BauTagebuch (5). Die Treppe

Die Treppe also. Eigentlich hatten wir vor einigen Tagen vor, umzuziehen. Inzwischen liegt der Termin schon vier Wochen zurück, doch wir entschieden uns Ende März, vor dem Einzug die Treppe fertig zu machen. Treppe_ursprgl

Was bedeutete fertig machen?
Die Treppe, so wie alle anderen Zimmerböden, war mit PVC beklebt. Dieses Haus hatte alle möglichen PVC-Farbnuancen zu bieten, die man sich so vorstellen mag – oder auch nicht. Nachdem der ganze Mist draußen war, bekam man meistens, nachdem die ein oder andere Spannplatte abgestemmt war, einen Holzboden zu Gesicht. Der wiederum war über Jahrzehnte alt und natürlich immer wieder gewachst worden.

Wie ging’s also los?

Böden_geöltDie Holzböden wurden in mehreren Schritten geschliffen und anschließend geölt. Bei der Treppe handelte es sich um eine überwiegend aus EichenHolz bestehende dunkelgestrichene Konstruktion. Fiese KlebestreifenReste, die vom doppelseitigen Klebeband herrührten, ließen die Stufen sehr unansehnlich ausschauen.

Allein das Abkratzen dieser Reste war eine unglaublich schmutzige und vor allem aufwändige Arbeit. Zum einen ließen sie sich nicht komplett entfernen. Zum anderen war die Treppe danach ja immer noch dunkelbraun gestrichen und entzog dem Treppenhaus auf die Art jegliche Helligkeit.

Also wurde erstmal ein wenig herumgefragt: beim Schreiner, beim Nachbarn, beim befreundeten Dachdecker, bei Mama und Papa, im Baumarkt und bei den anderen Handwerkern, die so durch unsere Haustür hereintraten. Relativ schnell war klar, dass das doch nochmal ein großes Projekt werden würde.

Wir standen vor der Frage: Beizen oder schleifen.
Aufgrund der Chemie entschieden wir uns zunächst fürs Schleifen. Doch ganz schnell wurde klar, dass wir auf diese Weise wirklich Unmengen von Schleifpapier benötigen und verbrauchen würden, ohne auch nur annähernd den gewünschten Erfolg zu haben. Egal, ob Handschleifgerät oder Bandschleifer. In die verwinkelten Ecken der Treppenstufen kam man damit sowieso nicht.

Also probierten wir dann doch an zwei Treppenstufen eine “ÖkoBeize” aus; mit dem Ergebnis: Es ging gar nichts weg. Noch nicht einmal die KlebeReste.

Nochmal schwenkten wir zurück auf unsere Schleifgeräte, füllten nochmal unseren SchleifpapierVorrat auf und erhielten nach zwei Tagen auf den Trittflächen der Stufen das gewünschte Ergebnis. Die Treppe hat +/- 20 Treppenstufen, einen Handlauf, zwei Wangen, jede Menge Holmen und ein Podest, da sie eine Kurve macht. Wir würden frühestens in einem halbe Jahr mit diesem Teil der Treppe fertig werden. Ohne Elternzeit und mit den spätabendlichen Arbeitseinsätzen nach dem beruflichen FamilienAlltag von uns beiden. Denn Handwerker können wir uns momentan auch nicht mehr leisten.

Es war ermüdend und wir hatten das Gefühl um Jahre (ja, ich übertreibe maßlos – dennoch!) in der Renovierung zurückgeworfen zu sein. Denn der Dreck in Form dieses fiesen Staubs, der sich in jeder Ritze festsetzte war phänomenal. Obwohl wir das Gefühl hatten, es geht ja kaum was ab. Wir waren beide sehr gefrustet und wussten nicht, ob wir froh sein sollten, diesen Dreck nicht während des Wohnens zu haben oder ob es eine hirnrissige Idee gewesen ist, das jetzt auch noch zu starten und sich als Familie  einen weiteren Monat in einer anstrengenden Wohnsituation zu befinden. Denn auch die Kerle fanden es vor vier Wochen erstmals ermüdend und anstrengend und warten nur darauf endlich in ihr eigenes schönes, helles Zimmer umziehen zu können.

Dann kam die chemische Beize. Es ging nicht vor und nicht zurück, aber irgendwie mussten wir die Sache jetzt mal zu einem Ende bringen. Das Ende lag letztlich noch in weiter Ferne. Das wussten wir zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht. Die Beize zwar nämlich ätzend und hat furchtbar stark gestunken, doch den nötigen Erfolg sahen wir immer noch nicht. Zuguterletzt kam ein Nachbar rüber und warf die Idee in den Raum, es mit einem Sandstrahler auszuprobieren. Das würde auf jeden Fall funktionieren. (Klar, vom Dreck her, wäre das jetzt auch kein Thema mehr.) Oder einen Heißluftfön. Allerdings bezweifelten wir alle, dass die Farbe dann abgehen würde, da sie einfach schon so sehr im Holz war, dass sich da nichts “abblättern” ließ. Wir entschieden uns, nach einem Sandstrahlgerät zu suchen und jemanden, der sich damit auskannte, da kam dieser Nachbar mit seiner Borhmaschine herüber. Man könnte es noch mit einem StahlbürstenAufsatz für die Bohrmaschine versuchen.

Mit der Bohrmaschine? An die Treppe? Ich hatte erneut das Gefühl, dass wir schon wieder einfach nur kaputt machen. Das Gefühl hatte ich ja schon mehrere Mal während der UmbauMaßnahmen. “Ja, es könne schwierig werden, aber ein Versuch sei es wert.”

IMG_0079Nun gut. Auf diese Weise waren an einem Abend plötzlich vier Treppenstufen grob fertig. Dann der obere Teil, plötzlich auch der untere. Schließlich kam es zum Feinschliff, den wir jetzt gerade noch einmal vor uns haben, nachdem wir die Treppe erstmals 1x ölen konnten.

Wir gewinnen tatsächlich Land ins Sicht. Es ist unglaublich. Ich glaube es auch erst, wenn wir in unseren eigenen vier Wänden die ersten drei Nächte verbracht haben. Aber so langsam können wir wirklich unsere Taschen packen und nochmal umziehen. Ich freu mich drauf. Beim Renovieren einer alten EichenTreppe haben wir auch ein wenig dazugelernt. Sehr schön. Ach ja, und diese Fliesen, die schon viel Geschichte erlebt haben, durften wir auch entdecken. Nochmal: Sehr schön!

Wenn jemand von euch noch irgendwelche Tipps zum Ölen von Holzböden oder Treppen hat, immer her damit. Der neu verlegte SeekieferHolzBoden im Bad “pappt” an der ein oder anderen Stelle und wir sind nicht sicher, woran das liegt? Wie oft wir den Boden immer wieder neu ölen können und dürfen? (Zweimal sind wir nämlich schon drüber…)

Blogger schenken Lesefreude. 2015

Und ich bin dabei. Zwar etwas knapp, was den dazugehörigen BlogArtikel angeht, aber ich bin dabei. Dieses Jahr. 2015.

Was das mit der verschenkten Leserfreude überhaupt ist? Um den Grund dieser Aktion zu verstehen, geht’s am besten einfach hier entlang: Blogger schenken Lesefreude.

blogger2015v-WWarum macht rage von mamadenkt mit?
Ich mag Bücher! Ich mag sie lesen, ich mag sie schreiben. Ich finde es unbegreiflich genial, wie viele Bücher es gibt. Aktuell, in der Vergangenheit. Das Vorstellungsvermögen und die Kreativität von uns Menschen wird mir u.a. in der Vielzahl an Geschichten und dazugehörigen Ideen immer wieder bewusst.

Besonders in den vergangenen drei, vier Jahren habe ich richtig gute Bücher entdeckt. Früher landeten die gelesenen Werke im BücherRegal als Trophäen. Heute haben wir uns weitestgehend davon befreit und lesen dennoch gerne und fortwährend irgendwas. Spontan fallen mir vier Bücher meines LeseStoffes ein, die ich richtig gut gefunden habe:

Ende der Märchenstunde von Kathrin Hartmann
Blackout von Marc Elsberg und
Gute Geister von Kathryn Stockett

Diese Werke finde ich richtig gut, wenngleich auch nur eins den Weg in unser BücherRegal gefunden hat. Und das, das wird im Rahmen der Idee von “Blogger schenken Lesefreude” über diesen Blog verschenkt: Gute Geister. The Help von Kathryn Stockett.
Ein zweites Buch, das ich als Taschenbuch ebenfalls als Geschenk abzugeben habe, ist mein eigenes: Wenn etwas fehlt. 

Wie macht ihr nun mit?
Am besten seid ihr mindestens 18. Dann hinterlasst ihr bis zum 23.04.2015 um 23:59h einen Kommentar zu diesem BlogPost, in dem ihr das Buch nennt, das ihr aktuell in eurem BücherRegal stehen habt und jedem anderen ebenfalls empfehlen würdet. (Auf diese Weise schenkt ihr als Leser mir und anderen MitLesern weitere LeseSchätze. Vielen Dank!) Da ich beide Bücher einzeln verschenke, dürft ihr das Buch nennen, das ihr gerne als Geschenk entgegen nehmen würdet. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen. Wer ein Geschenk erhält, entscheidet das Los aus Papier. Der Gewinner wird von mir per Mail benachrichtigt. Also hinterlasst bitte eure MailAdresse. Noch was vergessen? Ich hoffe nicht und bin gespannt, was ihr so zu lesen habt.

Mamas HandtaschenMinimalismus

Wenn ich meinen Mann bitte,
* mir mal meinen Geldbeutel aus meiner Handtasche zu geben oder
* vielleicht auch das Döschen HandCreme oder
* das RennAuto, das einer der Kerle jetzt sofort unbedingt braucht,
ich aber die Hände nass vom Spülwasser habe oder mitten beim Wickeln bin – erhöht sich der Puls des Mannes, eine leichte Schnappatmung setzt ein und er steht kurz vor einer leichten Panikattacke. “Aus deiner Handtasche?”

IMG_0001Ich kann dann das Aufleuchten des roten Warnsignals in seinen Augen schon von Weitem blinken sehen und höre an seiner Stimme, die Verzweiflung, meine Handtasche öffnen zu müssen.

IMG_0002Mit Recht. Manchmal habe ich eine Tasche wie Mary Poppins oder aber Hermione Granger bei Harry Potter. Ich kann da alles mögliche mit einem Handgriff herauszaubern. Mein Mann leider nicht. Er hat eher das Gefühl, sich in die ungewissen Untiefen einer mütterlichen Handtasche begeben zu müssen. Er kommt sich nicht selten wie Odysseus vor, der sich auf seinen Irrfahrten durch meine Handtasche befindet. Nun ja, Schluss mit diesen Bildern.

IMG_0004Meine Handtasche ist ein rotes Tuch für meinen Mann. (Oh doch noch eins. Das eine geht noch.) Obwohl ich sie regelmäßig ausmiste und ihren Inhalt immer wieder sehr reduziert halte. Dennoch müllt sie im Alltag immer wieder zu: KassenBons, leeres BonbonPapier der Kerle, ZahnArztGeschenkeSchrott, Visitenkarten, angefangene TaschentuchPäckchen, Spielzeug, PixiBücher, MüsliRiegel… Die Variationen sind total unterschiedlich. Aktuell finden sich auch Dübel oder Schrauben, BaumarktUtensilien oder mögliche FarbBeispielKärtchen in ihr wider.

Mitten in einem dieser Versuche meinen HandtaschenInhalt reduzierter zu halten, erreichen mich gleich zwei Emails bzgl. Handtaschen. In einer der Aufruf mir meinen eigenen persönlichen WickeltaschenTraum zu entwerfen. In der anderen der Hinweis, wer aus der MamaBloggerWelt schon einmal auf die Seite des HandtaschenUnternehmens verlinkt hat. (Als ich die Mails lese, schüttle ich nur den Kopf. Nicht selten frage ich mich, ob solche Anfrager überhaupt nur einmal in meinen Blog hineingeschaut, geschweige denn den Untertitel gelesen haben? – Ich weiß es nicht.)

Die Sache mit dem Entwurf, ja irgendwie kann man sich da noch was bei gedacht haben. Aber für teure Handtaschen auf diesem Blog Werbung zu machen? Also bitte. Mal abgesehen davon, dass ich mir so eine Handtasche oder einen Koffer gar nicht leisten könnte, würde ich es selbst wenn, bei meiner tollen Tasche niemals in Erwägung ziehen.

Daraufhin habe ich beschlossen euch mal meinen HandtaschenInhalt – aktuell – abzufotografieren.

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Argumente, die für meine Tasche sprechen:
* sie war schon an vielen Orten und ist damit dazu zertifiziert sich als multikulturell zu bezeichnen.
* sie hat schon vieles anstandslos beinhaltet: benutzte Windeln, SchokoMuffins, Tablets, Kuscheltiere, Getränkeflaschen, Medikamente, Pflaster, Fieberthermometer, Kopien wichtiger Dokumente… Und damit halte ich sie für äußerst integrativ.
* sie ist fast oder mindestens (ich kann mich nicht entscheiden) 10 Jahre alt. Für unsere aktuelles Zeitverständnis und Konsumverhalten zeitlos würde ich sagen.
* sie ist in permanentem Einsatz. Egal ob beim Konzert, in der Krabbelgruppe oder auf dem gewöhnlichen Weg zum Einkaufen. Sie ist fast wie ich: nahezu immer einsatzbereit.
* außerdem pflegeleicht. Das schätze ich sehr an ihr. Schließlich kann ich sie einfach auskippen, vielleicht mal mit einem feuchten Lappen, im stark beanspruchten Fall mit einem Klecks Spüli darauf durch- und abwischen. Fertig!

Das sind eigentlich die fünf Dinge, die ich an meiner Tasche mag. Anhand derer ich eine “neue” Tasche entworfen hätte, die dann wieder neu produziert hätte werden müssen, um meine alte, gute abzulösen oder aber als Tasche zweiter Wahl im Schrank oder an der Garderobe ihr Dasein zu fristen.
Statt also eine Tasche mit neuem Design zu entwerfen, nutze ich die drei Minuten, den Mist aus meiner MamaHandtasche rauszunehmen.

Vielleicht bin ich ja nicht der Typ von Frau, der mehrere Handtaschen benötigt und damit bin ich vielleicht wieder ein bisschen anders.
Aber mal ehrlich: Wie viele Handtaschen habt ihr im Schrank oder an der Garderobe hängen? Und welche davon benutzt ihr regelmäßig? Was ist in euren Taschen so Wichtiges Zeug drin?IMG_0008

PS: Wem fällt auf, was in diesem Bild fehlt? Finde die drei Unterschiede. (Der Renner unter unseren momentan ZuhauseSpielen. Ob auf Bildern, auf dem Tisch, unter einem Tuch oder draußen im Garten. Ein bis zehn Teile werden entfernt und der Rest muss suchen. Macht hier allen riesig Spaß…)

TOLLABOX. Gesundheit

“Was ist das für eine CD?” – “Zeig mal her. Woher hast du sie denn?” – “Aus der TOLLA-Box.” -kurze Pause – “Oh, die muss dann zu der Box vom letzten Jahr gehören…” In Gedanken: NEIN! Ich wollte doch schon längst…

Ja, ich wollte doch schon längst einen Artikel zu der damaligen Box geschrieben haben. Nun gut, ich habe es damals vergessen, obwohl wir die Box mit sehr viel Freude, BastelSpaß und Interesse “bearbeitet” haben. Bearbeitet passt insofern gut, weil der große Kerl wirklich jedes Teil dieser Box für seine Zwecke verwendet hat. Selbst der tolle SchiebeKarton dient als eine seiner drei oder vier SchatzTruhen, in denen er CellophanTütchen, Radiergummi, leere SchneckenHäuser und Bierdeckel aufbewahrt. Aber nochmal ein paar Schritte zurück.

IMG_9989Worum handelt es sich bei der TOLLA-Box? Die TOLLA-Box besteht aus einem Karton, der in der Regel mit 3 Bastel-, Spiel- und EntdeckerIdeen befüllt ist. Zu jeder Idee gibt es eine Tüte, die mit einer genauen und kindgerechten, bildhaften Anleitung versehen und die außerdem mit den zur Umsetzung benötigten Materialien ausgestattet ist. Seien es Wolle, Watte, Samen, Papier, Farbe oder Wackelaugen. Die Box beinhaltet fast alles, was man braucht, um zu entdecken und kreativ zu werden. Manchmal sind zusätzliche Werkzeuge oder Materialien, wie ein Stift oder eine Schere aufgelistet, die man meistens sowieso Zuhause hat.

Wieso TOLLA? TOLLA, weil die Ideen und Entdeckungen von den TOLLAs gemacht werden. Bei den TOLLAS handelt es sich um kleine Wesen von einem anderen Stern, die sich mit einem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und verschiedenen Herangehensweisen auseinandersetzen. Dabei verkörpern diese vier TOLLAS vier eingängige Charaktere, die sich auch in den Persönlichkeitsstrukturen von Kindern/ Menschen/ LernTypen wiederfinden.

Für wen ist diese TOLLA-Box? Die Box bietet sinnvolles BeschäftigungsMaterial für Kinder ab 3, wobei die Altersspanne der 4-10Jährigen für die Umsetzung empfohlen wird. Diese Erfahrung haben wir auch gemacht. Unsere erste TOLLA-Box haben wir ausprobiert, da war einer der Kerle gerade 3 und ich hatte das Gefühl, dass das noch viel zu früh war. Sowohl was das kognitive Verständnis bzgl. diverser Themen betrifft als auch die motorischen Fähigkeiten.

Was ist das Ziel der TOLLA-Box? Spielerisches Lernen. Das ist zumindest mein persönlicher Eindruck, den ich auch nach dieser zweiten ausprobierten TOLLA-Box habe. Kinder werden an eine Thematik herangeführt, mit der sie in ihrem persönlichen Alltag konfrontiert sind und entdecken sie aus verschiedenen Perspektiven. Eigenständig werden sie an ein Thema herangeführt und auch ich als Erwachsene bekomme Hinweise, wie ich gemeinsam mit dem Kind entdecken kann. Mal mehr, mal weniger involviert – je nachdem.

Die im November ausprobierte TOLLA-Box hatte das Thema: Gesundheit. Das war großartig. Gerade zu Beginn der Schnupfen- und Erkältungszeit, konnte ich mich mit gut durchdachtem Material an RegenTagen mit den beiden Großen an das Basteln von Seifenkugeln oder HandschuhBakterien begeben. Sie bekamen auf diese Weise Wissen vermittelt, da jede Bastelei, jedes Spiel auch mit Inhalten zur jeweiligen Thematik verbunden ist.

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Die von uns gestern entdeckte AudioCD, war mir bislang noch gar nicht aufgefallen. Aber auch der zu hörende Inhalt kommt beim Großen sehr gut an. Interessiert hörte er sich die letzten Tage die CD wieder und wieder an, begleitete dabei die TOLLAs durch eine Geschichte und hörte Dinge, wie sich jeder vor Erkältungen schützen könne. Dabei kam dann doch tatsächlich heraus, dass es sinnvoll sei, auf Mama zu hören (zumindest manchmal) und sich

* die Hände zu waschen.
* viel zu trinken.
* in den Ellbogen zu husten.
* Vitamine in Form von Obst und Gemüse zu sich zu nehmen.
* und und und.

Fazit: Ich mag die TOLLA-Box. Ich finde das Konzept durchdacht und auch in der Umsetzung mit den Kids macht es echt Spaß spielerisch so Einiges zu einem Thema zu lernen. Die Verfügbarkeit des komplett benötigten Materials ist komfortabel und für RegenTage einfach genial.

IMG_0113Die einzigen zwei Punkte, die mich ein wenig stören und mich mit ihr hadern lassen (, was aber durchaus mit meiner reduzierten Sicht der Dinge zusammenhängt):
1. Manchmal würde ich gerne wissen, woher die Verbrauchsmaterialien stammen. Was ist das für Watte? Was ist in dem Nährboden enthalten? Woher kommen die LavendelBlüten.
2. Es ist zwar toll alles auf einen Schlag beisammen zu haben – wie gesagt komfortabel und dadurch auch super gut zu managen, wenn es direkt losgehen soll. Denn schließlich muss man sich nicht erst auf die Suche begeben oder vielleicht sogar noch für eine Idee einkaufen gehen. ABER: In jeder Box gibt es dann zum Beispiel drei kleine PlastikPöttchen mit drei verschiedenen FarbKlecksen für zwei der drei Ideen. Das ist der eine Grund, warum ich von 5 Sternen nur 4,5 geben kann. Dieser Umstand entspricht einfach nicht meinem Bedürfnis nach praktizierter Nachhaltigkeit und Minimalismus; wenngleich ich keine Lösung für diesen Nachteil sehe.

Konzeptionell und pädagogisch finde ich die TOLLA-Box sehr gelungen und wer weiß? Im Frühjahr oder Herbst eine der Boxen hier zu haben, wäre bestimmt vorteilhaft und gar nicht mal so schlecht. Vor allem wenn das Wetter draußen nicht mitspielt.

Vielen Dank also fürs nochmalige Ausprobieren, liebes TOLLA-Team! Und entschuldigt bitte den verspäteten Beitrag.

Die BrüllFalle. Teil3

Vor ein paar Wochen bin ich in diese BrüllFalle hineingetappt und reflektiere seitdem fortwährend, zumindest gefühlt, mein Verhalten gegenüber meinen Kindern. Nicht, dass ich nicht auch vorher schon mal lauter geworden bin. Bin ich. Absolut. Nicht, dass ich nicht auch schon vorher immer mal wieder über mein eigenes Verhalten nachgedacht hätte. Aber diese Situation, die ich hier als BrüllFalle bezeichne, hatte auch ganz viel von Hilflosigkeit und gefühlter Handlungsunfähigkeit. Ich wusste keinen Ausweg und bin so unkontrolliert laut geworden, dass ich mich vor mir selber ein wenig erschrocken habe. Wie muss es damit meinen Kindern ergangen sein? Sie schienen recht gut damit umgehen zu können. Doch was für Früchte würde mein aktuelles Verhalten, meine aktuelle pädagogische Unfähigkeit in der Zukunft mit sich bringen?

Dass ich nun mein Verhalten und Handeln sehr genau in Augenschein nehme, heißt leider noch lange nicht, dass ich mich auch fortwährend vorbildlich, geschweige denn perfekt verhalte. Das würde ich manchmal gerne, genauso wie ich wünschte, keine Fehler zu machen. Doch nehmen wir mal an, ich würde keine Fehler machen, wie könnte Weiterentwicklung stattfinden? Bei mir. Bei meinen Kindern. Wir würden doch alle irgendwie auf ein und demselben Level herummodern, meinen, wir bedürften keines Wachstums, weil wir ja schon fertig sind.

Auch wenn wir uns noch immer in diesem Zustand des “Zurechtruckelns” befinden, weil wir
a) Familienzuwachs bekommen haben und uns
b) noch immer in einer ganz verrückten WohnSituation zurechtfinden, habe ich für mich ein wenig Tempo aus unserem Alltag herausgenommen, in dem ich erstmal hab jeden sein lassen, wie er ist. (Daran werde ich ja eh nichts ändern können.)

Dann habe ich mich gefragt: Was brauche ich denn? Ohne jedoch schon irgendwelche Dinge durchzusetzen oder von irgendwem einzufordern. Die Frage klingt egoistisch.Doch nach all dem Nachdenken und in Augenschein nehmen, ging mir der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass wenn ich nicht funktioniere, wie sollen meine Kinder das denn dann? Wenn ich nicht in mir ausgeglichen bin, wie soll sich in unserem Familiensystem Ruhe ausbreiten? Wie sollen meine Kinder ausgeglichen sein können, wenn ich im Dreieck springe und sie im schlimmsten Fall aus ihrer eigenen Ruhe herauskatapultiere? Es ging also mehr darum, was genau mich an dem Abend so auf die Palme gebracht hat? Was hat mir in dem Moment gefehlt? Was hat dann schließlich noch dazu geführt, dass sich die Situation so aufschaukelt?

Bei meinem ziellosen Surfen durchs Netz, stieß ich auf ein Manuskript über ein Interview mit Jesper Juul. Da gab es eine Feststellung, die mich die Augenbrauen hat hochziehen lassen. Früher hieß es: Benimm’ dich! Heute heißt es: … (Na? Jemand eine Idee?) Genau: Beeil dich!

Beeil dich! Du verpasst noch den Bus. Hör doch bitte endlich auf zu trödeln. Beeil dich, du musst dich noch anziehen. Beeilung, gleich geht’s ins Bett. Eine Folge Wickie? Dann musst du dich aber beeilen. Beeilen, beeilen, beeilen…

An dem Abend als ich in die Falle tappte, ging es mir nicht schnell genug. Ich war selber schon voll dabei den Esstisch abzuräumen, die Küche in Ordnung zu bringen und die Vorbereitungen für den nächsten Morgen zu treffen, um endlich auch Feierabend zu haben. Denn schließlich stellt sich der erst ein, wenn drei kleine Kerle versorgt sind und süßen Träumen nachgingen. Doch meine Kinder sahen das ganz anders. Wie konnten sie sich dann nicht an meine erste Aufforderung halten und einfach schon mal die Schlafanzüge anziehen? Obwohl ich ihnen den Rücken zukehrte, um schon mal das Geschirr wegzuräumen?

Ich war müde.
Ich war nicht voll bei ihnen, sondern unter lauter benutztem Geschirr (und mit zig anderen Dingen beschäftigt.)
Es sollte schnell gehen.

Mein Weg, um erstmal aus diesen BrüllFallen rauszukommen hieß folglich:

Ich brauche mehr Schlaf. (Einfach mal direkt ins Bett gehen, wenn der Rest auch schläft)
Ich bin bei meinen Kindern. (Vor allem, wenn ich was von ihnen möchte und es darum geht, Zeiten einzuhalten. Sie sind noch nicht in dem Alter, in dem sie dieses OrganisationsManagement vollkommen alleine übernehmen können. Manchmal gelingt es ihnen Teile zu übernehmen, aber sie sind noch keine Erwachsenen, die sich jahrelang antrainiert haben, bestimmten Strukturen und Umständen anzupassen.)
Ich habe Zeit. (Ich habe tatsächlich genügend Zeit zur Verfügung. Ich muss nur einen Weg finden, wie ich meinen Kindern Verantwortung gegenüber ihrer Zeit verdeutliche und ihnen außerdem klar mache, dass “Trödelei” Konsequenzen hat, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Denn morgens fährt der Bus – egal ob sie an der Haltestelle stehen oder nicht. Genauso, wie der Zahn weh tut, wenn er ein Loch hat, weil er nicht gepflegt wurde. An beidem arbeiten wir noch.)

Das hat erstmal geklappt und Ruhe hat sich unter uns breit gemacht. Jetzt habe ich Gelegenheit mich mit meinem “ErziehungsStil” auseinanderzusetzen – wenn man das denn so nennen kann. Was will ich denn? Erziehen oder begleiten? Erfahrungen weitervermitteln? Zu starken Persönlichkeiten heranziehen? Gesellschaftsfähigkeit vermitteln und umsetzen? Was will ich eigentlich? Was ist mein Anspruch an mich? Welche Erwartungen werden von außen an mich herangetragen? Was halte ich für das Wichtigste für meine Kinder? Diese Fragen münden dann irgendwann in konkrete Fragen nach der Umsetzung von Grenzen setzen. Authentisch sein. Verantwortung vermitteln. Selbständigkeit und Selbstbewusstsein fördern. Was ist eigentlich mein Motto im Umgang mit meinen Kindern? Was für ein Profil haben wir hier eigentlich?

Trotz all dieser Fragen, lehrt mich diese ganze Thematik insgesamt (durch das viele Nachdenken, durch die unterschiedlichen Kommentare und das Erleben, “Es ist gerade wieder richtig gut.”): Ich darf mich nicht so ernstnehmen bzw. ich muss das alles (wieder) was entspannter angehen.

Guter Plan? Ich hoffe.

BauTagebuch (4)

Wie schaut es aktuell auf unserer Baustelle aus? Schmutzig mal wieder, was an der Bearbeitung des Treppenhauses liegt. Doch was haben wir denn die vergangenen Wochen geschafft? Neben der Geburt eines weiteren kleinen TeamMitgliedes?

Wände 2Was bisher geschah: Nachdem wir den gröbsten Dreck und Schmutz nach den Verputzerarbeiten beseitigt hatten, konnten wir jede Menge Wände streichen.

An viele der Wände haben wir Lehmputz anbringen lassen. Er lässt den Raum atmen und ich hatte einfach keine Lust, mir wieder Tapeten an die Wände zu machen.

1. Ich hatte in meinen vorherigen Wohnungen häufig das Gefühl, dass tapezierte Räume nicht so richtig atmen. Das hat mich immer ein wenig gestört und deshalb habe ich es auch in unserer letzten MietWohnung so genossen. Dort war die untere Etage einfach nur mit Lehm verputzt. Ganz fein. Sehr schön. Überstrichen mit einer entsprechenden Lehmfarbe war das ein geniales RaumKlima.

2. Die Räume unseres #ProjektAlteSchule sind etwas über 3,00Meter hoch. Ich hatte keine Lust dazu diese Wände zu tapezieren. Es war mir schlichtweg zu viel Arbeit.

3.  Nachdem wir alles an Tapete von den Wänden gekratzt hatten, kam tatsächlich bedrucktes Mauerwerk zum Vorschein. Ja, wirklich. Ich habe keine Ahnung, wie alt diese Drucke gewesen sind, aber die Wände waren damals auch nur ‘bemalt’. Warum sie dann also nicht einfach mit einer guten Farbe streichen? Vielleicht ja sogar mit einem LehmPutz? Weniger ist manchmal einfach mehr.

IMG_0159So wurde dann auch vorgegangen. Einige Wände, z.B. auch im Bad wurden mit Lehm verputzt. Den Rest haben wir mit Gips und Kalkputz in verschiedener Körnung bearbeitet und bearbeiten lassen. Wie nachhaltig und gesund jetzt was ist, vermag ich ehrlich gesagt nicht zu sagen. Es gibt Argumente, die für und gegen entsprechende Materialien sprechen. Und wieder stelle ich fest, ich muss einfach an einem bestimmten Punkt den Menschen vertrauen, zu denen ich gehe und denen ich sage, dass ich möglichst baubiologisch umbauen möchte. Denn noch immer habe ich keine große Lust auf Baumärkte, finde die Farb- und Formwahl unter zig Fliesen mühselig und mag mich auch nicht zu viel LebensZeit damit auseinandersetzen.

Wände 3Die Wände wurden dann entweder einfach nur weiß oder aber in einem ocker-gold 4.-irgendwas gestrichen. Diese Arbeit hat wirklich Spaß gemacht. Die Wände wurden erst grundiert und nach 48h mit einer angerührten Farbe bestrichen. Der lehmige Farbton der feuchten Farbe trocknete zu einem ganz hellen Gelbton, der den Räumen eine angenehme Wärme verleiht, selbst wenn es draußen bewölkt und düster ist. (Oh ich freu mich auf den Einzug.)

Fensterbänke 1Auf diesem Bild sieht man unsere FensterBänke. Nach einigem Hin und Her haben wir uns für HolzFensterbänke entschieden. Im Baumarkt wurde dafür eine MassivholzPlatte Buche besorgt und in vier entsprechend große Fensterbänke zugeschnitten. Die Fensterbänke wurden vor ihrem Einbau mehrmals geölt und wieder abgeschliffen. Nach dem Einbau der Fenster haben wir die Fensterbänke schließlich eingesetzt, mit Schrauben im Mauerwerk befestigt und an der Unterseite mit Hanf zugestopft, um einerseits zu dämmen und andererseits das Holz vor Temperaturschwankungen zu schützen, die zum Reißen und Verbiegen hätten führen können. (Ich glaube, man nennt es schiffen, wenn das Holz sich verbiegt.)

Inzwischen ist eine der Etagen fast bewohnbar. Wir arbeiten momentan noch an der Küche und dem Treppenhaus. Sobald diese TeilSchritte erledigt sind, könnte es tatsächlich zum Umzug kommen. (Wie sehr wir uns inzwischen schon alle darauf freuen.)

Jetzt mal ehrlich: Wer von euch findet Renovieren toll? Oder treibt sich gerne in Baumärkten herum? Und warum? Ich kann es nicht verstehen.

 

Die BrüllFalle. Teil2

Inzwischen sind wir zu mehreren in unserem Haushalt. Und wenn ich schreibe, dass es sich bei unserem Haushalt, um einen KulturHaushalt handelt, dann meine ich das auch so. Aus tiefster Seele. Morgens Zirkus und abends Theater. Aktuell fast jeden Tag. Ganz umsonst. Na ja, nicht ganz, meine Nerven schwinden schon ab und an, werden zumindest reichlich überstrapaziert und abgenutzt.

Daran dass ich eine Über:Mama sein soll, kann es eigentlich nicht liegen. Wie im Teil1 beschriebene Situationen herrschen hier momentan regelmäßig. Leider kann ich noch nicht einmal sagen, woher dieser Umstand rührt. Vielleicht an unserem Zuwachs? Vielleicht an sowas wie einer vorgezogenen Pubertät? Ich könnte jetzt sagen, dass eines meiner Kinder vielleicht auch seine Grenzen testen möchte. Aber will es das wirklich? Will es vielleicht einfach nur sein und ich habe einfach einen falschen Blick auf das alles?

In meiner Not habe ich folgendes vor ein paar Tagen gewittert:

Und das hier:

Glücklicherweise bekam ich auch gleich drei Hinweise, die ich mir gleich mal näher angeschaut habe. Außerdem gab es ein paar tolle Kommentare auf meinen letzten Beitrag – hier entlang bitte. Die Idee mit dem HindernisParcour ins Bad… wird umgesetzt. Schade nur, dass man in der jeweiligen Situation nicht so eine kreative Idee hat. Und danke für das Verständnis, dass GemütsRuhe einfach auch seine Grenzen hat, was aber eben nicht bedeutet, nichts an der Situation zu ändern… Es beruhigt mich, nicht ganz alleine mit dem Thema da zu stehen. (Auch wenn ich mich aufgrund der minimierten Kommentare ein wenig schäme. Denn scheinbar geht es nicht jedem so. Umso mehr freue ich mich, wenn ihr mir von euren Lösungen oder Alltagen berichtet.) Wer Zeit und Lust hat, kann sich dieses kurze Video ja auch mal anschauen. Zumindest fühlt man sich als ElternTeil verstanden, denn genauso sieht und sah es hier immer mal wieder aus: weinende Kinder, frustrierte Eltern. Und ja, manchmal ist es einer dieser drei Punkte, der zu einem sich Aufschaukeln führt:

Zeitpunkt – Wenn das eigene Kind so ins Spiel vertieft ist, dass es ein absolutes FlowErlebnis erfährt, dann nimmt es seine Umwelt nicht wahr. Es hört meine Ansprache aus der Küche nicht, ist so vertieft und lernt und entwickelt sich in diesem Augenblick so stark… da bestehen in diesem Moment keine weiteren Ressourcen auf Mama oder Papa zu hören. Oder aber, das Kind ist schon unglaublich müde vom Tag. Da fehlt es an allen Ecken und Enden an Kraft und Konzentration auf das, was Mama möchte. Der Zeitpunkt ist entscheidend.

Auf Augenhöhe – im Beitrag wird es als Kontakt herstellen bezeichnet. Ja, ich stelle immer wieder fest, wie unterschiedlich meine Kinder damit umgehen, wenn ich ihnen aus dem anderen Raum durch die Tür hindurch rufe, sie sollen mal das und das machen oder wenn ich in das Zimmer trete, in die Hocke gehe, mich vor mein Kind setze und während meiner Aufforderung Augenkontakt zu ihm habe. Kontakt herstellen also.

Präzision – nicht um den heißen Brei reden. “Könntest du dir vorstellen, vielleicht so lieb zu sein für mich eventuell … und haste nicht gesehen.” Wie soll ein Kind die Botschaft meiner Worte entnehmen, wenn ich nachher auch nicht mehr weiß, was ich eigentlich sagen wollte? Auf den Punkt kommen und klare Worte nutzen.

Sehr einleuchtend, oder? Im Video wird dann noch der Hinweis gegeben, dass – wenn es dann mal doch wieder nicht klappen sollte und man selber auf 180 ist – Liegestützen eine tolle Option sind, um wieder runter zu kommen. Oder irgendwie anders einmal kurz aus der Situation auszusteigen, um eben nicht wieder in die BrüllFalle zu tappen. Auch logisch. Dennoch bleibt: Es gibt bei uns aktuell Situationen, in denen ich behaupten würde, mich durchaus so “perfekt” zu verhalten und dennoch sagt mein Kind: “Nein! Ich wille das nicht.”

So, und jetzt? Was nun? Wie funktioniert das dann noch mit den KooperationsRäumen? Wie umgehe ich in dem Moment dieses verhasste “Wenn – dann…”? Was sind deine Herangehensweisen in solchen Situationen?

Die BrüllFalle. Teil1

Habt ihr schon mal von ihr gehört? Ich bis vergangenes Wochenende nicht. Aber, ich kenne das hier und damit vermutlich auch die BrüllFalle:

“Justus halt. Hör bitte auf durch die Wohnung zu rasen. Du fällst und knallst mit dem Kopf gegen die Fliesen.”
Das Kind rast weiter durch die drei Zimmer. Einmal quer durchs Wohnzimmer, in die Verlängerung durchs Esszimmer bis in die Küche, wo die Spülmaschine mit weit geöffnetem RiesenMaul, ich meine geöffneter Tür steht. Ein kleiner Sprung und zack! das Kind sitzt im Spülraum.
Mit leicht erhobener Stimme: “Justus. Hör bitte auf so wild durch die Wohnung zu laufen. Du sollst dir deinen Schlafanzug suchen. Ich helf dir auch beim Anziehen.”
Doch: Keinerlei Reaktion. Das Kind macht kehrt, rennt den Weg zurück, stolpert und schliddert quer über den Laminat des Wohnzimmers, wild kreischend und vor Freude gackernd.
Tiefes Durchatmen und schnelles Durchdenken, was kann ich als Strafe androhen? Keine Süssigkeiten mehr? Kein Kuscheln beim KassetteHören? Kein Fernseh? Kein iPad?… Was denn bloß?
Das Kind kommt erneut in die Küche gerannt. Ähnlich schnell, ähnlich fast in die Spülmaschine plumpsend. Ich ignoriere das erneute wieder NichtGehorchen – das Kind hat mich lediglich nicht gehört – und beende meine Arbeit rund ums Geschirr. Inzwischen hat sich die Anzahl der Kinder verdoppelt. Zwei wilde Kerle rennen unkontrolliert durch die ganze Wohnung, ihre “Arbeitsaufträge” völlig außer Acht lassend und entgehen immer wieder nur haarscharf schwereren Unfällen.
“Jetzt reicht’s. Hört auf der Stelle mit der RumToberei auf. Schnappt euch eure Schlafanzüge und zieht euch um, sonst könnt ihr das KassetteHören vergessen.”
Die Kerle quietschen und kreischen, sind so sehr in ihrem Element, dass sie nicht mal in Erwägung ziehen, zuzuhören.
“Ok. Süssigkeiten morgen sind gestrichen. Ich hab keine Lust mehr.”
Erst jetzt kommt eine Reaktion.
“Neeein!” Dem Großen wird das Ausmaß der misslichen Lage bewusst, doch zu spät. “Nee. jetzt ist es zu spät…” Geschrei unterbricht mich in meinen weiteren Erklärungen für meine “ach so erzieherische Maßnahme”. Das eine Kind weint und schreit, das andere versucht weiter die inzwischen nochmal kurz vom Papa geöffnete Spülmaschine zu treffen und ich werde lauter und lauter, um mir Gehör zu verschaffen. Dann läuft das Faß über.
“Es reicht. Schluss jetzt! Keine Süssigkeiten, keine Kassette und kein Fernsehen.” Dann schnappe ich mir resolut den kleinen Kerl und nehme ihn mit ins Bad. Den Großen lasse ich weinend und schreiend beim Papa zurück. Frustriert, weil ich nicht ruhig geblieben bin und das Ganze so aus dem Ruder gelaufen ist, helfe ich beim Umziehen und Zähneputzen und frage mich den lieben langen Abend, was da heute schief gelaufen ist?

Die DiskussionsRunde sei hiermit eröffnet.

Teilen statt kaufen.

Videos, Bilder, Links und gute Sprüche via verschiedenster SocialMediaKanäle. Bildung und Informationen in der Schule, Klamotten und BabySpielzeug auf KleiderBasaren, Brot und Wein in der Kirche, Spielzeug im Kindergarten,  Autos in Städten, Bücher in Telefonzellen oder Büchereien, privat gemeinsame Mahlzeiten… und und und. Nicht zu vergessen UrbanGardening oder eigentlich “abgelaufene” Lebensmittel bei einem GroßEvent. Teilen ist hipp. Teilen ist Trend.

IMG_0309Vor gar nicht langer Zeit trudelte hier ein Päckchen ein, gefüllt mit 1000gr Knöpfen. Irgendwie war es durch einen BlogPost zum Thema Geschenke zur Geburt dazu gekommen, dass in der Kommentarfunktion einige von euch feststellten, wie anstrengend sie dieses “unbedachte Hauptsache Schenken” finden. Die ein oder andere hatte diverse BeispielGeschenke. Die gigantische Menge von Knöpfen – zur Hochzeit geschenkt – war nur ein Beispiel von vielen.

Was es mit den Knöpfen nun auf sich hat… Ich bin schon wirklich lange auf der Suche nach Knöpfen. Wir haben sie damals nämlich nicht zur Hochzeit geschenkt bekommen. Zum Glück, denn vielleicht hätte ich auch nicht gewusst, was ich damit anfangen soll. Doch jetzt, mit kleinen Kerlen im Haushalt, die es lieben zu basteln, zu experimentieren und Maschinen zu erfinden, kann ich Knöpfe wirklich gut gebrauchen. Als weitere Feinmotorik fördernde Tätigkeit eine tolle Abwechslung zum BohnenSpiel.

Wie viele Knöpfe ich denn brauchte? – Wie viel sind denn 500gr? Oder ein ganzes Kilo? Wie viele kannst du denn entbehren? – Ich schick dir mal ein Kilo per Post.

Bäm! Knöpfe da und los ging’s. Mal noch sind wir im SortierModus und die Kerle glücklich damit. Für meine BastelIdeen brauche ich in der Tat noch die ein oder andere “Zutat”, aber bald geht’s los mit dem Knöpfe auffädeln und so.

Diese KnopfAktion zeigt, was für eine geniale Win-Win-Situation das Teilen sein kann. Jemand bleibt auf Knöpfen sitzen und fragt sich, wie werde ich sie bloß los? Jemand anders sucht und sucht nach einer Möglichkeit Knöpfe wiederzuverwenden, ohne im FachHandel für extra produzierte Knöpfe ein Vermögen in der dortigen Kasse zu lassen … und wird fündig. Aus Zufall. Natürlich. Aber Win-Win bleibt Win-Win. Mich hat dieses Teilen sehr glücklich gemacht und ich merke schon seit einiger Zeit, seitdem unser großes Reduzieren vor ein paar Jahren begonnen hat, wie gerne ich selber teile (n möchte). Auch und gerade wenn ich nicht immer wirklich viel habe.

Außerdem stelle ich fest, dass auch viele andere gerne teilen wollen. Das finde ich großartig und nicht selten denke ich, das müsste doch irgendwie Auswirkungen haben. Auswirkungen, die sich positiv gegen diesen ständigen und fatalen “Ewiges Wachstum”-Gedanken richten. Immer mehr Freundinnen und Frauen aus meinem Umfeld registrieren sich bei Kleiderkreisel, gründen auf facebook eigene Gruppen, um alternative ÖkoKlamotten zu tauschen, nein, zu teilen, nein, ich meine zu verkaufen. Häufiger ist mir in diesem Zusammenhang nun der Gedanke gekommen, dass sich am Konsum irgendwie ja doch nichts geändert hat. Denn: Irgendwer kauft den neuen Kram ja weiterhin. Und zwar neu. Immer wieder neu. Und verkauft es dann letztlich nur weiter. Wo ist da das Teilen hin? Es schleicht sich der bittere BeiGeschmack ein, dass auch wer anders auf den Trichter gekommen sein könnte, dass Teilen in ist. Ein Trend. Etwas, aus dem man Profit schlagen kann. Eine Möglichkeit ganz schnell das ganz große Geld zu machen. Das man vielleicht sogar das Teilen an sich zu Geld machen könnte.

Und dann, dann halte ich das aktuelle greenpeace-magazin in Händen und lese, wie jemand sich ähnliche Gedanken gemacht hat. Diese ganze ShareEconomy scheint unterwandert zu werden. Und zwar von denen, die das Geld schon von weitem riechen. Und wir, wir kriegen’s wieder erst verspätet mit und befinden uns weiterhin in der KonsumFalle. Denn letztendlich hat sich ja nur die Art des Konsums gewandelt. Statt gemeinsam shoppen zu gehen, richten wir einen “MädchenFlohmarkt” aus oder treiben uns auf OnlinePlattformen oder in SecondHandLäden herum. Hier wird dann mit einem leichteren Gewissen – denn wir kaufen ja nicht neu, für uns wird ja nicht extra produziert – für oftmals weniger Geld mehr ein – weil, ist ja schon getragen und damit “alt” und günstiger. Oder die Option die eigene Wohnung zum Übernachten gegen einen kleinen GeldBetrag  anzubieten oder die Sache mit dem CarSharing. Letzteres finde ich letztendlich am dreistesten.

Wir wohnen auf dem Land und es gibt immer wieder Zeiten, da würden wir unser Auto letztendlich gerne ganz loswerden. CarSharing wäre hier super, damit man diese langen EInkaufsStrecken einfacher und effektiver nutzen könnte. Mit dem Fahrrad und mehr als einem Kind, wird das schon wirklich schwierig. In größeren Städten soll es demnächst die Option geben auch teurere Wagen, wie den Audi R8 zu “teilen”. Ein Fahrzeug mit wer weiß wieviel PS, den man dann für so MiniStrecken teilt, mietet, die sich gut mit Fahrrad, Bus, Bahn oder Bein bewerkstelligen ließen. Aber ein Audi R8… – cool! (Bitte vernehmt meinen ironischen Unterton!) Und trotz dieser CahSharingIdeen werden weiterhin fahrbare Untersetzer produziert. Und produziert. Und produziert. In gängigen Diskussionen kommen dann so TotschlagArgumente: Willst du Schuld sein, wenn ein FamilienVater nicht mehr als FahrzeugMechatroniker arbeiten kann? Nee, will ich nicht. Lieber hinterlasse ich meinen Kindern, für die ich mich ja jetzt in der AutoIndustrie abrackre, einen nicht mehr länger bewohnbaren Planeten. Da haben wir alle länger was von. Weniger nämlich.

Wie stehst du zum Teilen? Hat sich dein Konsum auch nur verlagert? Welche echte TeilenIdeen habt ihr? Kennt ihr?

Das Leben wird einfacher sein. Elvira Knopfs Kolumne.

Mein Name ist Knopf. Elvira Knopf. Ich wohne in der Schubertstraße 43. Ein gelbes Mehrfamilienhaus. Meine Wohnungstür befindet sich gegenüber von Herrn Lehmann, dem alten miesepetrigen Kauz, dessen übelriechenden Schuhe immer das gesamte Treppenhaus einen SchweizerkäseGestank verleihen. Über mir wohnt der freundliche junge Mann. Er ist bestimmt Student und lernt irgendwas weltveränderndes. Politologie oder sowas. Ein ganz sympathischer und höflicher Student, der einem die Tür aufhält und auch für Herrn Lehmann ein Lächeln bereit hält. Wenn mir das schon nicht gelingen mag, dann ist ihm sein guter Wille hoch anzurechnen. Unter mir wohnt diese alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Manchmal scheint sie auch eine PatchworkMutter zu sein. Abhängig davon, mit welchem jungen Vater sie sich gerade leiert sieht. Der letzte schien noch gar kein Vater zu sein, daher hielt die Bekanntschaft wohlmöglich auch nicht lange. Ein sabberndes, Breispuckendes 13Monate altes Kind ist eben nicht jeder Manns Sache.

Außerdem wohnt da noch die türkische Familie von Murat. Den Nachnamen kenne ich leider nicht. Ich gestehe, ich kann ihn nicht aussprechen. Frau Meyer wohnt ganz unten, um nicht zu viele Treppen steigen zu müssen. Ich glaube, ihr Enkel hat bei der Wohnungsbaugesellschaft noch irgendwelche Gefälligkeiten offen. Wenn irgendwelche Renovierungsarbeiten am Haus anstehen, werden die zunächst im Erdgeschoss vorgenommen. Bisweilen wurde die ein oder andere Maßnahme auch in der 1.Etage vollzogen. Doch bis auf meine Wohnetage gelangte noch keine. Eine Frechheit ist das. Also wohne ich noch immer mit einem Bad aus den 80er Jahren. Aber ich bin ja genügsam. Sowas stört mich nicht und bringt mich nicht so schnell aus der Ruhe.

Ich bin eine freundliche Mitmieterin. Außer den Herrn Lehmann und das türkische Familienoberhaupt, grüße ich fast jeden. Fast immer. Ab und an muss ich der alleinerziehenden Mutter unter mir mal sagen, wie wir das früher gemacht haben. Mit dem Erziehen. Und dem Müll rausbringen. Und dem Putzen des Treppenhauses. Aber das mache ich ja gerne. Ich bin eine sympathische und durchaus integre Nachbarin in unserem Wohnhaus. Sie können alle froh sein, dass sie mich haben. Besonders die Mami unter mir. Vier Kinder habe ich großgezogen. Nachdem mein Mann mich verlassen hat, habe ich das Leben bei den Hörnern gepackt. Sie kann durchaus von meinen Erfahrungen profitieren, denn ich teile sie gerne. Sie trägt ihr Kleines immer auf ihrem Rücken, während sie den Großen im Kinderwagen vor sich herschiebt. Das ist doch eine total falsche Herangehensweise. Der Große kann schließlich laufen. Der Große soll laufen und ihr Kleines packt sie dann in den Kinderwagen. Mal abgesehen davon, dass man das Kleine dann auch viel besser sehen kann, umgeht sie die Rückenprobleme im Alter. Sowas kann doch auf Dauer nicht gut sein. Und verzogen werden die Kinder dann auch. Ich habe ihr schon oft gesagt, dass sie das mit dem Tragen sein lassen soll. Aber sie lächelt mich immer nur an. Diese jungen Eltern sind einfach nicht mehr offen für die Ratschläge unserer Generation. Aber wer nicht hören mag, muss fühlen. Ich werde weiterhin die Augenbrauen hochziehen und ihr einen missbilligenden aber mitleidvollen Blick schenken, wenn ich sie aus der Haustür kommen sehe. Vielleicht wird sie sich doch noch irgendwann eines Besseren belehren lassen.

Denn so alt ist Elvira Knopf nun auch noch nicht, als dass man meine Ratschläge nicht bedenken sollte. Mit meinen 53 Jahren stehe ich mit beiden Beinen im Leben. Ich kann nur hoffen, dass sich meine Kinder etwas aus meinen Ratschlägen machen. Das Leben wird um einiges einfacher für sie sein.