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Wir lernen Deutsch. (3)

Ich bin ja sehr häufig versucht in diese gesamte Diskussion über Flüchtlinge, Flüchtlingshilfe, Flüchtlingshetze und Rassismus einzusteigen. Ganz ehrlich, immer kurz davor. An dieser Stelle habe ich mir erlaubt kritisch anzumerken, den “Zeigefinger zu erheben”. Aber so richtig losgelegt habe ich noch nicht.

Oftmals würde ich gerne so treffend formulieren, wie Ella von ringelmiez oder so präzise und durchdacht meine Gedanken- und Gefühlsflut aufschreiben, wie Tina von vomwerdenzumsein. Manchmal wäre ich auch gerne so aufmüpfig, wie … oh, ich spare mir die Erwähnung dieser Bloggerin, sie nimmt es mir sonst übel. Ich für meinen Teil mag dieses “Pippi Langstrumpf – Sein” der nicht genannten. Oder die Herzlichkeit von Frau Weh in ihren Posts über ihre Liebe zu ihrem Beruf, ihre Freude über den Umgang mit ihren Schülern oder über den Herzschmerz, den die brüchige und ungesunde Struktur des Schulsystems mit sich bringt.

Das kann ich aber alles irgendwie nicht so, wie diese Herzdamen. Dafür bin ich zu sehr rage. Mir gelingt es eher – inzwischen – einfach loszulegen. Ich belasse es bei all den Diskussionen im Netz und im Leben. Ich starte durch, indem ich mich in meine Rennsemmel werfe und wenn alles ruhig ist, zum Deutschunterricht düse.

Ich bin da

Ich sitze dann mit drei Flüchtlingsjungen am Tisch, richtig gelesen, inzwischen sind wir einer mehr, und wir reden Deutsch. Und es wird immer mehr. Trotz fehlender Sehkraft, der Abwesenheit von Familie, dem wahrscheinlichen Verlust der Mama. Jede Woche. Mehrmals. Ich sitze da und höre manchmal einfach nur zu. Die Bruchstücke. Ich versuche sie zusammenzusetzen. Wenn sie anfangen zu erzählen. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Ich bin da. Das ist das einzige, was ich in diesem Moment anbieten kann.

Deutschkurs

Und sollten wir einmal im Bürgerkrieg (gesellschaftliche Unruhen können rasend schnell zu solchen auswachsen) landen, dann werde ich auch versuchen, meine Kinder aus diesem Land hinauszukriegen. Zur Not auch ohne mich. Und ich werde mir wünschen, dass es Menschen guten Herzens gibt. Sogenannte Gutmenschen, die sich von all den anderen vermeintlichen Hetzern in ihrer Güte und Liebe zum Menschen und Leben nicht irritieren lassen. Die für meine Kinder da sind. Ohne Vorurteile und mit viel Offenheit ihnen einen Platz schaffen.

Platz

Einen Platz zur Ruhe zu kommen. Einen sicheren Platz. Einen Platz, an dem sie erstmal einmal abwarten können, was die Zeit mit sich bringt. Einen Platz der gefüllt ist mit Annahme und Hoffnung und sei die Hoffnung noch so klein. Ein Aufblitzen, Schimmern oder Funkeln. Das würde ich mir als Mutter erhoffen.

Integration

Geht es darum Integration möglich zu machen, trete ich jetzt mit auf den Plan. Sprache macht Integration möglich. Kommunikation. Statt heiße und völlig absurde, Angst schürende Diskussionen und Reden zu schwingen, nehme ich meinen Wortschatz mit an diesen Tisch und gebe ihn weiter. Auf dass diese Flüchtlinge, ja, meine Flüchtlinge, zu Wort finden. Zu Wort kommen.

Inzwischen sitzen wir zu viert an diesem Tisch. Wir suchen und finden Worte. Und wenn jemand von euch noch nach einem Weg sucht Integration möglich zu machen: Es gibt viele Wege. Auch so verrückte uns durch Material zu untertstützen. Wie zum Beispiel das hier: Bildkarten zur Sprachförderung oder auch Materialien vom Schubi-Verlag.

Das sollte hier eigentlich kein UnterstützungsAufruf werden. In erster Linie ging es mir darum zu erklären, warum hier keine Blogartikel auftauchen, die mitdiskutieren. Ich hab dafür einfach keine Ruhe und Zeit, um die treffenden Begrifflichkeiten zu finden. Es trifft mich einfach zu sehr, ich bin zu emotional an der Stelle. Wobei ich auch nicht weiß, wie es ohne Emoitionalität gehen kann… Mein Weg ist der, dass ich euch über unseren EchtZeit-Unterricht auf dem Laufenden halte.

Ich danke euch!

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