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Wie entrümpelt man ein Haus?

Es gab mal eine Zeit, da sahen drei unserer Räume in einer 120qm Wohnung so aus:

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Liebevoll als unsere drei Archive bezeichnet.

Dann begannen wir zu reduzieren. Nach und nach lichtete sich unsere Wohnung. Wir gewannen Wohnfläche dazu, wenngleich wir jede Menge Zeit in das Aussortieren, Verkaufen und Verschenken gut erhaltenen Inventars, teurer Sportgeräte oder mit Erinnerungen behafteter GeschenkeKleinigkeiten verbrachten.

Inzwischen lässt sich unser gesamter Familienbesitz in anderthalb solcher Zimmer unterbringen. Denn dort steht er aktuell und wartet darauf, bis wir unser neues Heim renoviert und bewohnbar gemacht haben.

Wir nutzten unser WWOOFing-Projekt und den damit verbundenen Umzug, um nochmal so richtig auszumisten. Nach Jahren begab ich mich an aufbewahrte Schulhefte, AbiOrdner, StudiumsAufzeichnungen und und und… Was dabei alles zum Vorschein kam. Ein riesiger Berg an Altpapier, Blättern, die wir weder verfeuern – da Sommer – und inzwischen auch nicht mehr als Schmierzettel nutzen konnten, da beidseitig beschrieben, landeten in der blauen Tonne. Mal abgesehen davon, dass ich schon zwei Kartons nur mit Malpapier und Schmierzetteln zur Seite gestellt hatte.

Parallel kauften wir ein Haus. Bei der Besichtigung war ich erschlagen von all den Dingen, die da überall an den Wänden hingen, auf den Fensterbänken standen, in Regalen arrangiert waren und vor sich hin staubten. Das Haus war schließlich schon einige Zeit unbewohnt. Nichts von all dem Kram fand noch irgendeine Verwendung, sondern hoffte auf die Rückkehr seines Besitzers. Poetisch ausgedrückt. Doch ohne Erfolg.

Die Vorstellung wieder bei Null anzufangen,… ich wusste gar nicht, wie ich das finden sollte. Sollte es mich schockieren? Oder motivieren á là „Yeah! Und wieder machen wir das Leben etwas freier?“ Bis heute weiß ich nicht, was da gefühlstechnisch eigentlich ausgelöst wurde oder wird. Mich beschäftigten einfach nur die Fragen:
1. Werden wir das alles los, um überhaupt renovieren zu können? Und
2. Wie werden wir es los?

Inzwischen sind wir seit noch nicht mal zwei Wochen Besitzer des neuen WohnObjektes und zumindest die erste der beiden Fragen scheint sich zu klären: Wir werden den Kram los. Und zwar auf ganz, ganz unterschiedlichen Wegen, durch die Hilfe und das Wissen vieler anderer Menschen, die uns in den letzten Tagen immer mal wieder in einem Nebensatz einen Hinweis auf den und den Unternehmer oder das und das Projekt gegeben haben.

Sollte jemand von euch mal in den Genuss kommen, ein altes Haus zu übernehmen oder aus irgendwelchen Gründen einen Haushalt auflösen zu müssen, trage ich diese Hinweise hier mal zusammen, wie wir es gemacht haben und aktuell durchziehen.

Grundsätzlich gibt es – nehme ich an – zwei Möglichkeiten zu entrümpeln:
A) Ich sehe in dem ganzen Inventar eigentlich nur Altlasten und leiste mir daher die Kohle für einen Container. In den werfe ich durch das Fenster einfach alles Hab und Gut hinaus, um es 14 Tage später von einem Abschlepper weg transportieren zu lassen.
B) Ich entdecke das mitunter ganze Leben oder zumindest den Lebensabschnitt eines oder mehrere Menschen und gebe dem Inventar eine zweite Chance auf Wiederverwertung, Upcycling oder wie auch immer ihr es nennen mögt.

Wir haben uns für letzteres entschieden, was allerdings nicht bedeutet, dass wir alles aufbewahrt bzw. nichts weggeworfen hätten. Aber wir haben sortiert, und uns eine Art Stufensystem überlegt.

1.) Als erstes sind wir den Kram mal grob durchgegangen und haben Dinge, die sich augenscheinlich von uns wiederverwerten ließen zur Seite gelegt. Dabei waren zwei Massivholzschränke, ein blaues Kleid aus den 60er Jahren, der ein oder andere EmailleTopf, ein SauerkrautHobel oder auch Bücher, wie „Krieg und Frieden“.

2.) Dann hatten wir uns überlegt, wir verkaufen und verschenken Besitz, der von anderen, sei es von Freunden, Nachbarn oder Verwandten noch gebraucht werden konnte. Dafür ließen wir die Menschen, die uns ihre Mithilfe anboten oder einfach nur mal gucken wollten, durchs Haus streifen. Immer mit dem Hinweis, dass sie gerne mitnehmen könnten, wenn sie was Brauchbares entdeckten. Ich gebe zu, viel ging dabei nicht aus dem Haus, aber das ein oder andere Teil, was wir sonst vielleicht tatsächlich hätten entsorgen müssen.

3.) Danach sammelten wir alles in zwei Zimmern des Hauses. Wir entrümpelten die Schränke und Nachttischchen und sortierten radikal aus. Wofür? Für einen Hausflohmarkt. In Schweden eine sehr, sehr gängige Art des Wiederverwertens. Dort gibt es an jeder Ecke das Schild „Loppis“. Dabei handelt es sich weder um Süssigkeiten, noch um Kartoffeln. Meist stellt ein Dorfbewohner eine seiner Scheunen oder Garagen zur Verfügung, in die von den umliegenden Nachbarn das ein oder andere Teil oder Möbelstück zum Verkauf angeboten werden kann. Diese Loppis gibt es ganzjährig, aber eben auch nur für einen bestimmten Zeitraum (z.B. eine Haushaltsauflösung). In Deutschland kommt diese Kultur der Rückführung in den GebrauchsKreislauf erst schleppend an. Wir kaufen uns viel schneller das bessere und moderner Konsumprodukt und entsorgen das alte schnell in der Tonne oder verwahren es im Keller. Oder auf dem Speicher. Oder irgendwo anders in der Wohnung oder dem Haus.
Daher machten wir uns gar keine großen Hoffnungen auf klingelnde Kassen. Insgesamt kam kaum was rum, aber wir konnten das ein oder andere Teil abgeben.

4.) Bei diesem Aussortieren entstanden 11 gelbe Säcke Müll, mindestens genauso viele AltkleiderSäcke und drei große Kartons mit Kleidungsstücken, die wir an die Caritas abgegeben haben. Die gelben Säcke erklären sich durch den ungewöhnlich hohen Konsum des Vorbesitzers an PlastikBlumen jeder Art und in jeder Ecke. Sowas habe ich noch nicht gesehen. Und gerochen.

5.) Für die Möbel riefen wir bei einem Laden an, der aktuell für die Flüchtlingshilfe nach gut erhaltenen Möbeln sucht. Der 7,5 Tonner stand vor der Tür, war ruckzuck voll geladen und das Haus schon ein wenig leerer.

6.) Elektro- oder auch Metallschrott wird inzwischen auch gerne von eigenständigen Unternehmen angenommen, die sich Wertstoffhof oder ähnlich nennen. Sie sammeln und recyceln die in diesen Gegenständen vorhandenen Metalle und verkaufen sie an die jeweiligen anderen Unternehmen, die diese Rohstoff erneut aufbereiten. Für unsere ersten 25 Kilo haben wir sogar ein bisschen Geld bekommen. Davon haben wir uns dann jeder zwei Milchbrötchen gekauft.

7.) (Abgelaufenen) Medikamente oder medizinische Hilfsmittel hat uns die Apotheke abgenommen. Super Sache, da diese einen Kontakt hat, der zum Beispiel bislang nicht genutzte Schnabeltassen an entsprechende andere Einrichtungen weitergibt.

8.) Dann gibt es natürlich noch die Option von ebay, momox und rebuy, um Bücher, Modelleisenbahn, schicke OriginalKleider aus den 60ern weiterzuverkaufen oder alte Bücher loszuwerden. Bei Büchern tue ich mir nämlich immer noch schwer, sie in die blaue Tonne zu werfen. Aber diese Bücher will hier keiner mehr lesen. Kein einziges Buch hat das Haus bislang mit der Zielsetzung erneut gelesen zu werden, verlassen. Von daher sind rebuy und Konsorten für mich eine gute Alternative. (Da es hier eben auch keinen belebten Bücherschrank gibt.)

9.) Manche Kleidungsstücke sind mir zu wertvoll, als dass ich sie in die Altkleidersammlung gebe. Da es bei unserem SecondHandLaden auch keinen Ankauf, sondern nur die SpendenBasis gibt, habe ich mir für das BrautKleid (ca. 40er Jahre) überlegt, beim Theater anzurufen. Da wir auch unglaublich lange und weite Gardinen haben, dachte ich auch diese dort mal anzubieten. Allerdings bin ich dazu bis jetzt noch nicht gekommen und ich gebe es lediglich als Gedankenanstoß weiter.

10.) Alles andere wird über Kleinanzeigen zum Verschenken abfotografiert und ins Netz gestellt. Von Verschenken bis zu 20€ gehen das ein oder andere Elektrogerät, wie z.B. eine Schleudertrommel oder auch ein Hometrainer doch noch in den Besitz anderer über. Das macht uns gerade sehr zufrieden, denn schließlich bedeutet es, wir müssen nicht alles via Sperrmüll entsorgen.

11.) Sperrmüll ist irgendwie die letzte Instanz unseres EntrümpelungsSchemas. Und ich hoffe, dass wir mit der festgelegten Kubikmetermenge auskommen. Sollten wir noch zu viele Möbelstücke im Haus stehen haben, wird der ein oder andere Sessel vielleicht schon zwei Tage vorher auf den Bürgersteig gestellt und jemand nimmt ihn mit. Wer weiß.

So entrümpeln wir dieses Haus und es ist erstaunlich, wie gut und schnell einem mit der Zeit dieses Reduzieren von der Hand geht. Musstet ihr schon einmal ein ganzes Haus entrümpeln oder einen Haushalt auflösen? Viel euch das leicht oder schwer? Was habt ihr für Kniffe entdeckt, um euch von Altlasten bzw. LebensAbschnittsErinnerungen zu trennen?

10 Kommentare

  1. Möhre sagt

    Vor einem halben Jahr haben wir auch ein altes Haus entrümpelt und sind auf ähnliche Lösungen wie ihr gekommen. Einen Container haben wir allerdings gebraucht. Einiges war so ecklig, kaputt oder nicht mehr zum weitergeben, dass das notwendig wurde.

    Hier noch eine Idee, bei der wir viel Spaß hatten:
    Am Einzugsfest haben wir eine Tombola gemacht mit einer 100% Gewinnmöglichkeit.
    D.h. alle Gäste haben ein Los bekommen und wir hatten eine große Kiste mit besonders schönen und lustigen Schätzen des Hauses. (Keine großen oder frechen Sachen). Das wurde dann bei einer gemeinsamen Aktion verlost. Ich hatte den Eindruck, dass es für alle Beteiligten ein sehr lustiger Programmpunkt war. Alle konnten sehen, wer was gewonnen hatte und hatten dann die Möglichkeit zu Tauschen. Bei der Tombola haben wir auch viele gute Bücher (Geschichte, Kunst, Literatur) verlost.

    Inzwischen hab ich schon überlegt, ob ich solch eine Tombola an jedem Geburstag mit den Gästen machen und die aussortierten Sachen des vergangenen Jahres verschenke. Natürlich nur nette Sachen. 🙂

    VIel Spaß und Kraft beim weiteren Ausräumen.
    Möhre

  2. Liebe rage,
    euer Projekt ist echt beeindruckend. Ich weiß nicht, ob ich das auf mich genommen hätte. Bin so froh, dass ich langsam in der Wohnung zu Ende minimalisiert habe. Es tut so gut. Aber das ist ein Prozess über so ungefähr zwei Jahre gewesen. Immer so nebenbei. Ich fand es manchmal überfordernd und anstrengend.
    Für Flüchtlinge in Deutschland werden momentan ganz viele Sachen gesucht.
    Ich würde gerne mit meinen Eltern zusammen deren Wohnung entrümpeln. Meine Mama kauft zwar nicht so viel, aber in den 26 Jahren hat sich viel angesammelt und sie gibt (fast) nichts weg, nur Bücher kommen mal zum CVJM.
    Liebe Grüße
    Nanne

  3. @Möhre: Oh, die Idee mit der Tombola ist großartig. Auch, dass jeder was gewinnen kann. Wie cool!! Danke für den Hinweis. Bei uns lagern aktuell noch die BauschuttSachen in den zig Schuppen, die sich auf unserem Grundstück befinden… Das wird nach und nach mit dem Hänger zur Mülldeponie gekarrt. Sehr interessantes System, das es hier gibt. Wie weit seid ihr denn inzwischen?
    Liebe @Nanne, wir sind mit einer gehörigen Portion „Naivität“ an die ganzen Sachen rangegangen. Ansonsten hätten wir das alles vielleicht auch nicht losgetreten. Aber ich muss sagen, bislang bereue ich nichts. Rein gar nichts. Weder den Hauskauf, noch das SkandinavienProjekt, noch die Schwangerschaft. Wenngleich das alles echt anstrengend ist, wie ich zwischendrin immer mal selber mit mir mutmaße… Und ich glaube auch, dass man heutzutage gar nicht mal mehr viel kaufe gehen muss, um nachher viel im Haus oder der Wohnung stehen zu haben. Ich seh das ja an uns. Mir geht’s da manchmal ähnlich bei meinen Eltern. Aber ich lerne gerade auch, dass viel haben nicht nur fatal ist. Wir haben Bekannte, die haben alles im Keller. Von drei Kindern noch das jeweilige Paar InlineSkater. Mindestens einen EinkochTopf, Einmachgläser, einen riesigen VorratsKeller mit eingekochten Nahrungsmitteln. Wenn das BlackOut kommt, weiß ich, an wen ich mich wende… 😉

  4. Besten Dank für den nützlichen Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass es sich besser entrümpelt wenn man einen genauen Plan hat, eine Struktur nach der man vorgeht. Eine Checkliste ist dabei ein guter Anfang.
    Liebe Grüße,
    Enrico

  5. Ein sehr Guter wegweisen beim Vorgehen einer Entrümpelung. Bei uns in Bremen zum Beispiel gibt es Sozialkaufhäuser, dort kann man auch das eine oder andere Möbelstück an den Mann bringen zudem wird es auch noch kostenlos abgeholt. Kleidung und Bücher braucht man auch nicht zu entsorgen bzw. entrümpeln, hier gibt es auch gute Adressen, wie die Caritas die gerne solche Dinge annimmt.

  6. Das Foto zeigt einem gleich auf den ersten Blick, wie viel Arbeit diese Entrümpelung gewesen sein muss. Hier sagt ein Bild in der Tat mehr als tausend Worte, allerdings finde ich deinen Textartikel natürlich auch sehr gelungen!
    Ich selbst versuche Entrümpelungsarbeiten so gut es geht zu vermeiden. Jedoch ist natürlich klar, dass es hin und wieder sein muss und da können deine Tipps einem gut helfen 😀

  7. Vielen Dank für den interessanten Artikel. Regelmäßige Entrümpelung ist wirklich wichtig. In einem ordentlichen Haushalt fühlt man sich auch deutlich wohler und der Kopf ist frei für wesentliche Dinge.
    Beste Grüße,
    Daniel

  8. Pingback: Nachhaltig werden. Die 4-Wochen-Challenge | MamaDenkt.de

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