MamaSein, res publica
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verdienen.

Oder wieso mich mein MamaSein manchmal nervt. Sogar mein FrauSein geht mir auch schonmal ganz gehörig gegen den Strich. Warum? Wegen diesem Verdienen.
SuperMOMIch recherchiere dann manchmal im Netz, wie ich übers Netz meine Ideen für diese Familie, unsere WWOOFing-Visionen, dieses #AlteSchuleProjekt […] finanzieren und Geld dafür verdienen kann. Dann sinne ich darüber nach, wie es wäre, wenn ich für meinen Einsatz einen Verdienst bekäme. Einen finanziellen Ausgleich. Eine Aufwandsentschädigung? Ein Taschengeld? Also bitte!

Ich habe doch die Kinder, an denen ich mich tagtäglich erfreuen kann. Insbesondere, wenn sie die Haustür aus Versehen aus den Angeln reißen, den neuen Ofen mit einemSpielzeugauto demolieren oder das Wohnzimmer feinsäuberlich mit Mehl bestäuben.
Natürlich liebe ich meine Kinder! Natürlich sind sie mir Verdienst genug!

Trotzdem: Wie wäre es denn, wenn ich dafür, dass ich 24h einsatzbereit bin, Geld verdienen würde? Weil ich es verdiene? Wie würde es sich anfühlen, wenn wir als Gesellschaft den Einsatz von Frauen und Müttern ernster nähmen? Wie wäre es, wenn alle Mütter ihren Aufgabenkatalog für nur eine Stunde komplett außer Acht ließen? Die Kinder also doch nicht aus der Kindertagesstätte abholten, die Verarztung des verletzten Kindes unterließen, das Essen nicht kochten, Kinder ignorierten, sie auf dem Klo sitzen ließen und nicht reagierten, wenn sich die zweijährigen Sprösslinge mit der Straßenbahn auf den Weg ins Nirgendwo machten? Was wäre wenn das alle Mütter täten? Alle Mütter, die Zuhause ihren alltäglichen ToDos nachgehen und nichts dafür verdienen? Zum selben Zeitpunkt. Was wäre wenn?

Würde man das merken? Würde man bemerken, dass irgendetwas nicht rundläuft? Würde der Alltag vielleicht sogar für einige weitere Stunden zusammenbrechen? Was wären das für Konsequenzen, mit denen sich die Gesellschaft auseinandersetzen müsste?

Nun ja, bei einem einstündigen Streik, würde im Anschluss die Mutter vermutlich einspringen und als OrganisationsTalent die Sache wieder richten. Also würde man sich dadurch selber wieder nur ins Bein schneiden.

Wenn ich mich mit anderen Frauen darüber unterhalte, wird mir jedes Mal ganz eisig ums Herz und meine Sehnsucht nach gesellschaftlicher Anerkennung verpufft wie ein stinkiger BabyFurz. Denn Aussicht auf Besserung meiner Situation sehe ich da nicht. Die meisten dieser Frauen haben schon längst ihre eigenen LösungsStrategien entwickelt, mit denen sie sich in diesem gesellschaftlichen Missstand relativ “bequem” eingerichtet haben.

Die einen werden gar nicht erst Mutter, weil sie aufgrund von Karriere und Beruf gar nicht dazu kommen und ihre Prioritäten anders gesetzt haben.

Die Frauen, die zu Müttern werden, teilen sich in unterschiedlichen Lagern auf. Zum einen gibt’s diejenigen, die auf eigene Faust versuchen, diese Ungerechtigkeit auszublenden, indem sie neben der Familie eben einfach auch arbeiten gehen. Diese “Familie und Beruf”-Konzepte sehen ganz verschieden aus und scheinen auch ganz unterschiedlich gut zu funktionieren. Manche sind die Lösung, so dass es allen Beteiligten gut geht ( – wenn man das trotz weiterhin bestehender Ungerechtigkeit überhaupt so sagen kann – ), andere bringen einzelne oder alle Beteiligten an die Grenzen ihrer Kräfte und der Machbarkeit. Aufkosten von… ja von wem eigentlich? Der eigenen Gesundheit, der Partnerschaft, der Entwicklung der Kinder, der Lebensfreude, des eigenen Geldbeutels, der Krankenkasse, … auch des Staates? Ich weiß es gar nicht. Aber insgesamt erscheinen mir diese Kosten hoch. Hoch für die Frau. Die Familie oder auch den Mann, der Zuhause bleibt. Insgesamt jedenfalls zu hoch.

Zum anderen sind da diejenigen, die immer wieder motzen und sich beschweren, dass es diese Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft gibt. Dass der- oder meistens diejenige, die Zuhause bleibt, keinerlei Verdienst für ihren Einsatz für die Familie bekommt.
Ich gehöre dazu. Bestimmt.
Ich habe auch noch keine Lösung für mich und meine Familie gefunden. Ich motze rum und schreibe wieder einmal einen Artikel, der dieses Gemotze auffängt, auf dass ein etwas größerer Teil der Öffentlichkeit von meinem Gefühl “ungerecht behandelt zu werden” ein bisschen was mitbekommt. Sofern der Artikel bis zum Ende gelesen wird. Denn irgendwie ist es ja auch ermüdend immer wieder neu Gemotze zu lesen und als solches zu registrieren. Aber keinerlei Verbesserungsvorschläge aufgezeigt zu bekommen, bewirkt vermutlich nur einen ausgeprägten Gähner beim Leser. Entschuldigt bitte dafür.

Viele Mütter nicken zustimmend mit dem Kopf, können verstehen, wodurch mein Schimpfen ausgelöst wird, haben sogar nicht selten noch viel mehr anschauliches Material hinzuzufügen, aber… Das ist halt so. Keine fühlt sich dazu aufgefordert oder in der Lage an den Umständen etwas zu ändern.

* Sie wissen nicht, was sie tun sollen/können.
* Sie haben einen Job, den sie mit Familie recht gut vereinbaren können.
* Männer sind das Übel und die sind halt so. Wenn die nichts ändern, wie sollten Mütter oder Frauen das dann können?
* Sie empfinden den Umstand doch nicht so schlimm. Sind gerne demütig und haben sich beim Kinderkriegen auch dazu entschieden… ( ,nichts für ihren Einsatz zu verdienen.)
* Sie sind UnternehmensLeiterin geworden, haben sich selbständig gemacht und es dadurch allen gezeigt: Sie verdienen sehr wohl etwas. Alleiniges MutterSein reicht dazu eben nicht aus.

Die Liste der Gedanken, Eindrücke, innerer Überzeugungen und konstruierter Lebenseinstellungen ist lang. Wird immer lang sein.

Also was mache ich? Meine Lösung ist auch nur eine befristete, bis mir etwas besseres einfällt. Solange schmeiße ich mich in mein viel zu enges SuperWomanKostüm, an dem sich die nächste Speckrolle abzeichnet, setze die selbstgebastelte Augenmaske meines kleinsten KindergartenKerls auf, und versuche schneller zu sein als mein Alltag. Dann stelle ich mir vor, wie sich die verantwortlichen Entscheidungsträger von Politik und Wirtschaft abends für ihr Bett fertig machen, aufs Klos gehen, den Schlafanzug anziehen und ich als durchsichtiges Gespenst mit Zahnbürsten im Klowasser plansche. Dann befreie ich mich von jeder Menge Kram und Besitz – um den ich mich dann schon mal nicht mehr kümmern muss – und nutze die frei gewordene Zeit für mich und meine Kinder.

Ich blogge, ich kritzle, wir spielen Theater, packen uns einen PicknickKorb und verziehen uns damit auf den Spielplatz. Dort bleiben wir, bis die Sonne untergegangen ist und uns viel zu kalt wird. Dann flitzen wir nach Hause, lesen gemeinsam eine Geschichte im großen Bilderbuch, bauen eben noch eine Eisenbahnstrecke mit gefährlichen Dinos auf, bis ich mich in die schützenden Arme des Alleinversorgers begebe. Mich zärtlich an ihn kuschle und der Welt den einen Finger zeige. Denn diese Dinge hab ich verdient. SO.

 

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