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Was tun mit alter Plastik-Kleidung?

Plastik-Kleidung und Mikroplastik

Das Einweggeschirr, zumindest ein Teil davon, wurde durch einen Beschluss des EU-Parlaments verboten und soll bis 2021 umgesetzt werden. Mir persönlich ist das viel zu lange hin, weil wir JETZT unbedingt tätig sein müssen. Aber gut, besser als gar nichts. Denn dass wir uns was gegen das Müllaufkommen einfallen lassen müssen, ist schon lange klar. Auch Plastik-Kleidung gehört meines Erachtens dazu. Wie Alex das mit der Plastik-Kleidung sieht, könnt ihr in diesem Blogpost nachlesen.

Wie schön, dass du mich heute wieder besuchen kommst, liebe Alex!

Plastik-Kleidung

Halli Hallo liebe Rachel,

Mensch das ist ja mal eine wunderbare Frage der Nachhaltigkeit. Und eine, die gerade sehr gut zu den Gedanken in meinem eigenen Kopf und zum letzten Thema auf livelifegreen passt. Da ging es nämlich darum, meine alte Plastik-Winterjacke durch eine neue aus gewalkter Wolle zu ersetzen, sozusagen mit natürlicher Wolle gegen Mikroplastik. Und im Prinzip ist das auch schon die Kurzfassung meiner Antwort. Zumindest ein Teil meiner Antwort, denn wie so oft gibt es auch hier kein eindeutiges Schwarz und Weiß. Du wolltest ja wissen, wie ich es mit meiner alten Plastik-Kleidung halte. Also mit meinen Laufleggings, Sportbustiers, Fleecejacken und Co..

Werfe ich alte Klamotten aus Kunststoff weg oder brauche ich sie auf?

Dazu muss ich aber zuerst einmal ein bisschen ausholen. Warum zum Teufel sollte man diese Kleidungsstücke überhaupt wegwerfen? Nur, weil sie aus Kunstfasern hergestellt sind? Das Problem ist, dass Plastik-Kleidung bei jedem Waschgang winzige Fasern an das Waschwasser verliert. Die Rede ist von Mikroplastik;, das sich dann langsam aber sicher in Richtung Meer begibt. Unaufhaltsam, und ohne dass eine Kläranlage irgendetwas dagegen ausrichten könnte.

Leider ist also jeder Schal aus Acryl, jede hightec Outdoorjacke und jede Stretchhose mit Elastan Teil des Plastik-Problems in den Weltmeeren.

Und das Problem ist gewaltig! Erst vor Kurzem wurden Mikroplastik-Partikel in menschlichem Stuhlgang gefunden und spätestens jetzt wird jedem klar, dass das Plastik-Problem zu uns zurückkommt. Über die Nahrungskette.

Und jetzt? Wenn ich nun meine Plastik-Kleidung behalte, dann verliert sie mit jeder Wäsche weiter Mikroplastik. Verschenke ich sie, so spart das vielleicht die Produktion eines neuen Synthetik-Textils. Das Mini-Plastik-Problem verlagert sich jedoch nur in einen anderen Abfluss. Wenn ich das nun so schwarz auf weiß lese, so bleibt nur eine wirklich konsequente Lösung.

Die Lösung heißt Wegwerfen! Und zwar in den Restmüll und damit in die Müllverbrennung.

Habe ich das bereits gemacht? Um ehrlich zu sein Nein, und die spannende Frage ist warum eigentlich nicht? Irgendwie fühlt sich das auch nicht richtig nachhaltig an. Ich bringe es schlicht nicht übers Herz Kleidung, die noch gut in Schuss ist im Müll zu entsorgen.

Trotzdem arbeiten wir an einer steten Veränderung:

  • Ich trage meine Synthetik-Teile mittlerweile sehr selten, was bedeutet, dass sie deutlich wenig gewaschen werden
  • Kaputtes und Aufgetragenes wird durch nachhaltige Varianten (z.B. aus Wolle) ersetzt
  • Wir versuchen bei Neuanschaffungen Plastik-Kleidung zu vermeiden
  • Und natürlich spreche und schreibe ich, genau wie du liebe Rachel, ständig über dieses wichtige Thema

Wir alle sollten (zumindest) wissen, das jedes Kleidungsstück mit Kunststofffaseranteil für unser Umwelt ein Problem ist. Und das gilt im Übrigen auch für Fasern aus recyceltem Plastik. Plastik bleibt eben Plastik. Und wir müssen uns wieder fragen, ob es tatsächlich die Laufleggings aus Synthetik sein muss? Vielleicht geht ja auch eine Jogginghose aus Baumwolle? Brauchen wir wirklich für jede Sportart spezielle Klamotten? Die Yoga-Hose, das Trekking-Shirt, die Fußballshorts?

Müssen wir schon bei jedem längeren Spaziergang ausgerüstet sein als ging es auf eine Expedition?

Mir selbst war das lange nicht bewusst. Mittlerweile trage ich zum Laufen ein einfaches Baumwollshirt und das funktioniert ganz prima. Und wenn ich länger unterwegs bin nehme ich ein trockenes Wechselshirt mit. So geht es nämlich auch, und ganz ohne Plastik. Nur für diese Veränderung im Kopf braucht es zu aller erst einmal die nötige Information und Aufklärung. Und ich versuche durch meine Arbeit, wie viele andere auch, dafür zu sorgen, dass möglichst viele Menschen anfangen darüber nachzudenken, was sie tragen und was für Auswirkungen ihre Plastik-Kleidung auf die Umwelt hat. Das wäre dann das langsame Ende des Plastik-Zeitalters in unseren Kleiderschränken.

Bei Schuhen ist es schon ein bisschen schwieriger kein Mikroplastik zu produzieren. Klar, kann ich Schuhe kaufen, die fair und nachhaltig hergestellt werden. Bei dem ökologischen Fußabdruck der Schuhindustrie sollte ich das sogar. Dennoch erzeugt der Abrieb jeder Sohle aus Kunststoff Mikroplastik. Hier stoße ich also ganz deutlich auf Grenzen, denn in unseren Breiten ist es schlicht nicht möglich das ganze Jahr über barfuß zu laufen. Schade eigentlich…

Du siehst also liebe Rachel, meine Antwort ist vielschichtig und weit weg von perfekt. Leider ist es eben manchmal gar nicht so einfach. Mit einem fährt man jedoch immer richtig:

Weniger bleibt auch bei Kleidung und Schuhen mehr.

Vor allem für unsere Umwelt.

***

Meine nächste Frage an dich dreht sich um grüne Unternehmen und irgendwie passt sie ja auch ganz gut zu unserem heutigen Thema, oder? Alles was wir kaufen wird irgendwo und von irgendwem produziert. Und mittlerweile behaupten fast alle, dass sie das nachhaltig tun würden. Spätestens seit dem Stichwort Grüne Lügen ist aber den meisten klar, dass dahinter oft nichts weiter als Marketing steht.

Was macht denn für dich eine Marke grün?

Pinterest Pin Plastik-Kleidung

9 Kommentare

  1. Ich bin da ganz bei dir und plädiere in diesem Zusammenhang auch für Aufbrauchen bzw. Auftragen. Denn seit ich einen Guppyfriend-Waschbeutel benutze, der diese Mikroplastik beim Waschen filtert, sehe ich genau, welche Kleidungsstücke wie viel Plastikrückstände produzieren. Am schlimmsten ist die neue (geschenkte) Fleece-Jacke meiner Tochter, während die 10 Jahre alte Jogginghose kaum noch Fasern verliert. Dasselbe gilt für der grössten Teil der alten Funktionskleidung. Offenbar wurde da über die Jahre schon fast alles Mikroplastik ausgewaschen. Je neuer die Sachen, desto grösser der (jetzt noch vermeidbare) Schaden für die Umwelt, während alte Sachen offenbar inzwischen recht harmlos geworden sind. Deshalb ist für mich Auftragen, bis die Sachen auseinanderfallen, und dann durch eine ökologische Variante ersetzen der vernünftigste Weg.

    Und noch etwas hat mir der Waschbeutel gezeigt: am Schlimmsten ist beim ganzen Waschgang das Schleudern, dabei entsteht am meisten Mikroplastik (eigentlich logisch, wenn man sich das so überlegt). Es ist deshalb sinnvoll, Sportsachen im Schongang waschen und triefend nass aufzuhängen. Dauert dann zwar länger, bis die Sachen trocken sind, ist aber besser für die Umwelt.

    LG, Julia

    • Übrigens, ich habe diesen Kommentar schon vor 2 Tagen geschrieben, konnte ihn aber nicht abschicken, sondern bin immer an einer Fehlermeldung gescheitert. Zwei Computer und 3 Browser, nichts ging. Warum es jetzt klappt – keine Ahnung…

      • Liebe Julia,

        VIELEN DANK, dass du das Kommentieren dennoch erneut ausprobiert hast. Du bist nicht die einzige, die mich auf dieses Problem hingewiesen hat. Wir arbeiten daran und haben in den letzten Tagen ein bisschen was ausprobiert. Ich bin froh, dass du es dennoch versucht hast.

        Denn: Das Thema ist so brisant und wichtig. Es handelt sich hierbei ja nicht um weniger als unsre Lebensgrundlage – unseren Planeten – unser Klima.

        Das mit dem Schleudern habe ich mir auch immer mal gedacht. Aber ist es nicht so, dass der Guppyfriend auch aus Kunststoff ist? Wieso sollte der nicht ebenfalls Plastikteilchen verlieren? Ich verstehe das Prinzip nicht so recht.

        • Ja, der Guppyfriend ist auch aus Kunststoff, das ist sein grosses Manko. Aber wenn ich die Entwickler richtig verstanden habe, ist er durch eine spezielle Webart so konstruiert, dass er selbst nur minimal Fasern verliert. Seine “Fäden” sind nicht gedrehte, gezogene Fäden, sondern eher hauchdünne Stäbe mit glatter Oberfläche. Es fühlt sich auch nicht wie ein Stoff an, überhaupt nicht flauschig, deshalb kann auch kein “Flausch” verloren gehen. Aber es bleibt halt ein Kompromiss, den ich in unserem Fall für sinnvoll halte, weil ich nicht der ganzen Familie meine Ansichten aufzwingen kann. Solange deshalb bei uns Kunstfasern in der Waschmaschine landen, werde ich ihn verwenden. Und daneben ganz viel Überzeugungsarbeit leisten, damit wir irgendwann plastikfrei waschen…

          • Ja, diese Erklärung kommt mir bekannt vor. Ich trau ihr einfach nur nicht. Es müsste doch einen Stoff geben, der auf natürlicher Basis dieselben Konsequenzen hat?!? Ich hätte wirklich gerne eine Lösung dafür…

            Solange ich die nicht habe, kann ich mich tatsächlich nicht dazu durchringen, mir neue Sportklamotten aus Synthetik zu kaufen. Meine Bekannten, Freunde und Nachbarn zeigen mir schon den Vogel…

    • Ach so, und danke dir für den Hinweis auf alt und neu. Das finde ich erstaunlich. Ich hätte angenommen, dass es sich umgekehrt verhält, weil die alten Kleidungsstücke poröser sind. Aber so… werde ich definitiv nichts Neues dazu holen und habe wahrscheinlich weiterhin trotzdem ein schlechtes Gewissen, wenn ich meine Laufklamotten in die Wäsche packe…

      • Ich nehme an, dass die ganz alten Sachen irgendwann wieder mehr Fasern verlieren, weil sie eben porös werden. Aber meist geben dann als Erstes die Gummizüge nach, bevor der Stoff selbst zu alt ist. Und in diesem Zwischenstadium vor diesem Moment lässt der Verlust von Plastikfasern offenbar eine Zeitlang nach. Das macht die Sachen zu dem Zeitpunkt noch nicht wieder gut, aber es ist für mich ein Grund, sie erst aufzutragen und erst danach zu ersetzen.

  2. Hallo. Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Ich war mir bis Dato nicht bewusst wie sehr dies wirklich ein Problem ist.
    Für normale Klamotten werde ich auch das Prinzip auftragen anwenden und Stücke nach und nach ersetzten.
    Das Problem fängt bei Funktionskleidung an. Für Thermo Unterwäsche, Mützen etc. Kann ich (auch von Profis) Merino Wolle empfehlen. Natürlich und ist sogar in der Funktion besser als die Kunstfaser.
    Für manche Aktivitäten braucht man leider halt doch vernünftige Funktions Kleidung.
    Natürlich ist der Tourist der im Bergsteiger Outfit durch London trabt übertrieben, aber für manche Wetterlagen oder Sportarten braucht man halt doch Funktionskleidung. Und die ist dann halt nicht gerade aus Wolle.
    Da muss ich dann halt Kompromisse mit mir eingehen ;)

    Btw. Was die Klage betrifft, das der geplante EU Beschluss zu lange dauert: wenn man sich der Größe und Funktionsweise der EU Mal bewusst wird, ist das ganze gar nicht so lange ;)

    • Hallo W.!

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast natürlich recht, wenn man bedenkt was für ein riesiger Apparat hinter der EU steckt, dann ist das schon toll und wahrscheinlich gar nicht lang. ABER, und das ist für mich das augenscheinliche Problem, wir hätten ja schon viel, viel, viel FRÜHER auf den Trichter kommen können.

      Und erst vorgestern fand ich plötzlich in einer Situation im Supermarkt wieder, nach der ich dachte: “Es ist kein Wunder!” Es ist kein Wunder, dass wir uns an dem Punkt befinden, an dem wir uns befinden, wenn alle so denken, wie dieser Mitarbeiter einer Edeka – Supermarkt-Filiale. Dazu die Woche mehr. Vielleicht auch heute. Ich muss mal schauen, wie und wann ich zum Texten kommen.

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