Minimalismus
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Ausmisten von außen nach innen

Ausmisten von innen nach außen01

Die vergangenen Tage musste ich viel übers Ausmisten und Entrümpeln nachdenken. Im Auto, auf dem Sofa, beim Kochen, beim Anziehen der Jungs oder beim Memory spielen. Und auch beim Zwiebeln schälen. Dabei ging es immer und immer wieder um die Tatsache, dass ich zwar aktuell auch in meinen vier Wänden nochmal ordentlich ausmisten könnte, sofern ich wollte. (Wie das geht, habe ich Anfang des Jahres in einem speziellen Leitfaden hier näher erläutert.) Vielmehr noch bin ich gerade jedoch damit beschäftigt Innen auszumisten. Mit dem Ausmisten meiner Seele.

Ausmisten ist wie Zwiebeln schälen

So kommt es mir jedenfalls häufig vor, als schälte ich Zwiebeln. Zwiebeln sind gesund, sie verfeinern die Mahlzeiten, das was uns nährt und davon mal ganz abgesehen, ich halte sie gerne in der Hand aufgrund ihrer Handschmeichler-Form.

Passt auf, folgendes ging mir heute durch den Kopf.

Der Anfang

Ich nehme eine Zwiebel, um meinem Leibgericht die besondere Note zu geben. Na ja, und weil ich weiß, dass sie gesund ist. Das ist doch nichts anderes, als wenn ich erkenne, ich will ausmisten – egal, ob innen oder außen – weil es gut tut, gesund ist und gut schmeckt.

Innere Blockade

Weil ich weiß, was passieren wird, muss ich mich sehr motivieren. Es wird wieder Tränen geben, die Augen werden brennen, der Geruch nicht von den Fingern gehen. Es wird schwierig werden und ich werde mich nicht entscheiden können, ob ich das nun wirklich durchziehen soll und mich von meiner Büchersammlung trennen will. Die stehen so gut im Regal. Am Ende sind die Hände wieder ganz stumpf vom vielen Staub und es ist anstrengend sich zu entscheiden, ob ein Buch weg, verschenkt, verkauft oder bleiben soll.

Es wird leichter

Das ist tatsächlich meine Erfahrung. Hat das Weinen erstmal begonnen, dann können mir die nächsten drei, vier Zwiebeln überhaupt gar nichts anhaben. So ähnlich geht und ging es mir auch immer beim Ausmisten und Entrümpeln. Einmal dabei, kann mich os schnell keiner stoppen und ich habe bislang an keiner Stelle bereut, etwas weitergegeben zu haben. Ganz und gar nicht.

Innen ausmisten scheint schwieriger zu sein

Meine Seele zu entrümpeln fällt mir leider nicht so leicht, wie meinen Besitzstand zu reduzieren. Ich weiß nicht so recht, woran das liegt und bin noch dabei die richtigen Worte zu finden, Gedanken zu sortieren und letztendlich Antworten zu finden.

Vielleicht liegt es daran, dass sich Erfahrungen weder ausradieren, noch beschönigen lassen. Zumindest nicht das, was diese Erfahrungen letztendlich schon bewirkt haben. Da sind Zeichen der erlebten Dinge auch in der Seele. Und wie gehe ich mit etwas um, das ich nicht sehen kann? Etwas, dass immer da ist und mich total ausmacht, das ich aber weder sehen noch anfassen kann. Das ich sogar total verlernen kann zu fühlen oder wahrzunehmen.

Aber auch hier kommt wieder meine Zwiebelmetapher. Je mehr ich von außen an Reizen und Überflüssigem zur Seite schiebe, kann ich entdecken, was in der Zwiebel verborgen liegt. Vielleicht ja schon ein kleiner hellgrüner Keim, der etwas Neues entstehen lassen mag.

Entschuldigt, wenn ihr mit diesen Gedanken nicht allzu viel anfangen könnt. Aber ich musst das mal aufschreiben, weil es mir im Kopf im Weg ist. Ich bin gerade sehr dabei zu sortieren. Ich will wissen, was für Ideen, da in mir sind und ich will diese Ideen nicht nur träumen, sondern auch umsetzen. Dafür liegt vor mir aber ein Haufen unbearbeiteter … Dinge. Die ich teilweise noch nicht einmal beim Namen nennen kann.

Ein Haufen Schrott

Schuldzuweisungen oder auch Abweisungen, Auseinandersetzungen, die ich sehr persönlich genommen habe, die sich aus meiner Arbeit, innerhalb der Familie oder im Straßenverkehr ergeben haben. Ihr seht, da ist jede Menge banales Zeug dabei, das mal eben abgelegt und später bedacht werden sollte. Ähnlich wie im Arbeitszimmer. Viele dieser Dinge sind aber auch existenzieller Natur und sind nicht mal eben abzuhaken. Wenn ich zum Beispiel daran denke, wie mein Mann seine erste handfeste Panikattacke hatte, dann wird mir noch heute sehr flau, meine Hände fühlen sich hohl und kribbelig an. Ich fühle mich absolut hilflos und schaffe es nicht, mich diesem Gefühl länger auszusetzen, als nötig.

Diese Sachen will ich hinter mir lasse. Ich mag Vieles davon nicht weiter mit mir schleppen. Plötzlich ist da wieder ein neuer Freiraum und ich möchte ihn gut füllen. Nicht voll füllen, sondern gut und sinnvoll. Mit Leben, das ich gestalte.

Ausmisten ermöglicht Freiraum

Das ist die einschneidendste Erfahrung, die ich immer und immer wieder mache. Dieses ganze Reduzieren, unser Minimalismus und all der damit zusammenhängende Kram, hatte wirklich zum Ergebnis, dass wir viel mehr Raum haben, um die Dinge zu wählen und umzusetzen, die unserem Leben Sinn geben. Auch wenn es nur befristete Zeiten sind, in denen etwas Sinn macht, wie beispielsweise mein Job in der Flüchtlingshilfe oder eine Auszeit in Schweden, um neu Orientierung zu finden.

Dafür lohnt sich das Ausmisten und Entrümpeln. Genauso wertvoll ist es, nur noch das reinzulassen, was Sinn macht. Damit meine ich nicht, nur die Dingen die Genuss bringen. Ich bin davon überzeugt, dass wir auch aus den harten Zeiten lernen und als Menschen etwas daraus schaffen können.

Trotzdem macht es Sinn, sich von Menschen, Verhaltensweisen oder Rahmenbedingungen zu trennen, die zu viel Energie erfordern oder aber zu viel negative Lebenseinstellungen mit sich bringen.

Ausmisten

Ich bin gerade dabei, meine Seele auszumisten. Aus den Gründen und Gedanken, die ich euch oben zusammengestellt habe. Entschuldigt, wenn das einer dieser runtergeschriebenen Blogartikel ist. Mich würde interessieren, wer von euch bis hierher gelesen hat. Denn es war sehr… philosophisch und irgendwie auch sprunghaft. Aber ich brauchte den Platz. In den nächsten Artikeln wird es wieder konkreter. Das weiß ich schon jetzt.

Wie mistet ihr aus? Von außen nach innen? Von innen nach außen? Welches Bild habt ihr dabei vor Augen?

8 Kommentare

  1. Jes sagt

    Ich konnte dir sehr wohl folgen, deine Gedanken absolut nachvollziehen und ich finde die Metapher einer Zwiebel absolut passend. Danke für deine Worte, die ich sehr früh am Sonntag morgen, aus dem Bett getrieben lese. Die Familie schläft noch und ich überlege wie ich das seelisch ausmisten angehen kann.
    Denn da bin ich leider noch nicht so rigeros und finde keinen Anfang.
    Einen schönen Sonntag wünscht dir Jes

    • Danke Jes. Ich wäre jetzt gerne Mäuschen, um zu wissen, was du dir überlegt hast. Wie erwähnt, ich finde das auch nicht wirklich einfach, aber sinnvoll.

  2. Moin,
    diese Zwiebel ist bei mir noch sehr hartnäckig, aber ich arbeite dran sie Stück für Stück zu häuten um an das Innere zu kommen und es nach Außen zu lassen.
    Dein Text ist sehr nachdenklich stimmend aber gut nachvollziehbar für mich :-)
    Der Zwiebelvergleich passt sehr genau.
    Hab einen schönen Sonntag
    liebe Grüße
    Aurelia

  3. Melanie sagt

    Halli Hallo

    Ich habe bis zum Ende gelesen und konnte dir total gut folgen.

    Ich habe bei mir beobachtet, dass sich immer dann das Bedürfnis habe meinen Besitz zu überdenken, wenn es an der Zeit ist wieder tiefer zu gehen und ich das Gefühl habe stecken zu bleiben. Manchmal hilft es dann ein paar Dinge los zu lassen, aber immer öfters bemerke ich, dass ich dann eigentlich gar nicht Ausmisten muss, sondern Raum und Zeit brauche um ganz ins Innere zu gehen. Dabei hilft mir Zeit für mich, raus in die Natur, meine Gedanken fest halten, und reden, reden reden.
    Und wieder einmal ein Mood Board gestalten.

    Ich hoffe du kannst deine Alltlasten ablegen.
    Liebe Grüsse Melanie

    • Was ist ein Mood Board?

      Ja, ich arbeite daran. Aber jetzt ist der Urlaub fast vorbei und ich muss an so manche Dinge direkt nochmal ran bzw. zurück in den Alltag. Ich bin gespannt. Einfach nur gespannt. Und mit deinem Kommentar hast du noch was anderes in mir angestoßen. Ich muss mehr mit Menschen reden. Reden, reden, reden.

      Ich brauche diese Zeit. Also nehm ich sie mir.

  4. Katharina sagt

    Ich konnte Deinen Gedanken folgen. Ich ringe schon lange darum, im Außen auszumisten, bisher ist es mir aber nur gelegentlich im Inneren gelungen. Ich warte geduldig, dass mein Kind größer und selbstständiger wird und mein Leben mehr Struktur bekommt.

    • Geduld ist super! Zwiebeln lassen sich in der Regel auch anfangen zu schälen und ohne Probleme für einen gewissen Zeitraum zur Seite legen. Um mal bildlich zu bleiben. Jedenfalls ist das meine Devise. Auch jetzt im Urlaub. Ich habe mich manchmal unter die Kids gesetzt und ein wenig an den Dingen gearbeitet, die mir das Herz haben leicht werden lassen. Oder aber ich hab alles genommen und zur Seite gelegt, weil plötzlich mein Typ verlangt war. Das kommt.

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