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Plastik im Meer. Wir haben ein Problem.

Plastik im Meer 02

Die Schätzungen darüber, wie viele Plastikteilchen sich aktuell im Meer befinden schwanken. Auf jeden Fall steigt sie an. Stetig. Plastik im Meer wird nicht erst zum Problem, es ist schon eins. Und zwar so groß, dass es jährlich 50 Kölner Domen entspricht, die neu ins Meer gespült werden.

Plastik im Meer. Meer im Plastik.

Vermutlich trifft beides zu. Ich könnte euch jetzt den verendeten, aufgeschnittenen Vogel mit den 26 Plastikteilen zeigen. Ein Foto, das dann meistens herangezogen wird, um die tödliche Unausweichlichkeit geschluckten Plastiks zu verdeutlichen. Oder das Bild eines verendeten Wals, der am Strand einer europäischen Küste angespült wurde und von denen es immer mehr gibt. In sich tragend Blumentöpfe, Wasserschläuche, Tüten und ein riesiges Stück Treibhausfolie. Und er ist nicht das  einzige Tier, das derart zu Tode kam. Schildkröten verwechseln aufstrebende Plastiktüten mit ihrem Hauptnahrungsmittel den Quallen und Wasservögel bauen und verzehren den bunten Plastikkram, den wir sorglos tagtäglich produzieren, gebrauchen und entsorgen.

Wie landet Plastik im Meer?

“Ich nutze doch immer den gelben Sack. Von MIR kann das gar nicht sein. Ich weiß auch nicht, wie das Plastik dorthin gelangt.” Nun ja, weit gefehlt. Jeder und jede von uns verursacht täglich jede Menge Abfall und Mikroplastik, das in unsere Meere gelangt und gefährdet damit ganze Ökosysteme. 80% des vorherrschenden Mikroplastiks stammt vom Land. Vom Land? Aber ja. Der Abrieb von unzähligen Autoreifen auf unseren Straßen, unsere Plastik enthaltende Kleidung (wie Fleece und Polyester), die beim Waschgang in der Waschmaschine Flusen verliert, oder auch das in Körperpflegeprodukten hinzugegebene Mikroplastikgranulat, gelangen durch die Klärwerke hindurch in unsere Flüße und von dort aus in die Meere.

Die restlichen 20% Mikroplastik ergeben sich durch den Abfall von Kreuzfahrt- und Frachtschiffen. Dazu noch die Fangnetze industrieller Fischerei oder der Müll von Bohrplattformen, der sich durch Sonneneinstrahlung und andere äußere Einflüsse zwar langsam zersetzt. Nichtsdestotrotz in Form von Mikroplastik irgendwann wieder auf unseren Tellern landet. Die Tiere nämlich verzehren diesen Plastikmüll und verhungern mit gefüllten Mägen.

Primäre Plastikteilchen im Meer

Als ich im Urlaub am Strand entlang spazierte und feinen weißen Abrieb im Sand sah, war ich erstmals unsicher. War das wirklich Abrieb von den Muscheln, die vereinzelt am Boden lagen? Oder doch Mikroplastik? Wer könnte das untersuchen? Wer konnte mir diese Frage mal beantworten?

Was ich herausfand: Wir unterscheiden heute zwischen primären und sekundären Mikroplastikteilchen. Primär meint in diesem Zusammenhang bewusst hinzugegebenes Mikroplastik in zum Beispiel Körperpflegeprodukte oder Putzmittel. Künstliche Stoffe, die ein angenehmes Hautgefühl in Form von Peeling schaffen sollen oder aber dazu beitragen, dass Farben und Puder sich auf der Haut gut anfühlen und kaum “spannen”. Ein ganz gewöhnliches Peeling kann bis zu 300 000 Plastikteilchen beinhalten. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Mikroplastikteilchen von uns Menschen täglich in den Abfluss gespült werden.

Sekundäre Plastikteilchen im Meer

Bei den sekundären Plastikteilchen handelt es sich um die oben schon erwähnten Plastikstückchen, die sich durch Abrieb oder Sonneneinstrahlung oder andere langsame Zersetzung, ergeben. Das Waschen der Fleecejacke ist dabei genauso fatal wie das Waschen der Stoffwindeln, die ebenfalls ein besonderes Fleece oder aber eine außerordentliche Beschichtung besitzen.

All diese Teilchen landen im Meer, in seinen Bewohnern, wie den Fischen und kehren letztendlich wieder zurück auf unsere Teller. Wir haben also ein Problem. Ein Problem, das sich inzwischen bis hoch in die Arktis erstreckt. Ein Problem, das nicht nur eine Gefahr für andere Lebewesen darstellt, sondern auch für uns höchstpersönlich. Plastik kann Auswirkungen auf unseren Hormonhaushalt haben, steht im Verdacht krebsgefährdend zu sein und so weiter und so fort.

Kampf gegen Plastik über zwei Wege

Das war ein Einblick auf die aktuellen Zahlen und Fakten. Und jetzt? Was machen wir jetzt? Plastik im Meer ist ein Problem. Wie gehen wir vor?

Symptombehandlung

Eine gängige Problemlösung lautet: Wir stellen einfach weniger schlimmes Plastik her. Solches, das genauso robust, aber weniger lang für seine Zersetzung benötigt. Problem: Wir haben weiterhin ein Mikroplastikproblem, dem wir auf diese Weise nicht entgegenwirken. Zudem verbrauchen wir weiterhin lustig drauf los, ohne darüber nachzudenken, ob diese Haltung vielleicht schon das Problem sein könnte.

Zweite Lösungsidee: Dann schaffen wir eben Alternativen. Immer was Neues. Immer die neueste Edelstahlbox. Problem: Wieder wird viel prdouziert. Wieder erfolgt Herstellung und der Einsatz wichtiger Ressourcen. Gefühlt: unüberlegt. Schnell. Zügig, um den Konsum am Laufen zu halten.

Oceans-CleanUp, riesige Saugschiffe oder Beach-CleanUps. Wir kommen zusammen und entmüllen unsere Strände. Nicht weniger Plastik im Meer, aber weniger an unseren Stränden. Das machen wir einmal, zweimal und letztendlich dann wöchentlich, denn sonst werden Strände und Küstenstreifen nicht müllfrei bleiben. Doch auch das, ist letzten Endes doch nur Symptombehandlung. An den Kern des Problems, wagen wir uns damit nicht heran.

Das beutetet nicht, dass diese Wege schlecht sind. Doch ohne eine grundsätzliche Veränderung unserer Haltung, werden diese Dinge nichts am gefährlichen Status Quo ändern. Wir steuern weiter auf einen Moment und ein Szenario zu, das wir zwar nicht wollen, für das wir aber nicht bereit sind, unseren Lebensstil zu verändern. Das ist mein Erleben, mein Gefühl.

Wurzelbehandlung

Ändern wir unsere Haltung. Verzichten wir auf übermäßigen Konsum und wenden uns wieder anderen Werten zu. Setzen wir uns für Generationengerechtigkeit ein. Für Nachhaltigkeit. Für Chancengleichheit.

Machen wir weniger Müll. Verbrauchen wir weniger. Weniger Ressourcen verschwenden. Weniger auf Industrie reinfallen. Weniger nicht-hinterfragt stehen lassen.

Plastik im Meer, am liebsten nimmermehr!

Wegen unserer Kinder. Und wenn nicht für sie, dann für unsere Gesundheit und gegen als “total normal” hingenommenen Plastikkonsum.

Wir nehmen die Zerstörung ganzer Ökosysteme durch unseren Lebensstil in Kauf. Diese Ökosysteme liegen schlichtweg zu weit von uns entfernt. Scheinbar. Denn wie gesagt, den Teller mit dem wiederkehrenden Plastik gibt es, doch wir blenden ihn aus.

Plastik im Meer ist nicht greifbar und nur selten öffnet sich für Einzelne der Blick, wenn diese Menschen während einer Kreuzfahrt plötzlich auf vermüllte Strände stoßen. Eine kleine Anzahl von Menschen hier, eine weitere dort. Gemeinsam können wir Veränderung schaffen.

Ein paar plastikfrei Tipps:

a) Vielleicht fällt euch beim nächsten Waschen auf, dass ein Oberteil noch nicht wieder in die Maschine gehört, sondern einmal mehr getragen werden kann.

b) Vielleicht verzichtet ihr auf neue Polyesterkleidung?

c) Oder ihr spart Verpackungsmüll aus Kunststoff, wo ihr nur könnt.

d) Schaut mal auf die Zusammensetzung eurer Zahnpasta. Mit oder ohne Mikroplastik?

Für jeden gibt es etwas, das ihm leichter fällt als dem anderen. Entscheidend ist nur, dass wir die Augen öffnen, uns unserer Lage bewusst werden und nach Lösungen und Veränderungen suchen.

Was nehmt ihr euch heute vor? Wie wirkt ihr den 50 weiteren Kölner Domen heute entgegen und reduziert das Plastik im Meer? Ist euch dieser Artikel zu … hart?

Plastik im Meer MamaDenkt

Ein paar weitere Tips, um plastikfreier durch den Alltag zu gehen, findet ihr hier.

Eine besondere Aktion gegen Plastik, von der ich erst dieses Jahr so richtig was mitbekommen habe, stelle ich euch in diesem Artikel vor.

Plastik zu vermeiden, versuche ich an vielen Stellen im Alltag. Auch bei Kindergeburtstagen lässt sich das ein oder andere gut ausprobieren. Was bei uns gut funktioniert, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

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