AlltagsAbenteuer, res publica
Kommentare 13

Vereinbarkeit – ein Solidaritätsprojekt?!?

Dieser Artikel ist entstanden, weil mich ein Blogleser gefragt hat, wie man uns denn im Hinblick auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf als unmittelbar Unbetroffener helfen kann? Eigentlich sollte es ein Kommentar werden, erschien mir dann aber doch besser als eigenständiger Artikel. Ich hoffe, dass ist ok für dich! Er ist persönlich, beinhaltet aber auch grundlegende Aspekte, was unser Auftreten in und als Gesellschaft betrifft. Here we go.

Glück

Ich musste die vergangenen 36h viel, sehr viel über deine zwei Punkte nachdenken. Was könnte jemand anderes für mich tun? Gestern Abend kam ich an den Punkt, dass ich feststellen musste: Ich bin nicht verantwortlich für das Glück eines anderen. Genauso wenig sind die anderen dafür verantwortlich, dass mir Glück zufällt. Ich muss da noch ein wenig drüber nachdenken. Aber das ist erstmal eine Grundfeststellung.

Nichtsdestotrotz fühle ich mich dafür verantwortlich in Solidarität mit anderen ungerechte, negative Umstände zu beeinflussen und zu verändern.

Was ich mir persönlich da manchmal wünschen würde: Dass unmittelbar Betroffene und Unbetroffene stärker zusammen stehen würden und solche Nachfragen, wie du sie stellst, eben auch äußern; ich wünschte mir, dass diese fehlende Verhältnismäßigkeit gesehen würde.

Vereinbarkeit im Alltag

Ich war gestern beim Steuerberater – um mal in aller Offenheit zu sprechen – und der hat mir geraten, dass ich Teilzeit arbeiten gehen sollte, damit sich meine Freiberuflichkeit für uns als Familie rentiert, wir alle krankenversichert sind und Rentenversicherung etcpp gezahlt würden. So 20h wären gut. Muss ich dazu noch was sagen?…

Ja, ich weiß, dass es sich nicht jede Familie leisten kann, dass einer voll zu Hause bleibt. Selbst wir als Familie, die versuchen mit dem Weniger mehr als zufrieden zu sein, haben finanziell immer mal wieder Druck. Wie soll das dann bei anderen Familien oder Alleinerziehenden aussehen? Mit Sicherheit noch drückender.

Ich fände es gut, wenn Menschen, die eben nicht betroffen sind, das mehr auf dem Schirm hätten und sich solidarischer sehen und verhalten würden. Ja, sie sind nicht für mein Glück verantwortlich, aber irgendwie kann ich mich von meiner Verantwortung für diese Gesellschaft nicht so ganz loslösen. (Das ist mit meiner Grundannahme von oben nämlich nicht gemeint.)
Wir sitzen in einem Boot. Nicht nur die Betroffenen und Unbetroffenen. Auch die Betroffenen und Betroffenen. Die im Kinderzimmer und die auf dem Bürostuhl oder am Krankenbett. Über Dinge wie das bedingungslose Grundeinkommen sollten wir viel mehr reden, uns austauschen, konkret werden und weitere Pilotprojekte starten.

Solidaritätsprojekt

Ich finde es großartig, dass du fragst, @maybee! Das reicht mir persönlich manchmal sogar – für den Moment – um zu sehen, ja, da sieht jmd unsere Situation. Selbst wenn es keine unmittelbare Veränderung nach sich zieht.

Diese Grabenkämpfe unter Müttern und Frauen finde ich ganz furchtbar und total irreführend. Sie fordern Energie und Kräfte, die, zumindest ich in meiner aktuellen Lebenssituation, wirklich nicht aufbringen kann. Ich muss mir viel mehr Gedanken darüber machen, wie ich diese 20h Teilzeitarbeit in meinen und unseren Alltag bekommen soll. Dieser Blog könnte hinfällig werden. Fürs erste, dann hätte ich mir in der Woche etwa 6-8 Stunden gespart. Die Freiberuflichkeit dann aber vorerst auch. Und woher ich die anderen 12-14h nehmen soll, sehen wir dann.

Vielleicht werden wir unser komplettes Familienmodell auf den Kopf stellen müssen. Denn was ich auf gar keinen Fall will, nur arbeiten, um Geld zu verdienen. Ich wünsche mir Herzensprojekte, weil ich an meinem Mann sehe, wie wichtig es ist, dass wir das tun, was unser Herz zum Klingen bringt. Viel zu lange haben wir bei ihm stillgehalten und jetzt überrollen uns Dinge, wie Panikattacken und Erschöpfungszustände. Das wird nicht besser, wenn wir nur einen Rollentausch machen. Der CoworkingPlace oder das GartenCafe oder auch das Leben Teilen im Dorf, meine Freude an stärkenorientiertem Begleiten junger Erwachsener und Jugendlicher oder auch ein OnlineMagazin mit kreativen BildungsprorgammIdeen, das sind eigentlich Dinge, die ich gerne umsetzen würde, von denen andere aber auch ganz viel hätten. Dachte ich bislang jedenfalls immer.

Wenn wir wirklich ein Startup gründen sollten, die ja gerade wie die Pilze aus dem Boden schießen, dann kannst du uns gerne unterstützen und du darfst dann regelmäßig in unserem Garten mit dem Wohnwagen und und und zelten inklusive Frühstück… Und die anderen Unterstützer auch. Oder wir senden euch selbstgebundene Notizhefte zu oder … 😉

13 Kommentare

  1. maybee sagt

    Danke für deine Zeit!

    In der Tat, wie du sagst – Ich fühle mich nicht verantwortlich für dein persönliches Glück. Aber ich !bin! verantwortlich für das was ich tue und (je nach Denkschule ;-)) für die daraus resultierenden Konsequenzen. Und beides kann sich durchaus dahingehend auf dich und dein Glück auswirken, dass es eben ermöglicht oder erschwert wird.
    Und eben um diese Verantwortung geht’s. (Die Frage nach dem Effekt, danach wie viel mein Tun erreichen kann, ist nicht zielführend. Selbst wenn es wenig ist, habe ich was erreicht.)

    Grabenkämpfe sind Perfekt. Da können Wissenschaftler viele Daten sammeln, wie „Teile und Herrsche“ in der Praxis funktioniert. Ich finde die sozialen Gruppen, die das am deutlichsten über sich ergehen lassen (müssen) in unserer Gesellschaft sind Sozialhilfeempfänger und Eltern. BGE würde beiden konzeptionell aus dieser Güllegrube helfen. Yet again Gemeinsamkeiten an unerwarteten Stellen.

    Grabenkämpfe sind aber auch ein Beispiel für das was ich meine mit dieser Verantwortlichkeit. Denn das erschwert. Dabei ist es doch (aus meiner Perspektive) gerade für Eltern einfach gemeinsame Leitgedanken zu finden. Und wenn das nur ist „Ich möchte, dass es meinem Kind gut geht“ dann sollte doch diese Gemeinsamkeit, sobald entdeckt, ihre vermittelnde Wirkung entfalten – auch wenn dieser Gedanke im Einzelfall zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen kann ;-).

    Ich glaube einfach nicht, dass wir als Gesellschaft diese Egoisten sein müssen, die wir sind. Und dann auch noch so bigott, dass sich viele selbst vormachen, das sei gar nicht egoistisch, was wir als Gesellschaft da tun.

    PS: Schreib ne Mail, wenn bei euch das Zelten los geht. Ich hab im September vielleicht noch das ein oder andere Wochenende ungenutzt im Kal. stehen 😀

    _DANKE für deine Zeit!_

    • 😀 Zelten im September – das wäre echt total cool!!! Aber, reichlich unrealistisch bei unserer aktuellen Lage. Dennoch. Sollte sich was machen lassen, meld ich mich!

  2. maybee sagt

    Ich wünsche mir Herzensprojekte, weil ich […] sehe, wie wichtig es ist, dass wir das tun, was unser Herz zum Klingen bringt. Viel zu lange haben wir […] stillgehalten und jetzt überrollen uns [die] Dinge.

    Musste ich lange drüber grübeln und bin noch nicht fertig. So far:

    Der Wunsch klingt in unserer Arbeitswelt/Gesellschaft so naiv, oder?
    Wenn ich – mit dem selben Gedanken – an die Sache, Job und Perspektive dort, rangehe, dann komme ich mir immer wie die Königin der Naiven vor 😀 Die Rückmeldung die man von den meisten Mitmenschen bekommt bestätigt dieses Gefühl. Garniert wird das mit irgendwelchen Kommentaren, die etwa so gehen „Bla Bla früher gab es noch Arbeitsmoral bla bla Generation Y bla bla damit kommst du auf keinen grünen Zweig bla bla Wachstum bla bla Wohlstand bla bla dein Beitrag bla bla.“
    Trotzdem bringt eine völlige Ignoranz dieses menschlichen Bedürfnisses langfristig nichts Gutes mit sich. Man merkt das richtig, wenn man sich mit Leuten unterhält die viel Kohle aber sonst für nichts Leidenschaft haben und jenen, die nicht unbedingt ein gutes Einkommen haben, aber die dafür a) super ruhig schlafen können und b) gerne in die Arbeit gehen – wegen der Arbeit, nicht wegen des Geldes.
    Ich weiß zum Glück nicht, wie sich ein Leben anfühlt, bei dem man das Gefühl hat während seiner Arbeitszeit nichts sinnvolles zu tun oder auch nur nicht dahinter zu stehen. Ich hoffe wirklich, dass sich das nicht ändert 😀 Mal sehen.

    Ich will es nämlich auch gar nicht wissen, weil ich glaube, dass ein guter Teil von dem Scheißehaufen vor uns genau auf solches Verhalten zurückgeführt werden kann: „Klar ist das sinnlos/steh ich da nicht dahinter, aber es gibt Geld.“

    Hm.

    Schon wieder eine Stelle an der ein BGE Abhilfepotential bietet btw.

    • Das mag sich sehr naiv für unsre Arbeitswelt anhören. Aber ich habe gerade vor Augen, was passiert wenn wir es nicht ernstnehmen. Ein Herzensprojekt oder -job, muss ja gar nicht immer nur sonnenschein und rosapink sein. Da gibts auch Tiefschläge und Versagen. Aber ich arbeite mit dem, was meine Stärken sind, worin meine Leidenschaft liegt. Zumindest verbinde ich das mit dem zum Klingen bringen. Reichlich romantisch ausgedrückt – ich weiß.

      • maybee sagt

        Ich glaube auch im Vorfeld ist das ziemlich hart für die meisten, weil du halt so völlig aus der Norm ausbrechen musst und dir dieses „du bist so naiv“ geben musst 😀 Ich kenne auch beruflich viele Fälle, bei denen das heftige und plötzliche Enden nimmt. Die Fäll bei denen es funktioniert sind meist die Gattung von Persönlichkeit, ‚auch hier kommt kein Rant hin :D‘.

  3. maybee sagt

    Ich fände es gut, wenn Menschen, die eben nicht betroffen sind, das mehr auf dem Schirm hätten und sich solidarischer sehen und verhalten würden.

    Solidarität ist so ein grundlegendes Defizit unserer Gesellschaft. Und meiner Beobachtung nach wird es eher schlimmer als besser. Wobei ich einfach zu jung bin, um das abschließend zu beurteilen. Reden wir in 40 Jahren noch Mal.

    Gehen wir es praktisch an.

    Zwei Ansätze erscheinen offensichtlich – Grundfrage sei zunächst, wo brauchen wir dafür (s.o. Blogpost) Solidarität – 1) die Mitmenschen, unabhängig von der jeweiligen Beziehung und 2) die Politik TM.

    In der Politik sind bspw. BGE Bestrebungen durchaus vorhanden. Ich erinnere an das Schweizer Referendum kürzlich. Da waren (korrigiert mich bitte) c.a.20% pro BGE. Und die Details dazu (korrigiert mich bitte) lesen sich zwar nicht super, aber immerhin das ist ein Anfang. Das sollten nur was um die 2000 Franken sein, was in der Schweiz echt nicht viel Geld ist – die meisten haben damit noch viel Monat übrig ;-). Aber ein Anfang ist da.

    Weiter geht’s aber nicht ohne Gesellschaft aka Mitmenschen.
    Ich rante nicht rum – habe ich mir fest vorgenommen 😉
    Es erscheint mir hier sinnvoll sich auf Leute zu konzentrieren, die schon in dieselbe Richtung ziehen, um dann ein entsprechendes Auftreten zu haben. Ein, zwei Hanseln alleine oder in jedem Dorf ein, zwei Kleingruppen, die nichts voneinander wissen, ist einfach zu wenig. Ein großes gemeinsames Vorgehen. Wir müssen nicht nur gemeinsam in eine Richtung, sondern auch an der selben Sache ziehen 😀
    Davon ausgehend ist es leichter Überzeugungsarbeit zu leisten.
    Das ist immer noch recht grob. Aber ich denke weiter. Ist auch eher langfristig, bestenfalls mittelfristig.

    Kurzfristig ist mir was völlig naives eingefallen (Meinung dazu bitte): Wie wäre es mit finanziellen (nicht staatlichen) Interessengemeinschaften? Wir haben folgenden Fall:

    Familie 1 (F1) und Familie 2 (F2) und Familie 3 (F3) und Single 1-6 (S1-6) sind was Einkommen und laufende Kosten angeht zu einem Zeitpunkt X völlig unterschiedlich aufgestellt.
    Wenn F1 sechs Kinder hat und F2 keine, dann hat F2 selbst bei geringerem Einkommen, weniger hohe Fixkosten. Wenn die Kinder bei F1 später aus dem Haus sind, haben die wiederrum deutlich geringere Fixkosten, allerdings auch weniger Geld auf der hohen Kante. Wenn F3 nun gerade überlegt Kinder zu bekommen und S1 eine Familie zu Gründen mit S2, wer bietet sich dann besser an um hier über finanzielle engpässe zu helfen als S3-6 und F2? Die haben potentiell mehr Geld als sie brauchen. Was spricht dagegen, das Geld denjenigen zur Verfügung zu stellen, die gerade unmittelbar Bedarf dafür haben.
    Wenn S3 unerwartet schwanger wird, kann F2 nicht nur finanziell, sondern auch personell helfen 😀
    Wenn F3 noch keine Kinder plant, weil es gerade nicht passt, spricht auch viel dafür sich an solchen Unterstützungen zu beteiligen.
    Egal wo man da gerade selbst ist, man kennt meist wen, der gerade an ganz anderer Stelle unterwegs ist. Das könnte klappen. Im Prinzip könnte man das auch wie eine Kinderrente denken 😀 Man zahlt ein, wenn man keine hat und bekommt. wenn sie da sind, solange sie da sind. Wir haben mit dem Kindergeld ja durchaus etwas ähnliches. Allerdings ist das halt hinten und vorne eher dünn imho.
    Oder eine Patenschaft angeboten von (noch) Kinderlosen für Leute mit Kind.

    Das wäre theoretisch denkbar. Früher nannte man das was ich da oben beschreibe Familie, heute gibt’s das kaum noch, weil ‚hier steht kein rant ;-)‘.

    Technisch machbar. Juristisch machbar. Persönlich? Weiß nicht, glaube schon. Man muss halt von diesem „mein Geld“ weg, hin zu einem „unsere Gesellschaft“. Sich solidarisieren eben. Und Risiko von Zahlungsausfall … hm vielleicht sollten wir ne Bank gründen 😀

    Zielsetzung von dem Gedanken ist so eine Art zweckgebundenes befristetes BGE 😀 Ich weiß, dass ist nicht worum es beim BGE geht. Aber, es dürfte sich _relativ_ einfach realisieren lassen, wenn sich genug Leute dafür finden. Ich bezweifle das, bis ich das Gegenteil sehe mal vorsichtshalber 😀

    • Die Idee finde ich echt richtig gut. Eine Bank zu gründen, wäre nix für mich. Aber ich weiß, dass wenn ich wieder Zeit habe, Geld zu verdienen, dann werden Menschen, die es dann brauchen davon profitieren. Vielleicht werden das in dem Moment meine Eltern sein, um sie vor Altersarmut zu schützen. Vielleicht aber auch meine Geschwister, wenn sie denn vorhaben Familien zu gründen.
      Vielleicht aber auch meine eigenen Kinder, wenn sie in der Ausbildung sind oder studieren oder was weiß ich tun.Ein zweckgebundenes befristetes BGE – es wäre zumindest eine Art Kompromiss, wenn es schon nicht zu dem anderen kommen sollte.

      Ich suche mir jetzt aber wohl einen Teilzeitjob, der zu uns passt und bin gespannt, ob es das gibt. Denn Abstriche hinsichtlich meiner Erziehungs- und Pflegebeschäftigung der Kurzen werde ich nicht machen bzw. bewusst mit einkalkulieren.

      Es gibt ja Kommunen, die sowas umsetzen, wie du es beschreibst. Sie leben an einem Ort, zb. einer alten Schule. Einige befinden sich in geregelten Beschäftigungsverhältnissen, verdienen ganz normal viel Geld, lassen dieses Einkommen aber komplett in den großen Topf fließen, aus dem alle gemeinsam leben. Und natürlich gibt es dann auch die, die auf die Kids aller anderen Zuhause aufpassen, Essen für alle zubereiten und und und. Aber zu sowas braucht es einfach mehr als ein oder zwei gleichgesinnte Familien bzw. Pärchen bzw. Singles…

      • maybee sagt

        Eben da geht es mir drum. Dieses Problem anzugehen, mit dem was wir haben 😀 Ich glaube wir können auch vor der Kommune so eine Art zwischending, wie oben beschrieben, haben. Denkbar ist es. Machbar? Hm. Da fehlt’s noch an Konkretisierung – positiv: Das können wir noch besser denken.

        Ich drück dir jedenfalls Jobmäßig von Herzen die Daumen!

  4. Sarah sagt

    Hallo rage,

    ich denke, dass Vereinbarkeit Familie-Arbeit auf jeden Fall viel mit Solidarität zu tun hat. Und mit gesellschaftlicher Verantwortung. Nicht nur aus moralischen Gründen aus sondern auch rein wirtschaftlich betrachtet. Wenn jemand, noch immer meist Frauen lange nicht in die Rentenkasse einzahlt, weil er/sie die Kinder/Angehörigen betreut, dann kann das später zu einer immensen wirtschaftlichen Belastung für die zukünftigen Rentenzahler werden.
    Das BGE ist meiner Meinung nach nicht die Lösung (Finanzierbarkeit schwierig/Arbeiten ist wichtiger sozialbindender Faktor/ macht auch Spaß) , meines Erachtens müssen Unternehmen sich noch viel stärker den Bedürfnissen von Familien anpassen als bisher. Die Bereitschaft vieler Arbeitgeber zu alternativen Arbeitsmodellen, wie Teilzeit, Home-Office, Gleitzeit usw. ist meiner (subjektiven) Erfahrung nach wie vor sehr beschränkt und häufig mit inhaltlichen Kompromissen auf Seiten des Arbeitnehmers verbunden. Mütter/Väter die nach der Elternzeit in Teilzeit zurückkehren wollen, haben es nicht immer leicht: unter 30 Stunden ist sowieso doof, die alte, verantwortungsvolle Tätigkeit ist angeblich nur in 40+ Stunden zu erledigen, also lieber erstmal downgraden , Überstunden sollten trotzdem gerne mal sein, denn schließlich fehlt man ja auch, wenn das Kind krank ist. Und abends wenn es schläft, kann man ja wenigstens noch kurz mal die Mails beantworten. Unentgeltlich, klar.
    Das sind in meinen Augen die Probleme: die Arbeitswelt herrscht häufig noch nach Strukturen aus den 60 Jahren, als auch die Familien noch ganz anders waren: Mama zuhause, Papa sorgt für Kohle.
    Heute will das keiner mehr so, aber dennoch leben viele in der Praxis genau diese klassische Rollenverteilung. Weil man es sich leisten kann, auf die o.g. Kompromisse, die derzeit leider noch leider vielfach sein müssen, keine Lust zu haben. Denn für Alleinerziehende oder schlechter Verdienende stellen sich solche Fragen definitiv erst hinter existentiellen. Insofern ist es meiner Meinung nach wichtig, dass alle möglichst laut, breit und geschlossen nach mehr Pluralität und Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt rufen. Auch die, die jetzt das Glück haben eine gut bezahlten, sichere 20-Stunden-Stelle mit Betriebskindergarten zu haben. Oder die, die dank Großeltern/Kindergarten uneingeschränkt voll arbeiten können. Aber die brauchen vielleicht in 20 Jahren eine ganz andere Flexibilität, weil sie dann ihre Eltern oder Partner pflegen müssen.
    Doch das Thema ist komplex, sehr individuell und dass die, die ihren Alltag samt Kindern, Job und Haushalt so irgendwie gemanagt kriegen, am Abend dann keinen Bock mehr haben, sich über die Job-Familien-Situation ihrer Nachbarin Gedanken zu machen, die ihre Kinder aus Überzeugung aber eben nicht mehr als 5Stunden/Tag in die Kita geben will und deshalb keinen passende Stelle findet, ja, das kann ich irgendwie auch verstehen.
    Wie du merkst, bin ich da eher resignativ, statt konstruktiv. Ich habe schlichtweg keine Idee, wie man was konkret ändern könnte. Und hoffe, dass sich einfach durch solche Artikel/Posts (und natürlich auch der demographischen Entwicklung ;)) der Zeitgeist langsam wendet und so mehr Möglichkeiten entstehen.
    Trotzdem denke ich jedoch auch, dass jede Entscheidung für etwas eben auch eine Entscheidung gegen etwas anderes bedeutet . Ich kann nicht gleichzeitig bei meinen Kindern sein/ den Haushalt machen und einen Job erfüllen. Ich muss aufteilen. Dass wir Prioritäten setzen müssen und Kompromisse machen, das ist mal klar. Und dein Anspruch , für die Kinder, die Familie da zu sein, den Haushalt zu managen, trotzdem irgendwie das gute Leben zu leben und gleichzeitig eine „Herz klingende“-Teilzeitstelle zu finden, die auch finanziell was einbringt, das finde ich keineswegs naiv, allerdings sehr hoch angesetzt! Ich vermute, das wird nicht ganz leicht, dazu gehört neben Anstrengung und den passenden Qualifikationen auch eine gute Portion Glück. Die wünsche ich dir auf jeden Fall mal!

  5. stefanie sagt

    Guten Abend,
    interessante und durchdachte Ansätze habt ihr alle, ich lese gerne solche quergedachten Ideen.
    Mich würde interessieren: Wie soll ein BGE finanziert werden? Ich kann mir null vorstellen, dass das irgendwie klappt.
    Zum BGE: Ich glaube, dass das die Probleme nur nach oben verschiebt. Es gäbe dann immer noch Menschen, die gut verdienen, einfach, weil sie Glück haben oder fleißig sind oder gerne viel arbeiten. Die hätten dann das BGE noch dazu und der Abstand zu denen die aus welchen Gründen auch immer weniger verdienen oder arbeiten bleibt bestehen und die daraus resultierenden Probleme auch.

    Ja, und ich glaube auch, dass die Berufswelt und die Einstellung ggüber Familien sich prinzipiell ändern müssen. Dann müssten wir Frauen nicht mehr an so vielen Fronten kämpfen und kämen auch mal zur Ruhe.

    Mir reicht gerade die Familienfront… aber da ist ein anderes Thema…

    Lasst es euch gutgehen,

    LG

    Stefanie

  6. Pingback: Ich wünsche mir ... Vereinbarkeit - Ich lebe! Jetzt!

  7. Pingback: Home-Office als Mama. Das Vereinbarkeitsding. | MamaDenkt.de

  8. Pingback: Faktoren für die Bewertung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf -

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.