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Beziehung statt Erziehung

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Es mag sein, dass viele schon dazu geschrieben haben. Es mag sein, dass für viele hier nichts Neues dabei ist. Aber es ist eines meiner vielen Themen, mit denen ich mich aktuell wieder intensiver auseinandersetze. Das mag daran liegen, dass wir in unserer #AltenSchule gerade sowohl Familie als auch Schule als auch Kindergarten als auch Krabbelgruppe leben. Ach so, und Ehe natürlich auch. Irgendwie. Wenn alles schläft. Beziehung statt Erziehung – darum geht’s.

Beziehung statt Erziehung

Die Anforderungen und Herausforderungen sind sehr unterschiedlich. Sie erfordern zeitlich unterschiedliche Intensität, wechseln in ihrer Dringlichkeit und Wichtigkeit und sehen von ihrer Art ganz verschieden aus. Während der eine in den Arm genommen werden will, braucht der andere Hilfe – und eben keine Anleitung! – bei den Hausaufgaben. Gleichzeitig ist da der Säugling, der krabbeln will, aber vorher doch noch so unbändigen Durst hat. Während der eine nur noch auf Besuch aus dem Haus will, möchte der andere seine Ruhe haben oder ein intensives Rollenspiel mit nur einem befeundeten Kind machen und der dritte sucht den Trubel und die Fülle. Dabei werden Selbständigkeit, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein entwickelt. Dinge, die ich als Mama doch ganz unbedingt unterstützen möchte.

Der Ärger über mein Denken und Tun

Manchmal stehe ich jedoch da, fasse mich an die Stirn, verdrehe die Augen, wenn ich sehe wie eines meiner Kinder klatschnass ohne Jacke, ohne Mütze, ohne Halstuch, ohne irgendwas durch heftigsten Schnee gemütlich nach Hause spaziert. Beziehung statt Erziehung wird plötzlich ungeahnt schwierig.

Dabei frage ich mich, was muss ich jetzt eigentlich machen? Doch bevor ich für mich eine gut reflektierte Antwort gefunden habe, fange ich das andere Kind im Sprung auf, das trotz meiner klaren Ansage mit seinen sauberen Hausschuhen durch SchmutzPfützen im Eingang springt, um dann ins vorher noch “erträglich” verstaubte Wohnzimmer zu stürmen.

Natürlich, ich hätte dafür Sorge tragen können, dass diese Pfützen direkt aufgewischt worden wären. Das Problem wäre ich dann umgangen. Klar, allen mir bekannten Mamas im Netz und im realen Leben ist der Schmutz in der Hütte vollkommen egal. (Auch hinter der geschlossenen Tür? Oder nach dem Verlassen einer SocialMediaTimeLine?)

“Es sind doch Kinder. Wir waren auch so. Es war früher doch auch ein schönes und wichtiges Gefühl…”

Und in dem Moment platzt es aus mir heraus. Das eine Kind ist auf die Treppe gesetzt, mit einem bösen Blick zum Schweigen gebracht und das andere darf sich eine Schimpftirade sondergleichen anhören. Ich rante mein Kind – kann ich das neudeutsch so sagen?!?

Manchmal scheint alles so ausweglos

Oh Mann, während ich das hier schreibe, fahre ich mir mit beiden Händen durchs Gesicht. Bin ich wirklich sicher, dass ich das öffentlich bloggen will? Bin ich? Will ich?

“Ich weiß nicht.”

, würde einer meiner Flüchtlinge sagen. Was mach ich hier eigentlich? Ich frage mich, ob ich wirklich die

“Du bist die tollste und schönste und hübschste Mama, Mama!” bin. Ich bezweifle das aktuell stark. Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit vor etwa einem Jahr, als wir in diese ätzende BrüllFalle getappt sind. Die Situation hat sich seither verbessert. Zum Positiven verändert. Darüber bin ich sehr froh und merke, wie viel mein Mann und ich dazu gelernt haben. Nichtsdestotrotz sind wir ja auch nur Menschen. Das hört sich manchmal wie eine faule Ausrede an.

Resilienz und das schlechte Gewissen

Doch was bringt es mir, mir die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen und strenge Vorhaltungen zu machen, die mir meine Unzulänglichkeiten vor Augen führen. Dadurch verbessert sich leider nichts. Ich wollte auch freundlich mit mir sein. Dieses Jahr.

Ich hoffe dann auf Resilienz und bete, dass meine Kinder starke Kinder werden und bleiben. Die nicht unterdrückt wurden durch meine Grenzen, die ich gezogen habe und ziehe.

Dann treten mir plötzlich Eltern vor Augen mit Sprüchen, bei denen es mir kotzschlecht wird. Dinge, die sie über andere und eigene Kinder denken, sagen und aussprechen, die ich einfach gar nicht vertreten kann. Wie können Wahrnehmungen tatsächlich so unterschiedich sein? Sie passen einfach nicht zueinander. Und obwohl ich vorher selber so verwirrt über meine eigene Unfähigkeit war, tritt plötzlich hervor, was mich wurmt. Worum es mir geht. Was ich eigentlich für meine Kinder will und was ich für unsere Familie als wichtig erachte.

Ich will Beziehung – viel MEHR als Erziehung

Ich möchte mit meinen Kindern Beziehung leben und gestalten. Zu Beginn sitze ich natürlich am längeren Hebel. Ich versorge, pflege und setze die Grenzen. (Doch schon letzteren Punkt sieht jeder ein wenig anders.) Beziehung statt Erziehung.

Es geht nicht nur um Erziehung als Eltern, auch wenn ich das aus meiner eigenen Sozialisation so mitbekommen habe und merke, wie sehr ich mich ganz automatisch in diese Richtung orientiere. Meine Kinder und ich teilen dieses Leben; und zwar für eine gewisse Zeit. Dafür bin ich unendlich dankbar und möchte diese Momente genießen. Natürlich kommt es zu Situationen, in denen ich durch meine Erfahrung klarer habe, was gut für mein Kind ist, denn:

  • die Herdplatte ist heiß,
  • Straßenverkehr kann gefährlich werden
  • und bestimmte Menschen nutzen einen aus – das kann und darf ich sagen.

Es macht Sinn auf Mama und Papa zu hören. Meistens. Und dann kommt es nicht so sehr darauf an, was ich als Mama nun tun soll.

“Als Vater, als Mutter musst du vor allem wissen, wer du bist – viel mehr, als was du tun sollst.” Georg Walter

Wer bin ich also eigentlich?

Meine Antwort lautet:

Ich bin geliebt, stark und ich bin wichtig.

Und du?

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