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Wohnzimmer. BauTagebuch (8)

Während ich hier sitze und diese Zeile tippen, ölt der Mann den neu verlegten Holzboden im Wohnzimmer. Ja, ihr habt richtig gehört: Neu verlegt.

Das Wohnzimmer hat uns so manches weitere graue Haar eingebracht. Der Raum, in den jeder, wirklich jeder eingetreten ist und meinte: “Wow!! Was für ein genialer alter Boden! Aber den lasst euch sicher drin, oder?!?” – “Klar!”

Na ja. Und dann waren wir im Sommer spontan im Urlaub. Wenn man das denn Urlaub nennen konnte. Alle waren völlig gerädert. Die Kerle hatten eine gute Zeit, doch Mama und Papa, nun ja, krochen auf dem Zahnfleisch. Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Verzweiflung, … die Palette ist damit noch nicht einmal annähernd komplett. Mein Plan war daraufhin, dass wir Zuhause jede Hilfe und jedes Angebot annehmen würden, das man uns machte, um endlcih dieses Zimmer, den Garten und den Schutt in den Griff zu kriegen. Einen Strich unter den ersten Bauabstrich zu ziehen.

Ein Blick unten drunter

Ich hatte alles auf ein Wochenende gelegt. Verwandte hatten mit uns die Decke abgehangen. Der Heizungsinstallateure hatte zwei Heizungselemente abgenommen und den Heizkreislauf wieder in Gang gesetzt. Der Elektriker hatte Leitungen gelegt, nachdem mein mann die Schlitze vorbereitet hatte. Am Abend kam dann der Verputzer. Wir klärten, was zu machen war. Schließlich waren die Wände bis zu ‘nem 1,50m mit einer dämlichen Ölfarbe zugekleistert. Wir würden wohl erst grundieren müssen, um überhaupt irgendwas anderes an die Wände zu bekommen. Nachdem alles abgesprochen war, kam die Frage, die mich zusammenzucken ließ: “Wisst ihr eigentlich, wie es unter dem Boden ausschaut?” – “Ehm… nein.” – “Ja, wollt ihr das denn nicht wissen, bevor ihr alles hier oben fertig macht?” – Ich schüttelte den Kopf – die Angst ein neues riesiges Faß aufzumachen war riesig. Das würde auch der Geldbeutel nicht aushalten. No way! – “Ok. Is ja nich mein Haus.”

Der Verputzer zuckte mit den Schultern. Ich sprach aus, was meine Sorge war und er miente, was mir natürlich völlig klar war, besser jetzt als wenn alles andere fertig ist und alles nochmal ausgeräumt werden muss. Wir schauten also nach. In seinem Beisein.

Mittels Stemmeisen wurde ein Stück Holz etwa 40cm lang und 10cm breit aus dem Boden gehebelt. Unter dem Boden befand sich ein Hohlraum. Das Stück Holz war auf der Unterseite mit irgendeiner arg teerhaltigen Farbe oder ähnlichem bestrichen. Das Holzkonstrukt, auf dem der Boden lag schien intakt. Aber ein ekliger Bahnhofshallengeruch stieg uns in die Nase, während wir durch die Öffnung sahen.

Was sollten wir nun tun? War der Boden ok? Was war das, was so roch? Würden wir die Kids unbedarft den Boden ablecken lassen können? Entspannt dort mit Kleinkindern leben können? Wir wolltenuns melden, sobald es mit dem Verputzen losgehen konnte.

Am nächsten Morgen roch es nicht nur im Wohnzimmer, sondern auf der ganzen unteren Etage nach dem seltsamen Zeug. Das Recherchieren hatte begonnen. Um mich kurz zu fassen:

Alles musste raus. Alles.

Der Mann entschied, dass er diesen Boden nicht haben wollte. Erst kam der Boden raus. Dann das Konstrukt. Das Konstrukt sind wir über ebay-Kleinanzeigen losgeworden. Dann war die Frage, was kommt rein? (Wer soll das bezahlen?) Was ist baubiologisch korrekt? Was ist öko genug für usneren Anspruch? Wir hatten nach unterschiedlichste Ideen und Vorschläge zusammen. Von Schreinern, Baubiologen, Verputzern, Fachangestellten aus dem Baugewerbe. Der Baubiologe hatte nämlich unter anderem festgestellt, wie feucht der Innenraum unseres Sockels dennoch war.

Der Putz, an dem die Ölfarbe klebte, klang hohl, sobald man dagegen pochte. Ein Zeichen dafür, dass hier keinerlei Atmen des Raumes gut funkionierte. Wir haben einen Container bestellt und all das Zeug von den Wänden geschlagen und abgespachtelt. Dieses Zimmer bedeutete so viel Arbeit.  …

Weihnachten im neuen Wohnzimmer?

Noch in der Weihnachtszeit bestand die Idee, dass wir unseren Tannenbaum doch noch irgendwie dort aufstellen konnten. Doch dann kamen da wieder Erschöpfung und Unruhe. Wir entschieden uns bewusst dagegen. Im neuen Jahr würde es weitergehen.

Im Schnelldurchgang:

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Jetzt ist das Zimmer verputzt, gestrichen, Steckdosen gesetzt. Und wie gesagt, der Mann hat heute geschliffen und verpasst dem neuen Seekieferholzboden seine erste Ölung.

Wohin das Sofa stellen? Vor den Fernseher. Vor welchen Fernseher?

Gestern habe ich mich das erste Mal fragen können, wie das Zimmer aufgeteilt werden könnte. Wir waren beim Schweden, weil wir dort einfach schon seit längerem immer und immer wieder mit demselben Sofa liebäugeln.

Als wir dieses Mal durch die Abteilungen schlenderten war es ganz komisch. Mir kamen die Räume so unglaublich voll vor. Immer waren die Sofas entweder zum Gang hinausgerichtet oder aber eben vor den Fernseher. Ich stellte mir vor, wie das in unserem Wohnzimmer vor dem Fernseher ausschauen würde. …

Doch, wir haben ja gar keinen Fernseher! Dabei ist mir aufgefallen, wie sehr der Raum dadurch kaputt gemacht wird, dass mittendrin ein Sofa steht, dass einem Fernsehr zugewandt ist. Und irgendwie spricht es für sich, dass wir unsere komplette Inneneinrichtung so sehr auf dieses eine Gerät ausrichten. Oder nicht? Wie seht ihr das? Statt in den Raum zu blicken, sich an dem Leben in diesem Raum zu freuen, sitzt man mit dem Rücken in den Raum und blickt auf eine Wand. Ich bin froh, dass wir diese Wand nicht brauchen. Zumal ich es gar nicht mag, keine Wand im Rücken zu haben.

Fertige Fotos gibt es nicht. Aber vielleicht mag uns ja der ein oder andere Blogger mal besuchen kommen, ne apfelmädchen, sadfsh, FrauDingDong, Michael, Nanne …

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  1. Pingback: Bespielbares Kinderzimmer – MamaDenkt.de

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