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Nachhaltigkeit im Urlaub – Das geht, wenn man nur will!

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Liebe Rachel, du wolltest in deiner ersten Frage der Nachhaltigkeit wissen, was meine Familie und ich ganz konkret machen um die Reisezeit für uns umweltverträglich(er) zu gestalten. Es dreht sich also alles um die Frage der Nachhaltigkeit im Urlaub.

Nachhaltigkeit im Urlaub

Zunächst einmal glaube ich fest daran, dass Nachhaltigkeit und Reisen kein Widerspruch sein muss.

Wir machen kleinere Ausflüge mit dem Zug oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Für größere Reisen, und Touren mit viel Gepäck, nehmen wir unser Gas-Auto. Das ist bequemer und (leider) oft auch günstiger für vier Personen als die Bahn. Trotzdem sind wir damit aber noch sehr umweltschonend unterwegs. Denn wenn wir zuhause in München volltanken, fahren wir über weite Strecken mit Treibstoff aus Stroh und Biomüll (https://www.swm.de/privatkunden/m-erdgas/autofahren/biomethan.html). So betankt erreichen wir sogar eine bessere Ökobilanz als ein E-Auto.

Ansonsten gelten bei uns im Urlaub eigentlich die selben Regeln wie zuhause. Wir gehen bewusst einkaufen, mit Jutesack und Stoffbeuteln und kaufen, wann immer möglich, saisonale Bio-Lebensmittel aus der Region. Wir vermeiden Verpackungsmüll, trennen unsere Abfälle und wir trinken Leitungswasser aus unseren mitgebrachten Flaschen. Komischerweise war der letzte Punkt am Anfang irgendwie eine Überwindung. Ich hatte das aus meiner Kindheit so verinnerlicht, dass man im Süden nur Flaschenwasser trinken darf. Und diese Durchfall-Paranoia machte die Umstellung auf Leitungswasser am Anfang ein bisschen zäh. Jetzt läuft es wie am Schnürchen. Keiner wurde je krank und man spart dadurch unglaubliche Mengen unnötigen Plastikmüll!

Neu dazu gekommen ist bei uns noch das Müllsammeln. Zuhause, aber auch im Urlaub.

Warum nicht mal einen Ort sauberer hinterlassen, als man ihn vorgefunden hat?

So haben wir während unserer letzten Reise jeden Tag mindestens zwei große Tüten Abfall vom Strand entsorgt. Und wir hatten sogar Spaß dabei. Denn gibt es etwas schöneres als einen gemeinsamen Spaziergang am Strand? Am Ende hat uns dann noch ein kleines Mädchen spontan geholfen. Das hat mich wahnsinnig gefreut und hat mir wieder einmal gezeigt, dass jeder Schritt eine Wirkung hat und das Potential hat Kreise zu ziehen. Ein wundervolles Erlebnis.

All das macht Urlaub für uns umweltverträglich(er) und seien wir ehrlich. Nichts davon tut wirklich weh, oder? Man muss nur anfangen sich die Frage nach der Nachhaltigkeit im Urlaub überhaupt einmal zu stellen.

Für uns bedeutet das auf jeden Fall, dass wir zuerst nachdenken und dann planen und buchen. Und es bedeutet vor allem schonungslos ehrlich mit sich zu sein. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass Kreuzfahrtschiffe schwimmende Dreckschleudern sind, so darf ich keine Kreuzfahrt buchen. Und wenn mir bewusst ist, dass die CO2-Bilanz von Flugreisen denkbar schlecht ist, sollte ich eben versuchen Flüge so oft wie möglich zu vermeiden.

Es geht schlicht um Konsequenz im Handeln, auch zur Reisezeit.

Das klingt jetzt für manche vielleicht nach zu viel Verzicht und nach Spaßbremse. Vor allem in Zeiten, in denen Urlaub und Fernreisen zum Statussymbol geworden sind. Aber genau so handhaben wir in unserer Familie das Thema Nachhaltigkeit im Urlaub. Und Spaß haben wir trotzdem. Denn eigentlich sollte es ja um gemeinsame Zeit und Nähe gehen und nicht um den Wettstreit um das vermeintlich exotischste Reiseziel, oder?

Du merkst also, dass die Antwort auf deine Frage manchmal unbequem sein kann. Warum? Weil Urlaub wohl für die meisten ein sehr emotionales Thema ist. Es ist die Zeit im Jahr, die wir uns hart erarbeitet haben. Die Zeit, in der wir nur genießen wollen und nicht nachdenken. Wer will da schon etwas von Klimaerwärmung, Treibhausgasen, CO2-Bilanz und Plastik im Meer hören?

Die Urlaubszeit ist eine Auszeit vom Alltag und oft auch eine Pause von Mülltrennung, Plastiksparen und Ökostrom.

Das Dumme daran ist, dass irgendjemand irgendwann die Konsequenzen unseres Handelns tragen muss. Wenn nicht wir, dann die Generationen, die nach uns folgen. Und wenn nicht hier, dann die Natur am anderen Ende der Erde. Wir fällen immer eine Entscheidung mit Tragweite. Auch durch die Art WIE wir reisen. Wie hat es der Journalist Marc Baumann in seinem Entschuldigungsbrief an unsere Kinder im Süddeutschen Magazin (https://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/46223) so schön formuliert „Urlaub war uns wichtiger als eure Zukunft, sorry“.

Klingt das nicht furchtbar traurig?

Für uns gilt auf jeden Fall: Urlaub ist uns wichtig! Jedoch achtsam und bewusst. Und nicht um jeden Preis! (Ein paar zusammengestellte Tipps und Tricks findet ihr auf Alex Blog hier.)

Meine Frage an dich:

„Jetzt bin ich dran, liebe Rachel. Wir versuchen als Familie ein umweltverträgliches Leben zu führen und geben dabei unser Bestes. Das bedeutet allerdings natürlich nicht, dass wir schon alles perfekt machen. Nachhaltigkeit kommt nicht über Nacht! Und in vielen Punkten liegt noch ein großes Stück Arbeit vor uns.

Mit einer Sache konnten wir uns zum Beispiel nie anfreunden. Mit Stoffwindeln! Wahrscheinlich auch deshalb nicht, weil ich nie eine Freundin nach ihren persönlichen Erfahrungen fragen konnte. Unser Bekanntenkreis benutzt nämlich nur Wegwerf-Windeln.

Gott sei Dank haben wir die Windelzeit ja bald hinter uns, aber sag mal ganz ehrlich Rachel: Sind Windeln aus Stoff nicht ein bisschen eklig? Irgendwo muss man die doch bis zum Waschen zwischenlagern, oder? Wir versuchen wirklich Müll an allen Ecken zu sparen, bei vollen Windeln mache jedoch ich eine Ausnahme. Wir benutzen Öko-Windeln aus Papier und die werfe ich SEHR gerne weg! Zwar mit schlechtem Gewissen, aber ich bin doch froh, wenn der Stinke-Müllberg weg ist. Ich fand die Vorstellung von Kinder-Kacke in meiner Waschmaschine tatsächlich nie erstrebenswert. Wie geht es dir damit? Wie oft und wie heiß wascht ihr? Wascht ihr dann nur die Windeln, oder mischt ihr Wäsche in einer Maschine? Und ist die Ökobilanz von Stoffwindeln mit der ganzen Wascherei überhaupt noch besser? Wie viele Windeln muss man eigentlich pro Kind kaufen?

So viele Fragen… aber ich muss heute einfach meine Chance nutzen ;-)!”

Ja, Stoffwindeln sind so eine Sache. Dazu antworte ich dir sehr, sehr gerne auf deinem Blog – in zwei Wochen. Bis dahin werden wir bestimmt auch noch irgendwo im Urlaub unterwegs sein. Und die Idee, vor Ort den Müll der anderen aufzusammeln, finde ich super. Denn irgendwie ist es nicht nur der Müll der anderen, sondern unser Müll. Danke also für deine Gedanken zur Nachhaltigkeit im Urlaub. Das inspiriert!

Wie seht ihr das denn? Wie nachhaltig seid ihr in diesen zwei hart erarbeiteten Wochen Urlaub im Sommer auch nachhaltig unterwegs? Was ist euch wichtig?

10 Kommentare

  1. wanda sagt

    hallo.
    ich finde es bewundernswert wie sehr du zu deinen idealen stehst.
    uch muss zugeben, beim urlaub lasse ich manches schleifen. zwar gehe uch nicht in die großen touristischen Betten Burgen aber….naja.
    sagen wir es so. nur lokaler oder naher umkreis ist einfach nichts für mich. ich liebe es in andere länder zu reisen,gerne auch weiter weg. ja ich weiß das ein flug nach japan oder die USA nicht gerade schonend sind aber, dies ist für mich ein stück luxus das ich mir genehmige.
    ichversuche dann halt vor ort möglicst schonend zu reisen auch wenn das oft nicht geht (öffentlicheVerkehrsmittel sind in den usa zb in vielen gegenden einfach nicht.. umd in manchen ländern ist die furcht vor dem Leitungswasser SEHR berechtigt…) es ist bewundernswert wie sehr du deinem grünen Lebensstil folgst…

    • Ich werde das Lob an Alex weitergeben.

      Mein persönliches Reisen sieht ähnlich us, wie das von Alex. Heute haben wir das Meer von einer Plastikflasche und einer Gummidichtung befreit. Leider haben wir auch eine Brille im Wasser unbemerkt verloren, die leider auch noch Kunststoffgläser hatte. :P

      Nun ja. Fliegen will ich einfach nicht mehr. Stattdessen überlegen und träumen wir jedoch viel, als Familie mit dem Rad durch die Welt zu reisen. Das würde, mit genügend Zeit auch bis nach China oder in die Mongolei funktionieren. Allerdings habe ich während unseres WWOOFing “Urlaubs” auch festgestellt, dass ich kein Weltenbummler bin.

    • Liebe Wanda,
      Ich kann es gut verstehen, wenn du sagst, dass nur der nahe Umkreis allein nichts für dich ist. Die Frage, die ich da hätte ist, was ist denn ‘nah’ für dich. Wir haben hier in Europa das große Glück, dass wir fremde Kulturen, Sprachen und Eindrücke tatsächlich in greifbarem Umkreis finden können. Ein paar Stunden Fahrt und alles ist anders. Ich stelle einfach grundsätzlich in Frage, ob es wirklich jedes Jahr, oder sogar mehrmals im Jahr eine Flug- oder Fernreise sein muss. Vielleicht reicht ja auch alle zwei Jahre? Und wenn, dann auch nicht nur für eine Woche, sondern so lang wie möglich?
      Für viele sind Reisen mit dem Flugzeug nichts besonderes mehr. Alles ist erreichbar und alles ist billig! Ehrlich gesagt würde ich mir einfach nichts mehr wünschen, als dass wir alle Fernreisen wieder mehr wertschätzen und bewusst mit den globalen Folgen umgehen lernen. Denn sie haben Folgen, die sich im monetären Wert eines Urlaubs oft überhaupt nicht abbilden.
      Noch eine Anmerkung zum Leitungswasser. Natürlich würde ich in Indien nicht auf die Idee kommen Wasser aus der Leitung zu trinken. Aber in unseren europäischen Nachbarländern ist das überhaupt kein Problem. Und zur Sicherheit kann man sich vor Abreise auch noch schlau machen .
      Alles Liebe und Danke für deinen Kommentar
      Alex

  2. Liebe Rachel,
    deine Lebenseinstellung ist bewundernswert! Meine Ököbilanz ist sicherlich nicht so gut wie deine, aber an Stoffwindeln habe ich mich trotzdem ran getraut.
    Wir haben uns nach langem hin und her für Stoffwindeln von HuDa entschieden. Diese bestehen aus 3 Teilen. Eine Windel mit Klettverschluss aus Stoff. Diese legt man genauso an, wie eine Wegwerfwindel. Innen rein legt mein eine Einlage, ebenfalls aus Stoff und außenrum kommt eine wasserundurchlässige Überwindel. Das ganze macht einen schön, großen und knackigen Popo. Also Standardhosen passen schon mal nicht. Es muss alles mindestens eine Nummer größer sein und am besten mit hohem Stretchanteil.
    Wenn die Windeln ihren Dienst getan haben, fliegen sie in einen Eimer mit einem innenliegenden Wäschenetz und (ganz wichtig!) einem Deckel. Das große Geschäft lassen wir in die Toilette plumpsen, sofern möglich. Ist der Eimer voll, schnappe ich mir das Netz und werfe es so wie es ist in die Waschmaschine. Während der Wäsche fallen die Windeln und die Einlagen heraus und werden in der Regel alle super sauber. Ich muss die schmutzigen Windeln also gar nicht mehr anfassen.
    Wir haben ca. 20 Innenwindeln mit Einlagen und 3 Außenwindeln. Anfangs hatten wir Wollüberwindeln, später sind wir auf beschichtete Überwindeln übergegangen. Die Anfangsinvestition ist recht hoch, rechnet sich aber über die Zeit. Vor allem dann, wenn sie noch von weiteren Geschwisterkindern genutzt werden können. Am Ende der Windelzeit noch umzusteigen macht wirtschaftlich gesehen keinen Sinn mehr.
    Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen!
    Genieße deinen Tag!
    Natalie Weigel

    • Hej Natalie, das ist ja in diesem Beitrag gar nicht meine Ökobilanz und ich bezweifle, dass die so viel besser ist, als die von meinen Lesern. Ich vermute immer, dass ihr alle schon viel, viel mehr viel rigoroser umgesetzt bekommt. Der Unterschied: Ich logge darüber. ;)

      Ja, zu unseren Stoffwindeln schreibe ich dann in anderthalb Wochen auf Alex Blog. Vielleicht mögt ihr ja dort zu gegebenem Zeitpunkt mal vorbeischauen? Würde uns sehr freuen!

    • Hallo Natalie,
      Mensch du bist ja fix !
      Danke schön mal für deine Antwort. Ich bin gespannt was Rachel darüber in zwei Wochen schreibt . Du auch?
      Was denkst du denn zum Urlaub machen? Fliegt ihr denn viel? Und wenn ja, wie oft im Jahr und wie weit weg?
      Alles Liebe
      Alex

      • Hallo Alex, Hallo Rachel,
        na da bin ich gespannt. Ich schaue bestimmt wieder rein.
        Zur Zeit fliegen wir wenig. In den letzten beiden Jahr sind wir gar nicht geflogen. Urlaub machen ist mir jedoch sehr wichtig. Neue Länder und Lebensweisen kennen lernen, neues Essen ausprobieren und einfach nur mal entspannen können, das ist mir doch sehr wichtig. Ich würde sehr gerne mit der Bahn verreisen. Leider ist man jedoch vor Ort extrem eingeschränkt, wenn man nicht gerade Urlaub in der Großstadt macht. Außerdem hatte ich in der Vergangenheit extrem schlechte Erfahrungen mit Auslandsreisen mit der Bahn gemacht. Gerade wenn man da ein Fahrrad mitnehmen möchte, bekommt man denkbar schlechte Auskünfte von den Mitarbeitern. Wir wurden in dieser Reise mehrfach nicht von Zügen mitgenommen aufgrund der Fahrräder, obwohl das bei der Buchung bereits bekannt war. Unsere Reise nach Südfrankreich hatte damit gute 20 Stunden gedauert und zurück genau das gleiche Schema. Daher fahren wir doch mit dem Auto in Urlaub. Autozüge wären was tolles, gibt es aber kaum.
        Herzliche Grüße
        Natalie

        • Liebe Natalie,
          Toll, dass du nochmal schreibst und uns einen Einblick in euer Urlaubs-Leben gibst !
          Urlaub und Reisen in fremde Kulturen sind auch für uns eine große Bereicherung. Etwas, das ich auf keinen Fall müssen möchte. Die Frage ist nur immer WIE und um welchen Preis.
          Du schreibst, dass du die letzten beiden Jahre nicht geflogen bist. Das finde ich toll, denn Flüge sollten etwas besonderes sein und kein normales Transportmittel von A nach B. Wenn mehr Menschen wie du reisen würden, dann wäre schön viel gewonnen.
          Ich will wirklich niemandem seine Fernreisen verbieten oder schlecht machen. Aber ich stelle einfach in Frage, ob jeder Flug wirklich immer sein muss. Ein bisschen mehr Bescheidenheit wäre in diesem Punkt sicherlich nicht schlecht .
          Und ja, ich finde auch, dass die Bahn ihr Angebot unbedingt wieder aufstocken sollte. Da hast du völlig recht. Nachtzüge und Autozüge sind nämlich eine wunderbare Sache. Nicht nur für uns, sondern auch für unser Klima.
          Ganz liebe Grüße
          Alex

          P.s. Und Radreisen sind sowieso die beste Art zu reisen

  3. Juke sagt

    Hallo,
    der Blogartikel ist ja schon etwas älter, aber eigentlich immer aktuell.
    Was das Reisen angeht, habe ich mit der Familie gut Erfahrungen damit gemacht, die langen Strecken mit dem Zug zurück zu legen und dann vor Ort Fahrräder oder ein Auto zu mieten (je nachdem, wo man eben ist und wie groß der Aktivitätsradius sein soll).
    Früher bin ich oft geschäftlich geflogen und obwohl ich nicht wirklich Flugangst habe, war ich doch immer froh, wenn ich wieder heil unten war. In meinem neuen Job ist das nicht mehr nötig, und so bin ich seit ca. 10 Jahren nicht mehr geflogen.
    Solange die Kinder im Urlaub primär nach dem nächsten Spielplatz fragen, ist für mich ein Familienurlaub in Flug-Entfernung eh nicht sinnvoll, denn für mich wären schon die Kultur, Land und Leute der Grund für eine Fernreise – für Club Med oder ähnliches würde ich nie Geld ausgeben, das ist mir zu langweilig.
    Ich bin sehr froh, dass die Österreichische Bahn die Nachtzüge der DB übernommen hat und hoffe, dass die Strecken nach und nach wieder ausgebaut werden!

    Viele Grüße
    Juke

  4. Pingback: Sommerferien - was tun? | MamaDenkt.de

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