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Mehrweg oder Einweg – Kann Coffee to go überhaupt nachhaltig sein?

Eine Frage der Nachhaltigkeit Coffee to go

Liebe Rachel, tatsächlich habe ich mir deine Frage nach dem Coffee to go auch schon gestellt. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Kaffee zum Mitnehmen. Das war zu Uni-Zeiten und es fühlte sich toll an! Irgendwie wie das Beste aus allen Welten: Wachwerden und dabei nicht stillsitzen müssen, sondern unterwegs sein und vorwärts kommen. Das passte einfach zu jemandem wie mir, der für alles immer (zu) spät dran ist. Wie sagt man so schön: Der Coffee to go traf bei mir den Nerv der Zeit. Dass jeder Becher bereits nach ein paar Minuten im Müll landet, war für mich damals leider kein Thema. Es war mir nicht bewusst. Ich glaube vielen Menschen geht es in diesem Punkt genauso.

Coffee to go spart Zeit und ist unheimlich bequem. Die Müllflut aus Wegwerf-Bechern wird dabei im Bewusstsein meist ausgeklammert.

Das klappt auch eine Weile ganz prima mit der Ignoranz, denn das Problem existiert eben erst, wenn man es deutlich vor sich sehen kann. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Moment als es in meiner Wahrnehmung kippte. Überall an der Uni lagen Plastikbecher herum und die Mülleimer waren bis zum Rand gefüllt damit. Kein schöner Anblick. Und für mich die Zeit zum Umdenken.

Doch die gute Nachricht ist, dass sich seit einiger Zeit etwas verändert. Nicht nur bei mir persönlich, sondern auch in der Gesellschaft. Schuld daran ist die Berichterstattung der (Massen)Medien, die die Problematik langsam aber sicher in die Köpfe der Menschen bringt. Die Becherflut ist zum Thema geworden. Gott sei Dank! Und mittlerweile gibt es auch verschiedene Lösungsansätze, die den Kaffeegenuss für unterwegs nachhaltiger machen sollen. Das Grundkonzept dahinter ist meist die Verwandlung eines Einweg- und Wegwerf-Gegenstandes in ein langlebiges Mehrwegprodukt. Aber funktioniert das überhaupt?

Wird Coffee to go durch wiederverwendbare Becher nachhaltiger und umweltschonender?

Ich denke es gibt, wie bei allem, mehr als nur schwarz und weiß und man sollte ein bisschen genauer hinsehen.

Der erste wichtige Aspekt ist die Nutzungsdauer.

Wiederverwendbare Becher sind toll, aber nachhaltiger und ökologischer werden sie erst durch eine möglichst lange Nutzungsdauer. Warum? Weil für ihre Herstellung natürlich ebenso wertvolle Ressourcen verbraucht werden, wie für die Produktion von Bechern zum Wegwerfen. Je länger man Mehrweg-Produkte benutzt, desto besser fällt am Ende die Gesamtbilanz aus.

Auch die Wahl des Bechers fällt ins Gewicht.

Für ein paar Euro bietet mittlerweile fast jedes Café und jeder Bäcker seine eigenen Coffee to go-Becher an. Es gibt sie aus verschiedene Materialien und in allen Formen und Farben zu kaufen. Du hast völlig recht, liebe Rachel. Wiederverwendbare Kaffee-Becher sind für viele schlicht ein Marketing-Instrument und eine zusätzliche Einnahmequelle geworden. Das ist per se erst mal nichts Schlechtes. Aber wir Verbraucher sollten verantwortlich mit diesem Angebot umgehen und auf ökologische und faire Produktion achten. Der Knackpunkt ist also, wo und wie mein hübscher Becher hergestellt wurde. Plötzlich klingt alles wieder ganz schön kompliziert, oder? Dabei muss es das gar nicht sein!

Die Lösung ist ein einfaches Einmachglas.

Ihr habt richtig gelesen. Ein leeres Marmeladenglas ist nämlich der perfekte Coffee to go-Becher (http://www.livelifegreen.de/essen-ausser-haus-zerowaste-plastikfrei/). Wiederverwendbar, spülmaschinengeeignet und durch seinen Schraubdeckel absolut dicht verschließbar. Zudem bleibt der Becher so innen und am Trinkrand hygienisch sauber. Ein Einmachglas muss auch nicht extra produziert werden. Es ist in jedem Haushalt bereits als Altglas vorhanden. Und wem so ein schlichtes Glas nicht individuell genug ist, der kann es super leicht aufhübschen. Benutzt doch den Schaft einer alten Socke als praktischen Überzug oder häkelt oder näht euch eine Hülle aus Stoffresten oder Filz.

Es gibt also immer eine Lösung. Und die muss nicht nur neu sein und Geld kosten. Im Gegenteil. Wegwerf-Geschirr, egal ob Kaffee-Becher oder Picknick-Teller, ersetzt man ganz grundsätzlich am Besten durch wiederverwendbares Geschirr, das bereits im Haushalt vorhanden ist. Alles nur eine Frage der Organisation und der Disziplin. Und abgespült wird einfach Zuhause. Im Idealfall energiesparend und mit ökologischem Spülmittel.

Dass mitgebrachte Kaffee-Becher ein großes Hygiene-Risiko sein sollen, kann ich nicht nachvollziehen.

Im Normalfall berührt der Becher die Kaffeemaschine doch gar nicht, oder? Und ist der Kontakt mit meinem mitgebrachten Becher etwa unhygienischer als der mit Bargeld? Sehr fraglich. Dazu kommt, dass Kaffee-Vollautomaten, wie sie in den meisten Bäckereien und in vielen Cafés stehen, sowieso oft alles andere als hygienisch sind. Und zwar unabhängig von der Art des Trinkgefäßes. Bei unsachgemäßer Reinigung hat ihr Innenleben aus dünnen Kunststoff-Schläuchen nämlich die unschöne Eigenschaft recht schnell zu verkeimen. Kurzum halte ich das Hygiene-Argument bei wiederverwendbaren Coffee to go-Bechern für ziemlich übertrieben. Wir werden (Gott sei Dank) nie in einem sterilen Umfeld leben und unser Immunsystem ist dafür im Normalfall gut gerüstet.

Eine Frage bleibt für mich am Ende dennoch stehen: Brauchen wir den Coffee to go überhaupt? Klar, auf den ersten Blick wirkt er praktisch und bequem. Aber mal ehrlich. Ist ein Kaffee to stay zu Hause, in einem gemütlichen Café oder beim Bäcker um die Ecke nicht viel entspannender? Was bitte ist eigentlich so gemütlich am schnellen Kaffee an der hektischen Bushaltestelle oder in der U-Bahn? Letztendlich folgen wir damit lediglich den Anforderungen unserer heutigen Gesellschaft. Alles muss effektiv sein und schnell gehen. Auch das Essen und Kaffeetrinken. Mit Genuss hat das tatsächlich rein gar nichts mehr zu tun. Schade, denn ursprünglich war Kaffee einmal ein teures Luxusprodukt. Ein Genussmittel und das völlig zu recht. Für die Erzeugung von nur einer Tasse Kaffee werden nämlich unglaubliche 140 Liter Wasser benötigt (Mehr Info zu virtuellem Wasser http://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/5507-rtkl-virtuelles-wasser-25-badewannen-taeglich) und dazu noch jede Menge Energie für Ernte, Transport, Veredlung und Verpackung. Hättet ihr das gedacht?

Vielleicht würde uns allen ein kleines bisschen mehr Wertschätzung und Achtsamkeit gar nicht so schlecht stehen? Genau wie eine gemütliche Kaffeepause. Im Sitzen! Was meint ihr?

***

So liebe Rachel, dann ist es jetzt wohl Zeit für meine Frage der Nachhaltigkeit an dich. Ich habe eine Weile überlegt und mich dieses Mal für etwas weniger Praktisches entschieden. Es geht um eine Frage, die mir im Alltag sehr oft begegnet und gestellt wird. Und im Moment sammle ich gute Antworten darauf. Meine Frage #4 ist also

Was spielt es denn für eine Rolle, wie du oder ich einkaufen und leben? Ist das nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Politiker wie Trump steigen aus dem Klimaschutz aus und weltweit haben wirtschaftliche Interessen häufig deutlich mehr Gewicht als die Gesundheit der Menschen oder der Umweltschutz. Können wir da mit ein bisschen plastikfrei und nachhaltig überhaupt etwas ändern? Was antwortest du, liebe Rachel, wenn du diese Frage gestellt bekommst?

Liebe Alex, ich danke dir für deine Antwort zu meiner Frage. Ich finde es total spannend und sehr interessant, was du zu diesem Coffee to go – Phänomen und damit zu einer sehr schrägen Form von Verpackungsmüll denkst. Zu Verpackungsmüll im allgemeinen habe ich hier auch mal was geschrieben. Das gilt noch immer. Weihnachten und Geburtstage fordern mich ebenso schräg heraus. Weiterhin.

In zwei Wochen erzähl ich dir dann auf deinem Blog, wie gut ich deine nächste Frage finde! Ich hoffe ihr anderen kommt mit rüber. Es lohnt sich, bei Alex mitzulesen! Aber hier ist nun Raum für eure Sicht zum Coffee to go. Kommentiert, erzählt und inspiriert uns gerne, wie ihr das handhabt. Nehmt Platz bei unserem digitalen Kaffeeplausch. Was denkt ihr dazu?

3 Kommentare

  1. Kerstin sagt

    Nur kurz zum hektischen to go vs entspanntes to stay: manchmal gibt die Situation das Verweilen leider nicht her und dann ist so ein Kaffee in der Bahn, wo man eh zum stillstehen verdonnert ist, sehr schön. Ansonsten kann man aber auch wunderbar auf einer Wiese oder einer Parkbank seinen Kaffee genießen. Vielleicht dann eher to Take away statt to go 😉
    Danke für die Gedanken zur Nachhaltigkeit und Tipps.

    • Liebe Kerstin,
      Du hast völlig recht! Es gibt Momente im Leben, die verlangen einfach nach einem Kaffee zum Mitnehmen .
      Hauptsache ist doch, dass man immer versucht es so nachhaltig wie möglich zu tun. Und wenn dich meine Ideen zum schnellen Kaffee ein bisschen inspirieren konnten, dann freue ich mich sehr!
      Na dann Prost… mit einem Coffee to go im Einmachglas .
      Liebe Grüße
      Alex

  2. Pingback: Echte Nachhaltigkeit. Gibt es die überhaupt? | MamaDenkt.de

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