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Entrümpeln (5). Rückschläge

Nachdem auf Anfrage vieler immer wieder neu de Frage in den Raum geworfen wurde: “Wie gehe ich denn mit Rückschlägen um?”,  geht es hier heute um Rückschläge.

Was sind Rückschläge beim Entrümpeln?

Geht das überhaupt? Entweder ich entrümpel und die Sachen kommen weg. Oder ich entrümpel nicht und sie bleiben stehen. Aber zurückgeflogen in meine Wohnung, kommen die Gegenstände, Möbelstücke oder Unterhaltungsgeräte ja nun mal nicht. Ich stelle mir das bildlich vor, alles bisher losgelassene erschlägt mich, während es durch Türen udn Fenster zurück in meine Wohnung kehrt. Oh, ich denke nicht.

Was ist also mit diesen Rückschlägen gemeint?

Zunächst: Ich glaube, dass beim Empfinden und der Einschätzung, bei was es sich um einen Rückschlag handelt, äußerst subjektiv beurteilt wird. Der eine empfindet es als Rückschlag, im Bücherregal noch immer ausreichend Bücher stehen. Der andere ist frustriert, wenn trotz großem Ausmistens noch immer der Boden voller Spielzeug ist. Die eine bewertet anhaltende Kauf- und Konsumrausche als Rückschlag, die andere das Annehmen von lieb gemeinten Geschenken an Weihnachten oder wenn Besuch ansteht.

Rückschläge sind folglich

  • subjektiv,
  • haben mehr mit dem Mehr als mit dem Weniger zu tun,
  • hinterlassen ein Gefühl von Unzufriedenheit und
  • eben nicht freien Raum, nicht freie Zeit und auch keine Ordnung.

Das Gefühl von etwas bestimmt oder gefangen zu sein herrscht fort und belastet das innere Gemüt. Ein Verhalten, das trotz besseren Wissens, nicht das beinhaltet, was ich mir ursprünglich zum Ziel gesetzt habe.

Konkret sind mir drei Themen eingefallen, bei denen ich schon so etwas ähnliches wie einen Rückschlag erlebt habe. Dazu zählen:

Kostbare Erinnerungen

Erst letztes Wochenende war ich mit einem solchen Berg an Erinnerungen konfrontiert. Inzwischen kann ich sagen, dass das nicht nur gute waren. Irgendwie habe ich mir das die vergangenen Jahre immer auch mal wieder schön geredet und aufgrund dessen Dinge behalten. Heute denke ich, “Ja, das waren gute, wichtige und schöne Erfahrungen und Momente. Einige davon weniger bis gar nicht schön und irgendwie auch nicht bereichernd. Beides hat seine Berechtigung und gehört zum Leben dazu. Beides darf auch gehen. Auf Wiedersehen! Oder besser: Adieu.”

Auf diese Weise entdeckte ich meine alten Poesie-Alben und auch mein erstes Tagebuch wieder. Genauso aber irgendwelche erstgelesenen Mädchenbücher (Vielleicht kennt jemand von euch ja noch Tina und Tini oder das INternat am Genfer See?) Ich habe losgelassen und vieles gleich entsorgt. Jetzt war ich dazu bereit. Vorher noch nicht und zum Glück gab es bei meinen Eltern den Raum, es zu lagern. Inzwischen wünsche ich mir allerdings auch, dass mein Kram nicht an den Beinen meiner Eltern hängt. Davon sind sie jetzt frei.

Kaufverhalten

Häufig höre oder lese ich, dass Menschen unzufrieden damit sind, dass sie sich beim Einkaufen nicht zurückhalten können. Das geht mir manchmal so beim Kauf von Lebensmitteln. Wenn ich mich dann doch wieder zu einem Grünen Tee hinreißen lasse, obwohl das Teeregal voll ist. Solche “Rückschläge” verkrafte ich ganz gut. Das Lebensmittel wird wertgeschätzt. Ich genieße es oder eines der anderen Familiemitglieder. Klar, auch hier gibt es noch Optimierungsspielraum. Aber eine der obersten Regeln bei diesem reduziertLeben und Entrümpeln war doch: freie Zeit, freien Raum und irgendwie auch Durchatmen zu schaffen. Wie kann ich durchatmen, wenn ich mich gleichzeitig so sehr unter Druck setze und mir meine vermeintlichen Rückschläge immer wieder vor Augen führe. Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen.

Beim Shoppen geht es mir einfach ganz anders als den meisten anderen Menschen. Das liegt einfach daran, dass ich kein Gefallen daran finde, Klamotten einkaufen zu gehen. Inzwischen noch viel weniger, da ich davon ausgehen muss, dass die meisten Kleidungsstücke einfach nicht fair produziert worden sind. (Ich kann es schließlich nicht nachvollziehen, woher die Baumwolle kommt, wer wie gefärbt, gewebt und das Kleidungsstück genäht hat. Das ist selbst bei den fair gehandelten Kleidungsstücke kaum bis gar nicht möglich, um mal ganz ehrlich zu sein.)

Dann sind da noch so Spontankäufe, die es bei uns so gut wie gar nicht mehr gibt. Alles muss irgendwie ganz lang schon benötigt worden sein, bis wir uns dazu durchringen können, es neu oder gebraucht in unseren Alltag zu übernehmen.

Zusammenleben

Das Zusammenleben mit meiner Familie ist wunderbar und zauberhaft. Es ist wild und ungestüm und gleichzeitig das Beste, was ich geschenkt bekommen habe.

Nichtsdestotrotz: Da ziehen nicht immer alle fünf an einem Schrank. Was der eine als zu viel empfindet, fällt dem anderen gar nicht erst auf. Ja, das frustriert mich manchmal. Aktuell sogar sehr, weil ich das Gefühl habe, dass nach diesem gigantisch coolen Fernsehauftritt, das Zeug sich hier von ganz alleine dupliziert. Keine Ahnung, wer hier irgendwo so ein Gerät aufgestellt hat. Ich weiß es nicht.

Trotzdem bleibe ich dabei: Unter Druck und Stress wird keiner der anderen mit am Strang ziehen. Mit Spaß und Freude wird das wieder weniger. Vielleicht nicht bis morgen. Aber innerhalb der kommenden Woche (n). Darauf freue ich mich und nutze freie Zeiten nicht mehr nur fürs Ausmisten. Braucht es nach sieben Jahren zum Glück auch nicht wieder.

Wie gehe ich mit Rückschlägen um?

Hiermal fünf möglichst prägnant zusammengestellte Tipps:

  • ruhig bleiben
  • es morgen besser/anders machen
  • das heute trotzdem/unbedingt genießen
  • sich Zeit lassen fürs Loslassen
  • neue Strategien ausprobieren

Entrümpeln in der Praxis

Soviel zu den befürchteten Rückschlägen. Was waren deine AHA!-Momente der Woche? Und was denkst du zu folgenden Fragen:

  1. Wobei habt ihr das Gefühl von einem solchen Rückschlag schon einmal erlebt?
  2. Wie geht ihr mit diesen Momenten um, in denen ihr meint, zurückgeworfen worden zu sein?
  3. Nenne drei Dinge, auf die du beim Entrümpeln richtig stolz (gewesen) bist. Auch heute noch.

Ich danke euch, dass ihr echt bis hierher durchgehalten und mitgelesen habt. An der ein oder andere Stelle hätte ich mir noch ein bisschen mehr Einblick in euer Leben und euren Alltag gewünscht. Nicht nur aus bloßer Neugier. Es motiviert doch so ungemein, das Gefühl, nicht allein da zu stehen.

Im Februar wird es weiter um das Entrümpeln gehen. Allerdings nicht so sehr ums Ausmisten der eigenen vier Wände, sondern um das Entrümpeln des Körpers. Wer macht mit und probiert es erneut, langwieriger auf Zucker zu verzichten? Ich halte euch hier auf dem Laufenden. Eine zweite Challenge für den Monat Februar wird wieder ein LeseCompetition mit K1 sein. Diesmal zählen nicht die gelesenen Bücher, sondern die Seiten. Ha! Gehabt euch wohl!

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