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Echte Nachhaltigkeit. Gibt es die überhaupt?

Echte Nachhaltigkeit 01

Am meisten beschäftigt hat mich letztes Wochenende die Frage: Was ist echte Nachhaltigkeit?

Echte Nachhaltigkeit – gibt es die überhaupt?

Der Hintergrund meiner Frage ist folgender: Die Frage nach echter Nachhaltigkeit begegnet mir immer wieder. Sie wird oft gestellt, wenn es darum geht auszudrücken, wie schwer es doch manchmal fällt überhaupt das Nachhaltigere und Grünere zu tun.

Das eine Problem

Gehen wir mal davon aus, dass wir es schaffen aus unserer Bequemlichkeit herauszukommen, kann es in unserer heutigen Welt dazu kommen, dass wir uns zwischen “Pest” und “Cholera” entscheiden müssen. Ja, richtig.  Doch diesen Umstand als Argument dafür zu verwenden, sich der Frage nach echter Nachhaltigkeit gar nicht erst zu stellen, halte ich für fatal. Beispiel aus unserem Alltag: Mein Kind und ich befinden uns im Schreibwarenhandel. Ich suche nach einem zweiten Konverter für seinen Füller. Er weiß jedoch nichts davon.

“Wofür brauchst du den, Mama?”
– “Für dich.”
“Für mich?” (total begeistert)
Ich nicke.
“Cool! Der ist nämlich aus Glas, oder?”
– “Nein, leider nicht. Ich weiß nicht, ob das überhaupt ginge. Er ist aus Kunststoff,…”
Das Kind macht große Augen, denn irgendwie hat es schon verstanden, dass ich Plastik immer hinterfrage und versuche so gut es eben geht, zu vermeiden. Jetzt kauften wir etwas eigentlich Cooles, das aus Plastik sein sollte???
– “… aber du kannst ihn ganz, ganz oft wiederverwenden. Und wenn wir beide das tun, sparen wir jede Menge Müll, um den sich erstmal keiner weiter Gedanken machen muss.”

Es ist eine lapidare Alltagssituation, doch so funktioniert bei uns Nachhaltigkeit vorleben. Und trotzdem können wir uns manchmal nur zwischen blöd und blöd entscheiden. Auch Mehrwegbecher für meinen Coffee-to-go, die aus Plastik bestehen, finde ich erstmal bedenklich. Ich habe dieses Jahr zweimal doch auf einen Pappbecher zugegriffen. Keiner ist so wirklich frei, von Rückschlägen und Fehlschlägen und trotzdem will ich es jeden neuen Tag besser machen.

Das andere Problem

Denn wenn wir es schaffen unseren Plastik-Papier-Müll zum Kaffee trinken durch eine stabile, einige Male verwendbare Coffee-to-go-Alternative zu ersetzen, dann ist das ein Schritt. Ein kleiner, aber zumindest ein Schritt. Natürlich wäre es viel genialer, wenn wir uns unsere Schraubmarmeladengläser schnappten und damit den Kaffee kauften, wie Alex es hier mal ausgeführt hat. Aber soweit sind wir noch nicht. Wir wollen ganz oft nicht verzichten, aus Bequemlichkeit oder auch fehlendem Vorstellungsvermögen. Wieso sollte unser Verhalten auch irgendwie von Bedeutung sein für das große Ganze?

Und es gibt Bereiche im Leben, da schwanke ich, weiß es einfach nicht besser, bin zu bequem oder aber kann mich nur zwischen falsch und falsch entscheiden. Es sei denn ich verzichte komplett.

Echte Nachhaltigkeit geht so

Manchmal gibt es nämlich auch die ganz krassen Leute, vor allem so mancher (selbsternannter) “Wissenschaftler” und “Zahlenfreak”, die mit Zahlen um sich werfen können. Daraus ergibt sich schnell und folgerichtig: “Wenn es den Mensch nicht gäbe – das wäre echte Nachhaltigkeit.” oder “Nachhaltig leben, aber (zwei, drei, vier) Kinder in die Welt setzen…” Stimmt. Mein Fußabdruck ist damit fertig. Ich überspitze, ja, mir ist danach.

Nachhaltigkeit – ein grüner Trend

Nachhaltig ist seit einigen Jahren sowieso alles und jeder. Nachhaltige Unternehmen der Automobilindustrie, im Fashionbereich, in der Kosmetik und all den anderen Bereichen des täglichen Lebens. Hinzu eine Prise sensationellen Journalismus, denn der Insektenrückgang in Höhe von 70% ist real. Allerdings, und das wird meist unter den Tisch fallen gelassen, seit Jahren. Das hier ist einer der Texte, der in den letzten Wochen, Mitte Oktober immer wieder durch die Medien ging. Dieser Text ist anderthalb Jahre alt. Auch der damit einhergehende Rückganz von Vogelarten, ein Problem, zu dem ich vor drei, vier Jahren für mich persönlich recherchiert habe.

Versteht mich nicht falsch: Es ist gut, wenn solche Studien immer und immer wieder erhoben werden. Es ist gut, wenn sie zum Inhalt gesellschaftlicher Diskussion und Veränderung werden. Es ist schwierig, dass es nur zum Gespräch wird. Es ist schwierig, dass wir alle schockiert sind, unseren Lebensstil gar nicht oder nur in winzigen Schritten zu ändern versuchen.

Schlechtere Nachhaltigkeit?

Wenn ich also schon nicht sagen kann, ob es echte Nachhaltigkeit gibt und wie die auszusehen hat, gibt es vielleicht eine schlechtere Nachhaltigkeit? Oder weniger gute Nachhaltigkeit? Ich möchte an dieser Stelle gerne unterscheiden. Denn es gibt einen Unterschied zwischen mir als Privatperson und einem Unternehmen. Zumindest einige Punkte betreffend.

Zunächst sehe ich tatsächlich einen Unterschied zwischen einer Privatperson und einem Unternehmen. Als Privatperson kann ich nicht einen so bleibenden Eindruck hinterlassen, wie ein Unternehmen. Das liegt einfach an der Masse an Menschen, die ein Unternehmen in der Regel beeinflusst oder auch bedient. Dementsprechend, das ist meine persönliche Meinung, finde ich, dass ein Unternehmen je größer es ist, desto mehr Verantwortung hat es inne. Für die Menschen, die es anstellt, für die Rohstoffe, die es verwendet sowie die Produktionsfolgen, die es hinterlässt. Ein Unternehmen, das ein Produkt oder eine Dienstleistung anbietet, muss sich darüber Gedanken machen, was durch seine Produktion, durch sein Angebot passiert. Und das nicht nur im Hinblick auf den Kunden und das eigenen Wachstum, sondern auch auf seine Nachhaltigkeit.

Leider geschieht das viel zu selten nicht. Und wenn es dann geschieht, dann gibt es das sogenannte Greenwashing, bei dem ich innerlich aus der Haut fahre.

Greenwashing oder echte Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit

Zwischen diesen beiden Punkten im Hinblick auf ein Unternehmen zu unterscheiden, finde ich furchtbar schwierig. Denn ja, ein Unternehmen hat diese große Verantwortung. Und genau diese Verantwortung kann im selben Moment dazu führen, dass es weniger schnell vorankommt seine Corporate Responsibility auf echte Nachhaltigkeit umzustellen und dabei alle mitzunehmen. Große Unternehmen werden sich entscheiden müssen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, besser finde ich es, wenn ein Unternehmen schon auf dieser Basis gegründet wird. Mir fällt dazu immer wieder Sina Trinkwalder ein, von deren Firmen- und Arbeitsphilosophie ich durch und durch begeistert bin.

Ihr seht, es bedarf der Klärung, was Nachhaltigkeit bedeutet. Für den Einzelnen, für eine Firma, für uns als Gesellschaft. Womit soll der Begriff gefüllt werden? Denn benutzen will ihn jeder. Jedes Unternehmen wirbt mit Nachhaltigkeit. Was für eine Nachhaltigkeit wird denn da verkauft? Ja, verkauft, denn Unternehmen haben ein exponentiell erhöhtes Bedürfnis, etwas zu verkaufen. Auch stellt sich die Frage, welche Priorität kommt ihr denn zu? Im Vergleich zu anderen Vorgaben, Trends und gesellschaftlichen Notwendigkeiten? Was ist mit Gleichberechtigung? Was ist mit dem Kampf gegen Rassismus und Nationalismus? Was ist mit gesellschaftlicher Transformation, um es mal positiver auszudrücken? Weiterentwicklung zum Guten für möglichst viele Menschen, wer tut etwas über das Worte aussprechen hinaus?

Echte Nachhaltigkeit ist Verhaltensänderung

Nachdem ich versucht habe, euch Anteil haben zu lassen an den Gedanken, die mir im letzten Monat durch den Kopf gewandert sind – ich gebe zu, sie sind recht zynisch, hart und durchaus dogmatisch angehaucht – fühle ich mich etwas freier.

Jetzt kann ich wieder freier denken: “Es ist gut, was du machst, Rachel. Auch wenn nach vier Wochen immer noch zwei Säcke Verpackungsmüll übrig bleiben. Wir werden besser.” – Jeden Tag. Wir geben nicht auf und es lohnt sich.

Dazu möchte ich euch motivieren. Heute nicht durch konkrete, alltagstaugliche Tipps. Heute ging es mir mehr darum aufzuzeigen, wie schnell wir dazu neigen, mögliche Verhaltensänderungen lediglich durch Verschiebung zu absorbieren. So hat es eine Freundin die Tage ausgedrückt. (Ich muss erst noch fragen, ob ich sie nennen darf.) Sie meinte inhaltlich, dass es uns oft viel leichter fällt unser Verhalten zu verschieben als es abzuändern. Statt auf die Kekse im Regal zu verzichten, greifen wir lieber zu den grünen Keksen direkt daneben. Dass sich das Problem dadurch oftmals nicht löst und wir uns weiterhin vor ähnlichen Schwierigkeiten stehen bleiben, nur in grün, verdrängen wir in den meisten Fällen lieber. Denn ja, echte Nachhaltigkeit kann auch mal Verzicht bedeuten. Zumindest zu Anfang empfinden wir so.

Wie seht ihr das? Mit eurer Nachhaltigkeit, mit eurem Alltag? Was glaubst du, gibt es echte Nachhaltigkeit?

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