AlltagsAbenteuer, Minimalismus
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Bespielbares Kinderzimmer

In den vergangenen drei Wochen habe ich mich viel mit unserem Kinderzimmer auseinandergesetzt. Die Liste an Gründen dafür ist lang:

  • Spielen. Ist spielen im Kinderzimmer überhaupt noch möglich? Sind die Kerle dazu in der Lage sich in ihr Spiel zu vertiefen? Oder gibt es viel zu viel Kram, der viel zu schnell in Unordnung gerät und dann mehr zu Streitereien als zu gemeinsamem/getrenntem Spiel führt?
  • Renovierungsarbeiten. Die gehen hier gerade nämlich voran und ich fragte mich, wie soll denn alles hier aussehen? Was an Spielzeug darf ins Esszimmer bzw. Wohnzimmer? Was an Spielzeug kommt aus dem Schlafzimmer raus? Was bleibt im Kinderzimmer?
  • Mein Kontakt zu Flüchtlingen wächst und damit auch das Erleben, dass sie meist nur mit dem hier ankommen, was sie am Leib tragen. Sie haben zwar teilweise ihre Koffer und Rucksäcke gepackt gehabt. Doch die eine Puppe oder das eine Kuscheltier oder der zweite Pulli und die Wechselhose liegen irgendwo auf der anderen Seite des Meeres. Von Schleppern weiterverscherbelt oder achtlos auf einen Berg Müll geworfen. Wir hingehen haben Schubladen voller Kleidung. Kisten, Boxen und Regale voller Bausteine, Bücher und Kuscheltiere. Was davon können wir gerne abgeben? Weil wir es eigentlich kaum bespielen. Weil in den Aufnahmelagern viele Kinder sind, die gar nichts mehr haben.
  • Birgit hat auf ihrem Blog eine Challenge ausgerufen, die sich mit dem #chaosfreienKinderzimmer auseinandersetzt. Viele haben sich bislang inspirieren lassen. Auf Facebook ist eine Gruppe entstanden, viele Fotos vom Vorher/Nachher-Zustand wurden schon gepostet, Kommentare geschrieben, Tipps und Ideen weitergegeben.
  • Mein Wunsch und der der Jungs, kreativ zu sein. Zeit mit spielen, basteln und erfinden zu füllen, statt immer und immer wieder aufzuräumen.
  • Noch immer sind nicht alle Dinge vom Speicher wieder zurückgekehrt. Das liegt einfach daran, dass wir es bislang nicht gebraucht haben. Viele schöne und gute Spielsachen sind dort aber noch verpackt. Hier mus auch nochmal Ordnung gemacht werden. Aber erst, wenn wir alle Zimmer bezogen haben.

Wegen all dieser Punkte habe ich nochmal ein wenig reduziert. Auf die Spielsachen, Kleidungen und Verstaumöglichkeiten ein besonderes Augenmerk gelegt.

Gute Tipps und Links zum Kinderzimmer

Die ein oder andere Idee wurde schon umgesetzt. Manches spukt noch in meinen Lesezeichen auf dem PC umher. Die Gedanken zum grundsätzlichen Aufräumen gehen mir immer mal wieder durch den Kopf. Können 6-Jährige überhaupt Aufräumen? Sollen sie aufräumen? Welche Forderungen und Erwartungen stellen wir? Und wieviel Energie investieren wir, dass sie erfüllt werden. Denn ja, aufräumen mit Kindern kann furchtbar anstrengend, laut und frustrierend werden, je nachdem, welche Ansichten Eltern und Kinder haben. Und ja, meist sind diese konträr.

Für mich ergeben sich daraus drei entscheidende Punkte:

  1. Ein Kinderzimmer muss in der Tat nicht ordentlich sein. Das wäre ein Kampf gegen Windmühlen und passt auch nicht zu meinem Wunsch, dass sie ihr KindSein ausspielen, umsetzen und ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Kreativität braucht Raum. Und Ordnung.
  2. Ordnung? Nun ja. Hier stellt sich die Frage, nach welcher Ordnung? Meiner oder der Ordnung der Kinder? Wieviel Ordnung ist nötig, um Kreativität möglich zu machen? Der erwachsenen Wunsch nach einem „Schöner Wohnen-Kinderzimmer“ erscheint mir über das Ziel hinausgeschossen zu sein.
  3. Aber: Wenn der Besitz meiner Kinder, das sich im Kinderzimmer befindliche Spielzeug nur eine begrenzte Größe hat, dann wird ihnen das Ordnung halten sehr viel einfacher fallen und ich erlebe: Ja, sie sind unglaublich kreativ. Minimalismus im Kinderzimmer macht Sinn. Spielen wieder richtig schön allein oder nebeneinander her.

Und eine Frage, die bei euch immer mal wieder aufgetaucht ist, wird uns auch immer von Bekannten und Verwandten gestellt. Eine Frage, auf die ich selber gar nicht kommen würde: Teilen sich deine Kerle ein Zimmer? Oder haben beide eins?

Es gibt ein Kinderzimmer. Dieses Zimmer teilen sich aktuell zwei Kinder. Na ja, zweieinhalb, denn tagsüber darf jeder darin spielen.

Ob das gut geht?

Klar, wieso nicht? Ja, es gibt da den Schüler und auch das Kindergartenkind. Ja, sie sind Brüder und zanken sich, dass die Fetzen fliegen. Ja, sie sind Brüder und verschmelzen zu einem Herz und einer Seele, wenn Mama dann mal laut wird, weil das Gestreite kein Ende findet und jeglicher Schlichtungsversuch in die Hose gegangen ist.

Aber wie ist das mit den Hausaufgaben?

Die werden entweder in der Küche oder aber im Esszimmer gemacht, direkt nach dem Mittagessen.

Aber dann bekommt der Große doch bald ein eigenes Zimmer, nicht wahr?

Ich sehe das aktuell noch nicht. Wir sind mit den Renovierungs- und Bauarbeiten jetzt soweit, dass wir erstmal in diesem Haus gut leben können. Wir brauchen hier gerade alle eine kleine Verschnaufspause. Das Dach auszubauen, dafür fehlen momentan finanzielle, zeitliche und kräftemäßige Mittel. Wenn nicht jemand kommt, der uns als Familie das finanziert, wird das vorerst nicht anstehen.
Mal abgesehen davon glaube ich nicht, dass davon das Gelingen der Schule und die Zufriedenheit meiner Kinder abhängt.

Aber spätestens wenn das Baby groß ist, gibt’s ein zweites Kinderzimmer?

Ich weiß es nicht. Momentan klappt das ganz gut. Bis die Hausaufgaben mehr werden, mehr gelernt und geackert werden muss, sollte mein Kind den Sinn dahinter verstehen, dauert es noch ein wenig. Ich habe mir bis in die siebte Klasse mein Zimmer geteilt, bis ich dann schlussendlich „ausquartiert“ wurde, weil unser Gestreite wirklich nicht mehr zu ertragen war. Ich sehe keinen Sinn darin, sie schon jetzt zu trennen. Mal abgesehen davon, dass sie gar nicht in getrennten Zimmern schlafen wollten.

Aber das Kinderzimmer muss doch tierisch voll sein? Habt ihr noch ein Spielzimmer?

Nein. Das Zimmer ist nicht tierisch voll. Ein kleiner Teil an Spielzeug findet sich auf dem Speicher, ansonsten ist alles im Kinderzimmer untergebracht. Die Idee eines Spielzimmers habe ich gestern bei Bekannten gesehen und ich muss sagen, das gefiel mir sehr gut, weil es direkt an die Wohnstube angrenzte. Ansonsten empfinde ich Spielzimmer als keine sinnvolle Idee. Das mag jedoch daran liegen, dass ich diese Räume bislang immer nur als Abstellfläche erlebt habe. Die Kinder hielten sich nicht in diesem Zimmer auf, sondern meist im Wohn- und Essbereich. In diesen als Spielzimmer bezeichneten Räumen würde ich auch nicht gerne spielen wollen, weil dort meist Unmengen an Spielzeug untergebracht und verstaut werden, deren Menge mich vom eigentlichen Spiel ablenken würde. Ich wüsste nicht, womint ich spielen wollen würde. Würde vermutlich alles mal eben bespielen, damit ich auch nichts verpasse bzw. sich auch alles lohnt. Zwei weitere Gründe, aufgrund derer ich verstehen kann, wenn Kinder in diesen Zimmern nicht spielen wollen.

Noch umzusetzen

Beim Umräumen habe ich nochmal besonders auf die thematischen Ecken und Bereiche des Kinderzimmers geachtet. Noch bin ich nicht ganz zufrieden. Wir haben zwar auf Wunsch eine gemütliche Bücherecke eingerichtet, doch wird diese noch nicht wirklich genutzt. Da muss ich nochmal ran. Es fehlt noch eine Kuscheldecke und außerdem macht es keinen Sinn, wenn es dort zu dunkel ist – damit gemütlich. Damit auch die Kleinen einen besseren Überblick über ihre Bücher haben, werde ich mich mal ans PalettenRegal begeben. Der Mann hat nämlich ein eigenes Bett zusammengeschustert. Die Paletten brauchen einen neuen Zweck. Bücherregal und Gartenmöbel sind meine Favoriten.

Diejenigen von euch, die sich auch ans Räumen von Kinderzimmer, Wohn- oder Arbeitszimmer begeben haben: Was ist euer Resumee für die vergangenen Wochen? Habt ihr Ideen aus dem Netz umgesetzt, die sich gut, schnell und einfach umsetzen ließen? Teilt ihr sie mit uns?

3 Kommentare

  1. Nanne. sagt

    Hallo Rage,
    Wenn man mal zurück denkt, ist ein Kinderzimmer für alle doch gar nicht ungewöhnlich. Mein Vater hat sich auch mit zwei Brüdern sein Zimmer geteilt (in einer 70 qm Wohnung, die Betten in der Schrankwand für zwei Kinder – das dritte hat zumindest später im Wohnzimmer geschlafen). Alle drei haben lange zu Hause gewohnt / wohnen müssen. Mein Vater ist z.B. ein paar Monate vor der Hochzeit mit meiner Mutter mit ihr zusammen gezogen. Die sich ebenfalls mit ihrem Bruder ihr Zimmer geteilt hat.Das war da völlig selbstverständlich – beide sind um die 60.
    Meine Schwester und ich verbinden mit dem gemeinsam schlafen nur die besten Kindheitserinnerungen, allerdings haben wir uns später im Teenageralter auch extrem viel gezofft und hätten gerne jeder ein eigenes Zimmer gehabt. War aber nicht möglich.
    Ich glaube, heute bei den steigenden Mieten wird es in Ballungsgebieten auch vermehrt die Notwendigkeit dazu geben. Wer kann sich den in Hamburg oder München eine Vierzimmerwohnung für ein Familie mit zwei Kindern leisten?
    Liebe Grüße Nanne
    P.S.
    Ihr müsstet doch diesen Monat einen Geburtstag feiern – viel Spaß dabei und alles Gute ans Geburtstagskind!

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  3. Pingback: Lesestoff: Aus alt mach neu von Pia Deges – MamaDenkt.de

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