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LeseStoff: Liebende bleiben von Jesper Juul

Liebende bleiben von Jesper Juul

(erschienen und freundlicher Weise zur Verfügung gestellt vom BELTZ – Verlag) Ich könnte jetzt hier etwas über unser Liebesleben plaudern. Aber danach steht mir nicht der Sinn. Und darum geht es auch nicht. Nicht in erster Linie. Es geht ums Liebende bleiben. Liebende bleiben, an sich selber denken und dadurch die Bedürfnisse der Familie erfüllen.

Liebende bleiben

Anfang des Jahres erhielt ich das neue Buch von Jesper Juul: Liebende bleiben, in dem es um uns Eltern geht und darum, wie wir Liebende bleiben und mehr an uns denken. Es geht darum, dass Familie Eltern braucht, die mehr an sich denken. So der Untertitel des Buches.

Im ersten Moment war ich nicht so wirklich begeistert von diesem Buchtitel. Ich kenne Jesper Juul und auch schon viele Aussagen von ihm. Bislang hatte ich keines seiner Bücher gelesen. Dennoch mag ich ihn! Sehr. Aber ihr erinnert euch vielleicht, dass ich mir schwer tue Erziehungsratgeber zu lesen. Ich kann das nicht so gut und verlasse mich lieber auf meinen Bauch und meinen gesunden Menschenverstand. Das bedeutet nicht, dass das immer gelingt oder ich es einfach nicht nötig hätte, mir Tipps und Ratschläge anzuhören. Ganz und gar nicht. Es ist nur so, dass ich mich von gewöhnlichen Ratgebern nicht unter Druck setzen lassen mag. Die Anfrage an mich, zu diesem Buch eine Rezension zu verfassen, habe ich letztlich bestätigt, weil ich etwa zeitgleich ein Interview mit Juul gelesen habe. Das hat mich so bewegt, dass ich mich entschied, „Ich will jetzt mal was von ihm lesen.“

Ihr müsst mal endlich unter Leute. – Aha.

Warum mir der Titel nicht gefiel? Nun ja, der Titel löst in mir etwas aus, das auch entsteht, wenn Menschen in meinem Umfeld äußern: „Na ja, du musst aber auch mal an dich denken.“ oder „Wieso geht ihr nicht mal aus?“ oder „Ihr solltet auch mal was für euch tun. Immer nur die Kinder. Habt mal wieder Sex. Seid verliebt.“

Inzwischen sagt das keiner mehr (Es ist zu spät!) und was die Menschen denken, das gebe ich zunehmend auf mich zu fragen. Es ist zu verworren. Aber in der ersten Zeit, vor allem mit einem und auch noch mit zwei Kindern, kamen solche Andeutungen und Äußerungen häufiger. Das hat mich damals total gestresst. Ich hatte das Gefühl etwas tun zu müssen, weil sonst meine Ehe den Bach runtergeht oder ich zugrunde gehe, weil die anderen das doch so sahen und sagten.

Gleichzeitig wollte ich das aber gar nicht. Ich wollte nicht losziehen. Ich brauchte keine Zerstreuung. Ich war richtig an dem Ort, an dem ich war. Bei meinen Kindern. Bei meinem Mann – angekuschelt auf der Couch. Auch ohne täglichen Sex. Nicht ohne Liebe, gewiss nicht. Aber so, wie der Alltag es hergab, nahmen wir uns Zeiten füreinander. Und nicht, wie uns das angeraten wurde.

Der Buchtitel triggerte all diese Gedanken wieder hoch. Es fiel mir daher schwer loszulesen. Und dann… war es ganz anders.

Liebende bleiben im Alltag

Im Buch geht es um sieben Pärchen mit sehr konkreten Alltagssituationen, die jedem mehr oder weniger bekannt sind. Zumindest konnte ich mit unter jeder dieser Situationen etwas vorstellen, auch wenn ich sie noch nicht durchleben musste.

Juul führt in seinem Buch mit diesen Familien Gespräche, die in Form von Dialogen zusammengestellt sind. Am Ende eines Kapitels gibt er eine jeweilige Zusammenfassung der Aspekte, die er für die Beziehung von Eltern hinsichtlich der vorangegangenen Thematik als beutend ansieht.

Liebende bleiben ist ein tolles Buch

Ich würde gerne schreiben, dass dieser „Ratgeber“ ganz anders ist, als die meisten anderen. Das kann ich nicht, weil ich die anderen nicht kenne. Zumindest unterscheidet sich Jesper Juuls Buch von den Ratgebern in meiner Vorstellung.

Mir gefällt die Art und der Stil, wie Juul das auffängt und aufnimmt, was Eltern beschäftigt und wieder an sie zurückgibt. Das in Form von Dialogen festzuhalten, finde ich eine gute Idee, weil es anschaulich wird, was an Emotionen mitschwingt. Letztendlich sind es diese Emotionen, welche die Thematik für mich und meine Partnerschaft greifbar machen. Mich mich selbst wiederfinden lassen.

Tja, und ich muss sagen, dass ich mir dadurch sehr viel einfacher „sagen“ lassen konnte, was einer Beziehung gut tut und wieso eine solche Partnerschaft stärkend für eine Familie ist.

Und einmal mehr erlebe ich, dass es Menschen gibt, die einen in eine Form pressen wollen und diejenigen, wie Juul, denen es gelingt, Fragen und Themen an dich zurückzugeben, so dass du deine eigenen Antworten findest.

Fazit

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich merke, dass ein Ratgeber wie dieser meiner Sicht der Dinge den Feinschliff gibt. Das gefällt mir gut. Ich muss nicht irgendetwas so oder so machen. Ich kann, wenn ich will. Denn mein Herz und mein Kopf haben mich nicht ganz so falsch geleitet.

Wenn einer von euch das Buch mal gerne lesen möchte, kann er es sich gerne bei mir ausleihen oder ihr surft direkt beim Verlag oder buch7 vorbei und bestellt es euch dort. Weiteren Lesestoff findet ihr hier. Was habt ihr aktuell neben eurem Bett an Bettlektüre liegen?

6 Kommentare

  1. Hallo Rage! Ich würde das Buch auch gern ausleihen … Bin sehr buchaffin (gelernte Buchhändlerin, studierte Buchwissenschaftlerin …), sodass du dir um den Zustand keine Sorgen machen müsstest 😉
    Wie könnte Ausleihen funktionieren?
    Birgitta

    • rage sagt

      Sehr gerne, Brigitta. Da Sandra sich zuerst gemeldet hat, würde ich es ihr als erstes zukommen lassen. Danach leite ich es an dich weiter. Ist das ok für dich?

  2. Birgitta Bolte sagt

    Hallo Rage,
    hast du das Buch schon zurückbekommen? Ich hätte nämlich noch immer Interesse 😉
    Gruß
    Birgitta

  3. Pingback: Lesestoff: Frei erziehen - Halt geben plus Verlosung | MamaDenkt.de

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