AlltagsAbenteuer, bewusst:er leben, Minimalismus, Projekte
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100€uro in 10 Tagen (2)

Junge, Junge. Wir stecken noch voll in unserem Projekt. Aktuell denke ich darüber nach, wofür wir die zur Verfügung stehenden knapp 10€ verwenden sollen? KloPapier oder Bananen? Geburtstagsgeschenk oder Brötchen vom Bäcker?

Ihr seht anhand der Wahlmöglichkeiten es geht uns nicht schlecht. Die Situation ist nicht bedrohlich und in keinster Weise so radikal, wie ich sie mir vor einer Woche vorgestellt habe.

Da die Idee und Entscheidung für dieses Projekt relativ kurzfristig getroffen wurde, war unsere Vorratskammer nicht wirklich vorbereitet. Das macht das ganze Unterfangen lediglich ein wenig authentischer; finde ich. Beim Kuchen backen für die Schwiegereltern wurden die Mehl- und ÖlReste aufgebraucht. Vom Reis gibt es inzwischen auch nur noch eine handvoll und ich bin wirklich richtig froh, dass gestern unsere GemüseKiste hier eingetroffen ist. Randvoll mit frischem Gemüse werden wir die letzten Tage dieses Projekts gut hinter uns bringen; denke ich. Dazu wechseln Kartoffeln, Hirse, Nudeln und Couscous als Beilage den Platz auf unseren Tellern.

Zwei ‘bewusst zugelassene Ausrutscher’ gab es allerdings in der vergangenen Woche. Zwei Momente, in denen mein Mann entschieden hat, zu zahlen und das Projekt, weil es glücklicherweise ging, aus den Augen zu lassen: seine HandyKarte plus Backzutaten für die Arbeitskollegen (grummelgrummel) und mich zu einem Salat aus der Pizzeria einladen (freu). Mit diesen Ausrutschern kann ich leben. Im Sinne von Erreichbarkeit für uns als Familie und dem anderen ein GlückseligkeitsGeschenk zukommen zu lassen, war das für uns ok. An dieser Stelle bemerke ich für mich erneut, wie sich meine Einstellung zu Vielem geändert hat.
Es geht nicht darum, dogmatisch ein Experiment unbedingt durchzuziehen. Natürlich wäre es ambitioniert und toll gewesen, es ganz ohne ‘Ausrutscher’ geschafft zu haben. Aber der Nutzen dieser Idee liegt für mich an einer ganz anderen Stelle. Der Weg ist das Ziel, wie man so schön sagt. Ich merke, dass mich Konsum eigentlich gar nicht glücklich macht. Ich stelle fest, wieviel Zeit einkaufen doch benötigt. Ich achte viel mehr auf das, was noch da ist. Ich werde kreativ beim Kochen und das Essen schmeckt noch viel besser als sonst. Mein Wunsch nach der bisherigen Woche ist, dieses Einkaufsverhalten alltagstauglich werden zu lassen und noch viel mehr umzusetzen.

Fragen, die mir heute und gestern immer mal wieder durch den Kopf sausen, sind vielmehr folgende: Was, wenn jetzt plötzlich ein Notstand ausbrechen würde? Kein SalzVorrat, kein Reis, nur ein paar Nudeln, was besonders kohlenhydratreiche Kost angeht. Wie realistisch ist es das Projekt alltagstauglich zu machen? Wieviel Geld könnte man dadurch sparen und für ein Wohnmobil oder dergleichen zur Seite legen? Würde man dieses Geld sparen? Lohnt es sich das mal zusammenzurechnen? Vielleicht machen wir das Projekt nochmal und spenden das gesparte Geld an eine Organisation? Wer macht von euch mit? Ist es nicht vermessen ein solches Projekt zu machen, wenn so viele Menschen mit viel, viel weniger auskommen müssen? Stimmt es, dass trotz leerem Geldbeutel der BioLebensmittelEinkauf funktioniert?

Was geht euch an Fragen, Gedanken und Ideen durch den Kopf, wenn ihr von diesem Projekt lest? Ich freu mich auf Inspirationen von euch.

4 Kommentare

  1. Ich hätte gern euren Speiseplan während der Zeit gesehen. Ich finde, man kann sehr wohl mit wenig Geld und fast aus Vorräten leben. Aber mir fehlt dann immer (der teure) Frischkostanteil. Das Obst und Gemüse zum roh wegknabbern. Die Sachen in die Brotdose der Kinder. Ich finde, es ist ein Abwägen zwischen dem was geht und was mich glücklich & wohlfühlig macht.

  2. maybee sagt

    Sowas hatten wir (2 Personen) auch Phasenweise. Da hatten wir über einen längeren Zeitraum etwa 1,50€ pro Tag für Essen. Kann man schon machen.
    Erfordert aber durchaus einiges an Planung und umdenken. Wir haben wirklich jeden Rest Essen verwertet und schon echt sparsame Methoden entwickelt mit Essen umzugehen.

    Ihr kennt bestimmt diese Sparschäler. Es geht deutlich Sparsamer als mit den Teilen. Insbesondere bei Karotten kann man einfach den Messerrücken nehmen und die Schale relativ sanft abschaben.
    Man spart unerwartet viel. Wenn man das auf 2kg Karotten rechnet springt da schon eine kleine Portion alleine durch das sparsame schälen raus.

    Oder aber: Man kann aus unglaublich vielen Essensresten eine komplette Mahlzeit zaubern. Nennt sich Suppe. Schmeckt gut und macht auch satt ;) Kartoffelschalen zum Beispiel kann man (sehr gut waschen) und dann einkochen und klein machen. Einwandfreie Suppe aus was was sonst nur Biomüll geworden wäre. Sollte man freilich auf entsprechende Qualität achten.
    Mit Kohlrabi, Karotten und Sellerie uvm geht das auch. Beim Sellerie sollte man sich allerdings wirklich Zeit fürs putzen nehmen, wenn man keine Mineralstoffe in knuspriger Form in der Suppe haben will *hihi*

    Da kann man plötzlich mit wenig viel mehr machen. Das dauert aber eine Zeit, bis man den Kram mal so durch denkt, weil man doch so darin gefangen ist, die Schale wegzuwerfen, statt was draus zu machen.

    Der Speiseplan würde mich übrigens auch interessieren. Man lernt ja nie aus. Jetzt muss mal mein Brott aus dem Ofen und dann ich ins Bett. Gute Nacht *g*

  3. Ich musste beim lesen deines Beitrages Grade an das Buch “Arm aber bio” denken. Eine Frau im Selbstversuch sich eine bestimmte zeit lang mit der Hartz-4-pauschale nur mit bio Lebensmitteln zu ernähren. Vielleicht kennst du es noch nicht? Ich fand das kleine Büchlein sehr interessant und ein zwei Rezepte daraus begleiten mich noch immer…

  4. Robert sagt

    Ich verfolge diesen blog schon eine ganze weile und bin seit ca einem jahr im umbruch vom reinsten konsumenten und kapitalisten zum…minimalisten mit umweltbewusstsein. wie gesagt im umbruch.
    hinzu kommt das ich in der schweiz lebe und das leben trotz mehrverdienst doch um einiges teurer ist.
    mein ziel diesen monat: 500,- CHF zum leben. das beinhaltet benzin, essen, haushalt, etc. also alles was nach den fixkosten wie meite, versicherunge, rechnungen kommt.
    dazu habe ich eine app um den genauen überblick zu behalten.
    um benzin in disem monat zu sparen fahre ich bei fast jedem wetter mit dem radl auf arbeit. das sind in der woche knapp über 100km.
    um beim essen zu sparen gehe ich fast täglich in den aldi, da ständig andere produkte 30-50% reduziert sind.
    dazu muss ich sagen das ich ein single haushalt führe und auf den ersten blick 500,- chf (ca 350 Euro) recht viel klingen.
    allerdings hatte ich vorher ein sehr ausschweifendes leben geführt.
    monatsanfang wurde das ganze “übrige” geld auf ein tagesgeldkonto geschafft. dies hilft einerseits von vornherein mit den 500,- chf auszukommen, andererseits im absoluten notfall doch schnell an etwas geld zu kommen.
    gestartet habe ich am 25.06. – an dem tag wird hier das gehalt überwiesen (3 Tage halte ich schon durch -WOW ;))
    ich verzichte einerseits auf ziemlich viel süsskram (donuts, schoggi, energydrinks) und möchte den kompletten monat auf fastfood, fertigpizzas, döner etc verzichten. Brot backe ich jetzt selber!
    ein kostenpunkt der hinzukommt sind biowaren welche ich vorher weniger bis gar nicht bezogen habe – bioläden sind nicht gerade schnäppchenparadiese. das geht ins geld, aber ich werde ende monat sehen ob es mir gelingt.
    wovor ich angst habe, das ich auf zuviel verzichte und zu verkrampft das ganze angehe. schliesslich soll man gerade bei gesundem essen nicht sparen.
    wie gesagt ich möchte mich hier nicht gleichsetzen mit der blog erstellerin. sie hat einen familienhaushalt und ist auch sonst mir um mehrere schritte voraus.
    aber ich versuche es. udn vor allem ich ahbe spass daran, auch wenn ich öfters das wort “geizig” zu hören bekomme…was mich sogar etwas stolz macht.

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