AlltagsAbenteuer
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Die BrüllFalle. Teil3

Vor ein paar Wochen bin ich in diese BrüllFalle hineingetappt und reflektiere seitdem fortwährend, zumindest gefühlt, mein Verhalten gegenüber meinen Kindern. Nicht, dass ich nicht auch vorher schon mal lauter geworden bin. Bin ich. Absolut. Nicht, dass ich nicht auch schon vorher immer mal wieder über mein eigenes Verhalten nachgedacht hätte. Aber diese Situation, die ich hier als BrüllFalle bezeichne, hatte auch ganz viel von Hilflosigkeit und gefühlter Handlungsunfähigkeit. Ich wusste keinen Ausweg und bin so unkontrolliert laut geworden, dass ich mich vor mir selber ein wenig erschrocken habe. Wie muss es damit meinen Kindern ergangen sein? Sie schienen recht gut damit umgehen zu können. Doch was für Früchte würde mein aktuelles Verhalten, meine aktuelle pädagogische Unfähigkeit in der Zukunft mit sich bringen?

Dass ich nun mein Verhalten und Handeln sehr genau in Augenschein nehme, heißt leider noch lange nicht, dass ich mich auch fortwährend vorbildlich, geschweige denn perfekt verhalte. Das würde ich manchmal gerne, genauso wie ich wünschte, keine Fehler zu machen. Doch nehmen wir mal an, ich würde keine Fehler machen, wie könnte Weiterentwicklung stattfinden? Bei mir. Bei meinen Kindern. Wir würden doch alle irgendwie auf ein und demselben Level herummodern, meinen, wir bedürften keines Wachstums, weil wir ja schon fertig sind.

Auch wenn wir uns noch immer in diesem Zustand des “Zurechtruckelns” befinden, weil wir
a) Familienzuwachs bekommen haben und uns
b) noch immer in einer ganz verrückten WohnSituation zurechtfinden, habe ich für mich ein wenig Tempo aus unserem Alltag herausgenommen, in dem ich erstmal hab jeden sein lassen, wie er ist. (Daran werde ich ja eh nichts ändern können.)

Dann habe ich mich gefragt: Was brauche ich denn? Ohne jedoch schon irgendwelche Dinge durchzusetzen oder von irgendwem einzufordern. Die Frage klingt egoistisch.Doch nach all dem Nachdenken und in Augenschein nehmen, ging mir der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass wenn ich nicht funktioniere, wie sollen meine Kinder das denn dann? Wenn ich nicht in mir ausgeglichen bin, wie soll sich in unserem Familiensystem Ruhe ausbreiten? Wie sollen meine Kinder ausgeglichen sein können, wenn ich im Dreieck springe und sie im schlimmsten Fall aus ihrer eigenen Ruhe herauskatapultiere? Es ging also mehr darum, was genau mich an dem Abend so auf die Palme gebracht hat? Was hat mir in dem Moment gefehlt? Was hat dann schließlich noch dazu geführt, dass sich die Situation so aufschaukelt?

Bei meinem ziellosen Surfen durchs Netz, stieß ich auf ein Manuskript über ein Interview mit Jesper Juul. Da gab es eine Feststellung, die mich die Augenbrauen hat hochziehen lassen. Früher hieß es: Benimm’ dich! Heute heißt es: … (Na? Jemand eine Idee?) Genau: Beeil dich!

Beeil dich! Du verpasst noch den Bus. Hör doch bitte endlich auf zu trödeln. Beeil dich, du musst dich noch anziehen. Beeilung, gleich geht’s ins Bett. Eine Folge Wickie? Dann musst du dich aber beeilen. Beeilen, beeilen, beeilen…

An dem Abend als ich in die Falle tappte, ging es mir nicht schnell genug. Ich war selber schon voll dabei den Esstisch abzuräumen, die Küche in Ordnung zu bringen und die Vorbereitungen für den nächsten Morgen zu treffen, um endlich auch Feierabend zu haben. Denn schließlich stellt sich der erst ein, wenn drei kleine Kerle versorgt sind und süßen Träumen nachgingen. Doch meine Kinder sahen das ganz anders. Wie konnten sie sich dann nicht an meine erste Aufforderung halten und einfach schon mal die Schlafanzüge anziehen? Obwohl ich ihnen den Rücken zukehrte, um schon mal das Geschirr wegzuräumen?

Ich war müde.
Ich war nicht voll bei ihnen, sondern unter lauter benutztem Geschirr (und mit zig anderen Dingen beschäftigt.)
Es sollte schnell gehen.

Mein Weg, um erstmal aus diesen BrüllFallen rauszukommen hieß folglich:

Ich brauche mehr Schlaf. (Einfach mal direkt ins Bett gehen, wenn der Rest auch schläft)
Ich bin bei meinen Kindern. (Vor allem, wenn ich was von ihnen möchte und es darum geht, Zeiten einzuhalten. Sie sind noch nicht in dem Alter, in dem sie dieses OrganisationsManagement vollkommen alleine übernehmen können. Manchmal gelingt es ihnen Teile zu übernehmen, aber sie sind noch keine Erwachsenen, die sich jahrelang antrainiert haben, bestimmten Strukturen und Umständen anzupassen.)
Ich habe Zeit. (Ich habe tatsächlich genügend Zeit zur Verfügung. Ich muss nur einen Weg finden, wie ich meinen Kindern Verantwortung gegenüber ihrer Zeit verdeutliche und ihnen außerdem klar mache, dass “Trödelei” Konsequenzen hat, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Denn morgens fährt der Bus – egal ob sie an der Haltestelle stehen oder nicht. Genauso, wie der Zahn weh tut, wenn er ein Loch hat, weil er nicht gepflegt wurde. An beidem arbeiten wir noch.)

Das hat erstmal geklappt und Ruhe hat sich unter uns breit gemacht. Jetzt habe ich Gelegenheit mich mit meinem “ErziehungsStil” auseinanderzusetzen – wenn man das denn so nennen kann. Was will ich denn? Erziehen oder begleiten? Erfahrungen weitervermitteln? Zu starken Persönlichkeiten heranziehen? Gesellschaftsfähigkeit vermitteln und umsetzen? Was will ich eigentlich? Was ist mein Anspruch an mich? Welche Erwartungen werden von außen an mich herangetragen? Was halte ich für das Wichtigste für meine Kinder? Diese Fragen münden dann irgendwann in konkrete Fragen nach der Umsetzung von Grenzen setzen. Authentisch sein. Verantwortung vermitteln. Selbständigkeit und Selbstbewusstsein fördern. Was ist eigentlich mein Motto im Umgang mit meinen Kindern? Was für ein Profil haben wir hier eigentlich?

Trotz all dieser Fragen, lehrt mich diese ganze Thematik insgesamt (durch das viele Nachdenken, durch die unterschiedlichen Kommentare und das Erleben, “Es ist gerade wieder richtig gut.”): Ich darf mich nicht so ernstnehmen bzw. ich muss das alles (wieder) was entspannter angehen.

Guter Plan? Ich hoffe.

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