BlogPause

Hier kommt meine SommerBlogPause. Ich weiß noch nicht, wie lange. Doch fürs erste brauchen wir hier alle eine Pause. Und zwar von allem. Vom Schreiben, vom KrankSein, vom Packen, vom Umziehen, vom Erziehen, vom Schimpfen, vom Toben, vom Kochen, vom Arbeiten, vom Alltag…

Ich muss hier rausIch muss hier raus. Auch mal aus meinem Blog. Um euch die ein oder andere GedankenIdee auch wieder etwas geordneter präsentieren zu können.

Ich danke euch für alles Lesen, Kommentieren, Mailen. Vielleicht sehen wir uns in Hamburg. Ich hoffe sehr, wir lesen uns nach meiner SommerPause. Meine BlogRoll habe ich in den vergangenen Monaten leider sehr vernachlässigt. Aber vielleicht findet ihr ja trotzdem was zum Stöbern, Nachlesen, Mitdenken.

Ich freu mich weiterhin sehr über eure Kommentare. Wenn ihr was wozu denkt, hinterlasst gerne einen Kommentar. Und jetzt: Adé! Bis irgendwann Ende Juli.

Die umweltfreundlichste Stadt

Vor ein paar Wochen bekam ich einen Link zugesandt, in der eine Grafik Fakten zur umweltfreundlichsten Stadt der Welt zusammenstellt. Aus irgendeinem Grund musste ich sofort an Irland denken. Klar, keine Stadt, aber ein Land, in dem der durchschnittliche Verbrauch von Plastiktüten bei nur 18 Stück jährlich liegt. Deutschland mit seinen 71 Plastiktüten pro Kopf im Jahr kann da nun wirklich nicht mithalten.

Jedenfalls wollte ich euch die Grafik nicht vorenthalten, denn ich fand sie
1. schön anzusehen und
2. hat sie mich nachdenklich gemacht. (Mal wieder.)

Denn zuerst war mir nicht ganz klar, wie ihre Kernaussagen lauten und wofür sie grundsätzlich dienen soll? Ich kann auch nicht sagen wie fundiert das DatenMaterial für die Grafik und ihre Ergebnisse ist. Aber ich weiß, dass wir viele umweltfreundliche Städte auf diesem blauen Planeten benötigen. Es ist toll und vorbildlich, wenn

  •          Kopenhagen weltweit am striktesten recycelt,
  •          New York mit 855 Vehikeln die größte Hybridbus-Flotte einsetzt und
  •          Amsterdam weltweit das wenigste Wasser verschwendet.

Es gab in den vergangenen drei Jahren Momente, in denen ich erstmals gedacht habe, “Ich kann als Einzelne nichts erreichen. Wenn, dann muss ich in die Politik, um was zu reißen.” Inzwischen denke ich, das stimmt so nicht.
Mein Umfeld verändert sich, ob durch mich oder durch Trend oder eigene Aha!-Momente. Aber es hinterlässt ein neues Gefühl. Das Gefühl und das Wissen, dass es nicht umsonst ist, sich für WeltFairänderung einzusetzen.

Wir wollten dieses Jahr einige Monate ins Ausland. Dort arbeiten und Urlaub machen. Eigentlich mit dem Auto. Als Familie. Wir waren kurz davor alles mit dem Rad zu bewerkstelligen. Nur die Distanz von 3000km für einen Weg und der Zeitrahmen von max. vier Monaten, hat uns davon abgebracht.

Was denkst du über Umweltschutz und Urlaub? Wie macht ihr Urlaub? Oder geht Reisen? Stadt oder Land? Per pedes oder Flugzeug?

SommerSpielIdeen für drinnen

Die meisten von euch assoziieren mit SommerSpielIdeen vermutlich eine Reihe von “OutdoorSpielVorschlägen”. Mit Recht wie ich finde. Ich habe für mich und meine Kids jedoch festgestellt, dass ich gerade im Sommer auch die ein oder andere “IndoorSpielIdee” parat haben muss.

Denn 1. vertrage ich (mein HautTyp) die starke Sonne und Wärme nicht. Außerdem fehlt mir 2. oft bei meiner Suche im Netz die ein oder andere Idee, die sich auch innerhalb meiner vier Wände durchführen lässt, während draußen MittagsHitze herrscht. Mal abgesehen davon, liegt mir 3. meine Hautärztin immer wieder in den Ohren zwischen 11Uhr und 15Uhr direkte Sonneneinstrahlung zu meiden.

In der Regel lassen wir uns dann erst gegen 16Uhr, manchmal auch erst um 17Uhr draußen blicken. Dann werden Fallen gebaut, Regenwürmer gesucht, Blumen gegossen, mit Wasser geplantscht, Fußball gespielt und Fahrrad gefahren. Für diese Augenblicke brauche ich schlichtweg keinen Einfallsreichtum.

Meine Kinder hingegen davon zu überzeugen, dass wir noch nicht um 14Uhr oder 15Uhr vor die Tür gehen, gerade als Kleinkinder, das fand ich immer sehr anstrengend und schwierig. Bis ich Montessori für uns entdeckte und die Freude der Kurzen am selbständigen Tun und Ausprobieren. Aus einer Reihe anderer Ideen, entstanden aktuell zwei, drei SpielIdeen, die sich für uns Zuhause perfekt anbieten, um die zwei Stunden Hitze und Sonne drinnen “auszusitzen”.

Das große Sortieren. Inzwischen versuchen wir alles zu sortieren. Es gibt ein nettes kleines BildbandBuch, in dem einfach mal sortiert wird. Alles sortiert wird. Denn wirklich alles lässt sich sortieren. Nach Form, nach Farbe, nach Größe, nach Länge, in Reihen, in Häufchen, würfelförmig oder kreisförmig. Den Ideen sind da keine Grenzen gesetzt.

Das konzentrierte Zuordnen. Manchmal zeichne ich auf Tonkarton die Umrisse der Spiel- und Haushaltsgegenstände ab, die aktuell bei den Kerlen gerne bespielt werden. Oder wir bauen kuriose, phantasievolle duploGestalten, die abgemalt werden. Sind die Steine dann erstmal wieder zerlegt, soll so nachgebaut werden, dass die Gestalt zum vorliegenden Umriss passt.

Das wilde Toben. Aber dazu braucht ihr keine Anleitung, oder? Bei uns läuft alles wie wild durch die Wohnung, bewirft sich mit Kissen und stürzt übereinander her. Das geht allerdings auch nur in einem entsprechend reduzierten Haushalt. Zu viel Deko und Nippes, schränkt das IndoorFußballspiel im Wohnzimmer schon sehr ein.

Ich wünsch euch einen schönen Sommer. Und wenn ihr noch die ein oder andere SpielIdee für drinnen im Sommer habt: Bitte immer her damit. Ich freu mich auf IdeenVielfalt.

Sonnenglas.

Letztes Jahr auf dem Weg in den Urlaub haben wir bei Freunden Halt gemacht. Wir übernachteten dort auf der “Diele” und hatten vor in den dunklen frühen Morgenstunden weiterzureisen. Wider Erwarten konnten die Kerle nicht einschlafen. Sie brauchten Licht, doch bis auf das große Licht von der Decke gab es einfach kein kleines SteckdosenLicht oder ähnliches. (Bis dato hatten sie ein solches auch nicht gebraucht.) Unser Freund kam mit einem Einmachglas um die Ecke, das wir anmachen könnten. Bitte wie? Wir müssten nur den Kontakt umlegen und das Glas würde leuchten. Wenn wir es ein wenig vom Bett entfernt hinstellten, würde es auch nicht wach halten. Aha.

imageSo lernten wir vor etwa einem Jahr das Sonnenglas kennen. Es handelt sich dabei um ein Einmachglas, dessen Schraubver-schluss mit Solarzellen ausgestattet ist. Diese laden tagsüber – natürlich in der Sonne – LED-Akkus auf, die abends durch das Umklappen eines Kontakts aktiviert werden und die LED-Leuchten für einige Stunden Licht verströmen lassen.

Ich fand diese Idee großartig, originell, grün und wir beschlossen, uns ebenfalls eins zu kaufen. Unsere Freunde kamen uns zuvor und beschenkten uns zu unserem Jubiläum mit diesem Licht. Bis heute handelt es sich hierbei für uns um das am meisten genutzte Geschenk, der damaligen GartenParty, wie wir jetzt im Nachhinein feststellten.

Obwohl wir keine GartenSitzmöbel besitzen, uns abends selten in der Dämmerung oder im Dunkeln draußen aufhalten und obwohl wir keinen Balkon haben, nutze ich das Sonnenglas täglich; ich meine abendlich. Inzwischen steht es im Schlafzimmer auf der Fensterbank. Dort lädt es von morgens bis abends Sonnenlicht auf und abends liege ich im Bett und kann ohne elektrisches Licht, ohne Kerze im Bett lesen.

Im Winter dachte ich zuerst, dass mein Sonnenglas vielleicht kaputt sein könnte, obwohl wir es doch noch gar nicht lange hatten. Das hat mich damals wirklich geärgert. Doch nach einer kurzen Nachfrage erhielt ich über einen meiner SocialMediaKanäle sofort die Rückmeldung, dass es durchaus an dem Winkel und der Intensität der Sonneneinstrahlung liegen könnte. Schon damals stand unser Glas auf der Fensterbank. Aber klar, die Sonneneinstrahlung war damals eine andere als jetzt im Juni. Ich fand es super, dass sich gleich jemand um mich und mein Problem gekümmert hat. Ich sollte es noch ein paar Mal probieren und wenn ich den Eindruck hätte, es sei defekt, den Deckel bitte einschicken. Sie würden mir einen neuen einwandfrei funktionierenden zuschicken. Das war im Januar.

Ich habe damals entschieden, auf das Frühjahr zu warten. Und siehe da: Seit März erhalten wir durch das Sonnenglas wieder einwandfrei Licht. Ob es in der Leuchtdauer Unterschiede gibt, kann ich nicht beurteilen. Bislang brauchte ich das Glas nicht länger als zwei Stunden am Stück und die hat es seitdem ganz gut hingekriegt.

Ich mag solche Ideen. Ganz oft wünschte ich, dass ich mein Notebook auch mittels Sonnenenergie oder Wind oder Wasser aufladen könnte, so dass es danach auch noch funktioniert.
Die Sonnengläser kommen aus Afrika. Manchmal frage ich mich, ob das wirklich notwendig ist? Ob ich den Menschen, die in dieser Firma beschäftigt sind, wirklich einen Gefallen tue, indem ich ihr Produkt kaufe? Finanziell? Gesundheitlich? Denn ich weiß nicht, ob es mit Risiken verbunden ist, eine Solarzelle, in einen Einmachglasdeckel zu bauen. Ich weiß nicht, ob mit gesundheitlich bedenklichen Stoffen gearbeitet wird. Aber das wüsste ich auch nicht, wenn sie hier in Deutschland gebaut würden. An dem Punkt stört mich die Unübersichtlichkeit unserer Welt. Ein wenig. Und ich stelle fest: Ich sollte die Mitarbeiter hier in Deutschland einfach mal fragen.

Jedenfalls: Als am 29.März 2014 von 20:30 bis 21:30 an vielen Orten dieser Welt die Lichter ausgingen, hab ich mich sehr über mein Sonnenglas gefreut. Die Earth Hour hat mich nochmal sehr nachdenklich gemacht. Wir befinden uns in unserem Leben auf diesem Planeten immer wieder in Zwiespälten. Das ist einfach so. Gehört vielleicht auch so – um es mal umgangssprachlich zu benennen.
Die einen sagen, wir müssen auf unseren energetischen Konsum aufmerksam machen: Lasst uns die Lichter ausschalten. Wieder andere rufen: Das bringt doch nichts. Außer einen Zusammenbruch der Stromnetze. ( was von Wissenschaftlern und Stromversorgern allerdings widerlegt wurde) Wir müssen langwierig umstellen; auf Energiesparlampen und Ökostrom.

Ich glaube, es zählt beides. Zumindest ist das meine aktuelle Einstellung. Wir sollten aufmerksam darauf machen, dass wir nur diesen einen und keine 3-5 blaue Planeten haben. Wir sollten Energie sparen und ÖkostromAnbieter zählen unbedingt dazu, wenn es darum geht, konkret zu werden. Und wir sollten reduzieren. Ja, ja, ja. Ihr mögt denken: “Jetzt kommt sie wieder mit ihrem Reduzieren.” und “Das ist einfach nicht mein Ding.” oder “Man kann es auch übertreiben.”
Aber ehrlich: Ich verstehe bis heute nicht, warum in allen größeren Städten riesige blinkende LeuchtReklameTafeln stehen müssen. Warum verzichten wir nicht mit, indem wir uns vornehmen, ins Bett zu gehen, wenn es draußen zu dunkel wird? Im Sommer zumindest. Wieviel Strom wir dadurch sparen könnten.

Unser aktuelles Ziel ist es: Kein Licht mehr zu betätigen. Nur noch, wenn absolut notwendig. Und zwar bis August. Im September wird das aus privaten Gründen und renovierungstechnischen Gründen nicht so einfach. Mal abwarten.

Wie spart ihr Strom? Durch welche Verhaltensweisen? Oder vielleicht auch durch Geräte wie das Sonnenglas? Was haltet ihr von der Earth Hour? Schon mal davon gehört und mitgemacht?

Reduzierter Flur

Ich könnte jetzt sagen: So, sieht unser Flur aus. … Immer…

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Das wäre gelogen. Die Kerle, wir als Familie, ich oder mein Mann, sind viel draußen. Entweder im Garten oder auf der RunningPiste oder auf dem Spielplatz oder im Wald oder oder oder. Dementsprechend liegt in unserem Flur und in unserem Spint (ein kleiner Raum, der vom Flur abgeht und zur Lagerung von Schuhen, Werkzeugkiste und Garderobe dient.) Ich muss an dieser Stelle auch mal darauf hinweisen, dass die Fotos bislang nie gestellt waren. Jedoch habe ich euch

1. meine Lieblingsecken gezeigt.
2. Steht halt mal der Wäscheständer zum Trocknen in einem der Zimmer oder auch die Post ist nicht gleich aussortiert, weil eben keine Zeit dazu bestand.

Im Flur und Spint kommt es nahezu täglich vor, dass sich irgendwas stapelt oder zwischengelagert wird. Gestern war es die Kraxe vom Wandern, heute Nachmittag werden’s drei Kästen Saft sein. So ist das als Familie.

Im Winter, wenn es draußen geschneit hat, sieht’s zusätzlich total schmutzig überall aus. Außerdem macht der Vorhang vor der Tür, um die Kälte ein wenig abzuwehren den Raum mitunter kleiner und dunkler. Ich mag daher das Frühjahr, sobald man den Vorhang abnehmen kann und alles ein bisschen freier, offener und heller ausschaut.

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Im Flur lagert aktuell die Gitarre meines Mannes und ein WohnzimmerSessel in klein für die Kerle, der uns von Bekannten vermacht wurde. Wir haben noch nicht ganz geklärt, wohin das Stück gestellt werden soll/darf/muss.IMG_9686

Der Spint dient der Aufbewahrung aller unserer Schuhe. An der Garderobe hängen die jahreszeitlich erforderlichen Jacken und Regenhosen. Unter dem Garderobenständer befindet sich ein riesiger Korb, den ich zur Aufbewahrungsbox für Hausschuhe, Puschen oder Socken umfunktioniert habe. Augenblicklich lagern wir dort auch unsere Getränke, um sie kühl zu stellen. Hinter der Garderobe findet noch unser Staubsauger und die Fahrradtasche meines Mannes Platz. Neben dem Schuhregal befinden sich zwei CampingStühle, die bei gutem Wetter mit nach draußen gekarrt werden.

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In der Wand seht ihr eine Art Fenster nur ohne Fensterglas. Das ist ein Ort in unserer Wohnung, den ich immer wieder versuche freizuhalten, weil gebrauchte Batterien, FahrradWerkzeug, ausgediente Rauchmelder oder die RosenSchere vom Nachbarn auf unerfindliche Weise ihren Weg dorthin finden. Da ich aber auf viel Deko gut und gerne verzichte, versuche ich mit vielen Kräften diese Ausbuchtung in der Wand schön zu halten. Unser großes Bild zum 10Jährigen HochzeitsJubiläum hilft mir dabei inzwischen ein wenig.

Insgesamt halte ich unser Reduzieren in diesen beiden Räumlichkeiten gering.

1. Hier wird es immer und immer wieder dreckig, voll und zugestellt sein, weil unsere Kinder noch klein sind. Wenn dafür der Rest der Wohnung nicht überläuft…
2. Hier wird es immer und immer wieder dreckig, voll und zugestellt sein, weil wir draußen viel unterwegs sind.
3. Durch das Reduzieren grundsätzlich hat sich unser Hab und Gut sehr reduziert. (Manchmal spiele ich wirklich mit dem Gedanken alles zu zählen – das ist mir dann jedoch zu müßig und ich möchte meine dazugewonnene Zeit nicht mit sowas verbringen.) Dadurch kann insgesamt schon mal viel weniger im Weg herumstehen.
4. Die Sachen, die hier herumstehen, die brauchen wir. Täglich mehrmals. Es wäre keine Zeitersparnis, wenn ich alles erst in den Keller oder in der Garage oder sonst wo verstauen würde und später wieder hervorkramen müsste.

Jetzt wisst ihr auch, wie es um unseren Flur bestellt ist. Und bei euch? Solltet ihr selber BlogPosts zum Thema verfassen, haltet sie gerne in der Kommentarfunktion fest. Ich freu mich über FlurInspirationen.

Inter:view mit Jumana Mattukat

Könnt ihr euch an meine BuchRezension zu “Mami, ist das vegan?” erinnern? Das Buch ist toll. Doch jetzt kommt’s. Jumana, die Autorin also, hat diesen BlogArtikel entdeckt und wir kamen via Mail miteinander ins Gespräch.
Auf meine Frage, ob sie Lust und Zeit auf die Beantwortung einiger Fragen hätte, antwortete sie mit einem “Ja.” Und zack! ein paar Tage später hatte ich mein Interview. Vielen Dank schon mal an dieser Stelle für deine Zeit und Freundlichkeit, Jumana.
Es kommt aber noch besser: Unter all denjenigen von euch, die bis Freitag (13.06.2014, um 00:00h) nächster Woche einen Kommentar unter diesem Post hinterlassen, werden drei Exemplare von “Mami, ist das vegan?” verschenkt. (Hier ein herzliches Danke an den Verlag.) Die Beschenkten werde ich via Losverfahren ermitteln. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Liebe Jumana, ich kenne dich durch dein Buch “Mami, ist das vegan?”. Du bist aber auch im Fernsehen tätig (gewesen), so dass man dich auch von dort kennen könnte?

Man könnte mich mal bei NBC GIGA, beim WDR und bei heimatLIVE gesehen haben und kann immer Videos aus der Zeit von urbia TV sehen, einen Elternratgeber, den ich ins Leben gerufen und produziert habe.

Wer bist du, was machst du?

Jumana-kocht

Bild von Ute de Groot

Fragen stelle ich immer noch, allerdings nicht mehr für Fernsehinterviews und die Öffentlichkeit, sondern Menschen, die sich mir im Einzelcoaching anvertrauen. 

 

Ich bin 40 Jahre alt, verheiratet und wir leben mit unseren beiden Kindern im schönen Bremen.

Was hat dich dazu angetrieben “Mami, ist das vegan?” zu schreiben? Worum ging es dir mit diesem Buch?

In erster Linie wollte ich den Konflikt aufschreiben, der sich durch meine Ernährungsumstellung ergeben hat – mit meiner Familie, mit meinen Freunden, meiner Ursprungsfamilie, meinem Umfeld im Allgemeinen.

Beim Niederschreiben meiner Erfahrungen war ich mir sicher, dass es in ganz vielen Familie ganz genau so ablaufen könnte und dass es hilfreich sein könnte, zu lesen, dass man nicht die/der Einzige ist, die/der innere und äußere Konflikte zu bewältigen hat .

Und nun ist es wirklich so gekommen: meine Leser schreiben mir:

Du schreibst mir aus der Seele.

So krass wie Du es in Deiner Rezension ausdrückst, hatte es bisher noch niemand getan. Dass es Dir vorkam als hätte sich jemand in Deinen Kopf eingeklinkt ;-)

Wenn einer in der Familie plötzlich beginnt anders zu essen, bringt das nicht nur den gesamten Speiseplan durcheinander, sondern auch das gemeinsame Essen am Tisch kann gewaltig auf den Kopf gestellt werden. Du hast das in deinem Buch anschaulich beschrieben.  Wie sieht es aktuell bei euch aus?

Inzwischen haben sich die Wogen geglättet. Ich ernähre mich nach wie vor vollständig vegan, mein Mann und die Kinder essen zu Hause essen auch fast vollständig vegan und unterwegs sind sie Vegetarier.

Und das “Happy End” von “Mami, ist das vegan?” ist ja “myprivateveganrestaurant”, in das Stephan und ich gemeinsam einladen.

Veggie, bio und ökologisch scheint mir manchmal eine Art Trend zu sein. Meine über 80jährige Nachbarin mag denken, dass sie sich schon immer lieber aus ihrem eigenen Garten ernährt hat und den Kopf schütteln, dass plötzlich alle abgepacktes BioGemüse kaufen. Ich frage mich oft, ob ich einem Trend aufgesessen bin oder wieviel Lebenseinstellung, innere Haltung sich bei mir persönlich und all den anderen hinter dieser Veggie-Bewegung verbirgt? Wie schätzt du die Situation bei dir persönlich und in deinem Umfeld ein? Was denkst du dbzgl über unsere Gesellschaft?

Deine Nachbarin hat recht ;-)

Also bei mir schätze ich es so ein: Mein Bewusstsein für Ernährung ist geschärft – angefangen mit Bio, dann vegetarisch, dann vegan.

Gleichzeitig bin ich auch auf anderen Gebieten bewusster geworden und merke immer mehr welche Auswirkungen unser Einkaufsverhalten hat.

Aktuell versuche ich noch mehr, Plastik zu vermeiden und auch beim Kauf von Kleidern noch besser hinzuschauen.

Manchmal aber glaube ich: Oh mein Gott, wir können so viel falsch machen und bestimmt nicht alles richtig. Trotzdem sollten wir uns bemühen finde ich.

Wie die Haltung anderer Menschen aussieht – das kann ich nur für mein näheres Umfeld sagen. Für viele Freunde und Bekannte ist das Vegane inzwischen wie selbstverständlich in Fleisch und Blut übergegangen.
Ich freu mich über jeden Neuveganer in meinem Umfeld und vor allem darüber, wie unfassbar normal vegan inzwischen an vielen Stellen geworden ist. Egal, ob nicht alle dabei bleiben: die Bewegung ist nicht mehr aufzuhalten, da bin ich ganz optimistisch!

Wie beurteilst du die Entwicklung, dass immer mehr Menschen HalbzeitVegetarier, Flexitarier, VollzeitVegetarier oder Veganer werden? Worin liegen deiner Meinung nach Gründe? In einem gesteigerten Interesse? Einem größeren MedienAufkommen?

Meine Vermutung: jeder weiß im Grunde seines Herzens, dass wir so nicht mehr weiter machen können: weder mit den Tieren, noch mit den Ressourcen. Trotzdem sind wir alle Menschen und Menschen versuchen eben, es sich möglichst bequem zu machen und sich Rettungsinseln zu schaffen, auf denen man sich dann doch nicht vollständig ändern muss. Aber alleine die Tatsache, dass jeder schon versucht, den Eindruck eines bewussten Verbrauchers und wenig Fleischessers zu vermitteln, zeigt doch schon an, wohin die Reise geht. Rauchen ist heute ja auch nicht mehr schick! Und das hat auch ne Weile gedauert…..

Die Medien sind ja gerade voll mit veganen Themen. Ich finde das super.
Im Moment habe ich wirklich so das Gefühl: Das läuft jetzt – vegan ist im mainstream angekommen. Wenn ich mir überlege wie sich das im Gegensatz dazu angefühlt hat als ich mein Buch geschrieben habe – da fühlte ich mich allein auf weiter Flur . Und das ist gerade mal zwei Jahre her!

Hatte deine vegane Ernährungsumstellung auch Auswirkung auf andere Lebensbereiche? Wenn ja, inwiefern?

Ich kaufe keine neuen Lederschuhe mehr, keine Woll- oder Seidenkleider.
Die Kosmetik hatte ich auch sehr schnell auf vegan und Tierversuchsfrei umgestellt.

Medikamente brauche ich glücklicherweise nicht, eine halbe Kopfschmerztablette habe ich in den letzte zwei Jahren zu mir genommen – toi toi toi ;-)

Bei den Dingen, bei denen ich es weiß, kaufe ich Tierfrei ein. Manche Dinge weiß ich aber vielleicht noch nicht….

Du lebst vegan. Ein Riesenbeitrag, wenn man bedenkt, dass deinen Berechnungen zufolge ihr als Familie, 80 Tieren das Leben rettet. Was macht der Gedanke mit dir, dass das Fleisch dieser 80 Tiere von den Unternehmen einfach ins Ausland befördert wird?

Puh, Du bist aber hart. So habe ich das bisher noch nicht gesehen.

Gegenfrage: Stell Dir vor, jemand sagt Dir: Wenn Du diesen Menschen nicht erschießt, mache ich es. Das würde ja trotzdem nichts daran ändern, dass Du diesen Menschen nicht erschießen willst, egal wie viele andere Menschen es tun würden, oder?

Wir können nur uns selbst ändern! Und das hat immer eine Wirkung. Es könnte zum Beispiel so kommen: Wenn die Nachfrage hier weiter zurückgeht, wird sie auch irgendwann im Ausland wieder zurückgehen..

Ich glaube fest an eine “Ansteckungsgefahr”, die all die guten Dingen in der Welt meiner Meinung nach haben.

Zu guter letzt: Was ist dein HerzensAnliegen? (Der Bereich das zu sagen, was du unbedingt noch loswerden wolltest.)

Ich möchte allen, die über ihr Essverhalten nachdenken, mit auf den Weg geben:

Hör nur auf Dein Herz!

Was zieh’ ich an?

Was zieh ich an? Was zieh ich an? Damit ich besser schlafen kann. Es ist nun anderthalb Jahre her, dass ich mich dazu entschied “keine Klamotten mehr zu kaufen.” Als ich den Entschluss damals fasste, ging es mir in erster Linie darum:

* keine Billigware vom anderen Ende der Welt zu kaufen, die von verzweifelten Frauen, Kindern und Männern mit viel Schweiß und Blut, auf Kosten ihrer Familien, ihrer Lebensqualität oder sogar ihres eigenen Lebens hergestellt wurden.

Diese Entscheidung mag einfach klingen, wenn man zuvor ja eh schon seinen Kleiderschrank ausgemistet und im Sinne eines minimalistischen Trends reduziert und zusammengestellt hatte. Daher beschloss ich weiter:

* ich kaufe nichts mehr, weil ich alles habe. All die Klamotten, die ich nicht verschenkt, getauscht, verkauft oder an den SeconHandLaden abgegeben hatte, blieben vorerst im Schrank. Ein Teil wanderte in die Schublade für die in Zukunft anstehende Erlernung des NähHandwerks. (Soweit bin ich bis jetzt leider immer noch nicht gekommen.) Den Rest beschloss ich zu tragen, bis es nicht mehr geht, sprich: Das Kleidungsstück auseinander fällt.

Während eines Urlaubes entdeckte ich in einem kleinen AlternativMusikCaféLädchen einen Rock, in den ich mich total verliebte. Ich muss dazu sagen, “Gibt’s bei mir sonst nicht. Röcke.” Ich hatte bis dato keinen einzigen, noch nicht einmal eine anständige Strumpfhose, die ich dazu hätte tragen können. Es dauerte knapp 2h, bis ich mich dazu durchgerungen hatte, ihn trotzdem zu kaufen. Denn: “Ich hatte ja noch keinen Rock.” Diesen Rock kaufte ich damals nur, weil ich wusste:

* Der ist fair, der ist bio. Der gefällt mir. Die Verkäuferinnen kannten die Näherin, gaben mir ihren Namen durch und schon bald entdeckte ich ihre InternetPräsenz. Das war also meine dritte Regelung hinsichtlich meines KleidungsKaufes. Wenn ich mich schon dazu entschied, ein Kleidungsstück zu kaufen, weil ich keinen Pulli mehr hatte, den ich in der Öffentlichkeit ohne Löcher unter den Armen anziehen konnte, oder keine Strumpfhose, die nicht schon mindestens zwei Löcher an den Knie hatte, dann sollte es ein Unternehmen sein, dem ich “vertraue”. Von einem Unternehmen, das ich für so verantwortungsvoll halte, dass es meinen Konsum verdient. Dem ich es zutraue, so konsequent wie möglich Fairness als Philosophie durchzuziehen.

fairtragen_bremenIn den letzten achtzehn Monaten habe ich mich immer wieder im Netz auf die Suche gemacht. Geschaut, wo könnte ich für den Fall, dass ich mal eine neue Unterhose benötige, fündig werden? Oder einen neuen Pulli? Oder eine Hose. Meine erste Liste hierzu findet ihr hier. Diese Liste hat sich inzwischen ein wenig erweitert. Eines der Unternehmen möchte ich euch heute vorstellen: fairtragen.de  (Ist das nicht ein cooler Name? Ich spielte auch mal mit dem Gedanken eine Seite aufzuziehen, die im Titel mit diesem “fair” ein wenig spielt. Aber jetzt hab ich mamadenkt. Das reicht vorerst.)

Das Unternehmen befindet sich in Bremen und ich kenne bislang nur den onlineShop. Aber wenn ich mal wieder im Norden unterwegs bin, dann werde ich mir wenn möglich auch die offlineVersion anschauen.

Durch mein unterwegs-Sein auf den unterschiedlichen Seiten zum Thema saubere Kleidung, kenne ich Labels wie Uprise, People Tree oder ArmedAngels; nicht persönlich, doch zumindest vom HörenSagen. Jedenfalls: Genau die findet ihr gebündelt auch bei fairtragen.

2In der Regel bin ich wenn überhaupt in der FrauenEtage unterwegs. Zum Beispiel als ich feststellte, ich komme mit den beiden Pullis einfach nicht zurande, sondern brauchte während AusschussSitzungen auch mal einen nicht befleckten Pulli. Genau dann schaue ich mich gerne hier als erstes um. Danach geht es auf der zuvor genannten Liste weiter.

Ich gebe zu, an der ein oder anderen Stelle der Seite, wünschte ich mir noch ein bisschen mehr FAQ’s. Aber meine Freude darüber, dass ein Unternehmen überhaupt die Philosophie hat, dass gute, faire und ökologisch-korrekte Kleidung auch was kosten darf, finde ich super! Die Tatsache, dass bei jedem Artikel nochmal zusammengefasst steht, was fair bedeutet, ist m.E. ganz im Sinne des Verbrauchers. Klar, wenn man sich die Hintergründe der Fair Wear Foundation und die Umstände in der TextilIndustrie vor Augen führt, die einfach sehr unübersichtlich sind und durch viele ProduktionsSchritte und noch mehr Zulieferer gekennzeichnet, kann man den Glauben am System verlieren. Oder man versucht es anders.

* Unternehmen, die dann darauf setzen, alles selber regional zu bewerkstelligen: Hut ab!
* Und ein Geschäft wie fairtragen ist für mich eine Alternative, wenn es darum geht, mir doch mal ein modernes, stylisches, faires und ökokorrektes KleidungsstückLieblingsStück zu kaufen.

Der Service des Unternehmens gefällt mir außerdem sehr gut. Schon häufiger hatte ich einen der Mitarbeiter oder eine der Mitarbeiterinnen am Telefon. Super nett und freundlich wurde ich mit meinen Fragen ernstgenommen und entsprechend höflich behandelt. Das ist heute scheinbar weder online noch im offlineLeben selbstverständlich. Außerdem landeten meine bisherigen Bestellungen beide Male unglaublich schnell vor meiner Haustür. Für diejenigen unter euch, für die Schnelligkeit und Kaufabwicklung von Bedeutung sind, vielleicht wichtig zu wissen.

Bei meiner kürzlichen Suche nach dem dritten Pulli, fiel mir außerdem auf, dass über das KontaktFormular von fairtragen die Möglichkeit gegeben ist, eine verschlüsselte Email an das Unternehmen zu schreiben. Jipiiieh! Vielleicht komme ich doch noch zu den Adressaten, denen ich meinen öffentlichen Schlüssel weiterreichen kann, um verschlüsselt via Mail zu kommunizieren.

pan2_1200So viel zu meiner onlineEntdeckung. Ihr könnt da ja mal vorbeischauen. Ich kaufe zwar nicht mehr so oft wie früher im Netz. Mein Fokus richtet sich inzwischen an die Betriebe, Unternehmen und Geschäfte vor Ort. Aber meine Pullis von Uprise hätte ich gar nicht anders bekommen können. Und ich trage sie täglich. Ihr könnt ja mal vorbeischauen.

Wo kauft ihr ein, wenn ihr Kleidung austauschen müsst? Und wenn es dann mal keine alternative Möglichkeit vor Ort gibt? Worauf achtet ihr beim Kauf? 

Lesestoff: Nachrichten aus der Tonne von Britta Böger und Stefanie Saghri

Vor ein paar Tagen habe ich bei Frau DingDong einen BlogPost gelesen, in dem sie auf dieses Bilderbuch hinweist. Allein den Titel fand ich so interessant, dass ich ihren Link zum UmweltBundesamt angeklickt habe und aus dem Staunen nicht mehr raus kam.

Dort hat es schon in der Vergangenheit Kinderbücher, Publikationen und Fachbücher gegeben, die völlig kostenlos bestellbar waren. Leider sind die älteren Kinderbücher bis auf das aktuelle Buch momentan vergriffen. Sind sie jedoch genauso gut und hochwertig, wie die “Nachrichten aus der Tonne”, würde sich eine erneute Auflage mit Sicherheit sehr lohnen. (Wink mit dem Zaunpfahl)

Ich habe mir das Buch prompt dreimal bestellt, weil mich die Zeichnungen auf dem Cover, die Thematik und das positive Feedback von Frau DingDong zum Buch überzeugt haben. Keine Woche später überreicht mir der Postmann am Mittwoch ein Paket mit drei Bilderbüchern und in weniger als einer halben Stunde hatte ich es durchgelesen. Nicht, weil so wenig drinstände. Nein, ganz und gar nicht.

Die Müllproblematik ist kess-frech, fachlich-untermauert und gestalterisch-kreativ zusammengestellt. Vielen Dank Britta Böger und Stefanie Saghri. Vier Dinge sind mir mindestens hängengeblieben:

1. Mit einer Nadel lässt sich aus der “langweiligsten” Banane ein großartiger MorgenGruß gestalten. Süss.
2. Vor 150 Jahren besaßen Menschen 150 Dinge. Heute sind es an die 20 000.
3. Könnt ihr euch an das ContainerSchiff mit den 29 000 QuietscheEnten erinnern? Nicht? Dann bestellt euch das Buch oder ladet euch die Ebook-Version herunter.
4. In Italien küsst man auf den Boden gefallenes Brot und gibt ihm damit seinen (scheinbar verloren gegangenen) Wert zurück. Tolle Geste! DAS will ich mir auch angewöhnen.

Die Liste ließe sich noch erweitern; mit ein Grund, warum dieses Buch sehr gelungen ist. Es beinhaltet weitere wertvolle Gedanken, Impulse zur Nachhaltigkeit und spannende ExperimentVorschläge. Außerdem hält es uns offensiv den Spiegel vor die Nase, der deutlich macht: Der Einzelne muss sich ändern.

Das Buch unterstreicht liebenswert, verständlich und nachdrücklich, dass jeder aufgerufen ist, seinen Beitrag zu leisten, um der Wegwerfgesellschaft etwas entgegenzusetzen. Kinder werden dazu ermutigt, nicht nachzulassen, ihre Eltern mit ihrem produzierten Abfall, ihrem Wegwerfen von Lebensmitteln und ihrem immensen (unnützen) Gebrauch von Plastik(Tüten) zu konfrontieren.

Wie ihr merkt, ich finde das Buch großartig und habe heute gleich mal eins im Kindergarten gelassen. Ja, das Buch richtet sich in erster Linie an Kinder in der Grundschule. Aber auch für Erwachsene, wie z.B. die ErzieherInnen ist es ansprechend gestaltet und voller sinnvoller Informationen.
Wir bestücken hier nun schon seit Mittwoch ältere Bananen mit Liebesbotschaften und ich wurde schon zweimal von den Kerlen gebeten, die Sache mit dem 8.Kontinent zu erklären und warum Meeresbewohner verhungern.

Sehr empfehlenswertes Buch. Ich vermute, dass unser Juni ganz im Zeichen des Mülls, des Abfalls, ich meine des Wertstoffes stehen wird.

Reduce, reuse, recycle. Das ist das Motto des Buches. Mir fällt gerade ein, dass Jack Johnson dazu auch mal ein Lied verfasst hat.

Schatten. Mut (2)

Seit Anfang des Jahres gehören diese beiden Worte für mich zusammen. Sie gehören zusammen und ich habe noch nicht wirklich herausbekommen, in was für einer Beziehung sie zueinander stehen.

Als ich gestern die #Mutmachparade von Johannes Korten im Netz entdeckte, schwirrten mir diese beiden Begriffe gleich wieder im Kopf herum. Mir kam der Gedanke an einen Bekannten, zu dem wir schon lange keinen Kontakt mehr haben, der schwer erkrankt ist und darauf wartet Heim zu gehen. (Wobei ich mir bei letzterem gar nicht so sicher bin. Er scheint bereit, aber jede Sekunde, gefangen in seinem Körper, dennoch zu genießen.) Der ist mutig.

Dann kam der Gedanke an unseren Sommer. Das Ausziehen in die Welt mit Kind und Kegel. Die Reaktionen unseres Umfeldes auf diese Idee. Es geht nur um vier Monate. Einen verlängerten Sommer. Dann sind wir wieder da. Dennoch. Einige raten uns ab. Viele machen uns Mut. Und da ist er wieder. Dieser Mut.
Wir kündigten unsere Wohnung für dieses Projekt und haben einige Zeit kein Dach über dem Kopf. Noch nicht einmal die Aussicht. Aktuell könnte es sein, dass wir ein ganz und gar “nicht-reduziertes” Domizil übernehmen werden. Aber, ach, reduzieren kennen wir ja.

Wenn ich erlebe, wie Menschen dazwischen gehen, eine Frau beschützen, die derbe von ein paar Halbstarken belästigt wird. Feuerwehrmänner über Gartenzäune springen, weil die Sirene des Nachbarortes erschallt. Meine Freundin in der Notfallambulanz Menschen das Leben rettet oder ihnen ein Bein verbindet. Das ist mutig.

… Dann geht mir ein Schauer über den Rücken und ich freu mich. Mut macht glücklich. Mich in der Regel. Ich möchte auch mutig sein. Dabei bin ich so darauf bedacht, meine Familie zu beschützen und mich eher “unscheinbar” zu verhalten. Aber wenn es dann an meine Grundüberzeugungen geht, und an die geht es ständig, seitdem ich “meins!” zu meinem Leben gemacht habe, gerate ich doch ins Visier. (Wie eine Löwin komme ich mir manchmal vor. Am liebsten würde ich mir meine Kinder im Genick schnappen und dem HyänenRest nur mein wackelndes Hinterteil zuwenden, während ich mich in der Savanne unter meinen Baum zurückbegebe…)

Mir treten die Tränen in die Augen, wenn ich Kinder an der Bushaltestelle, an der mein Bus vorbeifährt, sehe, die von anderen getreten oder bespuckt werden. Ich müsste dann den NothalteKnopf drücken, rausstürmen und für de Schwächeren in die Bresche springen. Denke ich. Oder nicht? Wäre das Mut? Es wäre verrückt, würde ein VerkehrsChaos initiieren, eine GeldStrafe mit sich bringen. Und der Junge an der Haltestelle? Hätte ich Mut bewiesen?

Dann hat ein Freund von uns keinen Mut mehr. Angst und Mutlosigkeit legen sich über ihn, wie ein Schatten. Ein Schatten, der von außen nur schwer zu durchdringen und noch nichtmal anzuheben ist. Das Leben macht ihm Angst. Diese Angst ist noch größer als die Angst vorm Sterben. Geht das? Kann das sein?
Ja. Er schreibt es. Lässt es an die ihn Liebenden zurück, um sich zu erklären. Denn er geht. Er hat den Mut zu gehen, weil ihm die Kraft fehlt diesen Schatten, der sich auf ihn gelegt hat, aufzudecken. Der Mut das Leben zu nehmen, wie es ist, fehlte ihm. Ist das so? Kann das sein? Ich weiß es nicht. In meinen Ohren klingt es schlüssig.

Was ist Mut nun für mich? Das Leben nehmen wie es ist und losgehen. Es gestalten. Im Kleinen. Im Großen. Ja, das passt irgendwie. Mutig ist, sich einzusetzen. Selbst wenn der eigene Nutzen mal nicht größer sein wird als die Kosten.

Wenn ich die Eltern der anderen Kinder sehe, dann bin ich immer schrecklich mutlos. Fühle mich klein, oft unfähig und nicht selten unter Beobachtung.
Ich kann dann einfach nicht mutig sein. Geht es mir oft durch den Kopf.

Meine Devise – um den Mut zu einem Teil meines Lebens zu machen -
* das Leben anzulachen und (leicht) zu nehmen. (Vieles geht viel besser von der Hand.)
* das Leben zuzulassen, auch in seiner Schwere.
* mir Menschen zu suchen, die mir Mut machen (Nicht zu allem möglichen Kokolores. Aber zu dem, was mein Herz zum Klingen bringt.) und mit diesen Menschen gemeinsam durchs Leben zu gehen. Ganz bewusst.

Bisher klappt das ziemlich gut. Ich wachse über mich hinaus. Meine letzte FahrradChallenge hieß: “Grüße jedem laut zu.” – Auch wenn er dir Angst macht, dich mürrisch anstarrt, dir unsympathisch ist, keine Reaktion kommt. Mut im Kleinen. Auf dem Weg zum Superheld.

Wahre Helden sind für mich dabei mehr und mehr die Menschen, die einfach mal gegen den Strom schwimmen. Die einfach mal machen und sich trauen. Ihre Erfahrungen teilen. Anderen Mut machen. Andere zu mutigen Superhelden machen.
Während ich hier noch tippe, ackert die eine auf ihrem Feld, um im Hofladen Obst und Gemüse mit BioQualität an die Dorfbewohner zu verkaufen. Andere Menschen gründen neue Startups, weil ihre Herzen für Ideen brennen, die die Welt – auch morgen – ein bisschen lebenswerter machen. Mut ist so viel. So voll. So unterschiedlich.
Kinder. Kinder sind mutig. Wenn ich mir durch den Kopf gehen lasse, was für einen Mut wir denen zumuten, die uns das Wichtigste bedeuten…

Mut kann Schatten vertreiben. Ihn heller machen als er ist.

Wie ist das bei euch? Was ist Mut? Wen findest du außerordentlich mutig? Martin Luther King? Jeanne d’Arc? Ghandi? Frau Dingens? Den Nachbarn von nebenan? Menschen, die sich wählen lassen? Wozu auch immer?

Ich winke dir zu. Mut (1)

Du bist viel älter. Erfahrener. Als ich.
Aber noch lange nicht betagt.
Bereit.
Zum Sterben. Oder doch?

Das Laufen hast du mir schmackhaft gemacht.
Zu einer Zeit, als ich jedem viel zu langsam war.
Du warst es, der mit mir gelaufen ist.
Der erste und einzige, der mit mir mehr als einen halben Marathon laufen konnte.
Wollte.
Die Geduld hatte.
Sich an mein Tempo angepasst hat.

Du bist viel älter. Und doch zu jung.
Du warst es, der die Küche geschmissen hat.
Zuhause. Für deine GoldenGirls.
Auf Freizeit. Für fast 80 Kerle und Mädels.
Du warst echt. Bist echt.
Hast gelacht, wenn dir danach war.
Hast die Stirn gekräuselt, wenn Erschöpfung kam.
Aber überwiegend
hast du gelacht. Gelächelt. Gegrinst. Freude am Leben.

Freude im Leben hast du auch jetzt.
Oder?
So scheint es.

Du sitzt in deinem riesigen Gefährt.
Dem metallischen Gerät mit großen Rädern.
Es macht mir Angst.
Das hättest du vor drei Jahren noch nicht gedacht.
Dieses Fahrzeug, das dich fährt.
Es gehörte nicht dazu.
Nicht zum Leben. Nicht zu deinem.
Du bist Marathons gelaufen.

Musstest deine Selbstbestimmung abgeben.
Selbst. Bestimmung.
Stimme.
Sie kam dir als erstes abhanden.
Wurde schwerer.
Gebrochen.

Du bist viel älter. Aber zum Sterben bereit?
Als ich dich sah
ich wusste es nicht.
Bist du bereit?
Du hast gelacht. Trotz verzerrter Gesichtszüge.
Du hast uns angelacht.
Dich gefreut uns nach so langer Zeit noch einmal zu sehen?

Du bist ein bisschen älter.
Wir werden uns wiedersehen.
Ich weiß es.
Ich glaub es.
Ich freu mich.
Dann werde ich dir Fragen stellen.
Dich fragen, wie das Bier aus der Spritze geschmeckt hat.
War es erfrischend? war es gut?
Hast du die Kerle gesehen?
Dich erinnert an unseren Lauf?
Den einen. Den langen?

Mein Herz erstarrt. Ist eingeklemmt.
Erinnerungen.
Traurigkeit.
Hoffnung, dass es nicht das Ende ist.
Wir werden uns wiedersehen.
Ich glaube fest daran.
Ich winke dir zu, umarme dich.
Entschuldige, dass ich mich das nicht getraut habe.
Mir fehlte der Mut.

Jetzt schicke ich dir diesen Gruß.
Denke fest an dich und befürchte, dass es bald zu Ende geht.
Aber du wartest nicht.
Du nimmst das Leben. Nahmst es an.
Und das werde ich fortan.
So wie es kommt. Wie Gott es gibt.
Ich brauch nur den Gedanken an dich.
Mein Denken an Phieby,
Und ein bisschen Mut.
Für das, was kommt.

Ich winke dir zu. Bis bald.

(Ich kann nicht schreiben, wie so manch eine/r von euch. Texte, die unter die Haut gehen, literarisch aufeinander abgestimmt sind. Dieser Text soll das auch gar nicht sein. Er schwebt mir nur einfach schon seit Wochen durch den Kopf. Diesen AbschiedsGruß zu verfassen. Ihn auf eine Karte zu schreiben und an diesen Freund zu schicken. Ich weiß nicht, ob er rechtzeitig ankommt. Daher habe ich die Gelegenheit genutzt, ihn in die Welt zu schrei(b)en.)