AlltagsAbenteuer
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Lesestoff: Frei erziehen – Halt geben plus Verlosung

frei erziehen 01

(erschienen im und freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom SCM-Verlag GmbH & Co. KG) Im September haben Tobias Künkler, Tobias Faix und Damaris Müller ein besonderes und wichtiges Praxisbuch herausgegeben. Es greift eine Thematik auf, die für viele Eltern von Relevanz ist:  Frei erziehen – Halt geben. Wie sieht christliche Erziehung aus? Und wie kann diese in Freiheit geschehen? Geht das überhaupt? Was sind knifflige Fragen in der christlichen Glaubenserziehung? Was verbirgt sich hinter diesem Titel?

Frei erziehen – Halt geben

Wie lebe ich meinen Glauben an Gott vor, ohne mein Kind in seiner Entscheidungsfreiheit einzuschränken oder es durch (unausgesprochene) Erwartungen unter Druck zu setzen? Wie schaut’s aus mit Lob und Strafe? Sexualpädagogische Erziehung? In der Familie und auch in der Gemeinde? Erziehungsfragen zwischen verschiedenen Generationen?

All diese Fragen führen zu Unsicherheiten im Umgang mit den eigenen Kindern. Eltern mit christlichem Hintergrund tuen sich insbesondere mit der christlichen Glaubenserziehung schwer. Auf der einen Seite wollen sie ihre Kinder einladen und ihnen den eigenen Glauben, ihre persönliche Beziehung mit Gott und Jesus vorleben. Auf der anderen Seite wünschen sie sich starke, selbstbestimmte und selbstbewusste Persönlichkeiten, die sich frei entscheiden. Ohne Druck.

Der Wunsch für die Kinder ist häufig: In dieser Welt jetzt und auch in Zukunft klarzukommen, sich zurechtzufinden, nicht unterzugehen und frei die eigenen Wege zu gehen. Das Ziel der Eltern ist oft: Frei erziehen und dabei Halt geben.

Das Buch

Entstehungsgeschichte

Von 2014 bis 2016 führten Tobias Künkler und Tobias Faix mit etwa 1800 christlichen Familien eine Studie durch. Die beiden Autoren gingen Fragen nach, wie:

  • Wie sieht der Alltag in christlichen Familien eigentlich aus?
  • Wie wird Leben in christlichen Familien gestaltet und wie sehen Erziehung und Glaubenserziehung konkret aus?

Anfang 2017 veröffentlichten Tobias Künkler und Tobias Faix ihre Ergebnisse und Auslegungen zur Familienstudie in einem Buch, das den Titel “Zwischen Furcht und Freiheit. Das Dilemma der christlichen Erziehung” trägt.

Ein entscheidendes Ergebnis lautete: Der christlichen Familie geht es gut. Christliche Erziehung und Glaubenserziehung gibt es in den befragten Familien und ist für sie ein großes Thema, das Unsicherheiten und Fragen mit sich bringt. Wenngleich die Diskussion und der Austausch um diese Thematik bislang unausgesprochen im Raum steht. Man hört hierzu nur sehr wenig.

Daraus und aus weiteren Ergebnissen der Studie ergab sich für die Initiatoren die Notwendigkeit ein weiteres Buch zu verfassen. Ein Buch, das die Fragen, Bedürfnisse und Unsicherheiten aufgreift, die viele Eltern heutzutage nun mal haben. Ein Buch, in dem verschiedene Autoren zu Wort kommen und Einblicke in ihren Alltag geben, um so andere Eltern an ihrem “Unperfekt-sein” teilhaben zu lassen. Doch nicht nur das. Das Buch soll Mut machen, sich der Diskrepanz von “frei erziehen und Halt geben” zu stellen. Mut, alte Werte und Normen zu hinterfragen und sich gemeinsam im Gespräch und Austausch miteinander zu positionieren.

Das Buch trägt den Titel “Frei erziehen – Halt geben. Christliche Erziehung für umperfekte Eltern” und ist erschienen im SCM Verlag. Auf 220 Seiten werden verschiedene Blicke in die Praxis geworfen. Praktisch, alltagsnah und fundiert will es unperfekten Eltern ein Begleiter sein, die eigenen Kinder zum Glauben einzuladen und sie dennoch frei erziehen zu können. Als Herausgeber hinzukam Damaris Müller, eine Frau, die ich in den vergangenen Monaten sehr schätzen gelernt habe.

Mein Beitrag zum Buch und ein Danke!

Denn: Ich habe an dem Buch mitgeschrieben. Gemeinsam mit 18 weiteren Menschen bin ich eine der Autor*innen und habe zwei Kapitel des Buches verfasst. Damaris Müller hat mich in dieser Zeit immer wieder neu motiviert, mir Mut gemacht auf meine eigenen Erfahrungen und Kompetenzen zu vertrauen und dran zu bleiben. Es hat wirklich Spaß gemacht, diese Kapitel zu schreiben. Dafür an dieser Stelle ein dickes Danke an dich, Damaris!

Mein pädagogischer Hintergrund

Klar, ich habe Soziale Arbeit studiert, ich habe drei Kinder bekommen und ich bin irgendwie immer wieder in der Elternbloggerszene unterwegs. Ratgeber, vor allem Erziehungsratgeber, habe ich bislang keinen wirklich durchgelesen. Außer ein Buch von Jesper Juul, das ich rezensiert habe, das aber auch irgendwie ein anderer Ratgeber ist, als wir uns den so gemeinhin vorstellen. Ich tue mir schwer Ratgeber zu lesen, ich will sie nicht lesen. Denn bislang, auch wenn ich viel von Jesper Juul, Alfie Kohn, oder auch Maria Montessori halte, brauche ich mein Bauchgefühl und den Austausch mit konkreten Menschen aus meinem direktenUmfeld, wenn es ums “Erziehen” geht.

Gesellschaftliche Momentaufnahme oder Einblicke in meine Filterblase?

Aber kommen wir nochmal zurück auf den Inhalt des Buches. Eigentlich müsste ich den Begriff “gesellschaftliche Momentaufnahme” austauschen durch “Einblick in meine Internetblase”. Ja, ihr habt recht. Letztlich beschreibe ich nur, wie ich das in meinem digitalen und in meinem echten Alltag erlebe. Dieses Erziehen oder aber auch nicht Erziehen oder Begleiten oder wie auch immer es genannt wird. Das hat sich schon viele Male verändert, ist im Fluß und entwickelt sich auch weiterhin. Unser Selbstverständnis, die Bedeutung von Familie, Eltern und Kind.

Was für eine Bedeutung haben Familie und Kind eigentlich?

Seit der Industrialisierung hat sich der Begriff Familie stark verändert, ebenso die Rolle des Kindes. Es geht nicht mehr nur um Arbeitskraft und Existenzsicherung der  Familie durch eigene Kinder, sondern um geliebtes “Hab und Gut”, das wir im Kind heute sehen. Das Kind erfuhr eine Personifizierung und erhielt in den vergangenen Jahren außerdem die Rolle eines geliebten, gleichberechtigten Partners. Allerdings eines Partners, von dem wir erwarten, dass er uns gehorcht und gleichzeitig eine selbstbestimmte und selbstbewusste Persönlichkeit entwickelt, die sich “frei” entfaltet. (Ja, ich pauschalisiere.) Es geht mir darum ein Bild dessen zu zeichnen, wie ich das Leben mit Kindern erlebe, wenn ich abends in den Schwimmkurs gehe, meine Kinder irgendwo abhole oder wir an der Kasse vom Supermarkt stehen.

Diese Erwartungen von vielen Eltern sind nämlich durchaus ambivalent. Wie kann ich vom Kind erwarten, dass es auf meine Anweisung hört, es aber gleichzeitig möglichst frei und selbstbestimmt entscheiden lassen?!?

Beziehung, Erziehung, Nicht-Erziehung…

Es hat sich eine “Szene” entwickelt, die mit dem Finger auf diesen Widerspruch weist und m.E. denselben zu lösen versucht. Jesper Juul u.a. zählen für mich dazu und ich halte die Gedanken, die ich von ihnen dazu höre, für sehr sinnvoll. Vor allem haben sie mir meine Unsicherheit genommen. Immer wieder geht es um Beziehung und weniger um Erziehung. Inzwischen weiß ich, was mein Ziel von “Erziehung” ist und ich nehme mein eigenes Fehlverhalten an einigen Stellen viel schneller wahr, versuche gegenzusteuern und bin nicht mehr so streng mit mir und meinen Kindern.

Es am nächsten Tag besser machen, darauf kommt es mir an. Ja, ich kenne Brüllfallen und es ist schon viel besser geworden, wenngleich ich mir oft noch viel, viel mehr Ruhe und Geduld mit dem Sack Flöhe hier wünsche. Andere Baustelle.

Attachement Parenting, Unerzogen, Jesper Juul, Montessori – das alles beinhaltet pädagogische Ansätze und Methoden, wie Beziehungen zwischen Kindern und ihren Eltern gut gelingen bzw. gestaltet werden können. Darum geht es auch in christlichen Familien.

Zur christlichen Erziehung kommt noch die Glaubenserziehung

Hinzukommen noch die Glaubenserziehung und verschiedene aus der Vergangenheit übermittelte Werte, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, um zu wissen, wo wir und diese Werte stehen.

Für Eltern, die Christen sind, die selber eine lebendige Beziehung mit Gott führen, ist es ein Herzensanliegen, dass ihre Kinder diesen Gott kennenlernen. Doch wie kann das gehen, ohne sie zum eigenen Glauben zu drängen? Wieviel Freiheit ist erforderlich, damit unsere Kinder Gott entdecken können? Auf ihre Weise ihn erleben können?

Eltern sind unsicher, suchen nach Wegen und fragen aber noch nicht laut genug

Mein Beitrag zum “frei erziehen”

Ich durfte zwei der Kapitel des Buches schreiben. In dem einen ging es um die Differenzierung von meinem Glauben und dem meiner Kinder. Dabei konnte ich mal in Worte fassen, wie das hier bei uns Zuhause abläuft und mir überlegen, ob es für unser Verhalten denn auch einen Theorieunterbau gibt. Auf welchen Grundgedanken basieren Feststellungen, wie “vorleben statt aufzwingen”? Was sind unsere Best Pactice Tipps, die uns begleitet haben? Wie gestalten wir unser Leben als Christen innerhalb unserer Familie? Fordern wir das von unseren Kindern auch?

Im zweiten Kapitel ging es um Lob und Strafe als adäquate Erziehungsmethoden. Seien wir mal ehrlich, wem ist noch nie ein “Wenn… dann…” über die Lippen gekommen? Was mich jedoch wirklich erstaunt und betroffen gemacht hat: Für viele Teilnehmer der Studie ist der Klaps auf den Po oder auf den Hinterkopf absolut in Ordnung. Ja, ich bekomme das auch im wahren Leben mit und ich arbeite daran, in den Momenten einzuschreiten. Denn es ist nicht in Ordnung!! Wie meine Theorie und Praxis zu diesen Themen ausschaut, könnt ihr in dem Buch nachlesen.

Außerdem finden sich viele weitere spannende Themen zum “frei erziehen” in diesem Buch, viele hochinteressant. Einige, so wie der zu Lob und Strafe haben erstmal gar nichts damit zu tun, ob ich christlich erzogen wurde oder nicht. Eine Diskussion zu Druck, Grenzen und Bedürfnisorientierung gibt es im Netz jedenfalls schon. In der christlichen Szene steht sie noch aus oder besitzt noch nicht genügend Lautstärke, wie mir scheint.

Das Buch will Eltern begleiten, die unsicher oder auch auf der Suche sind. Es will sie in der Auseinandersetzung mit diesen Themen nicht im Regen stehen lassen, wenn es schwierig wird, sondern unterstützen.

Die Verlosung

Seid ihr neugierig geworden und wollt mal reinlesen? Ich verlose unter euch fünf dieser tollen Bücher. 

Hinterlasse einen Kommentar mit einem Gedanken zum Buch bis Sonntag, den 29.10.2017 um 23:59 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (Du kennst das.) Mach mit, wenn du mindestens 18 Jahre alt bist. Auszahlen kann ich dir nix. Verschickt wird innerhalb Deutschlands. Teil den Beitrag gerne auf Facebook oder Twitter oder auf einem eurer anderen Social Media Kanälen. Das ist keine Bedingung, um im Lostopf zu landen.

Die Herausgeber, Autoren und auch ich freuen uns, wenn das Buch und letztendlich wir Eltern ins Gespräch kommen.

edit: Fehlerteufel

Ihr Lieben, die Gewinner sind bekannt gegeben und wurden informiert. Eine Leserin wies mich daraufhin, dass die Verlosung ja bis zum 29.11.2017 um 23:59 Uhr gehen würde. Das war ein Tippfehler. Ich habe es korrigiert und bitte um Entschuldigung.

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