AlltagsAbenteuer, bewusst:er leben
Kommentare 12

Blogparade: 2 Jahre nach Snowden – Ein Attest für Paranoia

Auf ein solches Attest warte ich ehrlich gesagt schon länger. Irgendwer, der mich doch noch als paranoid hinstellt. “Denn das mit Snowden, kommt schon, Leute… Das war doch alles gar nicht so.” Wenn ich Menschen in meinem Alltag beobachte, ihren Umgang mit Daten, mit ihren Endgeräten, ihren Apps, dann macht es den Eindruck, als hätte es Snowden nie gegeben. Wenn ich Diskussionen zwischen Journalisten und Politikern im Netz verfolge, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Meist dauert es nicht länger als drei Minuten und Snowden und die Realität der gesamten Enthüllung ist absolut in Frage gestellt.

Wenn dann jemand kommt, wie z.B. Rouven Kasten, und eine Blogparade ins Leben ruft, die (scheinbar) erst mal glaubt, dass Snowden enthüllt hat, atme ich auf. Ich bin doch nicht so paranoid, wie man mir immer mal wieder weiß machen will.

Der ein oder andere mag sich fragen, wieso ausgerechnet eine VollzeitMutter sich mit ParanoiaVorwürfen auseinandersetzen muss? Nun ja, vor gar nicht allzu langer Zeit verließ ich u.a. ein Gremium, weil ich bestimmte Informationen nicht über ein Smartphone geteilt wissen möchte. Zumindest nicht über einen NachrichtenKlient, der zum einen keine Verschlüsselung anbietet und zum anderen die Dreistigkeit hat, bei mir einzufordern auf mein Handy zugreifen zu können und zu dürfen. Das ist für mich keine Option und hat mir jede Menge Augenrollen und verzogene Mundpartien beschert.

Aber kommen wir zurück zur eigentlichen Frage: Was hat sich verändert?

Grundsätzlich: Viel zu wenig. Ich erlebe an mir selber, wie schnell mein Wunsch nach Transparenz und meine Wehr gegen Aufzeichnung all meiner relevanten Daten durch ein Like hier, einen RT dort, einen Pinn an dieser Pinnwand oder meine inkonsequente Nutzung eines sichereren Browsers, im Alltag zerbröselt.

Meine erste Reaktion war, dass ich mich nach Alternativen umgesehen habe. Ich habe sogar einen Menschen gefunden – nein, er mich – , der mir angeboten hat, mich an diesen Bereich heranzuführen, anzuleiten und affin zu machen. Dann kam unser Auslandsaufenthalt, ein neues Haus, der Alltag und das ganz normale Leben und mehr und mehr kam ich von meinen Grundsätze, die ich getroffen hatte, ab. Ich ging Kompromisse ein.

Vor erst drei Wochen legte ich mir wieder einen Account bei Pinterest an. Klar, der ein oder andere mag sagen, was hat Pinterest mit digitaler Sicherheit zu tun? Nun ja, es geht um meinen digitalen Fußabdruck, den ich im Netz hinterlasse. Durch die Nutzung eines anderen Browsers, das Schreiben verschlüsselter Emails und die Reduzierung meiner Accounts und Registrierungen in OnlineShops oder auf diversen SocialMediaKanälen, wollte ich dem entgegen wirken. Weiterhin präsent sein, aber in einem reduzierten Umfang. Doch dann schlich sich das alte Verhaltensmuster wieder ein.

Erst ging ich immer häufiger über meinen 0815-Browser ins Netz. Dann gab’s hier ein Like und dort ein Like und inzwischen habe ich das Gefühl, dass irgendwie alles wie vorher ist. Das passt mir so gar nicht. Denn weiterhin bin ich mir gewiss, meine Daten werden gesammelt und es hat Einfluss auf meine Umwelt bzw. wie mit mir im Netz umgegangen wird. Allein die Cookies, die inzwischen einfach überall eingefordert sind und werden und hach…

Das Problem: Ich versteh das “Neuland” einfach nicht so durch und durch wie so manch andere Materie. Ich kann nicht Programmieren, weiß nichts von der Beschaffenheit der Endgeräte, außer deren äußeres Produktdesign und verstehe daher nicht die Abläufe im Rechner, die vonstatten gehen, während ich ein Dokument schreibe, bearbeite, kopiere oder im Netz herumwurschtel. Ich bin einfach nur der “dumme” User, für den das alles so einfach wie möglich gemacht wird. (Vielleicht ja auch, damit ich möglichst wenig darüber nachdenke und abhängiger werde?) Wie selbstverständlich wische ich auf einem Smartphone herum. Meine Kinder lernen nicht, wie so ein Gerät gebaut und nutzbar gemacht wird, sondern nur, wie es funktioniert. Auf der Oberfläche. Ich genauso.

In manchen Wochen verdränge ich dieses Wissen und denke, “Ach komm…” Zu anderen Zeiten sitze ich da und denke bei jedem Telefonat mit meiner Mutter: “Ob das wohl auch aufgezeichnet wird?!?” Meine Reaktion ist dann meistens ein Weniger an Internetsurferei – auch wenn das nicht wirklich was mit dem Telefon zu tun hat. Blogbeiträge werden dann auch wieder seltener und das RealLife hat mich einfach wieder mehr. Dort kann ich ein wenig mehr Einfluss darauf nehmen, was ich mit der Welt geteilt wissen möchte.

Was hat sich also verändert? Mein Gefühl hat sich total verändert. Trotz des Verdrängens ist da eine Grundskepsis und ein Unbehagen. Was sich noch nicht so verändert hat, wie ich es für mich persönlich gerne hätte: Meine Reaktion und mein Verhalten – im Hinblick auf das Wissen von den Möglichkeiten des Netzes und den damit zusammenhängenden Enthüllungen Snowdens.
Ach ja, und für manch einen im echten Leben bin ich seltsam, schräg, einfach nicht konform.

Was ist also der Plan? Schon häufiger hatte ich mal wieder darüber nachgedacht, das Senden verschlüsselter Emails im Freundeskreis mehr publik zu machen. Mein persönliches UnterwegsSein auf SocialMediaKanälen und damit zusammenhängende Likes zu stoppen, meinen Browser wieder zu kicken bzw. den anderen zu reaktivieren.

Wozu ich keine Kapazitäten habe? Das Thema immer und immer wieder aufzuwärmen. Die meisten, viele scheinen damit einfach nichts anfangen zu können. Also fange ich bei mir an und bleibe dbzgl vermutlich auch bei mir.
Trotzdem ist dieser Artikel entstanden. Als Teil einer Blogparade. Also kriegt er auch folgenden Hashtag – #W4WB

Und ihr so? Hat das Thema für euch irgendeine Bedeutung?

12 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.