AlltagsAbenteuer, Projekte, res publica
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Ein kostenloses Mittagessen

zu verschenken! Einmal die Woche. Bei uns Zuhause.

Vor zwei Wochen kam mir diese Idee nach langer Zeit mal wieder in den Sinn. Mein Mann und ich hatten vor einigen Jahren die Vision einmal die Woche unsere Türen ganz bewusst so weit zu öffnen, dass jeder, der gerade Zeit und Lust hat, zum gemeinsamen Abendessen eingeladen war und hereinspazieren konnte.

Die Vision oder ich bezeichne es mal als Experiment scheiterte, da wir eben nicht in einer Stadt wohnen, sondern auf dem Land. Auf dem Land bedeutet: Hier kommt nicht oft jemand an der WohnungsTür vorbei. Damals wohnten wir sogar noch ein wenig versteckter. Wer geht schon zwischen 18 und 20 durch die Nebenstraßen eines Dorfes?

Die Idee verkroch sich wieder und wir hatten jede Menge neuer Projekte und Experimente, die sich im Alltag ergaben.

In den letzten Wochen dachte ich viel über die Europawahl nach, über Nachhaltigkeit, über Postwachstumsökonomie, über gesellschaftliche Teilhabe, politisches Engagement, Gegenpole, bewusstes Leben, LebensSinn im FamilienAlltag, Greenpeace, mein Umfeld, die Menschen, denen ich auf meinen Wegen immer wieder begegne, Einigkeit und Zwietracht. All das spielt täglich – auch heute – in irgendeiner Form eine Rolle in meinen GedankenKonstrukten.

Die Idee des kostenlosen Mittagessens brach sich da auch wieder Bahn. Ich habe kein Restaurant, in dem ich ein kostenloses Mittagessen einmal die Woche anbieten, ich meine schenken könnte. Aber ich koche mindestens jeden zweiten Tag. Gerne. Und gar nicht mal so schlecht. Wieso nicht für zwei Teller mehr? Vor etwa einem Jahr gab’s die erste Wiederbelebung dieser Idee durch einen BlogBeitrag bei zukunftswerk.

Schon damals dachte ich: Oh Mann! Ich würde so gerne an einem vollen Tisch sitzen. Wir haben aktuell immer drei Plätze frei. Im Zuge unseres WWOOFingProjekts, kam auch schon der Gedanke, danach vielleicht selber eine WWOOFing-Station anzubieten. Dann wäre der Tisch auf jeden Fall jeden Tag voll.

Oder: Wir kaufen ein altes Haus. Meine unausgesprochene Hoffnung in Gesprächen mit meinem Mann über so einen Kauf: Ich könnte bei sowas all die Menschen, die uns beim Umbau helfen würden, bekochen.

Es ist gar nicht mal so, dass ich besonders gerne koche. Dann hätte ich vermutlich eher einen FoodBlog aus dem Boden gestampft. Ich mag die Gemeinschaft am Tisch, das geteilte Leben beim Essen. Ich mag teilen. Keine Ahnung. Früher – als Kind – hab ich mir sehr schwer damit getan. Lange Zeit hatte ich das Gefühl nicht wirklich viel und auch nichts sehr wertvolles zu haben. Wenn ich dann mal was besonderes hatte, fiel es mir äußerst schwer zu teilen. Seitdem wir reduziert, unsere Besitztümer verschenkt, teilweise verkauft haben und uns nicht mehr über das Haben definieren, ist Teilen etwas Wunderschönes und ich sehne mich sehr danach. Vielleicht trägt auch meine Liebe zu Geschenken, bedachten SeeligkeitsDingen, von mir für andere und von anderen für mich, dazu bei. Vielleicht.

Jedenfalls, das kostenlose Mittagessen ist wieder am Start. Gedanklich. Ich werde mir die nächsten Tage Gedanken darüber machen, wie ich das nach unserem SommerProjekt, vielleicht ja auch schon vorher in Teilen in unseren Alltag implementieren kann.

Was habt ihr für Gedanken und Ideen in eurem Alltag? Ideen, denen ihr nur immer mal wieder Raum gebt, sie wieder zur Seite drängt und als “GedankenFurz” kopfschüttelnd beiseite wischt? Gibt es welche, die sich dennoch fortwährend hereindrängen? Vielleicht sind sie ja doch bedenkenswert?!?

10 Kommentare

  1. Das ist eine tolle Idee und so ähnlich schwebt mir das auch im Kopf herum (… wenn ich mal ausziehe).
    Im Zusammenhang mit Foodsharing und Lebensmittel retten könnte ich mir auch vorstellen gemeinsam in einer bisher unbekannten Gemeinschaft essen zu kochen und zu teilen. Vor Kurzem war ich auf einem Vortrag zu dem Thema Lebensmittel retten und weiß jetzt in etwa, wie das bei uns in der Gegend organisiert wird. Vielleicht wird es bei mir ja irgendwann mal Wirklichkeit…
    Schau doch einfach mal bei lebensmittelretten.de nach, vielleicht hast Du Glück und findest eine nette Truppe bei Dir in der Gegend.

  2. Schöne Idee, das Bekochen.
    Ich denke immer mal wieder, dass ich gern mit anderen Müttern in meiner Nachbarschaft so eine Art “SpielKreis” haben möchte – bei dem zwei, drei Mütter einen Haufen Kleinkinder nehmen, und jeweils das mit dem Kind machen, was uns Spass macht – Stöcker sammeln, Basteln, Yoga, Toben. Die anderen Mütter bekommen ein paar Stunden Raum, was für sich zu tun. Kinder und Mütter gibt’s in meiner Nachbarschaft eigentlich genug.

  3. maybee sagt

    Wissen ist toll zu teilen. Hinterher hat man einfach doppelt so viel. Und Platz braucht es auch keinen. Das leb ich schon, as some here know.

  4. @Julia: Danke für den Link! Super!! Werd mich da gleich mal umschauen.
    @Frau L.: Oh ja. Das mit dem BabysitterSein hab ich mir auch schon überlegt. Ich bin so gerne mit den Kerlen unterwegs. Zwei oder drei weitere Kinder “machen den Braten auch nicht fett”. Daran arbeite ich gerade und streue immer wieder in Gespräche ein, dass er oder sie gerne mal nachmittags für ein-zwei Stunden vorbeikommen kann.
    Geht aber natürlich auch nur, mit Kindern in der Nähe.
    @maybee: Oh ja. Wissen. So fundamental wichtig. Ich begegne noch immer Menschen, die sich als Politiker zu irgendwelchen Posten aufstellen lassen und noch nie vom #TTIP gehört haben. Beim ersten war ich ja noch erstaunt. Beim zweiten irritiert. Und beim dritten fassungslos. Allerdings muss ich einschieben, dass Wissen schon einen gewissen zeitlichen Raum benötigt. Den weiß ich mir gerade vor lauter WWOOFen und Dach für danach organisieren irgendwie nicht einzuräumen. :/

    • TTIP ist da nur eines der vielen tragischen Beispiele, wie es um die (In)Kompetenz und das tatsächliche Engagement unserer Politiker steht.

      Das mit der Zeit ist schon wahr. Da bleibt nix, als priorisieren. Zudem ist WWOOFen doch ne Sache, bei der man lernt. Und damit kannste dann später wieder Wissen weiter geben. Genial once again :)

    • Eigentlich bin ich mir sicher, dass die Babysitter-Idee gut ist. Im Idealfall möchte ich mir dieses Dorf, dass es braucht, um eine Kind großzuziehen, mitten in der Großstadt schaffen. Ich kenne das aus meiner eigenen Kindheit, doch hier kenne ich eben noch nicht mein Leben lang, würde sich also ganz anders anfühlen.
      Merke gleichzeitig, wie schwer es mir fällt, ein solches Angebot selbst anzunehmen. ‘Musste’ ich gestern mal, war überhaupt nicht einfach – obwohl ich das jederzeit für Andere machen würde, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

  5. Ich mag die Idee. Als ich noch in Hamburg lebte, hatten die Yogis eine ähnliche Idee. Einmal pro Woche gab es Langar – gemeinschaftliches Mittagessen und Beisammensein gegen eine Spende. Die Idee des kostenlosen Essens wird auch anderswo aufgegriffen. Schau mal, im Golden Temple werden täglich Tausende Menschen mit Nahrung versorgt: Ein kleiner Einblick in die Küche des Golden Temple (http://www.goldentempleamritsar.org/), wo täglich tausende von Menschen mit Nahrung versorgt werden. Kostenlos. (Video: http://vimeo.com/17239315). ich freue mich, wenn du berichtest, was aus deiner Idee geworden ist. Vorallem auf dem Land. Ich habe auch gerade ein berührendes Interview mit Deepak Chopra gelesen. Sein Vater war Arzt und Patienten kamen von weit her zu ihm angereist und verbrauchten oftmals das letzte Geld für die Reise. Seine Mutter versorgte die Reisenden dann kostenlos mit Essen. Mir scheint, daß diese Geste des Gebens in anderen Kulturen viel verbreiteter ist. Aber vielleicht täuscht das auch. Auch ich koche hier oft für Freunde oder lasse Nachbarskinder an unserem Tisch mit essen, wenn sie grad da sind. So kenne ich es auch aus meiner Kindheit. Oder ich gebe ein Zuviel weiter, empfange aber auch, was andere zuviel haben (zB brachte mir die Nachbarin mal übig gebliebene Lasagne aus der Schulküche für die Tochter zum Mittag vorbei). Ich könnte jetzt hier noch weiter und weiter schreiben :-) Schön, daß du solche Anstöße bietest.

  6. Reisi sagt

    Ich finde die Idee mit dem Kochen und Einladen sehr schön…wie aber macht man so etwas in der Großstadt, ohne dann irgendwelche Leute am Tisch zu haben, die Du nicht wieder los wirst?
    In meiner Jungzeit haben wir in der WG mal jemanden von der Straße für Wochen beherbergt, ich weiß aber gar nicht mehr, wann und wie der gegangen (worden?) ist letztendlich. Ich erinnere mich, dass in den Zimmern oft irgendein Übernachtungsgast gewesen ist, den kaum einer kannte. Heute würde ich mir das nicht mehr zutrauen. Komisch eigentlich.

  7. Prot sagt

    Hallo rage
    Ich finde diese Idee Klasse. Solltest du in nähe meiner persönlichen Radweite wohnen schaue ich zu dieser Idee gerne das ein oder andere male vorbei. Ich kann auch gerne mal den Kochlöffel schwingen, für mich ist kochen eine Meditation. Und ich lade mir gerne Gäste ein, wegen engen Budget ein bis zwei mal im Monat. Und lege dann gerne los. Und da ich neugierig bin kann ich inzwischen alle Arten zu kochen( vegan, vegetarisch, konventionell, nach Bruker).
    Ich mag diese Idee schon deswegen weil ich mit meinen Rezepten lernte wie leicht vegan Gegner als Beispiel begeistert waren.

    LG
    Prot

  8. rage sagt

    @Ramona: Danke für die Links. Werd sie mir das Wochenende zu Gemüte führen. Ja, die Nachbarskinder am Tisch, so kenn ich das auch noch von früher. Großartig!
    @Reisi: Komisch, oder? Du fragst dich, wie das in der Großstadt gehen kann und ich mich, wie ich’s auf dem Land hinkriege. Klar, unterschiedliche Fragestellungen verbergen sich letztendlich dahinter. Dennoch. es zeigt auf, dass es an beiden Orten doch eigentlich möglich sein müsste, oder nicht? Ich begeb mich mal weiterhin auf die Suche nach einer Lösung.
    @Prot: Hej klar! Komm vorbei, wenn du es mit dem Rad schaffst. Gerne. Wenngleich sich erstmal noch herausstellen muss, wohin es nach dem WWOOFen geht. ;)

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