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WWOOFen. Campen. Richtungswechsel.

IMG_0957Da saßen wir also nun. Wir hatten Norwegen wieder hinter uns gelassen und waren kurzerhand in die Richtung des CampingPlatzes gefahren, von dem wir am Morgen zuvor aufgebrochen waren. Als ich an der Rezeption stand, wunderte sich die Besitzerin nicht schlecht, sprach es jedoch nicht aus, was ihr vielleicht durch den Kopf ging.

Stattdessen erklärte ich ihr die Situation: Dass wir auf dem Weg nach Norwegen gewesen waren und uns dort ein ganz außerordentlich furchtbares Gewitter begegnet sei, dessen Begegnung wir uns hier nicht wieder erhofften. Sie wies mich darauf hin, dass es lokal auch in Schweden zu diesen starken GewitterStürmen gekommen sei und dieselben auch für diesen Abend und die kommende Nacht “lokal” gemeldet seien. Lokal. Was auch immer das bedeuten sollte.

Ich fragte, ob es eine Option gäbe, für diesen Fall einen festen Unterschlupf auf dem Campingplatz zu bekommen. Sie überlegte und griff nach ihrem Handy. “I have an idea. Wait! I first have to talk with my husband…” So oder so ähnlich drehte sie mir den Rücken zu und versuchte den CampingPlatzBesitzer zu erreichen. Ich weiß gar nicht mehr, ob es ihr gelang. Jedenfalls bot sie mir am Ende an, den Schlüssel für das ServiceHaus am Abend, bevor alles abgeschlossen würde, bei ihr abzuholen. Sollte es gewittern, würden wir in dem noch nicht fertiggestellten Gemeinschaftsraum unterkommen können.

Am liebsten wäre ich dieser Frau um den Hals gefallen. Ich war so überwältigt von so viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, ich hätte heulen können. Keine Ahnung, ich will nicht sagen, dass es sowas nicht auch in unseren Breitengraden gibt. Allein die Tatsache, dass ich es versuche anders zu machen als viele andere und viele Menschen aus meinem näheren und auch meinem CyberUmfeld kenne, die es ähnlich handhaben, macht mir Mut, dass da eine veränderte Mentalität sich irgendwann einmal durchsetzen könnte.

In dieser Nacht gab es kein weiteres Gewitter. Als ich am Abend zur Rezeption tigerte, um unsere EisAkkus in der GefrierTruhe auszutauschen, hielt mir die Besitzerin schon den Schlüssel hin.
Ich sagte: “Oh danke. Wir haben eben nochmal darüber gesprochen und beschlossen, dass wir Ihr Angebot nicht annehmen werden. Das Wetter scheint es gut mit uns zu meinen…”
Sie: “Bist du dir sicher?”
Ich: “Ja, ja. Wir haben das eben gemeinsam beschlossen.” (Hatten wir in der Tat.)
Sie: “Aber”, sie schwenkte den Schlüssel hin und her, “wenn es doch anfangen sollte, dann kannst du den Schlüssel hervorzaubern und dein Mann wird große Augen machen und sehr froh sein.”
Ich musste lachen und ließ mich überreden.
Im Zelt zurückgekehrt erzählte ich meinem Mann von der Situation und wir mussten erneut herzlich lachen. Es war einfach zu schön an diesem Ort, an dem sich jemand völlig fremdes so sehr um unser Wohl bemühte.

IMG_1012Wir blieben eine weitere Woche auf diesem CampingPlatz. Ich brauchte zwei Tage, um mich innerlich auf diese völlig freie Zeit einzulassen, die wir eigentlich vorgehabt hatten zu arbeiten. Immer wieder kam da dieses schlechte Gewissen, sich nicht gut genug angestrengt zu haben. Gegen Ende der Woche schlug das Wetter dann so richtig um. Es wurde regnerischer und unser BewegungsRadius schränkte sich von einem auf den anderen Tag radikal ein. Das Angebot des Ferienhauses der Eltern kam da sehr gelegen.

Da wir dieses Mal für eine ganze Woche bleiben wollten, sofern nicht wieder ein Flachbildschirm herunterfiel, räumten wir alles außer Reichweite. Auch den Flachbildschirm. Tatatataadahh! Wir waren doch keine so furchtbare HorrorFamilie. Dieses Mal ging nichts kaputt und die verlebte Zeit war außerordentlich entspannt!

IMG_1093Nun waren wir schon fast am Ende unserer WWOOFing-Zeit angekommen. Unsere letzten zwei Wochen standen bevor und damit auch unsere letzte WWOOFing-Station. Ich hatte ein bisschen Angst. Der Abbruch der letzten Station trat mir wieder vor Augen. Wieder einmal fragte ich mich, ob ich zu pingelig und penibel war oder ob es in Ordnung gewesen war, sich nicht durch diese Woche hindurchgeschlagen zu haben?!? Ich wusste es nicht und betete nur immer wieder, dass es dieses Mal anders laufen würde. Wir waren etwas verwöhnt von der Kombination Campingplatz und Ferienhaus der letzten beiden Wochen. Wir würden sehen, wohin uns unser Weg führte. 

Ein letztes Mal packten wir unser Auto und fuhren in Richtung Norden ans südliche Ende der beiden größten Seen Schwedens, Vättern und Vänern. Dort erwartete uns eine kleine Familie, die selber aus Mama, Papa und zwei kurzen Kerlen bestand. Mal schauen, wie unser Abenteuer dort oben weitergehen würde…

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