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Die Zukunft unserer Welt ist nicht egal. Oder etwa doch? Gleichgültigkeit an der Nachhaltigkeit

Eine Frage der Nachhaltigkeit und die Gleichgültigkeit

Unsere letzte Frage der Nachhaltigkeit handelte von Dogmatismus, heute geht es um Gleichgültigkeit. Ging es bislang sehr häufig, um ganz konkrete Dinge, in denen wir nachhaltig werden können, so befinden Alex und ich uns gerade an einem Punkt, an dem wir unsere Motive und Verhaltensmuster hinterfragen. Unsere eigenen, aber auch die der anderen. Alex, schön, dass du diese Woche wieder hier zu Gast bist. Ich freu mich auf deine Gedanken!

Bestimmt uns wirklich Gleichgültigkeit?

Liebe Rachel,
Du fragst mich heute nach Gleichgültigkeit und Beliebigkeit im Umgang mit unserer Welt.

„Warum glaubst du scheitern wir daran, unser Verhalten und Leben auf Nachhaltigkeit auszulegen (…)? Gibt es dafür Gründe?“

Tatsächlich beschäftigt mich selbst diese Frage fast täglich. Jedes Mal, wenn wir unsere Wohnung verlassen, verfolgt sie mich und jedes achtlos weggeworfene Stückchen Plastikmüll auf der Straße schreit sie mir förmlich ins Gesicht. Warum ist es für viele selbstverständlich ihren persönlichen Müll einfach fallen zu lassen? Auf dem Gehweg, im Park, beim Wandern oder Picknick mitten in der Natur. Warum kauft bei unserem Bäcker fast jeder seinen Kaffee immer noch zum Mitnehmen? Im ach so praktischen Wegwerf-Becher? Trotz all der öffentlichen Diskussion in den Medien über kilometerhohe Becher-Berge. Warum ist es für die Meisten immer noch ganz normal um die halbe Welt in den Urlaub zu jetten? Klimaschutz hin oder her. Das alles sind Dinge, die ich nicht verstehe.

Es wird zwar mittlerweile überall lauter über Nachhaltigkeit gesprochen und nachgedacht, aber oftmals scheitert die Umsetzung schlicht an Bequemlichkeit und einem persönlichen Anspruchsdenken.

Schließlich steht der wohlverdiente Urlaub in den Tropen, das Skiwochenende auf reinem Kunstschnee in der herrlich warmen Märzsonne und der SUV, mit der wunderbaren Rundumsicht, uns doch zu! Oder etwa nicht? Warum sollten denn ausgerechnet WIR zurückstecken und verzichten? Wir sind es doch schließlich gewohnt, dass es uns von Generation zu Generation besser geht und dass der Wohlstand wächst. Wer will die Früchte dieses Fortschritts schon ernsthaft und mit allen Konsequenzen wieder abgeben? Entschuldige bitte meinen Sarkasmus. Aber es gibt Momente, in denen ich gerne durch die Straßen laufen würde, um meine Mitmenschen zu schütteln. Ich würde sie gerne aufwecken aus ihrer Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit, weil ich mich frage, ob ihnen denn nicht bewusst ist, was auf dem Spiel steht. Für uns selbst, aber vor allem für nachfolgende Generationen.
Ich denke heute kann eigentlich keiner behaupten, er hätte nichts vom Klimawandel, seinen Ursachen und verheerenden Folgen gewusst, oder? Oder von der Vermüllung der Ozeane.

Wir sind bis zum Erbrechen mit Fakten und Schreckensbildern vollgestopft und trotzdem sehe ich tagtäglich Menschen, die so handeln, als gäbe es keine Erderwärmung. Und keine Plastikinseln im Meer.

Fast wie kleine Kinder, die denken sie werden unsichtbar, wenn sie sich die Augen zuhalten. Ja, liebe Rachel, leider verstehe ich das nicht und ich befürchte viele werden ihr Denken und Handeln erst dann ändern, wenn für sie persönlich Konsequenzen spürbar werden. Wenn ihnen buchstäblich das Wasser bis zum Halse steht. Und selbst dann wird es immer Menschen geben, die die Standardsätze der Verdrängung und schlichten Ignoranz gebetsmühlenartig wiederholen:

„Ich allein kann ja eh nichts ändern.“ oder „Wenn ich nicht da in dem Flieger sitze, dann fliegt eben jemand anders.“ oder „ Jetzt ist es doch eh schon zu spät, dann kann ich’s doch auch noch mal richtig krachen lassen.“

Nun bleibt die wichtige Frage: Wie geht man am besten mit der Tatsache um, dass die Menschheit mit Vollgas auf den Abgrund zurast. Nicht auf das Ende der Welt, aber auf ziemlich ungemütliche Zeiten mit großen Völkerwanderungen und Auseinandersetzungen um Land und Ressourcen. Wie gehe ICH ganz persönlich damit um, dass in vielerlei Hinsicht so wenig passiert? Ein Stück weit muss man wahrscheinlich loslassen, befürchte ich. Das hat nichts mit Beliebigkeit oder Gleichgültigkeit zu tun, aber Veränderung kann man nun mal leider nicht erzwingen und Druck erzeugt immer nur Gegendruck. Und genau deshalb habe ich persönlich bislang auch noch niemanden da draußen geschüttelt. Zumindest nicht mit meinen Händen. ICH habe mich für Worte entschieden und livelifegreen ins Leben gerufen. Ich diskutiere und vor allem höre ich zu, um zu verstehen, woran wir beim Leben von Nachhaltigkeit im Alltag scheitern. Und ich versuche zu zeigen, dass Verzicht nichts schlimmes ist.

Verzicht ist nichts wovor man Angst haben muss. Im Gegenteil. Weniger IST mehr und es führt uns zurück zum Wesentlichen.

Livelifegreen ist mein Weg mehr Nachhaltigkeit vorzuleben und zu zeigen wie einfach es manchmal ist, etwas zu verändern. Eben Schritt für Schritt und jeder in seinem eigenen Tempo. Die Hauptsache ist nur, dass es uns nicht egal ist, was mit unserer Welt passiert! Es betrifft uns und unsere Kinder. Und genau deshalb lohnt sich jede einzelne Anstrengung. Es lohnt sich einfach! Für die Liebe, die Freundschaft, einen Sonnenaufgang, das Wunder des Lebens, für die Musik und noch so viel mehr. All das kann uns motivieren und ein wirkungsvoller Anker aus der Gleichgültigkeit sein. Und all das müssen wir uns und unseren Mitmenschen wieder ins Gedächtnis rufen. Mit #darumgrüner habe ich daher auch angefangen all die Gründe bei mir auf der Seite zu sammeln, damit wir wieder wissen WOFÜR.

Und ich glaube ich werde nie aufgeben an uns Menschen zu glauben. An all das, was wir gemeinsam schaffen können.

Wir müssen uns nur von der Gleichgültigkeit und Beliebigkeit verabschieden wollen.

Liebe Rachel, Danke für deine Frage der Nachhaltigkeit. Weißt du eigentlich, dass wir schon bei Frage 11 sind? Wahnsinn, oder? Ich freue mich so, dass wir uns in diesem Rahmen mit so wichtigen Fragen auseinandersetzen und gemeinsam denken.
Meine Frage #12 an dich dreht sich um Herausforderungen und um das Scheitern. Wo gerätst du denn beim Verändern an deine Grenzen? Woran scheiterst du und wie gehst du persönlich damit um?

Eine Frage der Nachhaltigkeit Gleichgültigkeit

5 Kommentare

  1. Vielen Dank an euch Zwei für den tollen Beitrag.
    Ich glaube, dass es absolut richtig ist einfach mit gutem Beispiel voran zu gehen und anderen Menschen zu zeigen wie einfach man etwas ändern kann. Viele haben Vorurteile, dass sie ihr ganzes Leben umkrempeln müssen. Dabei helfen auch viele kleine Dinge, unsere Welt etwas besser zu machen. Die Menschen müssen verstehen, dass sie evtl. nur eine Kleinigkeit ändern dies, aber viel bewirken kann. Wie wenn wir Wasser aus Plastikflaschen durch Leitungswasser ersetzen.

    Aber ich bin mir sicher, dass wir mit jedem Beitrag, jedem Post und jedem schriebenen Satz zumindest ein paar Menschen erreichen könnne. Selbst wenn es nur zum nachdenken anregt, haben wir schon viel erreicht!

    Macht weiter so.

    Ganz liebe Grüße
    Sarah & Lea

    • Liebe Sarah und liebe Lea,
      Vielen Dank für euer Feedback. Es tut sooooo gut zu hören und zu wissen, dass wir alle nicht alleine kämpfen. Und gemeinsam sind wir stark.
      Alles Liebe
      Eure Alex

  2. Servus Rachel & Alex,
    gleich mal vorausgeschickt: Ich bin FÜR nachhaltiges und bewusstes Handeln. Jedoch traue ich der Menschheit auf unserem Planeten die erforderliche Vernunft für ein Umdenken, welches das Überleben unserer Spezies nötig macht wirklich nicht zu. Es WIRD zu existenziellen Problemen mit dem Klima, mit unsauberer Luft, unsauberem Wasser und einer extremen Ressourcenknappheit führen. Dadurch sind kriegerische Auseinandersetzungen vorprogrammiert. Die Erde wird es schaffen – sie kommt ohne uns aus.
    Ich weiß, das sind harte Worte. Eine bessere Alternative für uns Menschen sehe ich leider nicht. Das einzige, was wir gemeinsam vielleicht erreichen können, ist mit unserem nachhaltigem Handeln das skizzierte Drama etwas zu verzögern. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir sind es unseren Kindern schuldig, unser Möglichstes zu tun. In Frieden und mit Ausdauer.
    es grüßt herzlich Dieter

    • Mein lieber Dieter,
      Es klingt zwar drastisch was du schreibst, aber ich bin mir dessen wohl bewusst, dass daran viel Wahres ist. Leider. Und es macht mich unendlich traurig!
      Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass die nächsten 20 Jahre wohl über unser Schicksal als Menschheit entscheiden werden. Nicht über das unserer Erde. Und ja, wahrscheinlich geht es nur noch um das Wie-Schlimm und nicht mehr das Ob-Überhaupt :-(.
      Und in noch einem Punkt bin ich ganz bei dir. Wir sind es unseren Kindern schuldig unser Möglichstes zu tun. Auch wenn es manchmal unbequem ist!
      Alles Liebe
      Alex

  3. Pingback: Ich will doch nur die Welt retten! Warum hört mir denn keiner zu? | MamaDenkt.de

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