AlltagsAbenteuer
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Sommer – Wasser – Ertrinken

Sommer Wasser Ertrinken 01

Ich will hier gar nicht der Miesepeter für sommerliche Betätigung sein. Absolut gar nicht. Aber wie der ein oder die andere mitbekommen hat, habe ich gestern ein Kind aus dem Wasser gefischt. Noch immer schlottern mir die Knie bzw. zittern meine Beine, um es an dieser Stelle mal richtig auszudrücken. Das Ertrinken im Sommer beim Badeurlaub ist eine ernstzunehmende Sache.

Badeurlaub und die Gefahr zu ertrinken

Vor einigen Wochen habe ich begonnen meinen Rettungsschwimmer zu machen. Das hatte ich schon vor einem Jahrzehnt vor, noch während ich als Jugendreferentin durch die Lande zog. Aus den unterschiedlichsten Gründen ist es nicht dazu gekommen. Einmal gab es keine Kurse in der Gegend, in der ich damals wohnte. Dann wäre es mit dem damaligen Sommerfreizeittermin kollidiert und ich brauchte schnell jemanden, den ich als Rettungsschwimmer mitnehmen konnte, was damals zum Glück noch geklappt hat. Am neuen Wohnort gab es dann erstmal wieder keine Kurse und ich sollte warten, bis der nächste startete und immer so fort. Irgendwann hatte ich dann Kinder.

Letztes Jahr trafen wir als Eltern die Entscheidung, dass unsere Kinder schnellstmöglich schwimmen lernen sollten, weil wir uns sehr häufig an diversen Gewässern aufhalten. Nach unserem Ermessen zu häufig als dass wir es verantworten konnten, dass sie erst irgendwann in der Schule schwimmen lernten. Kurzerhand war K1 im dreiwöchigen Schwimmkurs angemeldet. Die wasserscheue Wasserratte tat sich schwer, der Papa tat sich schwer und ich war hochschwanger. Die letzte Woche fiel fast komplett weg, da sich das Kind erkältet hatte. Schwimmen konnte es immer noch nicht.

So landeten wir letzten Sommer im Schwimmkurs des DLRG, der wöchentlich das ganze Jahr stattfand, wenn wir das Kind nach etwa 10 Einheiten wieder neu anmeldeten. Irgendwann hieß es, die Kurssituation erfordere weitere Helfer, um das Angebot erhalten zu können. Nach dem vierten Aufruf in Kombination mit meinem VerantwortlichkeitsGen und dem Wunsch, dass auch die anderen beiden Kurzen (zu dem Zeitpunkt Zuhause) das Schwimmen möglichst früh lernten, bot ich mich an. Dass ich natürlich auch mindestens den Rettungsschwimmerschein Bronze dafür brauchte, war mir im ersten Moment nicht klar. …

So schlitterte ich von einer Zusatzqualifikation in die andere. Erst hab ich meinen Basiskletterschein in der Kletterhalle gemacht. Aktuell habe ich meinen Rettungsschwimmerschein absolviert. Fehlt noch die DAV-Anerkennung meines Klettern. Man könnte meinen, ich hätte noch viel früher Kinder kriegen sollen, bei all den Scheinen, die ich jetzt so mache. Das Studium der Mütter… Egal, ich schweife ab –

denn gestern habe ich das erste Mal ein Kind gerettet und mir ist immer noch ganz schlecht, wenn ich daran denke. Vor allem wenn ich mir vorstelle, ich hätte in dem Moment nicht in seine Richtung geblickt.

Kinder ertrinken leise

Zumindest war das gestern so und wurde als Reaktion auf meinen Tweet auch so bestätigt. Eines der Kinder hatte beschlossen auch mal gerade eben vom Nichtschwimmer zur mittleren Leiter im tiefen Becken zu schwimmen. Dass es zuvor immer nur mit Poolnudel unterwegs war, mit der sein Schwimmen durchaus hervorragend klappte, hatte es einfach vergessen.

Während ich meinen Kopf in seine Richtung drehte, schwamm es los und ich rief nur noch „Hej! Halt. Stop!“  Das Kind hatte sich jedoch schon abgestoßen, versucht zu schwimmen und ging gerade unter. 8 Meter von mir entfernt. Ich hab in dem Moment einfach nur noch reagiert. Es tauchte nochmal leise auf, mit den Armen zappelnd und war auch schon wieder weg. Alles leise. Zumindest in dem allgemeinen Geplätscher, das im Schwimmbad herrschte. Als ich bei dem Kind ankam, griff ich unter Wasser, kam gerade noch an seinen Oberarm und zog es hoch. Kopfüber Wasser schob ich es an den Beckenrand.

Auf die Frage, was sie vorgehabt hatte, kam nur ein: „Ich wollte schwimmen.“ Ohne Poolnudel? Ohne Betreuer? Du solltest aus dem Becken klettern und rüber GEHEN. „Hab ich vergessen.“

Vergessen

Leute, eure Kinder können es einfach vergessen, dass sie ohne Hilfsinstrument noch gar nicht ausreichend schwimmen können, auch wenn es ihnen mit hervorragend gelingt. Lasst sie niemals aus den Augen! Dieses Kind hatte es schlichtweg vergessen und zudem nicht der eindeutigen Regel und Anweisung Folge geleistet. Kinder sind in ihrem Handeln und Tun unberechenbar. Das kennt ihr von Zuhause, oder?!!

Ertrinken – eine leise Katastrophe

Ertrinken stellt man sich gemeinhin als eine laute, hörbare Situation vor. Doch in der Regel „fluppen“ Menschen unters Wasser. Vor allem Kinder. Mit einem Wassergefüllten Mund und mit im schlimmsten Fall betroffener Lunge, kriegt keiner einen Ton heraus, geschweige denn lauten Schrei, der überall zu hören ist. Meine Vermutung.

Sommer, Wasser – besondere Vorsicht

Gerade jetzt im Sommer, wenn sowieso alle das kühle Nass suchen, müssen wir noch viel mehr auf die Kleinsten Acht geben. Vor allem dann, wenn sie noch nicht schwimmen können und sich noch nicht mit Baderegeln und Schwimmregeln auskennen.

Nicht nur das Meer, der Fluss oder das Schwimmbad können gefährlich werden. Auch Gartenteiche, kleine Bäche oder größere Pfützen an Baustellen (an denen Kinder ja eigentlich eh gar nichts zu suchen haben), können zum Verhängnis werden. In einem meiner Erste Hilfekurse habe ich mal gelernt, dass Kinder bis etwa zum 4.Lebensjahr nicht dazu in der Lage sind, ihren Kopf eigenständig aus dem Wasser herauszuheben, angenommen sie sind in den Bach gefallen und liegen im Bachlauf. Aber auch größere Kinder können davon betroffen sein, wenn sie beim Spielen am Bach zum Beispiel stolpern, mit dem Kopf gegen einen Stein stoßen und das Bewusstsein verlieren. Meine Kinder bekommen daher jedes Mal die Ansage, dass wenn ein Kind mal in diese Notsituation gerät, sie sich als erstes vergewissern sollen, dass der Kopf nicht im Wasser liegt – zumindest das Gesicht. Dann wird Hilfe von einem Erwachsenen geholt.

Ich weiß, kein schönes Thema. Und glaubt mir, ich fand das gestern schlimmer als das Kind selbst. Dennoch ist mir nochmal klar geworden, wie achtsam wir IMMER sein müssen. Denn die Kinder sind es in der Regel nicht. So far.

Genießt den Sommer, wenn er bei euch ist und passt auf euch auf!

Sommer Wasser ertrinken 02

 

Neben diesem bedrückenden Thema gibt es für den Sommer natürlich auch noch viele schöne Momente und Ideen, die es auszuprobieren lohnt. Wie zum Beispiel hier ein Einblick in unserer Forschersachen und Experimentierfreuden. 

7 Kommentare

  1. Da schließe ich mir voll an. Meine Großen konnten früh schwimmen und wir hatten in unserem alten Leben einen Pool. Hinter eine zwei Meter hohen Zaunanlage mit abgeschlossener Türe, Schlüssel nur bei Mama oder Papa am Schlüsselbund. Und so verbrachte ich viele Nachmittage als “ Bademeister“ in unserem Garten . Niemals wären wir auf die Idee gekommen, die Kinder alleine dort spielen zu lassen.
    Heute habe ich eine Sechsjährige die bereits das Bronzeabzeichen hat. Wir gehen gemeinsam schwimmen und ich lasse sie trotzdem oder erst recht nicht aus den Augen.
    Wie schnell werden Kräfte überschätzt oder auch Kinder übersehen.
    Ziemlich oft kann ich beobachten, dass Nichtschwimmer alleine im Becken sind und die Eltern an den Tischen sitzen und quatschen. Das Kind hat ja Schwimmärmel an.
    Ich kann es nicht nachvollziehen.

    Danke für Deinen Post.

    • Oh ja. Bislange hatte ich manchmal das Gefühl eine Glucke zu sein, weil ich meine ab 4Jährigen (Nichtschwimmer) eben nicht alleine ins Wasser gelassen habe. ABER nach gestern: No way!!

  2. Die Leute haben immer Angst vor dem Flug. Habt lieber Angst vor den Pools im Ausland. Nicht TÜV-geprüft. Meine Tochter ist auf dem Weg dahin, auf einem Plastikgitter (von der Sonne zerbröselt) in einen Abwasserschacht gekracht. Plötzlich war das Topmodel weg. Sie hätte sich sonst was brechen können oder mit dem Kopf aufschlagen. Meine Bekannte hat als gute Schwimmerin vor Jahren das Rutschen nicht überlebt.

  3. Nicole Schmidt sagt

    Ja, die Badezeit ist nicht zu unterschätzen. Ich hab erst gestern ein Kleinkind (ca. 2 Jahre) mit Handy in der Hand, lustig rennend in Richtung Badesee laufend, vor schlimmerem bewart. Sage und schreibe 5 Erwachsene (zu denen das Kind gehörte) hatten dies nicht bemerkt sondern wohl eher damit zu tun, zu quatschen & sich in der Sonne zu aalen. Eigentlich hätte ich warten sollen, bis das Kind das Handy im See versenkt aber ich wollte ihr Leben nicht aufs Spiel setzen. Nichtmal die Rettungsaktion haben diese verantwortungslosen Personen bemerkt, echt traurig…ohne Worte!

  4. Janina sagt

    Ich würde meine fast 4 Jahre alte Tochter auch nicht alleine ins Wasser lassen. Bestätigt hat sich das im Urlaub, da ist sie knapp 3 Meter von mir entfernt im Kinderbecken untergegangen, weil sie ohne Schwimmring schwimmen wollte. Und das in einem flachen Becken, in dem sie stehen konnte. Ich hab sie grade noch rausgefischt.

  5. Melanie sagt

    Dazu verlinke ich immer gern folgenden Artikel: https://www.nordsee24.de/nordsee-urlaub/familienurlaub/ratgeber/anzeichen-des-ertrinkens

    Ich bin seit gut 25 Jahren aktive Vereinsschwimmerin und habe erst vor ein paar Jahren erfahren, dass Erzrinken ein stiller Prozess ist, weil der Körper im Alarmmodus keine Energie für Schreien und wildes Rumfuchteln vorsieht. Auch bei Erwachsenen nicht. Dieses Bild ist rein Baywatch-geprägt.

    Danke für deinen Text. Man kann das ganze gar nicht oft genug publizieren!

    Liebe Grüße
    Melanie

    • Absolut!! Das war ganz, ganz furchtbar. Ich habe zufällig in die Richtung des Kindes gesehen. Hätte ich das nicht getan, hätte keiner etwas mitbekommen. DAS war vermutlich das Schockierendste an dem Erlebnis. Zum Glück!

      Danke für deinen Link.

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