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Entrümpeln(2). Partnersache?

Wie ist es euch vergangene Woche ergangen? Habt ihr Fotos gemacht? Welche Ecken eures Zuhauses habt ihr mit Bildern festgehalten? Was steht dem Wohlfühlort im Weg? Wie seid ihr vorgegangen? Habt ihr sofort begonnen unliebsames und ehemals geliebtes Zeug loszuwerden? Zu entrümpeln? Nochmal zurückgespult.

Vielleicht habt ihr festgestellt: “Da gibt es gar nicht so viel zu entrümpeln.” Ihr seid glücklich mit dem, was ihr habt. Und überhaupt: Wie solltet ihr das eurem Partner oder den Kindern erklären? Er würde die Augen verdrehen, wenn ihr jetzt anfangt seine kostbare CD- oder Computerspiel-Sammlung verkaufen zu wollen. Oder sie würde am Rad drehen, wenn ihr die Deko-Artikel zu den verschiedenen Saisons unter den Hammer stellen wolltet. Die Kinder würden einen waschechten Gallier-Aufstand auf die Beine stellen, na ja, eher einen von den Minions. Schön wäre beides nicht.

Entrümpeln geht nur gemeinsam

Was ich ganz oft und immer wieder gefragt werde, sei es unter Freunden, vom Radio oder Fernseh: Wie sag ich’s meinen Kindern? Was, wenn der Partner, warum auch immer, nicht diesen Drang empfindet, mit weniger im Leben unterwegs zu sein?

Entrümpeln zu zweit

Wieder mal vorweg: Ich kann hier nur davon berichten, wie es uns ergangen ist. Welche Kompromisse wir geschlossen haben und wie wir auch immer mal wieder neu diskutieren. Fest steht aber: Alleine geht es nur schwer bis gar nicht. Vor allem, wenn der andere so gar nicht mit an einem Strang zieht.

Zum Beispiel letzte Woche. Mein Mann hat sich zum zweiten Mal eine Kiste mit Büchern vorgenommen, die er im Netz auf den verschiedenen Plattformen, um Bücher zu verkaufen, abzugeben oder zu verschenken, eingepflegt hat. Die ganze Woche standen auf der Fensterbank drei verschiedene Bücherstapel. Ich habe so viel innerlich aufgeseufzt und schnell den Blick von dort abgewandt, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Denn inzwischen haben wir nicht mehr so viele Bücher und diese Bücher waren zur Hälfte noch nicht einmal uns. Nur hatte mein Mann zugesagt, sie zu Geld zu machen, sofern sie noch Geld bringen – und hach! Jedenfalls erreichte jeder Stapel für sich noch nicht die monetarische Grenze, dass der Aufwand des Verschickens sich in irgendeiner Form in seinen Augen gelohnt hätte.

Nachdem ich wiederholt daraufhin gewiesen hatte, wie sehr ich mir freie Fensterbänke wünschte, packte er die Bücher geordnet in eine Kiste und sie verschwand auf den Speicher. Cool hört sich das nicht an. Ich weiß. Aus den Augen aus dem Sinn. Zumindest aus meinem. Daher hätte ich den Aufwand auch einfach hingenommen. Die möglichen Bücher verkauft, den Rest an zwei Büchereien in der Nähe und einen öffentlichen Bücherschrank abgegeben und dann kurzen Prozess gemacht. Ja, ich entsorge inzwischen leichter Hand auch schon mal Bücher, wenn sie keiner haben will oder sie furchtbar alt sind. Dem Mann ging das zu schnell. Also haben wir einen Kompromiss gefunden. Er hat die Bücher sortiert weggepackt und jetzt liegt es an ihm, sie loszuwerden. Vorerst freue ich mich über unsere freien Fensterbänke, bis ich mich dem Zimmer auf dem Speicher zuwende.

Das mag sich jetzt als fauler Kompromiss anhören. Wenn wir das mit allem so machen würden, mit Sicherheit. Aber wir reduzieren jetzt seit fast sieben Jahren. Den meisten Kram sind wir innerhalb der ersten drei Jahre an Menschen losgeworden, für die diese Dinge noch brauchbar waren oder die sich das jeweilige Teil was haben kosten lassen . Über Bücher, Möbel, Kleidung, Geschirr, Küchenutensilien, Deko, ein Laufband und einen Fahrradanhänger oder anderen Baby-Kinder-Kram, war da jede Menge Zeug bei, das nicht wieder zurück ins Archiv oder auf einen Speicher kam oder durfte.

Entrümpeln mit den Kindern

Dann gibt es da ja auch noch unsere wilden Kerle, die regelmäßig ihr Spielzeug aus dem Kinderzimmer ins Wohnzimmer befördern. Es ist nicht so, dass sie hier kein Spielzeug hätten. Absolut nicht! Es gibt eine große Kiste mit duplo Steinen und eine Kiste voll mit Holzeisenbahnstreckenstücken. Im Wandschrank haben sie außerdem ein Regalfach mit eigenen (Bilder)Büchern und einigen Gesellschaftsspielen. Mein Kreativschrank bietet weitere Möglichkeiten freie Zeit gemeinsam zu gestalten. Nicht zu vergessen die Küche nebenan.

Trotzdem landen schnell mal Schleichtiere oder kleiner Legokram in Küche und Wohnzimmer und wird oftmals abends vergessen und liegen gelassen.

5 Tipps zum gemeinsamen Entrümpeln

Unsere Erfahrungen und Erkenntisse über das gemeinsame Entrümpeln (reduziert Leben) möchte ich mal in fünf Punkten zusammenfassen.

  1. Entrümpeln erfordert gegenseitiges Verständnis. Nicht nur Zeit, sondern auch die Erkenntnis, ich kann (und will) dem anderen nichts aufoktruyieren, womit er nichts anfangen kann. Denn dann ist es weder von langer Dauer noch stressfrei umsetzbar.
  2. Entrümpeln bedeutet Auseinandersetzung. Nicht nur mit dem jeweiligen Menschen, mit dem wir gemeinsam unser Leben teilen und gestalten. Auch mit dem Besitz an sich. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, was für eine Bedeutung dieser Gegenstand für uns hat. Wieviel liebgewonnene Erinnerung oder vermeintliche Bedeutung hängt daran oder messen wir ihr bei? Ist es wirklich so wichtig, Bücher als Trophäen im Regal stehen zu haben? Oder wollen wir das Buch später unseren Kindern weitergeben, weil es sowas von gut war? Den Papalangi zum Beispiel. Nicht als elektronische Version, sondern auf Papier?
  3. Entrümpeln bedeutet Kompromisse zu finden. Unsere Kinder spielen am liebsten in unserer Nähe. Sie genießen auch mal die Ruhe und Abgeschiedenheit in ihrem Zimmer, aber sie wollen bei uns sein und ich liebe ihre Anwesenheit. Klar dürfen sie bestimmte Dinge auch mal länger im Wohnzimmer lagern. Schließlich haben wir den Platz dafür. Zu gegebener Zeit, herrscht dann auch nochmal Leere, weil ich sie brauche.
  4. Motivationen zu entrümpeln können unterschiedlich aussehen. An dieser Stelle möchte ich von reduziert leben sprechen. Genauso wie in Punkt 5, wenn es darum geht, dass ich meinen Kindern etwas vorleben möchte, von dem ich überzeugt bin. Welche Motivation hat denn mein Partner, wenn er reduziert leben möchte? Hat es mit Ordnung und Überblick zu tun? Oder mit erleichterter Durchführung bestimmter Haushaltsaufgaben, wie dem Putzen oder Staubwischen? Oder geht es um Aspekte der Nachhaltigkeit oder das Einsparen von Geld und/oder Zeit?
  5. Reduziert leben als eine Chance für bewusst(er)leben. Mir ist es ein Herzensanliegen geworden, meinen Kindern zu zeigen, dass es mit Weniger geht – ohne große Einschränkungen und mit viel Gewinn. Zudem sollen sie ein Gefühl für die dahintersteckende Notwendigkeit entwickeln, dass wir uns Gedanken über unsere Art des Konsumierens machen. Es nicht als selbstverständlich ansehen, dass die Milch abgepackt im Kühlschrank steht. Wie kommt sie denn dort hin? Von welcher Kuh? Wie oder was hat die Milch aus der Kuh in den Karton befördert. Wer hat den Karton hergestellt? Wie ist der Karton dorthin gelangt? Und wie sieht dasselbe mit einer Flasche aus? Ich wünsche mir, dass meinen Kindern – etwas früher als mir – deutlich wird, was für einen Wert all diese Dinge haben, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, die wir als selbstverständlich hinnehmen und gewöhnlich als Normalität erwarten. Mein fünfter Tipp lautet: Seht diese Auseinandersetzung und das Entrümpeln als Chance für euch und eure Familie und nicht zuletzt für eure Welt, in der ihr lebt.

Entrümpeln in der Praxis

Ihr habt jetzt die ein oder andere Rümpelecke in eurer Wohnung aufgetan. Vielleicht hattet ihr auch schon erste Konflikte mit Menschen, die ebenfalls an diesem Ort leben und die Ecken gar nicht so schlimm finden.

  1. Was von diesen (gemeinsamen) Dingen stört euch am meisten? Warum? Und weiß euer Partner davon? Hast du schon mal versucht darüber zu sprechen, warum es dich stört? Ein solches Gespräch solltet ihr nicht mit “Ich will/möchte, dass das wegkommt…” beginnen. Ich spreche aus Erfahrung. Es ist wichtig, dass ihr austauscht, wieso es euch so oder so damit geht. Sonst hat der andere gar keine Chance einzuschätzen, was in euch an Gedanken und Gefühlen abläuft. Und umgekehrt eben auch nicht!
  2. Versucht einen Kompromiss zu finden. Irgendeinen. Einen kleinen als gemeinsames Experiment für eine Woche, vielleicht ja auch zwei. Wenn’s doof läuft, dann holt ihr den Kram zurück, weil ihr ihn erstmal nur außer Sichtweite geparkt habt.
  3. Im Kinderzimmer häuft sich ganz furchtbar schnell viel Zeug an, weil jeder Besuch, jede Oma und jede Tante den lieben Kleinen was mitbringen möchte. Womit wird denn wirklich intensiv gespielt? Bis auf drei Themen mal alles andere rausschaffen (Natürlich nur, sofern ihr den Platz dazu habt. Aber den wollt ihr euch ja vielleicht insgesamt zurückobern?). Schrott dabei direkt aussortieren. (Nicht wieder reinlassen!!)

So viel von mir an diesem Montag. Ich bin gespannt und freu mich auf eure Kommentare. Hier ist letzte Woche nicht allzu viel passiert, dafür aber auf der facebook-Fanpage von MamaDenkt. Wenn ihr Lust habt, dann kommt dort vorbei und lest nach, was die anderen so an Ideen, Anregungen und Fragestellungen mitbringen. Ich freu mich auf euch! Egal wo.

8 Kommentare

  1. M@ria sagt

    Bei uns bin ich die treibende Kraft beim Ausräumen und Aussortieren. Bei einigen Sachen frage ich niemanden, wenn sie nur in meinen “Zuständigkeitsbereich” fallen. In all den anderen Fällen frage ich. Meistens bekomme ich die Freigabe, manchmal aber auch nicht. Das sind dann meist Dinge, die einen ideellen Wert für den jenigen haben. Und das akzptiere ich dann ohne nachzufragen.
    Die Methode mit dem -erst einmal nur aus den Augen räumen-, also auf Test aussortieren, habe ich bei Alufolie, Frischhaltefolie und Plastiktüten gemacht. Und siehe da: Diese Dinge sind nicht unserem Haushalt verschwunden, aber ich muss sie nur ganz selten rausholen. Nur sehr selten lässt es sich (fast) nicht vermeiden, Mehrwegbehälter usw. zu nutzen.

    So richtige Rumpelecken gibt es bei uns im Wohnbereich nicht mehr. Beim Dachboden bin ich noch dabei…

    • rage sagt

      Diese Dinge, die du aus den Augen geräumt hast, habe ich letztlich auch nicht mehr nachgekauft. Ich versuche ihre Verwendung immer irgendwie zu umgehen. Eine passende Auflaufform mit Deckel wäre noch eine sinnvolle Investition in der Zukunft. Wenn MAhlzeiten vorbereitet und im Kühlregal gelagert werden.

  2. maybee sagt

    Was du da mit deinem Mann und der Bücherkiste beschreibst, das kenne ich. Geht mir mit meiner besseren Hälfte wirklich genau so.

    Das aus dem Sichtfeld räumen funktioniert bei uns nur mäßig. Sobald nach einiger Zeit das Gespräch über die Sache x aufkommt fehlt die plötzlich ganz arg, obwohl das zwei Wochen lang gar kein Problem war, dass sie nicht da war xD Naja Kompromisse gibt’s trotzdem!

    Frohes Neues btw ;-)

    • rage sagt

      Das wünsch ich euch beiden auch. Frohes Neues!

      Ach ja, und ohne Kompromisse geht es nicht.

  3. Ich hab ein Zusatzzimmer und einen Platz dafür, sagen wir eine Müllecke wo ich das Überflüssige dann sortiere mit einer Zeitvorgabe von einer Woche bis wann der Berg weg sein soll. Immer sehen will ich den Krempel auch nicht im Wohnbereich. Mittlerweile ist es aber nur noch ein Austauschen. Weil die nächste Wohnung kleiner wird kommt Ausbreitung und Vermehrung von Dingen nicht mehr in Frage. Hab dich gerade im Smartphone gesehen. Mein erstes Smartphone. Ich habs getan. Als Tipp für die Extremen unter uns: Nicht zu viel reduzieren nur des Minimalismus wegen. 20% mehr behalten als man im Minimalismusrausch meint zu brauchen. Es gibt besondere Lebenssituationen, da ist eine Skihose lebensrettend, ein Lamyfüller schön anzusehen und ein Rührgerät praktisch.

    Liebe Grüße,
    Tanja

    • rage sagt

      Ohja. Ich hab meinen Lamyfüller kürzlich gesucht und tatsächlich wiedergefunden. Den hatte ich also noch nicht wegreduziert… :D

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