Lese:Stoff, Minimalismus
Kommentare 3

Lesestoff: Simplify your Home. Der Minimalismus-Praxisguide von Cary Melander Fortin und Kyle Louise Quilici

Simplify your home Rezension MamaDenkt

(Rezension) (erschienen und freundlicher Weise zur Verfügung gestellt vom Knesebeck Verlag) Ein langer Titel – ich weiß. Und dennoch lohnt es sich ihn und auch die Namen der Autorinnen in ihrer Gänze zu nennen. Ich möchte euch heute ein Buch vorstellen, das Cary und Kyle geschrieben haben und das mich sehr inspiriert hat. Es ist so gut, dass ich meine Kräfte in den kommenden Wochen noch einmal bündeln werde, um bei uns Zuhause nochmal neu das Motto “Simplify your Home” umzusetzen.

Simplify your Home

Ein halbes Jahr nach der Geburt unseres ersten Kindes begann für uns das Leben oder auch Streben nach Minimalismus. Damals nannten wir es noch “reduziert leben” und Stück für Stück entledigten wir uns unserer Besitztümer. Stück für Stück wurde unser Wohnraum übersichtlicher, unser Verhalten freier und unsere Entscheidungen für oder gegen eine Sache oder einen Kauf immer leichter.

Seit etwa zehn Jahren setzen wir uns mit den Themen rund um Minimalismus auseinander und haben darüber auch zur Nachhaltigkeit gefunden.

Uns antreibende Motive in Sachen Vereinfachung und Minimalismus waren Gedanken, wie

  • Unabhängigkeit-Ich wollte nie ein Haus, nie eine Eigentumswohnung oder ein dickes Auto, sondern meine Freiheit.
  • Übersichtlichkeit-Inzwischen kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen und leide darunter, wenn ich mal nicht den Überblick haben kann. Das betrifft sowohl die Organisation eines Projekts als auch das aufgeräumte Zuhause, das durch nur wenig Besitztümer übersichtlich bleibt.
  • innere Ruhe -Mich macht es unruhig, wenn die Kids mit ihren Plastikbausteinen die abgefahrensten Autos und Raketen bauen. Zu viele Gegenstände auf einem Haufen oder auch in einem Raum, machen mich nervös. Sie lieben es und so soll es sein.
  • Freiheit von der Instandhaltung und Pflege von Gegenständen -Ja, wir sind was das betrifft, beide ganz schön faul. Oder einfach auf das Wesentliche konzentriert.

Immer wollte ich dazu ein Buchschreiben, denn irgendwie fehlte mir in den ganzen Diskussionen, Auseinandersetzungen und Ratgebern um Minimalismus immer mindestens ein Unterthema. Entweder wurde die Nachhaltigkeit komplett ausgeblendet und alles schlichtweg auf den Müll geworfen. Oder aber es ging um irgendwelche Ordnungssysteme, die dazu beitragen sollten, dass dieses leichter Leben endlichRealitätwurde. Doch auch das blendete aus, dass Ordnungssysteme ja auch gepflegt werden wollen und wenn diese nicht wirklich einfach und leicht umzusetzen sind, bleibt auch das “Simplify your Home”schlussendlichaus.

Jetzt brauche ich keines dieser Bücher mehr zu schreiben, denn Cary und Kyle haben ein großartiges, inspirierendes Buch geschaffen, das ich nur jedem weiterempfehlen kann, der sich mit Minimalismus und Einfachheit (simplicity) auseinandersetzen möchte.

Der Minimalismus-Praxisguide. Das Buch

Das Buch hat 195 Seiten und ist in zwei große Teile gegliedert. In Teil 1 geht es um die Philosophie, die hinter dem Gedanken “Simplify your Home” steckt. In vier Kapiteln entfalten die beiden Autorinnen, wie Grundlagen geschaffen werden können, was der Sinn des Aussortierens ist und welche vier Archetypen es gibt, die ich euch weiter unten im Blogartikel etwas ausführen mag. Dabei gegen aussortieren und gestalten Hand in Hand.

Die Philosophie von “Simplify your Home”

Die beiden Autorinnen haben ein Gespür dafür, dass es eben nicht nur beim Ausmisten und Entrümpeln bleiben kann. Ich würde mal behaupten, dass genau das bei uns persönlich, meinem Mann und mir, passiert ist. Wir haben vieles damals reduziert, aber wenig darüber nachgedacht, wie wir die neugewonnene Fläche und den damit verbundenen Raum neu gestalten könnten. Dann übernahmen wir ein voll möbliertes Haus. Das Reduzieren begann erneut und wir befinden uns aktuell an einem ähnlichen Punkt. Das Reduzieren und Aussortieren ist noch nicht abgeschlossen, aber ich fühle mich völlig überfordert damit, über neue Gestaltungsmöglichkeiten überhaupt nachzudenken.

Ein Praxisguide zum leichter Leben

Im Teil 2 des Buches werden wir mitgenommen in die Praxis und damit auch mit den Herausofrderungen konrfontiert, die uns begegnen werden. Wie beginne ich mit dem Prozess des Aussortierens und diesem ominösen “Simplify your Home”? Ein der Tipp aus dem Buch: Beginne bei der Kleidung. (Cary Telander Fortin & Kyle Louise Quilici: Simplify your Home, S.76ff)

Das Thema Kleidung begleitet uns durch den ganzen Tag: Morgens beim Aufstehen, für den Weg zur Arbeit und wieder zurück, für die Zeit des Sportmachens oder Entkleidens, wenn es abends ins Bett geht.

Das Aussortieren wird uns herausfordern – so oder so. Die Frage ist nur, in welcher Art. Was wird uns besondere Schwierigheiten bereiten?

Welcher Archetyp bist du?

In ihre Arbeit mit vielen Klienten, die sich nach einem übersichtlichen und einfachen Zuhause gesehnt haben, sind die beiden Autorinnen immer wieder denselben Verhaltensweisen und von Menschen geäußerten Gefühlen begegnet. Daraus lassen sich vier Archetypen ableiten, die sich durch eine besondere Stärke auszeichnen, die sich jedoch schnell zur Blockade umwandeln kann. Vor allem im Prozess des Reduzierens und Vereinfachens hat jede Stärke auch eine sogenannte Schattenseite. Im Buch wird diesen Archetypen ein aussagekräftiges Adjektiv zugeordnet, das für den jeweiligen Persönlichkeitszug besonders charakteristisch ist.

Zu nennen sind hier:

  • der emotionale,
  • der praktische,
  • der dynamische
  • und der genügsame Archetyp.

Alle vier sehen ihren Besitz aus unterschiedlichen Perspektiven und haben ein davon abhängiges Empfinden, wenn es um das Loslassen geht. Dieses Empfinden kann sich zur Schwäche umkehren, indem es uns davon abhält loszulassen und uns im Gegensatz dazu animiert festzuhalten. Ich knalle mir also stattdessen die Bude mit Gegenständen oder Projekten voll und verliere mich irgendwann selbst.

Das hört sich krass an, aber ja, so habe ich das damals empfunden.

Schritt für Schritt zu mir zurück finden

Mit der Zeit hat sich ein sehr sensibles Bewusstsein dafür herausgeschält, das mich heute schon viel eher innehalten lässt, wenn es darum geht, bei mir zu sein und zu bleiben. Ohne Besitz.

Jeder sagt und meint, er brauche keinen Besitz, um zu sein. Das hört sich toll an und ich freue mich, wenn dem tatsächlich so ist. Oft stelle ich es jedoch in Frage. Wir leben nicht danach. Werbung und Alltag, gesellschaftliche Vorgaben und projizierte Sehnsüchte etwas zu kaufen, begegnen mir in meinem Umfeld viel häufiger. Die Präsentation meiner Person durch Eigentum ist “normal”. Nach innen und nach außen. Wir meinen ihn zu benötigen, um unsere Persönlichkeit zu unterstreichen. Doch der Grat ist schmal, dass wir uns überladen und überfrachten. Uns in all diesen Dingen verlieren.

Im Buch werde ich an die Hand genommen, mich Schritt für Schritt jeder Kategorie zuzuwenden. Dabei geht es nicht wie damals von Zimmer zu Zimmer, sondern Räumlichkeiten übergreifend an typische Gegenstandkategorien. Kleidung & Accessoires, Küche & Esszimmer oder Erinnerungsstücke & Andenken werden zusammengefasst. Mich hat das System so neugierig gemacht, dass ich eine Entscheidung getroffen habe.

Fazit: Leichter leben

Ich werde mich dem Aussortieren und Entrümpeln die kommenden drei Monate wieder etwas konzentrierter zuzuwenden.

Mein Kopf und mein Herz, mein Terminplan und meine Begeisterung für Themen und Projekte sind so angefüllt. Die mich umgebenden Gegenstände, der hoffnungslos mit Papierkram überladene Ecktisch im Wohnbereich oder der Ausbau des Speichers saugen Energie und lassen mich abends erschöpft auf dem Sofa einschlafen. Mein Bloggen und mein Herzschlag für Themen, die mir wichtig sind, kommen fortwährend zu kurz und ich glaube, ich benötige dazu ein wenig mehr Klarheit, Übersicht und Freiheit von den Dingen.

Das Buch hat mich nochmal mehr ausgebremst und ich freu mich schon aufs Aussortieren und Neugestalten. Vor allem Letzteres macht mich neugierig. Absolute Leseempfehlung dieses Buches!!

Im Blog geht es also wieder los. Dieses Mal mit dem Loslassen von Dingen. Nochmal alles auf Anfang. “Gehe zurück auf Los!” Wer ist mit dabei? Ich freu mich über eure Kommentare und vielleicht ja auch Begeisterung mit mir zusammen loszulegen. Habt ihr Lust?

Weitere Leseempfehlungen

Wenn euch diese ausgiebige Leseempfehlung gefallen hat, dann interessiert euch vielleicht ja auch dieses Buch vom Knesebeck Verlag, in dem ihr eine Vielzahl an Menschen und Projekten wiederfindet, die sich mit leichterem und minimalistischem Leben auseinandersetzen.

Vor Jahren habe ich auch mal meinen persönlichen Minimalismus Leitfaden entwickelt, der euch darin begleitet Dinge auszusortieren.

3 Kommentare

  1. Ich mach mal mit. Leichter leben. Der nächste Hexenschuss kommt bestimmt. Und da will ich nicht so einen schweren Ordner tragen müssen. Ich reduziere eh gerne Gewicht. Es soll mal alles in 1 ZK2B (Balkon). passen. Das ist mein Ziel. Leider muss ich alles archivieren als Selbstständige. Deswegen lege ich zwei neue Ordner an. Mein Kind ist leider schon erwachsen und will kein Konfetti mehr machen. Nutz die Zeit!

  2. Mirjam sagt

    Hej liebe Rachel,
    tolle Buchbeschreibung.
    Ich bin gefühlt immer am reduzieren und neu gestalten. Nach 5 Jahren in unserem neuen alten Haus (immer noch Baustellenecken, die mich zum Glück nicht stören), hat sich meine Aufmerksamkeit in diesem Jahr zum ersten Mal dem Garten zugewendet. Nun hab ich Platz im Kopf dafür und Lust drauf.
    Das Neugestalten ist echt spannend. Ich hab mag es auch gerne gekonnt reduziert und übersichtlich, aber eben nicht kahl-leer. SOndern mit Schönheit und Ruhe. Das ist mein Grundprinzip für die Gestaltung geworden. Ich brauch da aber eben immer Zeit und oft helfen mir da solche Ideengeber. Daher hört sich das Buch und dein neuer Blogprozess sehr spannend an. :-)
    VIele Grüße & auch alles gute zum Geburtstag! Mirjam

    • Liebe Mirjam,
      das geht mir tatsächlich auch so. Und diese Ruhe wird von vielen Seiten im Alltag gestört. Oft fühle ich mich aufgrund meiner vielen Interessen dann auch sehr zerrissen. Innerlich. Ich schaffe mir dann irgendwie selber Situationen, in denen ich dann vollends den Überblick verliere und nichts und niemandem mehr so nachkomme, wie ich das eigentlich gerne würde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.