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WWOOFen. Ein Erklärungsversuch.

IMG_0754“Wo ward ihr eigentlich den ganzen Sommer?”
“Wir kommen gerade aus Skandinavien.”
“Oh schön! Urlaub in Schweden. Oder Norwegen.”
“So überall. Wobei… Urlaub ist relativ.”
“Wieso das? Kein gutes Wetter? Hier hat’s nur geregnet.”
“Doch. Super!! Auch das Wetter. Aber Urlaub trifft’s nicht ganz. Nicht nur. Wir haben auch gearbeitet.”
Erstauntes Gesicht. “Im Urlaub?”
“Wir waren WWOOFen.”
“WWOOFen? Was ist das?”

Meine bisherige Definition: “So ‘ne Art work and travel. Nur auf ÖkoBauernhöfen bzw. bei Selbstversorgern.”

Ich glaube, diese Definition trifft es ganz gut. Dennoch versuche ich WWOOFen mal in diesem Beitrag etwas allgemeiner auszuführen:

Was bedeutet WWOOF? Die wortwörtliche Übersetzung lautet (derzeit): World Wide Opportunities on Organic Farms. Wobei ich im Netz auch noch andere, wenngleich ähnliche Ausführungen der fünf Buchstaben gefunden habe.

Was macht man da? Als WWOOFer erhältst du einen Schlafplatz und wirst außerdem für die jeweilige Zeit essenstechnisch mitversorgt. Im Gegenzug arbeitest du auf dem Hof mit. Meistens wird 6h am Tag mit angepackt und man hat 1-2 Tage in der Woche frei. Das wird gemeinsam besprochen. Manche Hosts haben sehr feste Zeiten, wieder andere sind sehr flexibel, je nach Jahreszeit und anstehenden Aufgaben.

Wo gibt’s das? Überall auf der Welt. Such dir ein Land aus und in der Regel gibt es dort eine Gruppe von Menschen, die – meist ehrenamtlich – das WWOOFen organisiert. Neuseeland, Schweden, Italien, Griechenland, Irland… Meist hat jedes Land seine eigene Internetpräsenz.

Wie werde ich WWOOFer? Zu der Internetplattform, gehört ein internes Forum für angemeldete Mitglieder. Die zahlen als Host oder auch als WWOOFer einen Jahresbeitrag, der zwischen 15€ und 25€ liegt. Die Gebühr variiert und wir mussten jeweils diese Beträge zahlen. Ob es noch höhere Beiträge gibt, kann ich nicht sagen. Erst durch diese Registrierung kommt man ins Forum und kann Hosts direkt anschreiben. Vorher kann man zwar die  jeweiligen Höfe anschauen und sich die Profile durchlesen. Aber ein Anschreiben ist aufgrund fehlender Kontaktdaten erst nach Bezahlung möglich.

Wie schreibt man an? Auf diesen Internetseiten steht meist beschrieben, wie eine Kontaktaufnahmen empfohlen wird. In unserem Eifer habe ich das erst nachdem ich zehn Höfe angeschrieben hatte, entdeckt. Wir haben damals, weil wir als Familie los wollten und längerfristig planen mussten, knapp vier Monate vorher den Kontakt über die Formulare gesucht. Aufgrund von Erfahrungen sollte man mindestens sechs Wochen vorher sich um eine Kontaktaufnahme bemühen. Meistens steht man über dieses Kontakt- oder auch das NachrichtenFormular der Plattform miteinander in Verbindung. Wir haben uns nachher mit den Hosts auch per Mail und Telefon abgesprochen und verabredet.

Und dann? Dann fährt man los und arbeitet mit. Die Aufgabenfelder sind so unterschiedlich, wie die Höfe und ihre Hosts. Es gibt große ApfelbaumPlantagen, Bed&Breakfasts, SelbstversorgerFamilien, Omas mit jeder Menge Land, Menschen, die alte BauernHöfe wiederbeleben wollen… Du kannst zum Reparieren eines Zaunes, zum Unkraut jäten, zum Aufbau einer SolarAnlage auf einer der Scheunen, zum Verarbeiten der Ernte oder zum Versorgern des Viehs eingesetzt werden. Wir wurden von allen Hosts immer gefragt, was wir gerne machen würden? Ob wir irgendwelche Themen- und damit auch Arbeitsschwerpunkte hätten? Ob wir was bestimmtes lernen wollten? Für uns als Familie war diese Zeit sehr wertvoll. Wir haben Literatur und Links genannt bekommen, auf denen sich unsere Hosts tummeln. Unser Wissen erweitern können und ein uns “fremdes” Leben teilen dürfen. Genauso waren wir ebenfalls eine Bereicherung. Nicht nur durch die getane Arbeit, sondern auch die Themen, das Wissen und die Quellen im Netz, die wir gerne weitergegeben haben.

Gibt’s unter euch jemanden, der auch schon WWOOFen war? Ich meine mich daran zu erinnern, dass der ein oder andere schon in anderen Ländern auf diese Weise unterwegs war. Was sind eure Erfahrungen? Teilt sie gerne in den Kommentaren mit!! Gerne auch mit Verlinkung zu den jeweiligen möglichen BlogBeiträgen.

Wer noch mehr Interesse am WWOOFen hat, der folgt am besten den folgenden Links:

WWOOF – Deutschland
World Wide Opportunities on Organic Farms
Auch nochmal in kurzer Zusammenfassung: Farmarbeit. WWOOF
WWOOF. Work exchange on organic and sustainable properties
WWOOF Sweden
WWOOF Norway

Viel Spaß! Es ist großartig!

10 Kommentare

  1. Oh wunderbar. Ich war vor Familiengründung WWOOFen, aber kann mir das auch sehr gut mit Mann und Kind vorstellen.
    Vor acht Jahren war ich in Chile auf einem kleinen Hof. Obwohl ich auch auf meinen Reisen allein wundervolle Begegnungen und spannendste Abenteuer erlebte war diese Erfahrung auch so wertvoll. Meine Hosts waren sehr aufgeschlossen und durch sie lernte ich viel über das Land und seine Geschichte. Durch meine Arbeit am Hof bekam ich widerum Kontakt zu den Kindern im Dorf und den auf den Hof fest angestellten. Hach das war so gut. Damals musste man sich noch nicht direkt für ein Land anmelden und so war ich flexibel und alles kam irgendwie spontan.
    Zusätzlich die Erfahrung mit den Händen in der Erde, mit den Tieren in der Landschaft… das war TIEF ins fremde Land einzutauchen.
    Schön die Erinnerungen aufzufrischen – und von ganz anderen Erfahrungen zu lesen.

    • Stimmt. Es war was ganz anderes als ein Urlaub. Selbst wenn wir was weiß ich wie viele Städtetouren und Events mitgemacht hätten…

  2. Möhre sagt

    Wir haben als Familie mit drei Kleinkindern was ähnliches wie rage gemacht. Unsere “Auftraggeber” sind nicht über wwoof-ing-Seiten angemeldet, trotzdem waren unsere Erfahrungen sicherlich fast gleich.

    Wer mal Lust hat: http://www.solberget.de – Die Familie dort betreibt einen Gästehof mit Rentieren im Sommer und vorallem im Winter. In Nordschweden! Ohne fließendes Wasser und Strom. Wir haben dort viel über ein sehr naturverbundenes Leben in Vernetzung mit der ganzen Welt gelernt. Total beeindruckend. Wen es interessiert, kann die Besitzer dort direkt anschreiben. Sie brauchen immer wieder Helfer für kürzere oder längere Zeiträume.

  3. Pingback: Bemerkenswert

  4. Hey,
    deine Erklärung finde ich ziemlich treffend. Genauso sind unsere Erfahrungen auch. Wir sind seit anfang Juli in Österreich unterwegs. Mittlerweile auf dem 3. Hof. Alle drei Höfe waren absolut unterschiedlich, vom Tee-/Kräuterbauen, über den absoluten Selbstversorger zur Hochalm.
    Wir versuchen mglichst viel von unseren Erfahrungen auf unserem Blog: http://www.servusbaba.de zu teilen. Kennst du noch weitere Blogs die sich mit dem wwoofen beschäftigen?
    Liebe Grüße aus Tirol
    Jens&Pauli

  5. Agnes Friedel sagt

    Hallo liebe woofer, wir möchten als Familie mit zwei Kindern (8 und 12) bald vorzugsweise nach Südengland längerfritig (am liebsten ein Jahr) auf einem Biohof arbeiten. Habt ihr diesbezügliche Erfahrungen und Tipps?

    Dank im voraus!

    Viele Grüße von Robert & Agnes

    • Dann habt ihr euch bestimmt schon hier (http://www.wwoof.org.uk/) umgesehen und Adressen gesammelt, oder? Wenn ich mich richtig erinnere, musste man einen Jahresbeitrag an die Plattform für das zu bereisende Land zahlen. Dann hatte man Zugriff auf sämtliche Wwoof-Hosts und außerdem die Möglichkeit sie zu kontaktieren. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wir haben damals die Länder Schweden und Norwegen genutzt.

      Im Nachhinein ist uns die Reise auch als anstrengend in Erinnerung. Ich vermute deswegen, weil wir die Zeiträume zwischen den Wwoofing-Stationen zum reisen nutzen wollten und das in unserem kleinen Auto mit so viel Gepäck und voller Kinder doch sehr eng war. Heute, mit unserem Bulli, stelle ich mir das sehr viel entspannter vor. Mein Tipp also: Großes Auto mitnehmen, besser noch: Wohnmobil. ;-)

      Wollen wir bald mal wieder los, Rage?

    • Leider haben wir über die Region in Südengland keine näheren Infos und dort auch noch keien Erfahrungen gesammelt. Aber ich schließe mich Manuel an und empfehle, dass ihr euch auf der Plattform von Großbritannien mal umschaut. Die werden bestimmt auch ein Forum haben, über das sich Kontakt zu den jeweiligen hosts aufnehmen lässt. Könnte sein, dass das auch eine jährliche Gebühr kostet. Wir haben das damals für Skandinavien in Kauf genommen und es hat sich mehr als gelohnt.

      Wir würden gerne mitkommen. ;)
      Ich wünsch euch ganz viel Erfolg und vor allem viele gute Erfahrungen, an denen sich wachsen lässt.

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