AlltagsAbenteuer, Minimalismus
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Vielseitig interessiert

Was will man da schon machen? Was soll man da schon machen? Erst heute Vormittag beim Kaffeekränzchen mit einem der Kerle in der Spielküche, ging mir durch den Kopf, dass ich isländisch echt cool finde. Dass ich wirklich mal wieder eine Sprache lernen könnte. So neben englisch, französisch, Latein, schwedisch und spanisch. Ha! Als wenn ich diese Sprachen fließend beherrschte. Tue ich nicht!!!

Die Neugierde ist groß

Aber was wenn die Neugierde wächst? Wenn der Drang Neues dazuzulernen unglaublich groß wird? Ist das normal? Geht man dem nach? Lässt man es lieber sein, weil man sich sonst doch nur verzettelt? Um euch mal einen Einblick in mein Dilemma zu gewähren hier einen Blick in eine vorläufige Liste zum heutigen Abend:

  • isländisch lernen
  • Regenwürmer erforschen
  • zwei Bücher schreiben (die Themen hab ich schon parat – sogar die Titel stehen fest)
  • Rezensionen verfassen
  • ein Biobuch lesen
  • Physik nochmal neu aneignen
  • ein Chemiebuch lesen
  • mein Buch vertonen
  • Kinderbücher vorlesen
  • meinen Sohn in seinem Drang zu entdecken und zu forschen unterstützen (Experimente vorbereiten, durchführen, erklären…)
  • eine Puppe nähen
  • selber Sport machen (laufen)
  • wieder klettern gehen
  • Gemüse anbauen, Hochbeete aufstellen
  • unsere “grüne Hölle” – gemeint ist unser Garten – begehbar machen
  • Freundinnen wieder mehr in meinem sozialen Leben aktivieren
  • Obstbäume für Flüchtlinge abernten
  • in der Schulelternschaft mitwirken
  • ein Bein in die Schulsozialarbeit bekommen
  • bloggen
  • unsere Baustelle abschließen
  • diverse KreativProjekt ausdenken, anstarten, durchführen, beenden
  • Dinge selber machen, wie z.B. gekörnte Brühe oder Waschpulver aus Kastanien
  • ein Café eröffnen
  • Frau DingDong hat letztens einen interessanten Blogartikel verfasst. der lässt mich auch noch nicht ruhig schlafen.

Die Liste ist noch nicht vollständig. Aber langsam wird es unübersichtlich.

Zu großes Interesse an allem?

Geht das überhaupt? Grundsätzlich glaube ich: Nein. Der Drang nach Wissen und Lernen gehört m.E. zum Menschsein. Die Frage ist nur, wie setze ich diesen Drang um. Denn wenn ich mir meine Liste vergegenwärtige, wird mir ganz schwindelig und ich lasse lieber die Finger von dem allen. Schließlich sind wir gerade dabei eine Reihe von Projekten abzuschließen. Wieso muss ich, wenn noch nicht einmal alles abgeschlossen ist, gleich wieder Neues beginnen. Vor allem: Warum gleich so viele auf einmal?

Eine Frage der Herangehensweise

Die letzten Jahre habe ich einfach immer mit dem begonnen, was mir am Herzen lag. Und ich muss sagen, diese Strategie hat mich bislang sehr weit gebracht. Wir haben unseren Besitz reduziert, auch wenn viele aus dem realLife den Kopf geschüttelt haben. Ich habe viele interessante Menschen im Netz kennengelernt und tatsächlich das Bloggen für mich entdeckt. Meine Schreibhemmungen haben sich gigantisch verkleinert und ich war dazu fähig über den Verlust unseres Sternenkindes ein Buch zu schreiben. (Die Gedanken an unser Baby holen mich gerade einfach häufiger wieder ein, da es nun knapp zwei Jahre her ist, dass wir uns verabschieden mussten. Vorerst.) Wir waren zweimal im Fernseh, weil man uns interviewen wollte. Ich habe mir das Häkeln beigebracht, habe viele interessante Bücher gelesen und Interviewanfragen beantwortet. Wir haben ein Haus gekauft, wunderbare Kinder, obwohl unsere Lebenssituation ja so schräg sei. Schräg im Sinne: kein Haus gebaut, keinen Zweitwagen finanziert – sowas eben.

Doch alles auf einmal geht gerade einfach nicht. Dafür laufen aktuell zu große Projekte einfach nur mal eben nebenbei. Wenn da eine Sache kommt, die ungeplant ist, eine Kinderkrankheit oder die Auseinandersetzung mit anderen Eltern, wenn es um das Wohl der Kinder geht, dann gerät alles durcheinander. Ich verzettel mich, was letztlich dazu führt: Meine MiniProjekte werden nichts oder ich lasse sie liegen, weil ihnen einfach keine Priorität zukommt. Das häuft sich und ich werde unzufrieden, was sich wiederum auf die anderen größeren Projekte, meine persönliche Ausgeglichenheit und auch unser Familienleben auswirkt.

Mich selber neu organisieren

In den kleinen Dinge merke ich, dass ich den Überblick verliere. In den großen komme ich nicht an den Punkt, dass ich guten Gewissens sagen kann: So ist es gut. Doch das finde ich wichtig. Das Abhaken klappt nicht so gut, wenn ich Dinge nicht auf “Herz und Niere” geprüft habe. Wenn mein Inneres noch nicht voll und ganz Ja! dazu gesagt hat. Zu theoretisch?

Ich merke, ich muss mich und meinen Drang Neues zu lernen und Wissen anzueignen irgendwie organisieren. Ein Vorschlag von außen war, eine Liste anzufertigen. Das habe ich jetzt mal hier gemacht und gleich meinen nächsten Blogartikel damit verbunden.

Doch bevor ich mich daran geben kann, diesen Dingen auf der Liste Prioritäten zuzuweisen, muss ich die anderen Lebensbereich mal ordnen. Mir meine dortigen Erwartungen von mir an mich anschauen und klar haben, wo wieviel geht.

Stell dir dein Leben wie ein Rad vor

Zumindest versuche ich das. Das Rad läuft nicht rund, da die Speichen unterschiedlich weit voneinander versetzt sind, hat sich der Mittelpunkt verschoben und jeder noch so kleine Stolperstein auf meinem Weg führt zu einem weiteren Radschlag. Es eiert. Zu diesen Lebensinhalten gehören meine persönlichen Bedürfnisse nach Ausgleich, meine Partnerschaft, meine Kinder, mein Bloggen, unser Leben im Dorf, unser Alltag mit Schule, Kindergarten und Job und auch das #ProjektAlteSchule. Gerade die letzteren beiden Punkte haben einen Löwenanteil unsere beiden Leben betreffend. Und all das andere, ja das muss ich mal zuordnen, um mich dann im Hinblick auf meine Bedürfnisse wieder neu an die obige Liste setzen zu können. Denn dann erst kommt nach dem

  1. Liste anfertigen, das
  2. Sortieren und Auswerten der Ideen und ein
  3. : Loslegen!

Ist euch das auch schon mal passiert? Dass ihr darüber nachgedacht habt, dass ihr eure Interessen und eure Neugierde reduzieren müsst? Macht das Sinn für euch?

 

10 Kommentare

  1. Soleil sagt

    Der Post macht super Sinn für mich!! Ich habe so viele Interessen und ich hege ständig den Wunsch, mehr davon umsetzen zu können. Bei mir sind es meist musische, sportliche und sprachliche Interessen. Neue Rekorde aufstellen beim Laufen, dann hat die Große gerade angenfangen zu reiten, und die Mittlere hat den Weiß – Gelben Gürtel in Karate gemacht. Das klingt beides sehr spanned für mich. Und nur um es zu haben tät ich gern das Latinum machen. Ach ja und Klavierspielen, das wär’s. Ich habe drei Kinder, ein Haus, eine Katze eine glückliche Ehe, ich laufe, ich gehe ins Fitnessstudio (ich LIEBE Bodypump), ich singe in einer WorshipBand, ich bin in unserer Gemeinde sehr engagiert, habe einen großen Freundeskreis, unser Kindergarten ist eine Elterninitiative, also bin ich dort auch eingebunden, ich engagiere mich in der Flüchtlingshilfe, habe gerade Netflix für mich entdeckt und alle Staffeln “Modern Family” in einem Rutsch geschaut und ich kriege einfach nicht genug vom Leben. Soviel zu tun, soviel zu erleben, soviel zu lernen.
    Ich find’s toll und kann dich vollstens verstehen. Sehr vielseitig interessierte Grüße von Soleil

  2. So Listen habe ich nicht. Ich mache die Sachen direkt. Habe ja die Zeit. Geschichtskurs habe ich gerade gemacht. Online. Projekte mache ich erst fertig und dann neue. Sonst nervt mich das, immer dran zu denken. Gerade wenn ich altes nicht fertig machen will, erscheinen die neuen Sachen attraktiver. Bevor ich mir aber neue Lebensmittel kaufe, verbrauche ich die alten diese Woche.

    • Beim Essen gelingt mir das auch ganz gut. Meistens. Aber bei so Projekten oder Büchern?? Hier sammelt sich gerade einfach alles und eigentlich will ich von dem Gedanken weg, eine bestimmte Sache für DEN Moment aufzubewahren. Der kam bislang nämlich irgendwie nie.

  3. Mir ist noch was eingefallen! Und zwar kann man bestimmt deine Wunschvorstellungen mit der Neugierde der Kerle vereinbaren indem man einfach gemeinsam Museen besucht oder so Event-Nächte, wie die hiesige Nacht des Wissens oder Tage der offenen Tür. Da gibt es meistens ein Kinderprogramm und viele Dinge, die man auch gemeinsam mit den Kindern machen kann. In vielen Museen werden auch Museumspädagogen eingesetzt, die die Kinder beschäftigen während die Eltern durch die Ausstellung bummeln können.
    Das ist vielleicht für den Familienalltag machbarer als ein Physikbuch durchzuarbeiten ;D

    • Möp. Das machen wir ja schon… Jetzt kommt’s doch raus. Die Forscher-Reihe mit dem Sohn: Klar, der ist ganz heiß auf diese Dinge. Aber nur weil ich auch so Bock drauf hab, nutze ich meine Kerle dbzgl schon ziemlich aus. Den einen hinsichtlich der Naturwissenschaften. Den anderen um Dinge aus dem DiY-Bereich auszuprobieren.

      OMG, Ich bin eine schlechte Mutter. Jetzt kommt alles raus. ;)

      Ich danke dir dennoch soooo sehr für dein Mitdenken!!

  4. Pingback: Lesestoff: all ABOUT a GIRL von Caitlin Moran | MamaDenkt.de

  5. Pingback: Minimalismus als Familie? Warum? | MamaDenkt.de

  6. Mein Erfahrung ist dass es nichts bringt zu versuchen alles auf einmal machen zu wollen.

    Ich bin auch sehr “vielseitig interessiert” und auch bei mir ersticken viele Dinge im Keim. Was mich wirkich begeistert ziehe ich dann aber auch durch. Dann aber nur wenige Dinge auf einmal.

    Eine Liste anzulegen könnte helfen (mir eher nicht), aber nur um ab und zu mal als Erinnerung zu dienen. Als konkrete To-Do-Liste ist sowas denke ich eher ungeeignet.

    Eigentlich kann ich dir nur raten auf dein Bauchgefühl zu hören und Prioritäten zu setzen.

    lg
    iris

    • Eine Liste würde bei mir auch nicht funktionieren. … Ich versuche Prioritäten zu setzen. Jeden Tag neu. Die Konsumauszeit kommt mir da gerade sehr gelegen und auch der Gedanke: “Was ich heut nicht kann besorgen, das verschiebe ich auf morgen; – wenn ich es so will.”

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