AlltagsAbenteuer, bewusst:er leben, Minimalismus, Projekte
Kommentare 8

100€uro in 10 Tagen (1)

Über Geld spricht man nicht.
So hallt es mir immer noch in den Ohren. Aber wieso denn eigentlich nicht? Das habe ich noch nicht so richtig verstanden. In Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise wird so viel über Geld lamentiert. Über die großen Gelder. Die fließen. Oder auch nicht. Da will keiner hören, wenn ich von unserem FamilienGehalt anfang? Außerdem scheint ja sowieso jeder zu wenig Geld zur Verfügung zu haben. Wie gut, dass Unternehmen sich daran anpassen und ich für nur 12,50€uro im Monat mir eine neue Waschmaschine leisten kann. Und den Flachbildschirm. Und das neue EntertainmentSystem für TV und Internet…

Vorweg: Ich fühle mich an keiner Stelle auch nur annähernd arm. An wirklich keiner Stelle. Wir sind so reich; nur nicht an Geld. (hihi) Und trotz des Reduzierens, Verschenkens, Entrümpelns, wird dieser Reichtum scheinbar immer größer. Als Familie befinden wir uns von der Armutsgrenze, die sich aus dem NettoÄquivalenzeinkommen ergibt, gar nicht mal so weit entfernt. Und dennoch: Ich fühle mich wirklich reich.

Als diejenige, die hier den FamilienAlltag “am Laufen hält”, stört es mich manchmal, dass die Anerkennung für die von mir geleistete Arbeit, in welcher Form auch immer, irgendwie gering ausfällt. Zudem erkennt man meine Aufgabeninhalte in der Regel erst dann, wenn ich sie unterlasse, aufschiebe, mich anderen Dingen zuwende. Aber das ist hier nicht das Thema.

Es geht gerade wirklich um das Thema Geld. Ich nenne jetzt mal Zahlen. Wer sie nicht lesen mag … weggucken! Heute ist der 6.Juni. Mein Kontostand liegt bei knapp 100,-€uro, nachdem alles abgegangen ist, was so an Lebenserhaltungskosten abgehen kann. Versicherungen, Riester, Strom, ein bisschen Sparbuch, Hochzeitsgeschenk, Bausparkasse, Schuhe fürs Kerlchen, Lebensmittel… Mein GeburtstagsGeld würde unter Umständen das entstandene Loch um weitere knapp 100€uro auffangen, so dass ich mir weiterhin keine Gedanken machen bräuchte. Aber eigentlich wollte ich mir davon mal was Gutes tun. Ich muss gestehen, bislang wusste oder weiß ich noch nicht was. Doch zum Stopfen der Haushaltskasse war es nicht gedacht. Nebenbei bemerkt: Das Konto meines Mannes ist jetzt nicht das eines Millionärs. Sonst wäre die Situation jetzt gar nicht so besonders.

Ich gebe zu: Der Blick auf die Zahlen hat mich gestern ein wenig geschockt und wirklich genervt. Das kommt nicht häufig vor, aber jedes Mal wenn, beginnt das Grübeln.
Wie komme ich an Geld? Dieses blöde Geld!
Was kann ich anbieten? Ich weiß nicht.
Soll ich über diesen Blog ein bisschen Geld reinholen? Es gibt Anfragen. Linktauschangebote gegen Geld. Aber irgendwie ist das nichts für mamadenkt. Werbung sowieso nicht! Spenden? Wer macht das schon? Und wie? Mit welcher Begründung? Ich hab nur 100€uro auf meinem Konto? Nö!
Für wen könnte ich denn mal eine Kolumne schreiben? Weiß nicht. Wer würde das lesen?
Ob jemand mein Buch verlegen würde? Müsste ich mal zuende überarbeiten.
Was ich kann ich denn verkaufen? Worauf könnte ich verzichten? Bücher, DVDs … Aber davon gibt es inzwischen gar nicht mehr so viele. In meinen Lösungsansätzen fällt mir dann gerade auch mein Brautkleid noch ein.

Und dann… dann muss ich an Kim und ihr Blog denken. An ihr Experiment 365 Tage nichts zu kaufen, Lebensmittel jetzt mal ausgeschlossen. Es geht in diesem Versuch mehr um gängige Konsumgüter. Bücher, LiedDownloads, Klamotten… sowas alles.

Daraus entsteht eine Idee zu meinem Konto: Ich, nein wir werden die kommenden 10 Tage nur mit diesen 100€uro auskommen. Ich hätte eine andere Wahl – aber ich will sie nicht. (Vielleicht bin ich doch zu sehr Dagobert an dieser Stelle…) Das Ganze mag wenig spannend klingen. Aber als Familie wird uns das herausfordern. Denn eigentlich stehen noch ein paar konsumhaltige Momente an:

Zum Beispiel drei Geburtstage,
eine Hochzeit,
passendes Schuhwerk für die Kerle und eine
leere Vorratskammer (denn, auf diese Entscheidung war ich nicht vorbereitet.)

Außerdem wird nicht ans Sparbuch gegangen. Überziehen gilt auch nicht!Ha! Ihr glaubt es vermutlich nicht, aber ich freu mich drauf und bin sehr, sehr gespannt, wie das werden wird. Wahrscheinlich werden wir in den kommenden 10 Tagen feststellen, wie schnell man mal eben was kauft.
In 10 Tagen gibt es dann ein Update. Wie’s war. Wieviel von den 100€uro noch über ist. Oder auch nicht.

Wie ist das bei euch? Spricht man bei euch über Geld? Wieso ist das eigentlich nicht üblich? Ist der Artikel hier daher unangebracht?

8 Kommentare

  1. Ich würde meine Familie niemals nimmer nicht mit 100 Euro 10 Tage durchbringen. Aber wir sind auch zu 5. Ich bin sehr gespannt auf dein Experiment.

  2. Kurzfristig:
    Bei dm wickeln, Wildkräuter sammeln, viel Reis und Hirse essen, den Omas die Rechnungen für die Schuhe schicken, auf Feldern Gemüse einsammeln, das die Erntemaschinen nicht erfassen (weil nicht das gefragte Format – Bauer vorher fragen), kurz vor 12 auf den Wochenmarkt gehen, was verticken auf ebay Kleinanzeigen (hab auch gerade 30 Euro kassiert).

    Langfristig:
    Also: Ich texte nur für Geld. Hab keinen Blog. Putzjob oder noch ein Kind dazu nehmen stundenweise? E-Book rausbringen? Kenn ich noch jemanden ohne? Kolumnen in die Republik versenden? Machen, machen, machen. Ich lese auch gerne mal was Probe. Nur Mut.

    • Julia sagt

      Wow! War für ein Experiment! Ich würde es wohl nicht schaffen, aber es ist ein Versuch wert!!!
      Geld geht bei uns leider auch schell durch die Finger: hier und dort mal ein Brötchen, parken im Parkhaus (was eigentlich schon die Ausnahme ist), Kaffeetrinken in der Stadt, Pflegeprodukt gekauft, schönen Stoff gesehen, online geshoppt, … Echt schlimm!
      Ich glaub, ich mach mal mit :-)

      100€ in 10 Tagen und dann?? Gibts bei euch Mitte des Monats Geld??

  3. Danke für euer Feedback. Ich bin gespannt. Gleich muss ich nochmal los. Und morgen geht’s zum BioHofladen. Ich bin gespannt, ob wir bis nächsten Sonntag aushalten. Vielleicht werde ich mich einfach bei all unseren Freunden zum Frühstück, Mittag- und Abendessen einladen… ;)

    @Tanja: Ja, das mit den Schuhen werd ich einfach was schieben. Aber die Oma hat da gerade Geld für überwiesen. Danke! Wickeln ist kein Problem: Stoffwindeln. Das mit dem aufs Feld gehen, klappt hier leider nicht. Leben dafür am falschen Ort. In die Republik verschicken? Schreib ich dann auf den Umschlag: “Republik”?!? Ich wüsste gerade gar nicht, wie ich das anfangen sollte, um nicht als Trottel dazustehen. Ich werd mich mal umschauen. Danke für das Angebot des ProbeLesens! Und den Tipp mit dem Reis und der Hirse, sehr gut!

    @Julia: Ja, in der Mitte des Monats gibt’s dann Kindergeld. ;) Aber genau so, wie du es beschreibst, rinnt hier das Geld manchmal auch aus den Fingern. Ich bin gespannt. Noch 8,5 Tage. …

  4. Pingback: Woche 14 – Unsere Netzhighlights | Apfelmädchen & sadfsh

  5. Ich glaube die Werbeanfragen erreichen jeden Blogger früher oder später und du hast sicherlich recht, dass vieles davon nicht zum mamadenkt-Gefühl passt. Das geht mir bei meinem Blog nicht anders – aber da wir uns nun in ein Vierseithofprojekt stürzen und dabei trotz des Doppelverdienstes, das mir immer sehr wichtig war, demnächst Kredite zu bedienen haben, nutze ich seit Herbst letzten Jahres den Blog doch um die Stoffkaufsucht refinanzieren zu können.

    Für’s Gewissen werden alle Einnahmen monatlich transparent gemacht und 1/3 in unterstützenswerte Projekte gespendet – ganz ohne die Haushaltskasse zu belasten: http://amberlight-label.blogspot.de/p/blogeinnahmen.html Damit komme ich im halben Jahr immerhin auf dein restliches Monatsbudget, ohne das ich mir selbst untreu werde, da ich weiterhin nur Themen zulasse, die zu meinem Blogprofil passen. Bei dir würde davon wahrscheinlich nur flattr passen – das ist ein schwedisches Mikrospendenportal, bei dem Blogschreiberlinge mit Kleinbeträgen unterstützen werden. Eine Flatterin hättest du schon mal sicher, denn ich finde deinen Blog sehr unterstützenswert … und nun viel Erfolg mit dem restlichen Monatsbudget.

    • PS: Noch ein Nachtrag aus meinem Wissenschaftlerleben – wenn du unter die Autoren gehst, hast du dich hoffentlich schon mit der VG Wort beschäftigt, denn dank meiner eigenen Bücher als Herausgeberin und Autorin gibt es dort jährlich Tantiemen, über die sich Haushaltskasse tatsächlich richtig freuen kann und diese stehen jedem zu, der mit ISBN-Nr. veröffentlicht und dessen Werke in mindestens drei OPAC-Bibliotheken nachgewiesen werden können …

      • Oh nein! Habe ich nicht. Die Idee kam ja vom Mann, nachdem meine Geschichte plötzlich 100 Seiten hatte und noch nicht fertig war. Ich hab bislang echt gar keinen Plan, wie ich das geschickt anstelle und bin daher für jeden ehrlichen Tipp und Ratschlag dankbar. Also: DANKE! Für deine Infos. Werde mich nach dem VG Wort mal erkundigen. Und danke für die Einschätzung mit flattr. Werde mich mal informieren und bin gerührt über dein positives Feedback.

        Bin immer mal wieder auf deiner Seite und schau mich um. Du hast wirklich schön anzusehende NähPrachtstücke. Außerdem macht mir der Beginn zu dieser Leidenschaft bei dir Mut. Die Nähmaschine meiner Oma steht hier seit Weihnachten… Und wenn bei mir auch mal so was Schönes rauskommt…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.