Du bist geliebt. Du bist schlau. Du bist wichtig.

Nachdem oder noch während ich im Sommer Kathryn Stocketts Buch “Gute Geister” gelesen habe, war ich sehr gerührt und denke noch mehr als zuvor darüber nach, wie ich meinen Kindern zeigen und sagen kann, dass sie wertvolle Geschöpfe sind, die allen Grund dazu haben, sich zu starken, kleinen, geliebten Persönlichkeiten zu entwickeln.

In einer Welt, in der es zu allererst darum geht, zu bestehen und Leistung zu bringen. Mein Kind hat Mama gesagt, mit acht Wochen! – Sie läuft! Sie läuft. Dabei ist sie doch erst 7,5 Monate alt. – Mein Kind kann ZweiwortSätze bilden. Er ist gerade 13 Monate alt. – Mein Kind hat den Satz des Pythagoras verstanden. Es ist 3 Jahre alt. …

Und dann irgendwann fangen die Kinder selber auch an. Keine Ahnung, ob von uns dazu erzogen oder weil es einfach zum MenschSein dazu gehört. Es wird sich verglichen, gegenseitig “runtergemacht”. “Mama, der hat gesagt, ich bin ein VollTrottel.”

Ich weiß noch, wie tief diese Aussagen in der Kindheit gehen können. Gerade von Menschen, die einem wichtig sind, mit denen man sich nachmittags verabreden möchte oder denen man so nahe ist, weil sie Papa und Mama sind.

Beim Lesen von Aibileens Aufziehen der kleinen Mae Mobley (ein Dienstmädchen, das ein kleines weißes Mädchen aufzieht), war ich nicht selten den Tränen nahe. Die Situationen zeigten, wie es ist, wenn man versucht die Welt zu verändern. Einem Menschen einzutrichtern, wie wunderbar er ist, obwohl die eigene Mutter einem was anderes widerspiegelt und die Umstände, in denen man lebt, einem etwas anderes zu zeigen scheinen.

IMG_4539Damals fasste ich den Entschluss einen Gegenpart zu bieten. Meinen Kindern gegenüber zuallererst. Aber auch im Umgang mit Freunden, Bekannten, Nachbarn und Menschen in meinem Umfeld. Die Kerle verlassen die Wohnung nicht, bevor ich sie ganz nah an mich gezogen habe und ihnen ins Gesicht sagen konnte: Du bist geliebt. Du bist schlau. Du bist wichtig.

“Ja Mamaaaaha! Warum sagst du mir das immer?”
“Oh, ich will nicht, dass du es vergisst!”
“Ich vergiss das nicht!”
“Ich möchte, dass du immer weißt, dass du geliebt, schlau und wichtig bist.”
Große Augen, ein abgelenkter Blick, weil ein Vogel draußen hinter mir vorbeiflattert.
“Auch wenn dir mal jemand was anderes einreden möchte. Ich will, dass du weißt, dass das nicht stimmt. Denn du bist total geliebt, ganz schlau und unglaublich wichtig. Ok?”
Eifriges glückliches Nicken.
“Deswegen werd ich dir das immer und immer wieder sagen. Damit du es nicht vergisst.”

That’s it.

Und du? Was braucht’s, um deinen Kindern und Lieben genau das deutlich zu machen? Habt ihr Rituale, die diese kleinen Persönchen stark*, sicher und selbstbewusst machen?

* stark verstehe ich an dieser Stelle nicht als “Leistung”. Es geht vielmehr um Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit, um nicht von jedem “Du Trottel.” umgehauen zu werden.

Lesestoff: Gute Geister von Kathryn Stockett

Bei uns stand dieses Buch Mitte letzten Jahres immer im Bücherregal am Postschalter. Mir gefiel das BuchCover und ich machte mich in den Büchereien auf die Suche danach. Leider ohne Erfolg. Dann stand es bei unsrer adoptierten Oma im Schrank und ich fragte, ob ich es mir mal ausleihen durfte?

“Das? Klar!! Sicher. Richtig gutes Buch! Schenk ich dir.”
“Was?”
“Kannste behalten!”
“Aber ich dachte, es ist so gut?”
“Ist es auch. Ich hab’s aber schon gelesen.”

Ihr seht – so ganz frei vom Bücher horten scheine ich doch noch nicht zu sein. Und tatsächlich. Das Buch ist so gut, es ist das erste Buch nach langer Zeit, dass sich einen vorerst sicheren Platz in unserem nicht mehr existenten Bücherregal verschafft hat. Ich könnte mir durchaus vorstellen es nochmals zu lesen.

Worum geht es denn nun eigentlich? Wir befinden uns in den 60er Jahren in Jackson, Mississippi. Das Buch beinhaltet die Geschichten dreier Frauen und schildert deren Leben in einem Südstaat, der geprägt ist von Rassentrennung, während die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner sich Bahn bricht.

Das farbige Dienstmädchen Aibileen arbeitet bei der weißen Familie Leefolt und betreut dort in erster Linie die kleine Mae Mobley. Aibileen könnte die Oma des kleinen Sonnenscheins sein und fügt sich in ihre Rolle als schwarzes Dienstmädchen. Auch als ihr im Hof eine eigene Toilette eingerichtet wird, damit sich der Rest der Familie nicht an den ansteckenden “SchwarzenKrankheiten” ansteckt. Minny ist das zweite Dienstmädchen, um das es sich dreht. Sie hat fünf Kinder und ein weiteres ist unterwegs. Aufgrund ihres losen Mundwerks verliert sie ihre Stelle und es gelingt ihr nicht eine neue zu finden, da ihre vorherige Arbeitgeberin sie ungerechter Weise des Diebstahls bezichtigt. Auf Umwegen gerät sie an Celia, eine weiße Frau, die so gar nicht in die Reihen der in Jackson ansässigen jungen Mütter passt und sehr massiv “geschnitten” wird. Außerdem ist da noch Skeeter, das weiße Mädchen, das weiße Mädchen Eugenia Phelan, die vom College kommt. Noch nicht in festen Händen und eigentlich mehr mit ihrer Freude und Liebe zum Schreiben beschäftigt, passt sie ebenfalls so gar nicht in das Grüppchen junger Mütter und fällt durch ihre mehr oder weniger starke Abkehr von dem rassentrennenden und schwarzenfeindlichen Verhalten ihrer früheren Freundinnen auf.

Während ihre weißen Freundinnen sich über die alltäglichen Nöte und Sorgen privilegierter Frauen austauschen, auf Männerschau gehen und ihre Kinder bei den schwarzen Dienstmädchen abladen, möchte Skeeter für einen Verlag schreiben. Als Autorin oder Journalisten – ganz egal. Mit einer Kolumne zu HaushaltsFragen und Tipps beginnt sie Geld mit dem Schreiben zu verdienen. Parallel dazu möchte sie ein Buch schreiben: über das Leben in Jackson. Als schwarzes Dienstmädchen bei weißen Frauen.

Wie ist es der Autorin gelungen? Phänomenal. Zuerst tat ich mir schwer, reinzukommen. Auf den ersten drei Seiten. Dann entwickelte sich das Buch zu einem PageTurner. abwechselnd erhält der Leser Einblick in die Lebensgeschichten der drei Protagonistinnen und es ist spannend zu sehen, wie sich die Geschichten der drei Frauen miteinander verweben. Das Buch ist beeindruckend. Ein tolles Geschenk zu Weihnachten oder ein wertvolles SeeligkeitsDing für zwischendurch.

Fazit: Sollte man/frau gelesen haben. Vor allem, wenn man wissen mag was ein Shinalator, ein Toilettenhäuschen und ein geschenkter Kuchen miteinander zu tun haben könnten. Zudem bietet das Buch einen Blick in das von Rassentrennung geprägte Leben in den Südstaaten der 60er. Nicht wie ein Sachbuch, sondern als Roman. Doch gerade darin sehe ich einen großen Nutzen, da es den damaligen Alltag vielleicht nicht historisch korrekt, dafür jedoch lebensnah schildert.

Persönlich habe ich aus diesem Buch zwei Dinge mitgenommen:
1. Ich werde das Schreiben nicht lassen. (Liegt vermutlich an der gefühlten Verbundenheit mit Skeeter.)
2. Aibileen trichtert Mae Mobley Tag für Tag ein, was für ein wunderbares Kind sie ist. Die Autorin hat Aibileen als eine Persönlichkeit geschaffen, die sehr großen Vorbildcharakter für mich hat. Wenn ich ein Vorbild nennen sollte, dann würde ich Aibileen nennen. Die drei Worte, die sie der kleinen Tag für Tag eintrichtert, habe ich ein wenig abgewandelt und in unser FamilienLeben übernommen: Du bist nett. Du bist schlau. Und du bist wichtig. 

Vergesst es nicht ihr Lieben, das gilt auch für euch und eure Kids! Lesen!

WWOOFen. Station Drei. (4) Ein anderes FamilienLeben mit gelebt

Wie anders das FamilienLeben anderer eigentlich aussieht erlebt man erst, wenn man mit den Differenzen konfrontiert wird oder in dieses “fremde” FamilienLeben einsteigt. Im Sommer haben wir das viel gemacht. Mehrmals sind wir in das FamilienLeben der anderen eingestiegen. Es war spannend die Unterschiede zu entdecken, aber auch Gemeinsamkeiten – und seien sie noch so klein – festzustellen.

Der Umgang mit diesen erlebten Unterschieden kann sehr verschieden aussehen.

a) Man sieht sich das an und hakt es unter: “Ok, muss ich so nicht machen.” ab.
b) Man distanziert sich davon sehr schnell, sehr resolut, aus welchen Gründen auch immer. Die Palette an Gründen ist groß und vielfältig. Außerdem stehen einige dieser Gründen nicht selten in Wechselwirkungen zueinander. (Wenn ich da an den Abbruch der einen WWOOFing-Station denke… Das FamilienLeben dort fand ich zwar aufregend, hatte aber neben diverser anderer Verhältnisse das Bedürfnis, mich genau deswegen zu distanzieren.)
c) Man erlebt und findet toll. Entweder werden bestimmte Dinge direkt komplett übernommen oder aber genauer in den Blick genommen, was davon man modifizieren und adaptieren möchte.
d) Man findet toll und ändert eigene Verhaltensweisen, weil man sie für fehlgeleitet hält, zugunsten des neu Entdeckten und Erlebten.

Wie sieht unser Leben aus? Wie das jeder anderer Familie auch. Das wäre meine spontane Antwort. Aber dann sitzt mir unser Freund gegenüber und sagt: “Nein, rage. Ihr seid nicht wie jeder andere.” Mal abgesehen davon, dass er ähnlich wie ich jedes Individuum und auch jede Familie als Unikat sieht, hält er plötzlich ein Plädoyer für unsere “minimalistische” Andersartigkeit. “Ihr geht Sachen ganz anders an, als das ein Großteil der “Anderen” machen würde. Ihr kauft als Familie ein uraltes Haus. Ihr übernehmt uralte Möbelstücke. Ihr werft nicht alles einfach nur weg. Ihr macht euch Gedanken darüber, was an eure Wände kommt. Gips oder Lehmputz? Tapete oder Farbe? So viele Gedanken macht sich nicht jeder. Du bleibst Zuhause. Er geht arbeiten. Ich macht vieles anders. Ich weiß das…” Ok, denke ich. Lasse ich das einfach mal so stehen. Irgendwas wird vielleicht dran sein.

Wie sieht unser Leben denn nun aus? Mal abgesehen von der Baustelle nebenan? Der Mann geht arbeiten und ich sitze Zuhause. (Wenn ich könnte, wäre an diese Stelle eine karikierte ComicFaust zu sehen.) Denn: Ich arbeite auch. Und das ganz schön hart. Ohne Geld dafür zu bekommen. Ich verhelfe unseren Kindern zur Selbständigkeit, mache mir Gedanken übers Fordern und Fördern, treffe dbzgl Entscheidungen, bereite ihnen regelmäßige Mahlzeiten zu und kümmere mich darum, dass sie wettertechnisch anständig gekleidet auf die Straße gehen. Ich vereinbare Termine mit Kindergarten, Schule, Kinderarzt, Therapeut und Freunden. Den Sportverein habe ich dabei auch immer auf der Liste, um meinen Kindern Bewegung zu ermöglichen, die neben dem Gekletter und Fahrradgefahre, strukturierter angeleitet werden. Ich begleite meine Kinder durch die Jahreszeiten, versuche unserer Familie einen Alltag zu bieten, der einen roten Faden hat, sich jedoch nicht in Terminflut verliert und genügend Raum für Freigeist, Kreativität, Bildung und Ehrenamt bietet. Abends lassen wir den Tag in der Regel gemeinsam ausklingen. Alle Mann. Es wird erzählt und eine Geschichte, wie der Hobbit oder Narnia findet im Schlafzimmer seinen Raum. Danach kommt die Baustelle oder die geliebte Zweisamkeit, um nicht vollends am Rad zu drehen. Unsere Situation aktuell… ja, die ist momentan einfach so. Vieles davon findet sich auch in unserem geordneten Alltag von vorher wieder.

Die Familie beim WWOOFen. In Schweden wird grundsätzlich auch unterschiedlich gelebt. Aber das FamilienLeben dort hat mehr Möglichkeiten, weil Kommune und Staat die Rahmenbedingungen anders gestalten. Ich will nicht beurteilen, ob besser oder schlechter. Aber in unserer Familie dort oben sind alle von morgens bis nachmittags um 17h beschäftigt. Die Frau geht einem VollzeitJob nach. Der Vater arbeitet als Selbständiger, wenngleich oft von Zuhause aus der eigenen Werkstatt und bringt die Kinder morgens in die Kindertagesstätte. Sie werden gegen 16:30h abgeholt und um 17h sind alle wieder miteinander vereint. Wenn der Mann gut vorangekommen ist, beginnt jetzt das FamilienLeben. Zeit zum Spielen, Zeit für Haushalt – sofern keine WWOOFer da sind, die diese Arbeiten tagsüber verrichtet haben – Zeit fürs Abendbrot und Zeit für einen “Keks” – eine Folge Fritz Fuchs. Wer weiterhin Löwenzahn schaut, weiß wovon ich schreibe.

Dieser bewusste Ausklang des FamilienLebens hat mir sehr, sehr gut gefallen. Daher haben wir zurück in Deutschland nochmal mehr Wert genau darauf gelegt. Gerade weil unsere Lebenssituation so neu war. Wir hatten vorher auch unsere Rituale, aber wir haben sie ausgebaut und genießen sie heute alle sehr.

Was ich schwierig finde und zunehmend kritischer sehe, ist diese Situation, in der wir als Frauen uns meist immer wieder finden. Dieses Spagat zwischen Job und Familie. In Schweden scheint das ganz einfach. Klar, da sind einige Rahmenbedingungen anders zusammengestellt. Doch fast täglich sehe ich mich mit der Auffassung konfrontiert, ich würde nicht arbeiten. Zuhause rumsitzen. Ich kriege kein Geld für meine Leistungen. Und beides stört mich wirklich sehr. Denn ich glaube, dass ich meinen Job gut mache. Besser noch als so manch anderer seinen BüroJob.

Auch in Bezug auf das Bindungsverhalten der Kinder ist mir das Konzept der Kindertagesstätte nicht so ganz geheuer. Ich will keine Lanze für oder gegen Kindertagesstätten brechen. Zumal viele Eltern es sich heute gar nicht leisten könnten, ihre Kinder bis zum 3. Lebensjahr bei sich zu halten und nicht (beide oder alleine) arbeiten zu gehen. Dennoch halte ich die ersten drei Lebensjahre für die Entwicklung von weiterem Urvertrauen zu einer selbständigen und selbstbewussten kleinen Persönlichkeit für immens wichtig. Wichtiger als die Förderung und Forderung motorischer Fähigkeiten, Sprachverständnis und geometrisches Formenverständnis. Das ist alles auch total wichtig. Doch diese Dinge kann ich Zuhause sehr gut ebenfalls umsetzen. Und die Mütter, die darin Schwierigkeiten haben sollten, könnten doch in diesen personalen und sozialen Kompetenzen für ihr Kind geschult werden. Wenn wir ein Gehalt bekämen, würde das als Fort- oder Weiterbildung laufen – was weiß ich. Aber von einer Erzieherin zu verlangen, dass sie für 3-5 Kinder in 8h an 5 Tagen die Woche eine Bezugsperson wird, in der sich das bilden kann, was sich in den drei Jahren Zuhause entwickelt… Ich bezweifle, dass sie das auffangen kann. (Aber das ist eindeutig meine persönliche Meinung, die sich die vergangenen Jahre herausgeschält hat.)

Vielleicht sagt ihr jetzt: Ach komm, rage. Unser FamilienLeben sieht genau so aus, wie von deiner WWOOFing-Familie. Da gibt’s keine oder kaum Unterschiede. Das wird dann so sein. Aber für mich, war das alles doch nochmal sehr ernüchternd.

Wie sieht euer FamilienLeben denn aus? Magst du’s mal beschreiben? Oder ist es dir zu intim und gehört nicht auf diesen Blog? Was denkst du?

WWOOFen. Station Drei. (3) Hemmschwellen überwinden

Für jeden gibt es ganz, ganz unterschiedliche Hemmschwellen, wenn es in so ein Projekt geht, wie das von uns im Sommer. Der eine mag Schwierigkeiten mit finanziellen SicherheitsGedanken haben. Der andere würde am liebsten alles ganz genau durchplanen, muss aber damit zurande kommen, dass er nicht jede Nacht auf dem jeweiligen Campingplatz schon buchen, geschweige denn als Familie mit kleinen Kindern vorplanen kann. Denn dann wird eines mal krank oder man verspätet sich einfach auf der ewig langen Autobahn Richtung Norden. Wieder andere empfinden den permanent neuen Kontakt und die immer wieder neu anlaufende soziale Interaktion mit “fremden” Menschen als herausfordernd, vielleicht sogar hemmend. Dann gibt es da noch Hemmschwellen bzgl. des Essens und so weiter und so fort. Ich hatte mich aufgrund meines schwangeren Zustandes vor allem mit geruchlichen und hygienischen Hemmschwellen auseinanderzusetzen.

Daher hatte ich wahnsinnig großen Respekt vor den uns in Aussicht gestellten Plumpsklos auf den jeweiligen WWOOFing-Stationen. Doch nach dem Abenteuer und glücklicherweise auch schon währenddessen, durfte ich feststellen, dass die PlumpsKlos nun wirklich nicht meine größte Hemmschwelle, geschweige denn ein Problem sein mussten. Wir finden diese Art des Sich-Entledigens inzwischen als eine sehr hygienische. Zumindest im Vergleich zu einer defekten SpülToilette.

Dennoch hatte ich für mich persönlich durchaus hygienische Kompromisse einzugehen und merkte regelmäßig, wie ich mich innerlich stark überwinden musste.
Vorab: Während des Studiums hatte ich einen sehr intensiven HygieneFimmel. Es grenzte schon annähernd an neurotische Verhaltensweisen, wenn ich mir das so im Rückblick anschaue. Hände waschen noch und nöcher. Für alles irgendwelches DesinfektionsZeug in der Handtasche oder im Putzschrank. Ich will gar nicht mal sagen, dass wir viel mehr Putzzeug hatten als andere Haushalte. Wenn ich in so manchen Haushalt unseres Projektes geschaut habe, wurde mir bewusst, dass wir heute, in Deutschland sehr viel weniger Flaschen und Putzmittel besitzen. Dennoch ist mein Umgang damit vielleicht ein anderer.

Früher musste alles nach dem Putzen noch desinfiziert werden. Nach jedem mal Spüle zur Essenszubereitung verwenden, wurde alles geschrubbt und desinfiziert. Im Zuge des Reduzierens hat sich dieses Verhalten von ganz alleine reduziert. Nicht, dass ich unreinlicher und schlampiger geworden wäre. Ganz und gar nicht. Aber mir kam der Gedanke, dass dieses viele, viele Säubern und Waschen vermutlich auch nicht das Gelbe vom Ei sein konnte. Vor allem dann nicht, wenn ich mit meiner Familie in einem gesunden und starken Haushalt leben wollte.

Heute läuft das bei uns anders. Das Desinfektionsmittel wird nur dann aus dem Schrank herausgeholt, wenn einer von uns am MagenDarmInfekt erkrankt. Dann wird regelmäßig die Toilette damit gereinigt, um möglichst schnell diese Viren loszuwerden. Wäsche wasche ich in der Regel höchstens auf 60°Grad. Es sei denn es besteht Anlass auch mal bei höheren Temperaturen zu waschen: Flecken, langes Zurückliegen des nicht so heißen Waschens oder die Erkrankung eines Familienmitgliedes. Die Küche wird regelmäßig mit Spüli ausgewaschen und mindestens einmal die Woche schütte ich heißes Wasser übers Abtropfbecken. Fleisch gibt es in unserem Haushalt nur noch äußerst selten. Hierbei habe ich oft das Bedürfnis alles gut reinigen zu müssen. Aber auch hier belasse ich es inzwischen bei dem oben genannten Vorgang: Spüle direkt waschen und mit kochendem Wasser übergießen. Das Bad wird einmal die Woche geputzt. Saubergemacht wird nur noch ausschließlich mit ÖkoWasch- und Putzmitteln – der Umwelt zuliebe.

Diesen Sommer, in den anderen Haushalten sah das anders aus. Da gab es dann auch Herangehensweisen, die mich immer wieder neu herausgefordert haben. Nicht nur bei Station Drei, aber auch. Zum Beispiel gab es ein Waschbecken, in dem der Jüngste regelmäßig gebadet wurde. Eigentlich ein Spülbecken, das von der alten Küche noch in dem Raum, nahe der Wickelkommode erhalten geblieben ist. Nachdem der Kleine sich mal etwas stark vollgemacht hatte, wurde er kurzerhand in dieses Becken gesetzt und gewaschen. Danach konnte es sein, dass der Papa mit einem frisch geangelten Fisch zum Abendessen nach Hause kam und ihn gleich im selben Becken enthauptete und die Innereien entnahm. Umgekehrt war es auch mal so, dass der Vater zuerst am Becken stand. Er nahm die zwei Fische aus, das benutzte Messer lag noch am Rand – natürlich nicht in Reichweite des Kindes – und der Kleine wurde unmittelbar danach in der Spüle gebadet. Das mal eben ausgespülte Becken diente dann wieder als “Badewanne” und die ausgenommenen Innereien lagen in der Plastiktüte daneben.

Ich gebe zu, ich mag an dieser Stelle innerlich “überreagieren”. Dennoch hat es mir regelmäßig viel abverlangt, über solche Dinge hinwegzusehen. Und das den gesamten Sommer hindurch, egal auf welcher Station. Auch als das Schaf geschlachtet wurde und dessen Fleisch auf dem normalen HolzKüchenTisch zugeschnitten wurde. Zum Abendessen wurde der Tisch lediglich mit einem feuchten Lappen abgewischt. Oder die Gläser, die schmierig aus dem Schrank kamen. Oder der Lappen, der so aussah und roch, als sei er  schon ein halbes Jahr in Verwendung und sich auch so anfühlte. Oder der Umgang mit zubereiteten Lebensmitteln und deren Aufbewahrung. Kühlschränke, Töpfe, Geschirr und Besteck… Das waren alles so Sachen, mit denen ich kämpfen musste.

Auf diese Dinge freute ich mich im Hinblick auf unser Leben in Deutschland. Die Kompromisse, die ich an dieser Stelle eingehen musste, fand ich

a) sehr anstrengend.
b) erforderlich um noch ein wenig mehr Gelassenheit in diesen Dingen zu gewinnen.
c) erhellend, weil ich erkannt habe, wie viel ich mich eigentlich schon von diesem neurotischen Desinfizieren gelöst und außerdem festgestellt habe, wie es bei uns in der Familie läuft. Und diese Art mir dennoch am liebsten ist. Ich sie beibehalten möchte.
d) gut, um zu lernen, sei einzugehen.

Und ihr so? Was wären eure voraussichtlichen Hemmschwellen, wenn ihr über so ein Projekt nachdenkt? Viele von euch haben sich einen Artikel zu diesen Hemmschwellen gewünscht. Was habt ihr erwartet, worüber ich schreiben würde?

DinoFete. MottoGeburtstagsFeiern.

Es war mal wieder so weit. Im Sommer wurde ausgiebig Geburtstag gefeiert. Nicht in Deutschland, dafür aber unterwegs in Skandinavien. Der große Kerl und wir hatten einen tollen Tag, wenngleich wir im Küchengarten und auf der CarportEinfahrt beschäftigt waren. Damals versprach ich ihm, dass wir seinen Geburtstag in Deutschland mit seinen Kumpels und Freunden unbedingt nachfeiern. Das Versprechen war ernst gemeint und ich dachte: “Ich bin dann im 5. oder 6. Monat… das wird schon irgendwie gehen.” Dass ich inzwischen schon im 7. bin, das Haus sich im Rohbau befindet, der andere Kerl eine Woche vor dem Termin, zu dem die Kinder schon seit zwei Wochen eingeladen waren, fünf Tage lang hohes Fieber haben würde… DAS konnte ja keiner ahnen. Aber woran ich mich in meiner Kindheit, neben vieler wunderbarer Momente im Matsch oder mit Zuckerwatte in der Hand erinnere, sind die, in denen meine Eltern ihre Versprechen nicht einhalten konnten. Aus welchen durchaus nachvollziehbaren oder aber mal nicht verständlichen Gründen auch immer. Es war klar, wenn nicht an dem Tag, dann an einem anderen. Aber ein Verschieben dieses Kindergeburtstages… undenkbar eigentlich. Es hätte wirklich ein Weltuntergang her gemusst. Bin ich dankbar, dass der gerade nicht verfügbar war. Also bereitete ich in den FieberSchlafPhasen optimistisch diesen Geburtstag vor. Die Ideen für den Tag standen Dank Social Media und der tollen Oma schon drei Wochen vorher fest.

EinladungsKarte: Wir haben dieses Jahr welche gekauft. Mit dem Motiv vom kleinen Drachen Kokosnuss. Das war aber auch ok und für mich eine enorme Erleichterung in der Vorbereitung.

IMG_9864 DinoKuchen: Die Kaffee- und Kuchenrunde war natürlich sehr wichtig! Es durfte kein Vulkan sein, kein Triceratops oder Stegosaurier… Natürlich ein T-Rex. Ich hab echt mein Bestes gegeben. Äußerlich hätte man noch was dran feilen können. Aber geschmacklich: Super! Dazu ein paar DinoEiMuffins.

 

Spiel- und ProgrammIdeen: IMG_9846IMG_9848DinoEier suchen. (Ich hatte noch Eierfarben von Ostern. Orange und grün. Perfekt fürs Verstecken von etwa 15-20 Eiern.) Dinos jagen. (Toben im Grünen) DinoKnochen suchen. (Wir haben von unserem WWOOF-Projekt noch zwei Schafsknochen auf der Fensterbank liegen. Die wurden versteckt und mit der gesamten Gruppe gesucht. Bei Erfolg der Suche, erhielten sie einen zweiten Hinweis für einen Schatz, in dem sich prompt Gummibärchen befanden. Wie die bloß in die Steinzeit gelangten?) LebkuchenDinos backen. (Wir haben November. Das ist die Zeit, in der wir bei uns spätestens  anfangen Lebkuchen und Kekse zu backen. Dann wird’s im Dezember nicht zu eng und es kann viel genascht werden.)

DinoAbendbrot: Ich hab mich zu sogenannten DinoNuggets hinreißen lassen. Eigentlich total gegen alle meine Überzeugungen. Aber ich wusste, dass der Große sich tierisch darüber freuen würde und auch die anderen Kinder, sie gerne essen. Dazu gab’s die DinoEier, Rohkost für die PflanzenFresser und zweierlei PizzaSchnecken.

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KindergeburtstagsTütchen: Eigentlich auch völlig gegen meinen Willen. Aber: Letztes Jahr hatten wir einen super schönen Geburtstag. Als es zum Abschied keine Tütchen gab, waren die Gesichter lang und das Bild das herrschte: Der langweiligste Geburtstag ever! Weil dem nicht so war und ich nicht möchte, das aufgrund meiner ProtestEinstellung mein Sohn derjenige ist, der den Schaden davon trägt, gab’s Tütchen hergestellt aus altem Geschenkpapier. Der Inhalt? Ein Tütchen Fruchtgummi, Schokolinsen und einen DinoRadiergummi. Eine Lösung, mit der ich gut leben konnte.

Zu welchen Themen habt ihr schon Kindergeburtstage ausgerichtet? Und wenn ja, mit welchen “Schwierigkeiten” (gesellschaftliche Konventionen betreffend) wurdet ihr dabei konfrontiert?   

Zeit. (1)

Die letzte Woche habe ich mir häufiger über dieses Wort und das, was ich bzw. wir damit verbinden nachgedacht. Es beginnt immer mit diesem darüber nachdenken. Ich stelle fest, wie es bei mir läuft. Habe ich Zeit? Wozu habe ich Zeit? Wofür nehme ich mir Zeit? Wofür habe ich keine Zeit? Wieso habe ich keine Zeit? Ist es mir zu unwichtig? Oder gibt der Rest meines Alltages es nicht her?

Natürlich kommt dann noch unsere besondere Situation dazu. Als wäre die nur bei uns besonders. Bei allen anderen doch auch. Äußerst individuell. Jeder hat so seine Päckchen zu tragen, verliert sich auf seine weise in seinem Alltag oder gestaltet seine Zeit sehr spezifisch. Vielleicht lässt er/sie auch gestalten. Doch selbst in dem Moment, des Gestalten-Lassens gibt es doch den Moment, dass ich das zulasse. Ich lasse gestalten und bestimme damit wiederum meine Zeit… – jetzt wird es abstrakt und philosophisch und das Denken bricht für einen Augenblick ab.

Bevor es beim Aufsetzen einer Tasse Tee wieder einsetzt. Vielleicht auch beim Anstellen der Wäsche oder dem Abholen des Kindes aus dem Kindergarten. Wie ist das mit der Zeit?

1. Wie ist das mit meiner Zeit?
2. Wie ist das mit der Zeit der anderen?
3. Was bedeutet “Zeit haben” (für mich und den Rest)?
4. Was bedeutet “keine Zeit haben” (für mich und den Rest)?
5. Wie will ich Zeit gestalten? Oder gestalten lassen? Und wieso?
6. Was hat Zeit mit dem Rest zu tun? Mit meiner Familie? Dem Job? Meinen Freunden? Meinen außerfamiliären Aktivitäten? Mit Achtsamkeit? Mit mir?

Wisst ihr, mir gehen viele Dinge durch den Kopf. Gerade. Ganz aktuell. Da ist die #AlteSchule. Da sind meine herzzerreißenden Kerle. Da ist die nebenher laufende Schwangerschaft. Da ist der Herbst. Da ist die Förderung meiner Jungs in Sachen leben. Da ist mein Buch über die Fehlgeburt und seine Veröffentlichung. Da sind all die unterschiedlichen Ansichten, wie Menschen meinen, dass das Leben gelebt werden muss. Da kommt Weihnachten. da ist mein Blog. Ich wurschtel mich gerade noch ein wenig durch das alles hindurch, weil mir noch die ein oder andere geordnete Antwort auf die Fragen oben fehlt. Klar, irgendwie hab ich sie innerlich mal ansatzweise beantwortet. Aber ich glaube, ich muss mir das mal bewusst machen. Über eine Reihe zum Thema auf diesem Blog. (Die WWOOFing Reihe ist fast abgeschlossen. Es fehlen noch zwei bis drei Artikel. Die gibt’s aber auch noch.)

Erzählt doch mal in einem Satz: Was ist Zeit für dich? (Konkret, abstrakt… Ganz egal!)

WWOOFen. Station Drei. (2) Im Zirkuswagen gelebt.

Während unserer letzten Station in Skandinavien, haben wir in einem Zirkuswagen gelebt. Wir hatten in der Beschreibung der Station schon davon gelesen. Aber so wirklich glauben, konnten wir es nicht.

Nicht, dass wir skeptisch gewesen wären. Ganz und gar nicht. Diesmal nicht. Denn: Wir wollten unbedingt mal in einem solchen Gefährt wohnen. Die Betonung liegt auf “wohnen”. Nicht nur eine Nacht drin übernachten, nein, wohnen. Mein Mann konnte es gar nicht abwarten. Vermutlich lag das daran, dass wir schon vor knapp drei Jahren mal kurz davor standen, uns Zirkuswagen anzuschauen, um selber einen umzubauen und als WohnAlternative für unsere Familie zurecht zu machen. Damals scheiterte es am übervollen Alltag. Und wenn ich mir jetzt unser aktuelles #ProjektAlteSchule so anschaue, bin ich ganz froh, dass wir das Geld damals nicht ausgegeben und irgendwie auch keine gute Gelegenheit bekommen haben, einen Zirkuswagen zu kaufen.

IMG_1162IMG_1171Unsere Zeit in diesem Zirkuswagen war super. Wir haben zu viert auf engstem Raum gelebt. Mit zwei kleinen Kindern geht das ganz gut. Hätten wir es mit zwei heranwachsenden Teenagern zu tun… hm, würde das nochmal anders ausschauen. Und: Wir haben nur zwei Wochen – eine absehbare Zeit – in diesen vier Wänden gehaust.

 

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Morgens sind wir nacheinander wach geworden. Einer nach dem anderen ging zur Katzenwäsche und Morgentoilette aufs PlumpsKlo, das zum Inventar des Wagens gehört, und ans Waschbecken der Küche. Und es war so großartig! Ein wunderschönes Klo. Bei unseren aktuellen Arbeiten habe ich tatsächlich schon mit dem Gedanken gespielt ein PlumpsKlo einzurichten. Aber da ich keine Ahnung habe, ob und wie man sowas anmeldet, kommt das erstmal nicht in Frage. Wenngleich wir immer wieder davon spinnen, nach den großen RenovierungsArbeiten ebenfalls eine WWOOFing Station einzurichten. Ein Zirkuswagen inklusive PlumpsKlo kommt in den Überlegungen definitiv auch vor. Sollte das was werden – mit der WWOOFing Station und euch stößt ein PlumpsKlo nicht ab – könntet ihr uns auch mal “in Echt” kennenlernen. Ohne diverse Server, Satelliten, Glasfaserkabel und haste nicht gesehen dazwischen.

IMG_1189In dem Zirkuswagen gab es außerdem eine Dusche und eine kleine Nische zum Kochen. Beides war für den Zeitraum jedoch abgeschaltet:

Die Dusche, da der Boiler fürs Warmwasser schon der zweite und ein dritter vorerst zu teuer war. Duschen konnten wir daher mit im Haus.

Die Küche hatte dadurch ebenfalls kein warmes Wasser und auch der Herd hatte sich im Laufe der letzten Monate verabschiedet. Da wir aber beides – Essen und Spülen – meist gemeinsam mit der anderen Familie gelebt haben, war das auch kein Problem.

IMG_1198IMG_1199Absoluter Komfort waren die großartigen Betten. Auch das fürs Baby an der Wand. Genial. Und alles, wirklich alles, selbst die Wände des Zirkuswagens waren Handarbeit, weil der Wagen zu Beginn die Wohnung der Familie gewesen ist und das Haus, wie wir es im Sommer vorfanden, anfangs einfach noch nicht derart bewohnbar war.

 

IMG_1201Weiterer Luxus: Die Möglichkeit auch vom Zirkuswagen aus einen schnellen Internetzugang zu nutzen, den wir in der Regel aber nicht gebraucht haben. Da draußen ist man mit so vielem anderen beschäftigt… Wir kamen nicht oft dazu.

Und jetzt? Jetzt sitze ich hier auf dem Sofa und denke an die Zeit zurück. So vieles geht mir plötzlich wieder durch den Kopf. Die Bedenken vieler Menschen aus unserem Umfeld, ob dieses Projekt wirklich sein muss? Und wenn ja, wieso? Weshalb? Dann diejenigen, die uns auf den Gegenwind hinwiesen und dass es dennoch gut sei, dem Herz zu folgen und sich darauf einzulassen, abzuwarten was passiert.

Die Zeit war kostbar. Sie ist kostbar. Ist das nicht Grund genug, sich voll aufs Leben einzulassen?! Und wenn sich dann eine solche Möglichkeit andeutet und das eigene Herz sich nach diesem Projekt sehnt, sollte man ihm nicht eine Chance geben?! Ich freu mich so und bin dankbar, dass ich mich an diese Tage und Wochen, trotz all ihrer Anstrengungen, Herausforderungen und FremdseinErfahrungen hier und jetzt erinnern kann. Euch ein bisschen was von den Eindrücken zeigen darf.

Hier mal noch die ein oder andere Impression vom Zirkuswagen sowie der näheren Umgebung. Viel Spaß beim Durchschauen.

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Bücherregal im ZirkusWagen

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Ein wenig Deko.

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Selbst einen Ofen gab’s im ZirkusWagen, wenngleich durch unseren ganzen Kram verdeckt…

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Die schmale Tür zum eigentlichen Schlafplatz.

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Sowas entdeckten die Kerle sofort.

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Unsere erste WWOOF-Aufgabe: Die Tomaten im Gewächshaus retten.

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Ein Erdkeller. Wusste vor unserem WWOOFen noch nicht einmal, dass es sowas überhaupt gibt. Coole Sache.

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Sowas fanden sie auch sofort. Schüttel. Jungs.

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Unsere Mitbewohner – zu Anfang.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Wieso nicht? Schließlich wurden und werden ganz viele Rahmenbedingungen geschaffen, um Frauen beides zu ermöglichen. Betreuung der Jüngsten in Kindertagesstätten. Lukrative Arbeitsbedingungen nach Vereinbarung und Absprache. Der Kombination von Familie und Beruf sind keine Grenzen gesetzt. In vielen Fällen. Ich meine, es gibt doch wirklich viele Frauen, die die KarriereLeiter trotz der drei “Elternzeitmonster” emporklettern können. Die sich als attraktive Unternehmerinnen, Führungsfiguren und Karrierefrauen herausstellen.

Wer diesen Blog kennt, nimmt mit Sicherheit den leicht skeptischen Untergrund meiner Worte wahr. Aber lasst es euch gesagt sein: Ich meine die Sätze oben wirklich ernst. Genauso, wie ich der Meinung bin, dass es hier um zwei Paar Schuhe geht. Ich bestreite nicht, dass es JobAngebote gibt, die den Frauen in ihren familiären Kontexten entgegenkommen. Ich bezweifel auch nicht, dass jede Frau sehr individuell entscheiden sollte, welche Socken sie trägt, welche Zahnpasta sie benutzt und für welche familiären und beruflichen Aufgabenbereiche im Alltag sie sich entscheidet. By the way: Dasselbe gilt doch nicht weniger für den Mann; doch darum geht es hier gerade gar nicht.

Aber diese Stimmung, dass uns Frauen alles möglich sei, wenn wir nur wollen, empfinde ich persönlich als trügerisch. Sie setzt mich unter Druck. Klar, wenn ich wirklich meinen TraumJob ausüben möchte, weil ich es Zuhause nicht als “Muttchen” aushalte, dann kann ich mir irgendwie den Weg dorthin bahnen. Allein dieses “wirklich” impliziert doch, dass diejenigen, die es nicht schaffen, es “nicht wirklich” wollen. Oder sie sind diesen Herausforderungen schlichtweg nicht gewachsen und dann bleibt man eben vorm Herd zwischen den bekackten Windeln stehen. Diese Frauen haben eben nicht das entsprechende Potential oder nutzen es schlichtweg falsch. Was für einem Druck wir Frauen uns damit aussetzen!?

Manchmal mal mehr, manchmal weniger einfach kommen viele irgendwie ans Ziel. Abhängig von meiner Familienkonstellation, dem ländlichen oder städtischen Bereich meines Wohnortes und nicht weniger von den Persönlichkeiten meiner Kinder, lassen sich Familie und Beruf miteinander vereinbaren. So sagt man. So tönt es in unserer Gesellschaft.

Zwischendrin gehen wir Frauen uns dann noch gegenseitig an die Gurgel, pi*** uns an den Karren, weil wir es anders sehen und anders machen. “Stillschweigende” Vorwürfe, die in InternetForen laut herausgeschrieen oder mittels KommentarFunktion verabreicht werden. Am Ende fühlt sich jede gedemütigt, weil sie entweder ihre Kinder vernachlässigt oder aber nicht-emanizpiert genug (= unselbständig), weil der Herausforderung nicht gewachsen auch die berufliche Komponente in ihren Alltag zu integrieren. Wir entscheiden uns dann irgendwann nur noch für das von uns als kleiner empfundene Übel und das nennt sich dann in der Regel Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ich weiß auch nicht.
Mich stört, dass wir Frauen uns das Leben gegenseitig so schwer machen. Wir greifen uns an, wenn wir unsere Kinder mit 1 Jahr im Kindergarten abgeben, um Geld zu verdienen. Wir belächeln uns, wenn wir unser Nähen oder Stricken ausbauen und von Zuhause aus bei dawanda verkaufen (statt arbeiten zu gehen).

Außerdem stört mich, dass mein Job als Mutter und Hausfrau nicht bezahlt wird. Ich kriege kein Gehalt für den Versuch das Potential dieses Staates aufzubauen, ihm Raum zu geben, sich zu entfalten und selber tagtäglich reflektiert in den Wogen des Alltages zu handeln und zu sprechen.

Und in diesem Zuge entdecke ich die kurze Vorstellung eines Buches, das den Titel “Die Alles ist möglich-Lüge. Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind.” trägt. Am 16.10.2014 findet dazu ein Online-Autorenevent statt, das vom Pantheon Verlag in Kooperation mit der Elternzeitschrift Nido um 21h stattfindet und sich Webinar nennt. Ich habe damals die kurze Buchvorstellung im Netz entdeckt und finde die Gedanken durchaus bedenkenswert. Das Buch habe ich noch nicht gelesen – aber ich würde gerne. Und ich hoffe, es ist ein Buch, das sich nicht in die Reihe der Bücher einreiht, die über die andere Seite herfällt und urteilt. Ein konstruktives Diskutieren, das sich gegenseitig stehen lässt und ernst nimmt, wäre so viel sinnvoller. Vielleicht sehen wir uns morgen Abend ja im Netz.

Was wir brauchen ist m.E. jedenfalls nicht ein gegenseitiges Bekämpfen und SchlechtReden. Konstruktiv wäre ein StehenLassen und Stärken der verschiedenen Rollen im Sinne der Familie. Die Möglichkeit als reflektierte Mutter Zuhause die Arbeit finanziell anerkannt zu bekommen, ist für mich persönlich durchaus ein Brückenpfeiler, der fehlt, was den Brückenbau (= die Vereinbarkeit) zwischen Familie und Beruf für Frauen (und Männer) angeht. Wenngleich nicht der einzige. Und vermutlich auch der idealistischste und utopischste.

Wie seht ihr das mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf? (Und bitte, nicht aufeinander losgehen.) Wofür habt ihr euch entschieden? Als Frau? Als Mann? Warum? Inwiefern habt ihr überhaupt das Gefühl euch entscheiden zu müssen? Oder ist dem gar nicht so?

WWOOFen. Station Drei. (1)

Die intensivsten zwei Wochen haben wir, meinem Gefühl nach, in den letzten beiden Wochen dieser drei Monate erlebt. Als wir ankamen, war nur der Vater der Familie zugegen. Der Rest der Familie machte gerade einen Großeinkauf – an einem Sonntag. (Etwas, was mir immer fremd sein wird, obwohl ich als Kind Sonntage ganz doof fand.)

Ich weiß gar nicht mehr, was wir dort wie als erstes gemacht haben. Aber wenn ich es in gebrainstormten Stichworten zusammenfassen sollte, dann so:

1. Schafe geschlachtet – 2. Fleisch gegessen – 3. im Zirkuswagen gelebt – 4. ein KinderSpielHaus (eine alte Schule) besucht – 5. eine Vergiftung mitgemacht – 6. Hemmschwellen überwunden – 7. Brote gebacken – 8. Knochen gesammelt – 9. eine andere Art FamilienLeben mitgelebt – 10. Löwenzahn wieder neu entdeckt – 11. ein geniales Schwimmbad entdeckt – 12. ein Plumpsklo lieben gelernt – 13. frisch gefangenen Fisch gegessen (natürlich gegart zubereitet) – 14. Landgurken eingelegt undundund.

Ich weiß nicht, was davon ihr am interessantesten findet. Alles zu erzählen würde diesen BlogBeitrag sprengen und da ich meine Artikel bewusst wieder etwas kürzer halten möchte… Sucht euch jeder drei bis fünf Themen aus. Die beliebtesten bzw. gewünschtesten werde ich im nächsten Post ein wenig ausführen.

Los geht’s. Ich freu mich auf eure Kommentare. Hinterlasst gerne einfach die entsprechenden Nummern oder auch Stichworte.

WWOOFen. Campen. Richtungswechsel.

IMG_0957Da saßen wir also nun. Wir hatten Norwegen wieder hinter uns gelassen und waren kurzerhand in die Richtung des CampingPlatzes gefahren, von dem wir am Morgen zuvor aufgebrochen waren. Als ich an der Rezeption stand, wunderte sich die Besitzerin nicht schlecht, sprach es jedoch nicht aus, was ihr vielleicht durch den Kopf ging.

Stattdessen erklärte ich ihr die Situation: Dass wir auf dem Weg nach Norwegen gewesen waren und uns dort ein ganz außerordentlich furchtbares Gewitter begegnet sei, dessen Begegnung wir uns hier nicht wieder erhofften. Sie wies mich darauf hin, dass es lokal auch in Schweden zu diesen starken GewitterStürmen gekommen sei und dieselben auch für diesen Abend und die kommende Nacht “lokal” gemeldet seien. Lokal. Was auch immer das bedeuten sollte.

Ich fragte, ob es eine Option gäbe, für diesen Fall einen festen Unterschlupf auf dem Campingplatz zu bekommen. Sie überlegte und griff nach ihrem Handy. “I have an idea. Wait! I first have to talk with my husband…” So oder so ähnlich drehte sie mir den Rücken zu und versuchte den CampingPlatzBesitzer zu erreichen. Ich weiß gar nicht mehr, ob es ihr gelang. Jedenfalls bot sie mir am Ende an, den Schlüssel für das ServiceHaus am Abend, bevor alles abgeschlossen würde, bei ihr abzuholen. Sollte es gewittern, würden wir in dem noch nicht fertiggestellten Gemeinschaftsraum unterkommen können.

Am liebsten wäre ich dieser Frau um den Hals gefallen. Ich war so überwältigt von so viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, ich hätte heulen können. Keine Ahnung, ich will nicht sagen, dass es sowas nicht auch in unseren Breitengraden gibt. Allein die Tatsache, dass ich es versuche anders zu machen als viele andere und viele Menschen aus meinem näheren und auch meinem CyberUmfeld kenne, die es ähnlich handhaben, macht mir Mut, dass da eine veränderte Mentalität sich irgendwann einmal durchsetzen könnte.

In dieser Nacht gab es kein weiteres Gewitter. Als ich am Abend zur Rezeption tigerte, um unsere EisAkkus in der GefrierTruhe auszutauschen, hielt mir die Besitzerin schon den Schlüssel hin.
Ich sagte: “Oh danke. Wir haben eben nochmal darüber gesprochen und beschlossen, dass wir Ihr Angebot nicht annehmen werden. Das Wetter scheint es gut mit uns zu meinen…”
Sie: “Bist du dir sicher?”
Ich: “Ja, ja. Wir haben das eben gemeinsam beschlossen.” (Hatten wir in der Tat.)
Sie: “Aber”, sie schwenkte den Schlüssel hin und her, “wenn es doch anfangen sollte, dann kannst du den Schlüssel hervorzaubern und dein Mann wird große Augen machen und sehr froh sein.”
Ich musste lachen und ließ mich überreden.
Im Zelt zurückgekehrt erzählte ich meinem Mann von der Situation und wir mussten erneut herzlich lachen. Es war einfach zu schön an diesem Ort, an dem sich jemand völlig fremdes so sehr um unser Wohl bemühte.

IMG_1012Wir blieben eine weitere Woche auf diesem CampingPlatz. Ich brauchte zwei Tage, um mich innerlich auf diese völlig freie Zeit einzulassen, die wir eigentlich vorgehabt hatten zu arbeiten. Immer wieder kam da dieses schlechte Gewissen, sich nicht gut genug angestrengt zu haben. Gegen Ende der Woche schlug das Wetter dann so richtig um. Es wurde regnerischer und unser BewegungsRadius schränkte sich von einem auf den anderen Tag radikal ein. Das Angebot des Ferienhauses der Eltern kam da sehr gelegen.

Da wir dieses Mal für eine ganze Woche bleiben wollten, sofern nicht wieder ein Flachbildschirm herunterfiel, räumten wir alles außer Reichweite. Auch den Flachbildschirm. Tatatataadahh! Wir waren doch keine so furchtbare HorrorFamilie. Dieses Mal ging nichts kaputt und die verlebte Zeit war außerordentlich entspannt!

IMG_1093Nun waren wir schon fast am Ende unserer WWOOFing-Zeit angekommen. Unsere letzten zwei Wochen standen bevor und damit auch unsere letzte WWOOFing-Station. Ich hatte ein bisschen Angst. Der Abbruch der letzten Station trat mir wieder vor Augen. Wieder einmal fragte ich mich, ob ich zu pingelig und penibel war oder ob es in Ordnung gewesen war, sich nicht durch diese Woche hindurchgeschlagen zu haben?!? Ich wusste es nicht und betete nur immer wieder, dass es dieses Mal anders laufen würde. Wir waren etwas verwöhnt von der Kombination Campingplatz und Ferienhaus der letzten beiden Wochen. Wir würden sehen, wohin uns unser Weg führte. 

Ein letztes Mal packten wir unser Auto und fuhren in Richtung Norden ans südliche Ende der beiden größten Seen Schwedens, Vättern und Vänern. Dort erwartete uns eine kleine Familie, die selber aus Mama, Papa und zwei kurzen Kerlen bestand. Mal schauen, wie unser Abenteuer dort oben weitergehen würde…