AlltagsAbenteuer
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Als Familie Eis essen gehen ist wie “Atmen!”

Familie Eis essen

Es kommt nicht allzu oft vor, aber manchmal landen wir ganz spontan in der Eisdiele. Heute waren wir erst in der Schule, dann auf der Arbeit, obwohl ich heute keinen Dienst hatte und in der Bücherei. Denn: Der Lesesommer ist Anfang der Woche wieder gestartet. Aber zurück zum: Als Familie Eis essen gehen. Warum kommt das eigentlich nur so selten vor? Ich sollte dem sofort Abhilfe verschaffen. Denn irgendwie, irgendwie sollten wir die Dingen, die uns gut tun, unbedingt mehr und viel häufiger tun. In die Eisdiele zu gehen, gehört definitiv dazu.

Als Familie Eis essen gehen

Das bedeutet auch: Atemübungen in der Eisdiele machen. Es bedeutet, nicht zu wissen was passiert, denn alles ist möglich, wie zum Beispiel einer meiner damaligen Artikel sehr gut zeigt. Da waren wir auch in der Eisdiele, aber lest doch einfach selbst von dieser positiven Erfahrung als Familie mit drei Kindern in der Eisdiele aufzuschlagen.

Diesmal ging es eher in die andere Richtung. Denn es kann auch bedeuten, von anderen Menschen, mißbilligend beobachtet zu werden. Es kann bedeuten, dass andere nicht nur schauen, sondern süffisant lächeln und sich an dem Umstand erfreuen, selber nicht, nicht mehr, niemals ein kreischend Kleinkind vom Boden aufzuheben, das sich in Rage geschrieen hat, so dass alle, wirklich alle anderen Gäste das Spektakel beschauen.

Was zuerst geschah

Ich hatte mich spontan dazu entschieden die Jungs zu überraschen. Nachdem K3 und ich auf meiner Arbeit waren, danach in der Bücherei für den Lesesommer die ganze Familie eingedeckt und in der Schule K1 abgegeben hatten, kam ich spontan auf die Idee, in der Bäckerei Teilchen zu besorgen. K3 fand das langweilig. “Mama, Eisdiele essen. Eis essen.” – Denk, denk, denk – ok! Als Familie Eis essen – ein herrliches Unterfangen.

Zuerst trafen wir eine Bekannte, die uns zu sich und ihren Kindern einlud. Da saßen wir auch erst, aber mitten in der Sonne. Das geht so gar nicht. Ich werde dann total hibbelig und krebsrot. Also, freundlich entschuldigt, wobei ie das glaub ich doch irgendwie doof fand und ab in den Schatten.

Einen Tod muss jeder sterben

Ein total skurriles und NICHT schönes Sprichwort, was letztendlich bedeuten soll: “Irgendwas gibt es immer.” Nun ja, und dem war auch so. Nun saßen wir eingekeilt zwischen zwei Tischen, auf deren Besetzung ich gut hätte verzichten könnten.

Tisch 1: Mutter – Tochter – Ding

Vorweg: Ich finde es saucool und total erstrebenswert, wenn Mutter und Tochter ein inniges und  gutes Verhältnis zueinander haben. Dasselbe wünsche ich mir zu jedem meiner Kinder: eine gesunde und nahe Beziehung.

Diese zwei schienen etwas ähnliches zu haben. Eine Beziehung. Ob gesund, weiß ich nicht. Zumindest irgendwie nah. Zumindest schienen die beiden Frauen nach außen diesen Anschein mit allen Mitteln und Wegen erwecken zu wollen. Die Mutter stark geschminkt, gekleidet in sehr, sehr vornehmer Kleidung, Sandalen mit Riemchen, knallroter Lippenstift, aufgedonnerte Haare, Schmuck und glänzende Uhr am Handgelenk, dicke Sonnenbrille und übereinander geschlagene Beine. Dasselbe für die Tochter, höchstens 18, eher gerade 16 Jahre jung. Das Gesicht von einer dieser TrendZeitschriften oder GNTM. Nur keine Sandalen, sondern irgendwelche sportliche Sneaker und eine ausgefranste Hose. Auf dem Tisch lagen zwei Smartphones in Glitzeretuis und zwei Schachteln Zigaretten. Für jede eine eigene. Zwar saßen sie nebeneinander, allerdings voneinander abgewandt und waren intensiv damit beschäftigt die Schüler*innen, Eltern und anderen Gäste zu beobachten und zwischendurch Bemerkungen auszutauschen.

Tisch 2: Zwei Familien mit vielen Kindern

Hinter uns saßen zwei Mütter, die sich mit ihren Kindern in der Eisdiele zum Mittagessen raten, ähnlich wie wir. Nur dass ich mehr als die Hälfte an Kindern und eben einzige Erwachsene Person an unserem Tisch war. Die fünf Kinder der anderen waren sehr unruhig und die ganze miteinander beschäftigt. Körperlich, verbal oder aber mit Mimik und Gestik. Da war ein ganzes Rudel Schulkinder vor der Heimfahrt abgefangen und auf die Korbstühle der Eisdiele verfrachtet worden – ohne … auf irgendeine Weise Gelegenheit gehabt zu haben, sich zu entladen.

Familien sind so anders

Entsprechend laut war es auch und die Stimme der einen Mutter war schnell gereizt und aggressiv. Es war ihr unendlich peinlich, dass ihre Kinder so viel Aufmerksamkeit auf sich zogen. Schließlich saß da ja noch eine Mutter mit drei Kindern – husthust – die könnte man doch auch mal in Augenschein nehmen.

Ich will nicht sagen, dass meine Kinder die ganze Zeit artig waren. Das sind sie nicht und sollen sie auch bloß nicht sein. Insbesondere K3, das überhaupt gar kein Verständnis dafür hat, am Tisch sitzen zu bleiben. Das sich seine Schuhe von den Füßen reißt, barfuß auf dem Pflaster steht und furchtbar zu quengeln anfängt, weil es die Schuhe nicht mehr an den Füßen hat. Doch wenn ich ihm helfe, wird das Quengeln noch ein bisschen lauter, weil die Schuhe an den Füßen will es doch irgendwie eigentlich doch nicht haben. Oder K2, das nach geschlecktem Eis, demonstrativ und volle Pulle einen Rülpser absetzt.

Es ist nicht so, dass wir nicht auch zwischendurch die Aufmerksamkeit auf uns gezogen haben. Insbesondere nach dem Rülpser habe ich K2 deutlich darauf hingewiesen, dass ich mit ihm in nächster Zeit nicht noch einmal in ein Restaurant fahren werde. (Wir haben das Rülpsthema schon was länger und ja, ich mag das nicht. Und jetzt kommt mir bitte keiner mit Martin Luther. Danke.) Das haben die uns umgebenden Gäste an den Tischen alle gehört. Es war klar, eindeutig und nicht rosarot. Doch wir wirkten als Familie ausgeglichener. Was war das?

“Einatmen und ausatmen.”

Als Familie Eis essen ist wie “Einatmen und Ausatmen.” Nichtsdestotrotz war irgendwas im Umgang mit meinen Kindern anders. Natürlich, wir kamen aus ganz unterschiedlichen Alltagssituationen. Vor allem der Umgang untereinander war ein anderer. Ich habe die ganze Zeit dort gesessen und mich gefragt, warum herrscht an unserem Tisch so eine andere Atmosphäre als an dem Tisch hinter uns? Als Familie Eis essen ist doch nicht so unterschiedlich. Bin ich ruhiger? Wäre das mein Rat, den ich dieser überfordert wirkenden Mutter weitergeben wollen würde? Nein, irgendwie war es das nicht. Ruhig bleiben. Das reicht nicht aus.

Überheblichkeit deluxe

Und dann erhielt ich meine Antwort. Jetzt kommt Tisch 1 wieder ins Spiel. Passt auf: Ich hatte mich zuvor, vor dem Debakel hinter uns, schon ein wenig über die Mutter des GNTM-Mädchens geärgert. Sie hatte ihr Smartphone so konfrontativ auf uns gerichtet, dass ich am liebsten aufgestanden wäre, um sie zu bitten, dass sie hier Handy ein bisschen herunternimmt. Allerdings schätze ich diese Frau so ein, dass das ein Riesengezeter gegeben hätte. Das war mir dann tatsächlich auch zu blöd. Da hätte ich dann eher den Platz gewechselt oder selber das die Eisdiele verlassen. Sie hob es dann auch runter. In der Zeit hätte sie ein Video von uns drehen können oder aber irgendwelche Textnachrichten tickern. (Hier kommt nun meine BlogRetourkutsche…)

Jedenfalls: Es gab noch einen dritten Tisch, mit einer Frau Anfang 50, die mit ihrer Mutter dort gesessen hatte. Die Mutter war scheinbar zur Toilette und das Geschrei hinter uns wieder laut. “Die Leute gucken schon. Jetzt hör aber auf! Setz dich!” Die Frau Anfang 50 beugte sich zu der aufgemotzten Handymutter herüber und die zwei begannen sich darüber auszulassen, wie gut es ist, wenn man nur ein Kind hat. Wie froh man sein kann. Blablabla… Zwischendurch jedes Mal süffisantes, schadenfrohes Belächeln und Gekicher.

Ich hätte ausrasten können. Dachte ich. Ich war echt sauer, enttäuscht und unglaublich genervt von diesen beiden Menschen, die sich auf Kosten anderer belustigten. Das ist einfach nicht ok. Das ist in meinen Augen alles andere als sozial. Am liebsten hätte ich mich an diesen anderen Tisch gesetzt, mit den vielen Kindern.

Das haben wir dann aber auch sein lassen, weil es bestimmt nicht gut angekommen wäre. Ich hätte mir vermutlich ebenso einen gehörigen Anschiss eingefangen. Nein, nein. Ich wollte doch meine Jungs überraschen, als Familie Eis essen und das war mir bis zu dem Zeitpunkt ja auch gut gelungen.

Ist mir egal

Das ist mein Denkergebnis von diesem vorletzten Eisdielenbesuch. (Richtig, wir waren inzwischen nochmal. Hahaha!) Was andere Dingen ist mir inzwischen wirklich mehr und mehr egal. Ich schaffe es leider nicht immer so zu denken. Aber es wird immer besser und ich gebe mir Mühe, mich daran zu erinnern:

  • Mein Leben.
  • Meine Kinder.
  • Es ist meine Beziehung zu ihnen und meine “Erziehung”.
  • Wir müssen klarkommen. Natürlich werde ich versuchen, gesellschaftliche Gegebenheiten an meine Kinder weiterzugeben. Dazu gehört auch, dass in einem Restaurant nicht nach Herzenslust gerülpst wird.
  • Doch ich entscheide über das Wie. Und bestimmt nicht eine Person, die durch ihr Auftreten Arroganz, Überheblichkeit und Distanz vermittelt. Nur weil diese Frau einer anderen das Gefühl gibt, sie sei unfähig oder nicht dazu in der Lage ihre Kinder bei der Stange zu halten.

Wir haben zum Beispiel gar keine Stange und ich werd mir auch keine zulegen, indem ich mich oder meine Kinder vom Verhalten anderer demütigen lasse.

Klar. Manchmal breche ich dabei ein. Aber an diesem Nachmittag habe ich gemerkt, wie weit ich inzwischen innerlich gewachsen bin. Ist mir egal – ganz nach meinen Jungs aus der Flüchtlingsarbeit. Die haben das manchmal auch. (Vielleicht hab ich mir das da ja auch abgeguckt. Wer weiß das schon.) Ist mir egal. Als Familie Eis essen gehen, darf total entspannt sein. Und ja, dabei werden meine Kids auch mal laut und fallen auf. Is so. Ist mir egal. Ich liebe es.

MamaDenkt hat dir eine Nachricht gesendet

Liebe belustigte HandyLachLady, du lachst und bist froh nur ein Kind zu haben? Ich liebe das Gewimmel mit meinen Kindern und das Dreifache an Liebe, das ich von ihnen geschenkt bekomme. Ja, wir fallen dadurch auf. In der Regel mit ganz viel Herzenswärme und Liebe. Und du?

Meine Lieben, wie geht ihr mit diesen Momenten um, in denen andere über euch urteilen? Euch durch ihr Verhalten versuchen zu demütigen. Oder vielleicht auch die anderen, die neben euch stehen. Als Familie Eis essen gehen – habt ihr auch Geschichten beizutragen? Schreitet ihr ein? Lasst ihr gewähren? Wie geht es euch damit? Wie seht ihr das? Atmet ihr? Bleibt ruhig? Schaltet ihr ab? Brodelt ihr? Geht ihr auf Konfrontationskurs? Oder bekommt ihr das gar nicht mit?

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