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Vereinbarkeit von Familieplanung und Beruf

Ja, heute geht es tatsächlich mal nicht um den “bösen” Zucker und auch nicht um die wachsende Anzahl meiner Deutschschüler. In unserem Alltag erlebe ich gerade immer wieder tiefste Trauer und größte Freude gleichzeitig. Manchmal frage ich mich, wie wir Menschen das eigentlich asuhalten? Aber es ist wie es ist.

In solchen Momenten kommt es ab und an vor, dass wir uns urplötzlich in existenziellen uns betreffenden Gesprächen wiederfinden – mein Mann und ich. Ich liebe das und bin sehr dankbar dafür mit einem solchen Partner durchs Leben zu gehen.

Heute ging es um Familienplanung. Weitere Kinder. Baustelle. Wir leben, was das betrifft weitestegehend aus Gottes Hand. So formulieren wir das für uns. Es hat ein bisschen was von der Aussage, das Leben zu nehmen, wie es kommt. Ein bisschen. Nach unserem letzten Kind kann ich mir sehr gut vorstellen, dass da auch noch ein nächstes kommt. Ich weiß, wir werden versorgt sein. Ich weiß, die Kerle werden es genießen nochmal ältere Brüder zu werden. Diese Gewissheit reicht jedoch nicht aus. Was weiterhin unbedingt erforderlich wäre:

  1. Mein Mann wünscht sich auch weitere Kinder.
  2. Mein Mann kann uns und mich in dieser Zeit tragen. (Und damit meine ich nicht körperlich – das wird schwierig – sondern mental, emotional …)

Bei Punkt 1 stellte sich im Gespräch heraus: Sofort. 30 Minuten mit den Jungs hier Zuhause ist das immer wieder neu klar. Am liebsten hätten wir immer das Haus voll mit Kleinkindern, Kindern, geliebten Menschen.

Die Umsetzung von Punkt 2 gestaltet sich da schon etwas schwieriger. Tragen kann mich mein Mann nur, und umgekehrt gilt das in der Regel auch, wenn er ein klares Ja zu einem weiteren Kind sagen könnte. Doch die eine Sache macht ihm dieses Ja sehr schwierig: der Job.

“Ich würde sofort Ja sagen, rage, wenn ich wüsste, dass es für mich berufliche Entzerrung geben würde.” Mann von rage

Ok, wie könnte das aussehen? Bei mehr als zwei Kindern? Wenn immer mindestens eins erfordert, dass Mama oder Papa Zuhause ist. Und wenn ich mich, weil gut in den Job Zuhause eingearbeitet, nur ungern auf einen Rollentausch in dieser Situation einlassen mag? Schon die Vorstellung bereitet mir Bauchschmerzen. Geht es denn überhaupt um den Job? Oder ist es eigentlich was anderes, das dahinter steckt? Etwas Persönliches? Oder doch etwas Gesellschaftliches?

Mancher, der unser Lebenskonzept kennt, weiß, dass wir alles reduziert haben: Bücher, DVDs, Spielzeug, unliebsame Haushaltsaufgaben, Beziehungen und auch Arbeitszeit. Ja, auch Arbeitszeit. Der Mann arbeitet in der Woche 34h, die sich auf 4 Tage verteilen. Ja, wir haben eine 4-Tage-Woche. Ursprünglich gedacht, um mir einen Tag zum Schreiben zu ermöglichen. Doch dann kam das Haus, dann das nächste Kind und jetzt schreibe ich eben nachts. Wenn alles schläft. Ja, wir Frauen rücken und rucken und zuppeln uns den Alltag von den Kindern, den Ehemännern und eben auch den eigenen so zurecht, dass es passt. Denn wenn nicht, tja, dann wird uns eben was fehlen. Den Müttern.

Wenn ich mir also ein weiteres Kind wünsche, dann werde ich eine weitere Aufgabe übernehmen müssen, um vielleicht berufliche Entzerrung für meinen Mann zu erlangen. Vielleicht. Neben dem weiteren Kind. Merkt ihr was?

Es ist also mal wieder dieselbe Antwort, wie sonst auch. Man mag jetzt sagen: Wenn man etwas wirklich will, dann muss man sich auch dafür einsetzen. Es findet sich dann schon ein Weg. Manchmal muss man eben Abstriche machen…
Das mag sein.
Doch ich will das so nicht! Ich seh das gar nicht ein, wegen des Jobs Abstriche zu machen. Wegen Geld auf Kinder zu verzichten. Wegen des Berufs auf QualityTime mit meinen Kindern zu verzichten. Nein.

Ganz tief innen drin bin ich gewiss, dass es irgendwie funktionieren würde. Doch für meinen Mann und meine Kinder wünsche ich es mir wirklich entzerrter, sprich entspannter. Solange der Mann es nicht wirklich so sehen kann, wie ich es fühle und denke, dann sollte das Thema vertagt werden.

Und dann wäre es toll, wenn die gesellschaftliche Annahme unseres Konzeptes einfach etwas größer wäre. So hat mein Mann immer wieder mit Diskussionen – wohlgemerkt meist nur im Kopf – zu tun, in denen er sich dafür rechtfertigt, dass er

arbeitet, um zu leben. Und nicht lebt, um zu arbeiten.

Es handelt sich dabei oftmals um gar nicht bös gemeinte, neckende Kommentare von… überall. Sei es aus der Verwandtschaft oder dem Freundeskreis, den Kollegen und den Medien. Bei letzteren geht es darum die Meinung zu bilden. Leider immer noch und weiterhin in Richtung Wachstum. Da passt das Konzept “Familie leben” einfach nicht hin. Zumindest wird es einem enorm schwer gemacht, weil man schlichtweg nicht mitbedacht wird. Zumindest fühlt sich das so in meinem Alltag ganz konkret an.

Hargh. Es ist zum aus der Haut fahren. Mein Gedankenkarrussel läuft gerade hoch auf Höchstgeschwindigkeit. Ich werde das alles noch weiter für mich ordnen müssen. Wieder mal stelle ich jedoch fest:

  • Als Großfamilie hat man es nicht leicht.
  • Als Großfamilie sieht man sich vielen zusätzlichen Organisationsfaktoren gegenüber.
  • Als Mutter einer Großfamilie ist das vereinbaren von Familie und Beruf immer ein Thema. Leider ein unliebsames.

Ob es weitere Kinder gibt? Ich weiß es nicht. Muss ich jetzt gerade aber auch gar nicht. Wir sind beschäftigt mit unserer kleinen Familie und das Thema fiel zwischen Kühlschrank und Geschirrspüler. Wir werden sehen was kommt.

2 Kommentare

  1. Als leiser Leser deines Blogs, melde ich mich diesmal zu Wort. Ich freue mich über deine Gesellschaft… noch ein Kind… oh ja unbedingt. Wären da nicht die Arbeit, meine und die des Mannes. Ich will nicht wegen Arbeit oder Geld auf Kinder verzichten… es ist doch so viel wichtiger. Mein Mann sieht es wie deiner…
    Ich habe nur irgendwie hab ich das Gefühl die Zeit sitzt einem da im Nacken…
    Vielen Dank für das tolle Blog. Ich lese hier so gerne und fühle mich zu Hause…
    Liebe Grüße, Caro

  2. Pingback: Handverlesen im Februar 2016 | Wo ist Philipp?

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