AlltagsAbenteuer, bewusst:er leben
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#qualitytime

Ich habe schon Anfang des Jahres darüber nachgedacht, einen Artikel zu diesem obskurren Wort zu verfassen. Es kam mir damals aber irgendwie nicht richtig vor und ich wollte nicht wütend um mich schreien. Jetzt kommt es vielleicht doch zu sowas in der Art. Zumindest ein Infragestellen. Ein kritisches Betrachten.

Aktuell lese und höre ich dieses Wort an jeder Ecke. Vielleicht liegt es an den gemeinhin stattfindenden Ferien. Kein anderes Wort erinnert mich mich so sehr an “Quality Street”. So heißen diese Karamell – Bonbons in pinker Dose, ihr erinnert euch?!!

#qualitytime vs. ?

Das Wort an sich nervt mich ganz fürchterlich. Ich finde es ernüchternd und gleichzeitig zutiefst traurig, dass wir unterscheiden zwischen #qualitytime und, ja was ist denn das andere? Alltag? Job? Was denn eigentlich?

Dann kommen Schlagwörter wie Work-Life-Balance hinzu und … ich verlasse Kopfschüttelnd die Bühne.

Definitionsversuch

Qualitytime: Qualitätszeit, die – bedeutet so viel wie die bedeutungsvolle Zeit, die ein Mensch oder eine Menschengruppe in der jeweiligen Lebenszeit oder seinem Alltag verbringt. Sei es beim Kaffeetrinken, bei sommerlichen Freizeitaktivitäten oder den gemeinsamen Abendveranstaltungen. Manchmal handelt es sich auch um Momente der Entspannung und des Erholens, die von der Person durch dieses Wort als besonders wertvoll und von Bedeutung hervorgehoben werden sollen.

Nur mal ein Versuch einer Definition. Unvollständig? Mit Sicherheit! Erweitert es mit dem, was ihr so zu Ohren bekommt.

Es fällt jedoch auf, dass auch und gerade viele Eltern und Menschen in einer Paarbeziehung dieses Wort benutzen. Meist wird damit zum Ausdruck gebracht, was sie in der besonderen Zeit sich selber und ihrem Partner oder ihrer Familie Gutes tun. Sich mal gönnen.

Vielleicht bin ich diesbezüglich wieder einmal zu idealistisch konfiguriert. Vielleicht stößt mir dieses Wort auch nur wegen unserer aktuellen Situation so auf? Ich weiß es nicht.

Plädoyer gegen die Denke hinter dem Wort

Ich meine, ich habe doch nur dieses eine Leben. Natürlich kenne ich die Momente, durch die ich hindurch muss und dann ergeben sich zwischendurch Inseln des Aufatmens, die ich vielleicht als Qualitytime bezeichnen könnte. Und ja, wir befinden uns gerade in einer ganz festgefahrenen, oftmals unerträglichen Lebenssituation, aus der ich unbedingt raus möchte. Für uns, für mich. Ich sehne mich nach dieser Qualität. Dennoch! Ich packe sie zu jedem Zeitpunkt in unser Leben. Auch in diesen aktuellen Mist.

Missverhältnis

Vielleicht bedauere ich die Tatsache, dass dieses Verhältnis von Zeiten so sehr ins Ungleichgewicht geraten ist. Die Zeiten des sich Zusammenreißens müssen unendlich viel häufiger gegenwärtig sein als die Augenblicke sich zu erholen und am Leben Freude zu haben. Mich stört also 1. dass es viel mehr Anstrengendes und damit scheinbar weniger qualitativ wertvolles Leben zu geben scheint, als eben das qualitativ wertvolle. 2. Obwohl es doch eigentlich traurig ist, dass wir uns so selten #qualitytime einplanen, trägt es zum Image bei, wenn wir es selten haben, es uns nur sehr bewusst gönnen können und dasselbe bitte nicht zu häufig tun. Ich geh jetzt erstmal Kuchen essen.

Hargh!

Was ich meine: Wir tun so, als wenn es gut sei, dass wir diese Momente nur selten haben, dann jedoch zutiefst genießen. Denn scheinbar ist es gut, dass wir ansonsten so hart arbeiten, uns keine Zeit für die wesentlichen Dinge im Leben nehmen können und insgesamt großen Leidensdruck durchleben. In dem Moment haben wir erst ein Recht auf diese zauberhaften winzig kleinen und viel zu kurzen Glücksmomente? AUf #qualitytime eben. Das ist absurd!

Persönliche Bewusstseinsänderungen

Ich möchte mal behaupten, dass ich bis zu meinem Abitur stark funktioniert habe. Ich habe mich persönlich zu Höchstleistungen angetrieben, war Jahrgangsstufenbeste. Einfach nur weil ich dachte: “Das muss so sein.” So ein Quatsch. Seitdem ich mein Abitur habe, merke ich, dass mir meine Energie mich zu disziplinieren stark abhanden gekommen ist. Ich habe dieses Gefühl bisweilen schon noch. Dieses Gefühl Zähne zusammenbeißen zu müssen. Aber nur noch für ganz konkrete und zeitlich begrenzte Aktionen, die mir persönlich unglaublich wichtig sind (Kinder kriegen, Wohnzimmer streichen, Blogartikel schreiben…). Das Abi war mir damals wichtig, aber ich weiß nicht, wie fremdbestimmt ich damals war.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass wir als Familie schon immer versuchen unser Leben so einzurichten, dass es zu uns passt. Und dann wird aus den 24h an 7 Tagen die Woche plötzlich sowas, das ich Qualitytime nennen möchte. Das geht aber über eine sportliche Session am See oder einen Kaffee im Lieblingscafé hinaus. Auch die blöden Momente, die oft Konsequenzen unserer anderen Entscheidungen sind, werden zu #qualitytime.

Und trotzdem Erschöpfung?

Ja. Obwohl das so ist, befinden wir uns als Familie in einer Erschöpfungssituation, die unglaublich krass ist und uns alle, vor allem uns Eltern an den Rand unserer psychischen, körperlichen und seelischen Grenzen bringt. Einmal mehr wird mir bewusst, wie falsch bestimmte Dinge politisch, gesellschaftlich, aber natürlich auch persönlich laufen können. Ich kann nicht alles nur auf die äußeren Umstände schieben. Das ist mir schon klar. Trotzdem laufen viele Dinge in unseren Gesellschaften schräg! Auch das Wort Qualitytime und dessen Bedeutungshintergrund zählt m.E. dazu.

Ich lebe. Jetzt!

Selbst wenn ich während des schulischen Alltags morgens früh gut funktioniere und bestimmte Dinge abarbeite, ist das alles wertvolle Zeit für mich. Zeit, die für mich von besonderer Qualität ist. Der Haushalt ist etwas, bei dem ich die Stirn runzel und den ich nicht ganz so aus vollem Herzen und mit Leidenschaft angehe. Aber ich lasse mir von diesem Part unseres Lebens auch nicht zu viel Zeit nehmen, um ehrlich zu sein (siehe die Beiträge rund um Minimalismus im Haushalt).

Ich mag das Wort Qualitytime nicht so wirklich. Die Art und Weise, wie wir dieses Wort verwenden und viele sich damit brüsten, noch viel weniger. Es trifft bei mir eher auf Unverständnis und Abneigung als auf Bewunderung oder Ähnliches.

Wie seht bzw. hört ihr dieses Wort? Sind meine Worte oder Gedanken zu …

18 Kommentare

  1. tolitha sagt

    Oh ja, danke für diesen Text! Ich mag das auch gar nicht und kann deine Gedanken total nachvollziehen. Ich finde das eher lächerlich als bewundernswert.

  2. Prot sagt

    qualitytime?
    Ich finde ein Begriff, den ich nicht nachvollziehen mag. Und ehrlich hier das erste mal gelesen habe! Wer ist nur immer so erfindungsreich das es neue Begriffe gibt die Unzufriedenheit erschaffen? Und dann wieder so ein englischer Begriff ins deutsche übertragen. Der dazu dient das die Generation Internet sich verrückt macht.
    Lebensqualität ist im deutschen weder so ausklammernd von Ereignissen und Leben. Und es erschafft auch keinen Inhalt an dem sich der einzelne reibt.
    Zufriedenheit würde sogar als deutsches Gegenstück diesen Begriff fast lächerlich erscheinen lassen.
    Vielleicht mal Menschen die dieses Wort qualitytime verwenden, fragen was macht dich daran zufrieden oder wie unterschiedlich ist den die Lebensqualität das es ein neues Wort braucht.
    Da es eine Mode ist das Wort zu verwenden qualitytime würde es wohl eher keine wirkliche Antwort geben. Aber so ist das eben mit Sprache. Nicht jede neue Wortschöpfung beachten und es lebt sich auf jeden Fall zufriedener.

  3. Jana sagt

    Ein allgegenwärtiger Begriff, den ich vor einigen Wochen auch erstmals genauer betrachtet und hinterfragt habe. Ich wollte auch unbedingt “mehr davon”. In viel geringerem Maße als bei euch war auch mein Akku leer und ich träumte von diesen “Qualitätsmomenten”, die ich scheinbar kaum noch hatte (Job, 2 Kinder, Haus und Garten, der seit der Haussanierung seit 3 Jahren auch komplett umgemodelt wird). Ich musste mir dann mithilfe meines Mannes erstmal klar werden, dass auch in den alltäglichen Dingen mehr Freude steckt, als ich sie zu dem Zeitpunkt bereit war zu sehen. Auch wenn ich das Putzen nicht mag, kann ich mich an der Ordnung danach erfreuen (und mache mir das jetzt schon dabei bewusster), auch wenn ich partiell meinen Job zu stressig finde, gibt er mir auch viel Positives zurück.
    Ich freue mich immer, wenn du trotz eurer Probleme einen neuen Artikel online stellst, denn deine Gedanken regen einen zum Nachdenken an und ich hoffe, du schreibst weiter. Auch und gerade über problemtische Situationen. Ich wünsche euch viel Kraft und Durchhaltevermögen für viele kleine Schritte raus aus dem Dunkel.

    • rage sagt

      Liebe Jana, danke für dein Feedback. Ich brauchte eine Pause. Mal schauen, wie die Rückkehr hierher ausschauen wird.

      Deine Schilderungen kommen mir bekannt vor. Auch die beschriebene Freude an der Ordnung, nach meinem Arbeitseinsatz. Ich persönlich muss nur aufpassen, dass ich dann vor lauter Erschöpfung diese Freude eigentlich gar nicht mehr genießen kann und lerne, öfter mal dann doch was liegen zu lassen oder was anderes zu machen.

      Mal schauen, wohin mich diese Versuche führen werden… Dir eine gute Woche!!

  4. Yvonne sagt

    Hallo Rage, ich bin gerade dran am Wort “Müssen”….will das gar nicht vertiefen …aber definitiv müssen wir nicht Defintionen von anderen übernehmen und unsere eigenen machen !!!! Nicht unter Druck setzen lassen durch solche Begrifglichkeiten und damit verbundenen Erwartungen! Innehalten, Abstand, ein Gespür für eigene Bedürfnisse bekommen und diese auch benennen, wünschen , umsetzen …ist in Zeiten des Gefühls der Überforderung und Erschöpfung für mich eine gute aber auch schwere Aufgabe…ich schaffe es im Gewühl der Familienbeziehungen und eigenen Mustern zur Zeit mit Hilfe von Außen… Liebe Rage…mach die Welt wie sie dir gefällt…mit und ohne des “Müssen”Herzliche Grüße Yvonne

    • rage sagt

      Danke Yvonne. Ja, ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. K2 macht es mir vor. Das ist soooo gut!!

  5. Hallo Rage,

    ich mag den Begriff auch nicht – besonders im Zusammenhang mit Arbeit als etwaiges Gegenteil widerstrebt er meinen Werten. Aber das ist wahrscheinlich einen eigenen Beitrag wert.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    P.S. Schon länger frage ich mich, ob du Rage oder Rahel heißt, bzw wie du lieber genannt werden möchtest.

    • rage sagt

      Hallo Philipp,

      ich heiße Rach-hell. rage ist der Spitzname. Nur nicht Rahel. Darauf höre ich nicht. ; )
      Ob du das hier noch liest??

  6. Ich hab immer Quality time. Ist alles Lebenszeit. Ich ärgere mich nicht, dass ich um 5 schon wach bin wie heute morgen, sondern nutze die Zeit und spüle schon, dusche, schaue Film an und genieße die Ruhe.

    In der Quality time kümmert sich die Karrierefrau um die vernachlässigten Kinder und Partner. :) Hab ich alles nicht. Was man mit Kindern unternehmen soll, das sich einbrennt, wurde Gerald Hüther gefragt. Ich dachte spontan: “Nichts.” Das war auch seine Antwort. Es geht nicht um was Besonderes erleben sondern einfach da sein im Alltag, den Alltag mit ihnen leben, mit ihnen sprechen, sie wahrnehmen in ihren Person. Ich meinte zu einer Oma und den beiden Kids neulich: “Gib ihnen ein Messer.” ‘Nein’. “Doch!” ‘Nein.’ Dann haben die Kinder 2 Stunden geschnitzt. So ruhig waren sie noch nie.

    • rage sagt

      Stimmt. Nur der Gedanke, im Alltag da zu sein, dass mein Alltag ihre Kindheit ist, das kann auch enorm unter Druck setzen. Ich weiß, dass es so ist. Daher ist meine konsumkritische Einstellung überhaupt entstanden und Minimalismus zum Thema geworden: qualitative Lebenszeit, das ist gelebter Alltag. Deswegen konzentrieren wir uns auf das Wesentliche, bzw. unternehmen immer wieder den Versuch. Es ist nur anstrengend, sich von dem allgemeinen Mainstream ablenken zu lassen.

      Na ja, und das Wort, ich weiß nicht, vielleicht habe ich es auch schon verwendet, es gefällt mir aber absolut überhaupt gar nicht. Und seit meinem konkreten Nachdenken darüber, habe ich es kategorisch aus meinem Wortschatz gestrichen.

  7. Was für ein blöder Begriff, der dazu da ist, schlechtes Gewissen zu beruhigen!
    Danke für deinen Artikel, darin finde ich mich absolut wieder! Und ich bin sogar davon überzeugt, dass auch die Krisen und schlechten Zeiten ihre wichtige Qualität haben. Sie formen uns und unser Leben und spätestens im Nachhinein wird klar, wofür sie gut waren/sind.
    Besonders bei Eltern-Kind-Zeit finde ich den Begriff sehr unpassend, denn Qualitytime ist nicht für jeden das Gleiche. Als die Buben klein waren, hatten sie es am liebsten, wenn ich ganz still irgendwo im Raum war und sie in Ruhe spielen konnten. Die Nachzüglertochter will mich aktiv für sich und die inzwischen Großen schütten mir ihr Herz nur noch nachts (bis früher Morgen) aus. Nicht gerade die Zeit, in der ich auf Hochform laufe, sehr “ärgerlich”, wenn mich ein rumpelnder Heimkehrer weckt, womöglich auch noch angetrunken, aber wichtig.
    Klar gibt es ungeliebte Tätigkeiten, ich bügle nur, was mir (oder den Meinen) wichtig ist, ich mag nicht “shoppen”, also lasse ich es so weit wie möglich. Und ich habe das Glück, dass ich meinen Beruf sehr mag, mit all seinen Höhen und Tiefen. Also auch Quality (wenns auch nicht immer so aussieht, und doch, wie gesagt, irgendwann ist ersichtlich, dass sich der Ärger bezahlt gemacht hat).
    Natürlich möchte man nicht jede Erfahrung selbst machen, so könnte euch der Erschöpfungszustand liebend gerne erspart bleiben, doch ihr werdet verändert draus hervorgehen. Und ich drück euch die Daumen, dass dies nicht all zu lange auf sich warten lässt (aber leider halt eben so lange, wie es nötig ist). lg

    • rage sagt

      Einfach nur danke, liebe Tagpflückerin. Dein Kommentar hat mir in unserer Auszeit sehr, sehr gut getan!!! Ich habe wieder etwas Hoffnung.

  8. Liebe Rage, tatsächlich gehöre ich wohl zu denen, die im Sinne des schnell aus Listen ausgewählten Hashtags diesen Begriff schon bei Instagram verwendet haben – über die Schattenseiten habe ich zwar dabei tatsächlich nicht viel nachgedacht und kann deine Gedanken dazu gut nachvollziehen, aber in unserer Lebenswirklichkeit sehen wir hinter den Momenten des Innehaltens tatsächlich momentan besondere Momente. Dabei geht es mir aber nicht darum, dass ich erst hart arbeiten müsste, um mir diese Momente zu verdienen – sondern eher um die andere Seite der Medaille. Unser Leben ist momentan übervoll und doch selbst gewählt, wobei wir weder bei den Themen Vierseithofsanierung noch dem jeweiligen Berufsalltag einsparen möchten oder das Gefühl haben, es nicht freiwillig zu tun. Diese Anforderungen schaffen wir aber nur. weil es für jeden in den Familie eine regelmäßige Auszeit gibt, diese bewusst wahrzunehmen, ohne das Gefühl zu haben, dass man sonst Zeit verbringt, die keine “Qualität” hat, sind meine Gedanken dabei …

    • rage sagt

      Liebe amberlight, wie gesagt – siehe die anderen Kommentare – kann ich mich da auch nicht ganz rausnehmen. Es könnte sein, dass ich diesen Begriff in der Vergangenheit auch schon verwendet habe.

      Aber: Die verbreitete Bedeutung dahinter, ist das eigentliche, was mich an dem Begriff stört. Ihr scheint den Begriff sehr reflektiert zu verwenden und du auch sehr genau zu wissen, worum es dir dabei geht. Das ist super! Für mich ist es inzwischen das Wort Auszeit, was mir dbzgl. besser gefällt. Es impliziert nicht so sehr den Gednaken, dass das Gegenteil von Auszeit qualitativ minderwertiger ist.

      Ich bin immer sehr beeindruckt, wie ihr das alles als Familie managed. Und zeitgleich merke ich, dass wir eben unseren persönlichen Weg finden müssen. Danke für deinen Kommentar. Ist das Buch eigentlich weiterhin unterwegs? (Mein Freund Salim?)

  9. maybee sagt

    Ich denke das ist so ein bißchen Zeitgeist, dieses Wort. Mir kommt es immer so vor, als lebten wir in einer Gesellschaft, in der altägliche Dinge aus irgendwelchen Gründen nicht mehr gut genug sind für ein erfülltes (whatever that is) Leben. Da braucht man denn – weil man um diese Dinge eben nie drum rum kommt – eben ein bißchen Reframing. Und mit diesem Wort kann man halt altägliche Dinge durchaus aufwerten.

    Das ist komisch, insoweit darin gleichzeitig eine Abwertung von allem, was man nicht damit klassifiziert impliziert wird. Warum? Nur weil eine Zeit besser wird oder werden soll, muss das nicht so sein, dass eine andere dadurch schlechter wird. Rein begrifflich legt das Wort das aber nahe. Und dann dreht sich der Problemkreisel einfach ein Stück weiter und wir sind wieder am Anfang.

    Wenn man damit einfach nur bewusstes Verbringen von Zeit meint, bietet die deutsche Sprache elegantere Wege das auszudrücken – imho. Da gibt es das schöne Wort “Auszeit” – das drückt wohl schon den Kern dessen aus, worum es vielen dabei gehen zu scheint. Nur eben ohne die implizite Abwertung vom ganzen Rest.

    Dürfte übrigens für die Interessierten ein super Beispiel sein, wie sehr man mit und durch Sprache das eigene Denken beeinflussen kann bzw. wie sehr es beeinflusst wird. Danke für den Artikel!

    • rage sagt

      Den Satz “Es muss weitergehen.” kann man sich eben sparen. Und es verändert die innere Befindlichkeit, wenn ich mir plötzlich darüber bewusst werde, wie sehr ich meine, für das Glück des anderen verantwortlich zu sein… Mein aktuelles “Mantra”: ich bin nicht für das Glück des anderen verantwortlich. Zumindest setze ich mich damit gerade sehr auseinander. Blogartikel folgt bestimmt. ; )

  10. Britta sagt

    Liebe Rachel.
    Ich hatte bisher nie so genau drüber nachgedacht. Habe den Begriff sogar auch benutzt.
    Aber da ich ja eigentlich auch für unschönen Zeiten, die “Tiefs”, dankbar bin, weil ich irgendwie denke, sie machen mich gelassener und etwas realistischer/demütiger, hast du recht. Qualität haben manchmal erst recht die.
    Ich benutze sowieso am liebsten “Erholung” – ob jetzt für Matze, für mich oder uns zwei zusammen. Hat halt anders Qualität.
    Wirklich LEBEN mit hoch und tief und Risiko und Gefühl hat immer Qualität :) – toll, dass du mich zum Nachdenken gebracht hast. Rachel, dein Blog ist toll. So bleibe ich trotz der wahnsinnigen Entfernung ein bißchen mit dir und deinem Leben in Kontakt. Voll gut. Ich drück dich!! :* … und wünsche deinen Liebsten und dir Gottes Segen und Erholungszeiten, also so flache, ruhige, langweilige und stille Zeiten. Denn:
    Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach nur dazusitzen und vor sich hin zu schauen.

    • rage sagt

      Liebste Britta,
      in den Momenten, in denen ich plötzlich einen Kommentar von dir hier finde, da freue ich mich noch mehr, dieses Schreiben für mich entdeckt zu haben. Denn ja: Wir bleiben tatsächlich über so eine Strecke in Kontakt. Das ist genial!!! Es bringt mein Herz zum Klingen. :*

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