauernhof. Es war ganz wunderbar und wir haben das Landleben auf Zeit in vollen Zügen genossen. Allerdings wurden der Mann und ich auch ein bisschen nachdenklich. Klar, wissen wir wo unser Essen herkommt. Zumindest theoretisch. In der Praxis sieht dann plötzlich alles ganz anders aus. Da sieht man den süßen Kälbchen tief in die Augen und bekommt live mit wie schnell den Mutterkühen ihre Babys weggenommen werden. Für jeden Landwirt ist das Normalität. Die Basis für unsere Milchwirtschaft. Für uns war es traurig und es hat uns tief bewegt. Seitdem gehe ich noch bewusster mit unseren Lebensmitteln um.

Ich weiß, dass du mit deiner Familie auf dem Land wohnst und dass ihr ein paar Monate auf verschiedenen Bauernhöfen unterwegs ward (Stichwort WOOFING). Wie ging und geht es euch damit? Hattet ihr auch solche Momente? Habt ihr daraus vielleicht die ein oder andere Konsequenz für euer Leben gezogen? Wie geht ihr ganz konkret mit tierischen Produkten um? Esst ihr noch Fleisch, Eier und Milch? Konventionell oder Bio? Und warum habt ihr euch so oder anders entschieden?

Ich hadere nämlich gerade SEHR mit unserem Milch und Milchprodukte-Konsum.

5 Kommentare

  1. Hallo Rachel,

    danke für deine Worte. Ich setze mich fast täglich damit auseinander, was wir schon „gut“ oder „richtig“ machen und wo es noch hängt. Manchmal ist das echt frustrierend und demotivierend.

    Ich habe meine Gedanken dazu im Beitrag „Öko-Heuchler“ auf meinem Blog zusammengeschrieben.

    Liebe Grüße
    Ellen

    • Hallo Ellen,
      Danke für dein positives Feedback und auch Danke für deinen Link. Da schau ich doch gleich mal rein ;-).
      Liebe Grüße
      Alex

  2. Liebe Alex, danke für deine Antwort. Und auch für deine Frage. Insbesondere deine Gedanken rund um Milch und unseren Milchprodukte-Konsum kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch hier auf meinem Blog gab es schon die ein oder andere heiße Diskussion rund um dieses Thema…

    In zwei Wochen gibt’s die Antwort dann bei dir auf deinem Blog. 😉

    PS: Wir haben übrigens via Briefwahl schon gewählt. Wie schaut’s mit euch anderen aus?

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