AlltagsAbenteuer, Minimalismus
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Reduziert im Kinderzimmer

Während meines Praxissemesters im Studium habe ich damals viel Literatur für die Praxis recherchiert und durchstöbert. Auf diese Weise bin ich damals auf die Motopädagogik gestoßen und hatte mal vor diese spezielle Fachrichtung einzuschlagen. Bei der Motopädagogik handelt es sich um einen psychomotorischen Ansatz in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen. Es geht es bei ihr um die Zusammenhänge von körperlich-motorischen und sozialen-persönlichen Fähigkeiten.

In meiner Beschäftigung mit ihr sind mir damals bis heute zwei Aspekte hängen geblieben:

1. Lässt man Kinder erste Männchen zeichnen und es fehlt beispielsweise der Bauch oder der Hals, kann das ein Anhaltspunkt dafür sein, dass dem Kind eigenes Körperbewusstsein fehlt; es zumindest eingeschränkt sein könnte. Diese Aussage verfolgt mich bis heute. Egal wo ich erste StrichmännchenZeichnungen sehe, dieser Gedanke ist meist der erste. Danach frage ich mich, ob ich es schön finde oder was ich eigentlich sehe? Einen Astronauten? Indianer? Mowgli?

2. Verhaltensauffälligen Kindern oder solchen, deren AufmerksamkeitsFähigkeit nur bedingt ausgebildet ist, tut unsere Reizüberflutung heute ganz oft nicht gut. Heute ist alles so viel größer als noch vor 150 Jahren. Das Leben in der Stadt und auch auf dem Land ganz anders als es unsere UrGroßeltern es mit unseren Großeltern erlebt haben. Vieles ereignet sich viel schneller. Manch einer – und damit meine ich nicht irgendwelche ADHSBetroffenen – kommt da einfach nicht mehr mit und auch nicht zum Zuge.

IMG_1089Im Leben mit meinen Kindern sind mir diese beiden Gedanken sehr wichtig geworden. Ich schreibe bewusst Leben, weil es mir tatsächlich um das Zusammenleben mit ihnen und ihre Entwicklung zu eigenständigen Persönlichkeiten geht. Nicht um irgendwelche ErziehungsMethoden. Aus diesen zwei „BasicGedanken“ lassen sich ein paar HandlungsLeitlinien beim gemeinsamen Spiel und für unseren Umgang mit Spielzeug ableiten:

1. Spielen ist wichtig. Es ist nicht nur wichtig, sondern der Job von Kindern.

2. Spielzeug ist schön. Diese Dinge, die wir als Spielzeug bezeichnen, sollen zur Entfaltung kindlicher Kreativität beitragen und motorische, soziale sowie kognitive Fähigkeiten ausbilden, fördern und schulen. Bei dem überwiegenden Teil an „Spielzeug“, den ich im sogenannten Fachhandel entdecke ist das nicht der Fall. Es ist bunt. Häufig laut, geht schnell kaputt und lässt sich manchmal einfach zu keinem anderen Spielzeug umfunktionieren. Der Schneebesen, Holzlöffel und TrichterMessbecher waren zeitweise bei allen Kerlen begehrter als irgendein QuietschigQäkendesPlastikSpielEtwas.

3. Weniger ist mehr. Auch im Kinderzimmer. Vielleicht eine meiner bedeutendsten Erkenntnisse. Noch. Bei uns gibt es aktuell: ein große Kiste duploBausteine, eine Kiste mit HolzTieren, eine Holzeisenbahn mit ein paar Bauklötzen, einen Sitzbagger, einen Frontlader und einen Holländer (den ich bislang immer als großen blauen Traktor bezeichnet habe). Außerdem zählen wir zu unseren neuesten Errungenschaften eine Holzritterburg, einen Sandkasten mit Zubehör und tatsächlich ein Plantschbecken. Den kleinen Fuhrpark bestehend aus Laufrad, Fahrrad, BobbyCar und Dreirad muss ich der Ehrlichkeitshalber wohl auch noch nennen. Ebenso eine Kiste mit kleinen MatchboxAutos, ein LegoBauSet, eine Kiste BabySpielkram, zehn Puzzle und sieben GesellschaftsSpiele. Außerdem gibt es einen kleinen Schrank voller BastelMaterialien, aus denen auch schon diverse Spielzeuge entstanden sind. Jede Menge, wie ihr seht. Nicht zu vergessen die zwei Fußbälle, Buntstifte, zwei Malbücher und einen Malblock. Zählen Bücher auch zum Spielzeug, gehört noch ein mit ihnen gefülltes RegalFach eines BillyRegals dazu.

SpielzeugAuto4. Weniger ist nicht genug. Wenn ich das alles hier so aufliste, ist es mir eigentlich schon wieder viel zu viel. Ich reduziere daher regelmäßig auch im Kinderzimmer. Denn an jeder Ecke gibt es was zugesteckt; in der Apotheke, von der Nachbarin, der lieben Verwandtschaft, beim Zahnarzt. (Ist das wirklich nötig? Gleichzeitig dauert es meist etwas länger gutes Spielzeug, was dann eben auch was teurer ist, selbst aus zweiter Hand zu erstehen, weil man länger dafür sparen muss.) Da es mir aber um die Qualität und das Bespielen der Gegenstände geht, kann ich mit der obigen Menge an Spielzeug für all unsere Kinder sehr gut leben. Es geht nicht nur um 10 SpielzeugDinge im Kinderzimmer. Sondern um die Frage, spielt das Kind regelmäßig mit den Autos? Oder den Bausteinen? Hat es Spaß daran? Wird es in irgendeiner Weise gefördert und kann seine Spielfreude entfalten?
Ich glaube gerade deswegen gefällt mir Annas Blog so gut und die Sicht, die Maria Montessori von Kindern hatte. Sie sind nämlich tatsächlich anders. Anders als wir meinen.

5. Ein übersichtliches und geordnetes Chaos... tut auch dem kreativen Geist gut. Ich mag Ordnung. Denn ich merke, dass ich dann viel eher auf BeschäftigungsMaterial zurückgreife. Ich erwähnte es schon mal an anderer Stelle: Dass ich meinen kreativen Ideen so selten nachkomme, liegt ganz oft daran, dass meine BastelKreativMaterialien im ganzen Haus verstreut deponiert liegen. Wenn ich in einer freien Minute kreativ sein will, muss ich mir erst überall die Materialien zusammensuchen. Wenn ich alles gefunden habe, quäkt mindestens einer wieder los, da die Mittagspause rum ist. Doch das Reduzieren der Dinge auf das Wesentliche macht es möglich Ordnung zu schaffen und ebenso zeitnah darauf zuzugreifen. Ich arbeite noch daran. Außerdem versuche ich das für die Jungs soweit wie möglich umzusetzen. Sie erlernen auf diese Weise Ordnung, wissen wo was liegt und sind nicht jedes Mal überfordert, weil sie nicht wissen, für welches Spielzeug sie sich jetzt entscheiden sollen. Denn trotz der langen Aufzählung… So viel ist es eigentlich nicht. Ihnen fällt in der Regel immer eine neue SpielIdee ein.

Wie macht ihr das mit dem Spielzeug? Habt ihr schon mal drüber nachgedacht den Kram zu reduzieren? Worauf achtet ihr beim Spielzeugkauf? Welches war dein LieblingsSpielzeug, an das du dich noch heute erinnerst?

7 Kommentare

  1. Wie alt sind deine Kinder? Entscheiden sie beim Aussortieren mit oder erledigst du das für die? Können sie sich gut trennen oder eher nicht?

    Ich finde reduzierte und aufgeräumte Kinderzimmer auch viel entspannter. Bei der Tochter ging das gar nicht. Sie ist eine Sammlerin, die sich von nichts trennen kann und will. Jetzt grad beginnt sie, bisschen zu reduzieren und auszumisten. Eine Wohltat.
    Der Wolf hingegen ist gar nicht so der Spielzeugtyp. Er kann sich leicht von etwas trennen, schenkt auch gern seinen Freunden und teilt. Mit ihm kann man gut gemeinsam aussortieren. Momentan beginnt er allerdings, sich auch von seinem taschengeld auf Flohmärkten Sachen zu kaufen, die er toll findet. So haben Lego Bionicle Figuren Einzug gehalten. Dafür kann ich andere Spielsachen nun für den Jünsten aussortieren. Ich glaube, wir haben generell weniger Spielsachen als andere, ich selbst finde sie aber auch noch ziemlich viele.
    Ich routiere gern. Das heisst, ein Teil kommt immer mal für eine Weile in den keller und wird später wieder hochgeholt und dafür verschwindet was anderes.

  2. Ich denke grade auch viel übers reduzieren nach, auch im Kinderzimmer. Ich empfinde unsere Sachen auch als viel zu viel – obwohl wir im Vergleich zu unseren Freunden doch eher wenig haben.
    Besonders schlimm finde ich es auch, dass man an jeder Ecke was geschenkt bekommt. Diese vielen Kleinigkeiten sammeln sich jetzt schon an (mein kleiner Mann ist erst – oder schon – fast ein Jahr alt). Viele Dinge kann ich zum Glück noch vorher abfangen, so haben wir hier eine kleine Sammlung von Spielzeugen, die ich ihm eigentlich nicht geben will. Auch irgendwie blöd, oder? Oft komm ich mir da total schlecht vor, weil irgendwer hat es uns ja für den kleinen Mann gegeben… Aber benutzen will ich es auch nicht. Hm.
    Spielsachen kaufe ich am liebsten gebraucht. So hat man die Chance hochwertige Dinge für wenig Geld zu ergattern. Das braucht halt viel Zeit, aber so habe ich schon wirklich klasse Dinge gefunden 🙂
    Viele liebe Grüße,
    Marlia

  3. @Ramona: Sie sind noch klein. Dennoch versuche ich sie an diesen Aussortiermaßnahmen zu beteiligen. Das klappt auch ganz gut. Mal werde ich überzeugt, dass ein bestimmtes Teil auf gar keinen Fall niemals nicht weg kommen darf. Und mal bin ich diejenige, die durch das Aushandeln das ein oder andere xte Kuscheltier oder BauernhofBuch weiterreichen darf.
    Das Rotieren der verschiedenen Kisten kenne ich auch, wenn auch ohne Keller. Klappt bei uns auch. Ab und an. 😉

    @Marlia: Oh ja, irgendwie finde ich es auch voll doof, den Kurzen was vorzuenthalten. Kenne das Gefühl. Muss das für mich jedes Mal neu entscheiden. Denn manchmal finde ich es total wichtig, dass sie diesen unnützen „Schrott“ behalten dürfen; gerade wenn sie Sammler sind. Kinder neigen dazu und ich finde es gut wenn ihnen Dinge wertvoll sind. Wie zum Beispiel zig FunkelSteine, eine VogelFeder oder das PlastikWegwerfDing vom Zahnarzt. Andererseits habe ich bestimmte Sachen auch gleich weggegeben oder sogar entsorgt. Diesen Ballast, den ich nicht in der Wohnung haben wollte, bei dem ich gemerkt habe, es ist eine Stunde später vergessen. Das war es in den jeweiligen Fällen nämlich immer. Vergessen in 2Minuten…

  4. Liebe Rage,

    Für deine Bemerkung über meinen Blog bekommt Du von mir als allererstes ein riesen ♥! 🙂
    Da kann ich Dir nur Recht geben, weniger ist wirklich mehr! Das merke ich auch bei uns. Dabei geht es gar nicht darum, denke ich, die schönen und sinnvollen Spielsachen, die dennoch im Überfluss sind, wegzugeben oder sie los zu werden, man kann ja die Spielsachen immer wieder austauschen und so für neue Anregungen im Kinderzimmer sorgen. Viel wichtiger finde ich, dass man nicht unbedingt die teureren (und sehr oft sinnlosen) Produkte kaufen muss, auch da gilt: weniger (einfacher) ist mehr! Denn Kinder experimentieren am liebsten mit Alltagsgegenständen, mit Wäscheklammern, Kochlöffeln, Rasierpinseln usw. Und das ist gut, denn eines Tages werden sie diese auch eventuell brauchen. Mit deinem letzten Satz hast Du es sowieso ziemlich gut auf den Punkt gebracht, finde ich. 😉
    Wenn es um die hier und da lauernden Geschenke-Attacken geht, bin ich immer sehr dankbar, wenn mich die Kellner, Verkäufer zuerst anschauen und eine Reaktion auf ihr Vorhaben von mir erwarten. Dann kann ich kurz und höflich „nein, Dankeschön“ sagen. Auch in der Familie konnte ich endlich allen verständlich machen, das sie nicht bei jedem Besuch gleich dem Kind Geschenke bringen sollten. Das Geschenk soll ihr Besuch sein! Die Freude des Wiedersehens und die gemeinsam verbrachte Zeit und die Erlebnisse!
    Vielen Dank für deine tollen Gedanken! 😉
    Ganz liebe und herzliche Grüße
    Anna

  5. Ganz wichtig finde ich das Aufräumen. Zwar mache ich das meist selber am Abend, so ritualsmässig, bevor mein Mann nach Hause kommt oder auch nach dem Abendessen schnell-schnell; manchmal auch tagsüber wenn drinnen gespielt wird, oft 2-3 mal. Auch meine Kinder wissen, was wo hingehört und räumen auch mal selber auf wenn ich sie darum bitte weil sie etwas Neues hervor holen wollen. Manchmal arrangiere ich gewisse Dinge neu, andere haben ihren fixen Platz. Nach bald 3,5 Jahren mit 2 Kindern fällt mir zum ersten Mal auf, dass ich gewisse Spielsachen nun wirklich entsorgen könnte. Die Zweitgeborene hat sowieso kaum mit Babyspielzeug gespielt, sie mischte immer bei ihrem grossen Bruder mit, und Plüschtiere sind für beide Kinder fast völlig uninteressant (oder kommt das erst noch?)… an gewissen Dingen hänge ich noch selber, andere, eher wertlose, eben so Gratis-Plastik-Zeugs entsorge ich regelmässig… Zum Glück sind die Kinder auch noch nicht in dem Alter, in dem sie sich jedes Spielzeug merken und dann vermissen würden… Mein Grosser wurde im März 3 und am liebsten spielt er mit Bagger, Traktoren etc. Aufladen, Schaufeln – das ist sein grosses Thema. Ich glaube viel mehr braucht er nicht und dennoch frage ich mich, ob es nicht Spielzeug gibt, das ihm ebenfalls gefallen könnte. Die Auswahl für dieses Alter ist so gering, finde ich… Für Karten-/Brettspiele ist er noch zu klein, konzentriert sich zu wenig, zu kurz, was gibt es dazwischen?
    http://www.nestwaerme.li

  6. Gerade für diese Toddler-Zeit bietet Montessori unendlich viele schöne AlltagsIdeen. Wie gesagt, ich kann Annas Blog nur immer wieder empfehlen. Außerdem gibt’s zum Beispiel diese HABA GesellschaftsSpiele. Ich weiß nicht, ob euch aufgefallen ist, dass da auch viele DiYIdeen hinterstecken. Zum Beispiel ein kleines Säckchen nähen – etwa so groß wie ein DIN A5-Blatt und mit sechs Gegenständen füllen. Mit diesem Säckchen lassen sich zig unterschiedliche Spiele spielen. Mal abgesehen davon, dass die Kids selber Ideen entwickeln und ausprobieren können. Beispielsweise lassen sich entsprechend zu den Gegenständen MemoryKarten zeichnen. Die werden abwechselnd aufgedeckt und müssen dann aus dem Säckchen rausgezogen, richtig ertastet werden. Genauso kann ein Teil fehlen und das Kind, vielleicht was älter, muss herausfinden, welches. Oder du füllst das Säckchen mal wieder mit neuen Gegenständen…
    Was bei uns auch immer gut ankam waren diese SchiebKlappAufTürchen-Bücher.
    Ein Memory hab ich auch mal selber hinbekommen. (Dafür musste man nicht nähen können.)

    Ansonsten, finde ich, brauchen die Kurzen doch noch nicht wirklich viel Spielzeug. Bzw. wollen nichts „SpielzeugArtiges“, sondern funktionieren meinen KüchenSchrank um. Erst wenn sie älter werden, im Kindergarten alle wer weiß wie viele unterschiedliche Bagger, BullDogs, UniMogs und Traktoren haben… Dann gehz plötzlich los. Oder in der Schule.

    Und Kuscheltiere? Fürs RollenSpiel ganz nett. Aber bei uns kann manchmal alles reden. Mal meine Füße oder die der Kurzen. Manchmal auch irgendwelche SpielzeugAutos. Das passiert bei uns im Spiel häufiger.

  7. Jacky sagt

    Mein Sohn 2 Jahre hat einen regal mit bilderbücher in unser wohnzimmer, ein paar spielen in der Wohnzimmerschrank, ein regal in sein schlafzimmer mit babyspielzeug sowie verschiedene bauturmen womit er noch gerne spielt. Am Boden in sein schlafzimmer stehen 3 großen auto´s und etwas schiebe matrial ….ein kleines schrank in sein schafzimmer mit puzzlen und andere sachen was er dann rausholen darf wann er damit spielen möchte. Außerdem hat er ein kist mit duplo und heute hat er von heros bausteinen bekommen womit er einen burg bauen kann, diese war teuer aber echt super weil es ganz stabil ist und nicht so schnell umfallt. er hat noch einen garage mit autos und kuscheltieren und einen Zelt aber das ist eigentlich alles. Wir spielen meistens gemeinsam in sein zimmer oder am Tisch in wohnzimmer.
    Ich denke mal so alles was nicht mehr in sein schrank passt ist zuviel…ich habe nichts in Kisten oder sonst was nur sein duplosteinen. Alles ist komplett und wann da etwas fehlt von ein puzzle oder spiel wird es gesucht und es taucht immer wieder auf. Er hat viel spielzeug aber nicht übertrieben und kaufe nur
    was wirklich sinvoll ist, gebe öfters etwas mehr geld aus aber er hat dafür hochwertiges spielzeug….aber Hofer und Lidl haben auch ofters schöne spielen und puzzlen für weinig und die kaufe ich ihn auch gerne…so hat er verschiedene holzspielen von Lidl womit wir auch sehr gerne spielen.

    Er soll genug auswahlmöglichkeiten haben zum spielen weil mein sohn wirlich nicht länger als 10 minuten mit eine sache beschäftigt ist und dann wieder etwas anderes tun möchte…Viele Kinder haben das noch mit 2 jahren…

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