AlltagsAbenteuer, res publica
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teilen und tauschen statt haben und besitzen

Vor einiger Zeit habe ich schon bei reduziert-leben.de über die Thematik geschrieben. Das manager-magazin und auch das Stern-Magazin (vermutlich noch ein paar andere Journalisten und Zeitschriften) haben sich die Thematik zu eigen gemacht und beleuchtet. Die bisherigen Artikel machen mich nachdenklich. In erster Linie sind es die Begrifflichkeiten, wie shareconomy und collaborative consumption, und was aus tauschen, teilen und leihen gemacht wird.

Dann gab es einen Artikel über die Verwässerung der Begrifflichkeiten, der unter dem Titel Bedingungslosigkeit das in Worte fasste, was mich irgendwie so sehr am Trend der Share Economy störte. Es ging ums Schenken und Teilen und darum, dass wirtschaftliche Vernunft dazu führt, an diese eigentlich erwartungsfreien Handlungen immer häufiger Gegenleistungen zu knüpfen. Das GegenBeispiel hat mich nochmal inspiriert und wenn ich die Möglichkeiten hätte, dann würde ich zugerne Teil einer solchen Idee sein. Jeden Mittwoch ein Essen verschenken. Jederzeit ein Gästezimmer zur Verfügung zu stellen. Teile meiner eigenen GemüseErnte jeden Montag im HofKarren kostenlos an die Straße zu stellen und zu verschenken. Unser Spielzeug mit anderen Familien teilen. Ohne immer eine Gegenleistung zu erhalten.

Heute gab es dann erneut einen Artikel zum Thema. Diesmal bei brandeins: “meins bleibt meins”. Wieder hatte ich den Eindruck, “Ja, so sehe ich das irgendwie auch.” Und: “Ja, ich will es aber anders machen.” In dem Artikel geht es um die Generation, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurde. Eine Generation, die sich nicht darauf verlassen kann, dass sie in zwei Jahren noch denselben Job hat wie vorgestern. Eine Generation, die zunehmend verlernt oder gar nicht erst gelernt hat, wie man einkocht, pökelt, Gemüse überhaupt anbaut oder Socken stopft. Ich zähle mich dazu und habe das dringliche Bedürfnis mir diese Dinge so anzueignen, wie es meine Großeltern aus ExistenzGründen vor Jahrzehnten lernen mussten. Und außerdem: Meins soll nicht meins bleiben.

Schenken bedeutet für mich: Jemand anderem etwas Gutes tun – sei es durch eine Geste oder ein Ding oder was auch immer – ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das ist doch der Dreh- und Angelpunkt des Schenkens.

Teilen bedeutet für mich: Einen Teil dessen, den ich besitze mit der Gemeinschaft zu teilen. Natürlich: Eine Gemeinschaft kann sehr unterschiedlich aussehen; meine Gemeinde, meine Nachbarschaft, der Turnverein, die Öffentlichkeit, meine Stadt, meine Blogosphäre. Und ja, je nachdem, um welchen BesitzGegenstand es sich handelt, fällt es mir schwerer oder leichter. Doch ich lerne noch und mag mich gerne mehr und mehr von diesen Besitztümern lösen. (Ja, der Zugang zu einem Gegenstand macht dessen Besitz nicht mehr nötig. Doch das ist nicht der entscheidende Grund, weshalb ich mich von meinen Büchern oder unserer SofaGarnitur oder unserem KinderAutositz oder unserem Laufband oder meine GeschirrService für die Queen trennen möchte. Es geht beim Reduzieren und Teilen um: Zeit fürs Wesentliche, Freiheit von Instandhaltung und Pflege, Protest gegen ein Konsumverhalten nach dem Motto “Und nach mir die Sintflut”…)

Ich sehne mich sehr nach einer Lebensgemeinschaft. Und das nicht erst seit gestern sondern schon seit vier, fünf Jahren. Meine Vision ist in den letzten Jahren immer tiefer gewachsen und das HauptZiel dahinter lautet: Leben teilen. Natürlich ist es eine Herausforderung, sich zusammenzutun und das Abenteuer “Leben teilen” umzusetzen. Natürlich habe ich Respekt davor. Aber ganz tief in meinem Herz fühl es sich sooo richtig an. Ich glaube von Tag zu Tag mehr, dass wir vielmehr zusammenrücken müssten, um Leben für alle lebenswert, wertvoll und erfüllend zu gestalten. Nennt mich eine hoffnungslose, idealistische Schwärmerin mit utopischen Vorstellungen. Aber ich glaube, es geht! Eine Lebensgemeinschaft auf einem Bauernhof oder in einem städtischen MehrfamilienHaus, wo jeder für sich ist und gleichzeitig Leben bunt geteilt und gelebt wird. Mit Regeln. Mit kreativer Vielfalt. Mit Gemeinschaft. Mit Besitz. Viele Lebensgemeinschaften sind in den vergangenen Jahrzehnten entstanden, die es hingekriegt haben. Danach sehne ich mich auch. Für mich ist das mehr als ein Trend. Es ist Lebenseinstellung geworden. Genauso wie unser Reduzieren. Der dahinterstehende Minimalismus. Wie das Teilen.

Was hältst du von share economy? Glaubst du es ist ein Trend? Was hältst du von privatem carsharing oder der Vermietung von deinem Gästezimmer, um damit nebenbei ein bisschen Geld zu verdienen? Was bedeutet für dich teilen? Mehr schenken? Oder mehr leihen? Oder mehr vermieten?

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