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Eine Frage der Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

Eine Frage der Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

Meine Lieben, es ist wieder soweit. Alex von livelifegreen und ich haben uns überlegt, unser Projekt aus letztem Jahr wieder aufzunehmen und uns – mit euch – gegenseitig zur Nachhaltigkeit zu interviewen. Jede von uns stellt der anderen eine Frage der Nachhaltigkeit, welche die andere innerhalb der kommenden zwei Wochen beantworten kann. Die jeweilige Antwort findet ihr dann im entsprechenden Blog. Wir werden euch über unsere SocialMedia-Kanäle darüber auf dem Laufenden halten. Heute geht es um Nachhaltigkeit im Kleiderschrank.

Vergangene Woche habe ich einen Beitrag entdeckt, in dem es um Nachhaltigkeit in der Mode geht. Angesprochen hat mich das Titelbild des Artikels und meine Feststellung am selben Tag, dass meine 3/4-Laufhose schon 10 Jahre alt ist und nach etwa 2000 km tatsächlich anfängt an den Nähten aufzugehen. Ist das nachhaltig? Pflege ich Nachhaltigkeit im Kleiderschrank?

Wie ist das mit unserer Kleidung und gelebter Nachhaltigkeit im Kleiderschrank bei den anderen? Alex hat mein persönliches Gedankenkonstrukt bestätigt und mit dem ein oder anderen Gedanken zusätzlich gefüllt. Ich bin so froh, dass wir uns damals über den Weg gelaufen sind und es macht Spaß sich gegenseitig mit Wissen zu ergänzen. Aber lest selbst in ihrer Antwort nach und vielleicht habt ihr ja auch noch den ein oder anderen Gedankenzusatz?

Oh meine liebe Rachel! Ich freue mich SO, dass wir heute unser Projekt wiederbeleben.

Eine Frage der Nachhaltigkeit geht in eine neue Runde. Verdient, denn ich fand es toll mit dir auf diesem Wege ein Gespräch über Nachhaltigkeit zu führen. Den Startschuss macht heute deine erste Frage für 2018 und in der dreht sich alles um die Nachhaltigkeit in meinem Kleiderschrank. Ja, eine ziemlich gute Frage wie ich finde.

Wie sieht eigentlich ein nachhaltiger Kleiderschrank aus?

Eines weiß ich schon mal: Von einer sogenannten Capsule Wardrobe bin ich ziemlich weit entfernt. Dieser trendy und zugegebenermaßen recht minimalistische Ansatz geht nämlich davon aus, dass jeder mit ca. 20-40 wohl ausgewählten Teilen für das ganze Jahr gut ausgerüstet ist. Wichtig dabei ist vor allem, dass die Kleidungsstücke alle gut miteinander kombinierbar sein sollten. Dann kann, zumindest theoretisch, nichts mehr schief gehen. Aha! Man kauft und besitzt also wenig, und DAS wohl überlegt und sehr bewusst. Und wie sieht das jetzt bei mir aus?

Ich befürchte, dass allein die Zahl meiner Oberteile eine Capsule Wardrobe sprengen würde.

Bei mir hat sich über die Jahre so einiges angesammelt. Und so manche Wahl der Vergangenheit war (leider) auch nicht wirklich wohl überlegt. Aber ist mein Kleiderschrank deshalb jetzt NICHT nachhaltig? Muss es denn immer gleich SO minimalistisch sein? Ich finde, dass man hier ein bisschen genauer hinsehen muss. Über die Gesamtzahl hinaus.

Für mich persönlich sind vor allem drei Dinge entscheidend. Und DIE gelten nicht nur für meinen Kleiderschrank: Wertschätzung, Verzicht und Fairness. Ganz konkret bedeutet das zunächst, dass ich alles, was ich im Lauf der Jahre und Jahrzehnte gekauft habe, mit Respekt behandle. Ich passe gut darauf auf und selbstverständlich flicke und repariere ich kaputte und verschlissene Stellen. Und es ist erstaunlich wie sich die Lebenszeit vieler Teile durch gute Pflege verlängern lässt. Ich habe zum Beispiel einen klassischen Wollmantel im Schrank, der über 20 Jahre alt ist. Komisch eigentlich, dass das so aus der Mode gekommen scheint, oder? Aber kurzlebige Trends scheinen sich oft eben eher schlecht mit Wertschätzung zu vertragen.

Bei mir werden gute Shirts zuerst zu Spielplatz-Klamotten, dann zum gemütlichen Schlafanzug und DAnach fällt mir meist noch etwas anderes ein.

So lassen sich aus vielen Kleidungsstücken noch tolle Sachen zaubern. Neudeutsch nennt man das Upcycling. Alte Socken verwandeln sich in Handpuppen oder ein cooles Schnecken-Kostüm für Karneval und aus alten Babybodies werden praktische Stoffbeutel für Obst und Gemüse. Und am absoluten Ende der Tragbarkeit bleibt immer noch das Schicksal als Putzlappen in Küche und Bad.

Du siehst also, liebe Rachel, auch ein voller Kleiderschrank kann nachhaltig sein.

Ich habe VIEL in meinem Schrank. Nicht weil ich so gern shoppe, sondern weil ich meine Kleidung wertschätze.

Und deshalb jage ich auch keiner Capsule Wardrobe hinterher. Das passt einfach nicht zu mir und das ist auch gut so.

Natürlich sortieren wir bei uns Zuhause auch Manches aus. Das Meiste davon (nicht alles) ist zu klein gewordene Kinderkleidung. Ich glaube das kennen alle Familien. Gut erhaltene Kleidungsstücke werden dann entweder lokal verkauft, getauscht, verschenkt oder mit Bedacht gespendet. Denn Altes einfach im nächstbesten Container entsorgen wäre eine schlechte und ziemlich kurzsichtige Lösung. Unser “Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn” und die gut gemeinte Altkleider-Spende führt nämlich in anderen Teilen der Welt zu riesigen Problemen und zerstört dort Existenzen und Lebensgrundlagen. Vor allem durch die unglaublichen Massen, die bei uns gespendet werden (Mehr Infos dazu gibt es hier).

Den Preis kurzlebiger Mode-Trends und zu billiger Kleidung zahlen nicht nur mit der achtlosen Entsorgung die Ärmsten der Welt.

Und weil das so ist, versuchen wir erstens unsere Altkleider konsequent lokal weiterzugeben. Und zweitens müssen alle Neuanschaffungen erst zwei wichtige Hürden bestehen: Ist das neue Teil WIRKLICH unverzichtbar und wie steht es denn um die Fairness? Ich weiß, ich weiß. Was ist schon unverzichtbar. Aber wenn ich heute zum Beispiel eine Job anfangen würde, in dem ich repräsentieren müsste, dann müsste ich definitiv zuerst einkaufen gehen. Ob ich will oder nicht. Zumindest ein paar Basic-Teile. Ich kann aber selbstverständlich frei entscheiden WO ich das tue. Gute Qualität secondhand zu kaufen ist dabei sicherlich ein wunderbarer Weg zu einem nachhaltig(er)en Kleiderschrank UND einem guten und gepflegten Auftritt. Und Secondhand-Mode ist eine tolle Alternative für alle, denen faire Mode zu teuer ist. Mittlerweile gibt es ja sogar Möglichkeiten seine Kleidung über spezielle Shops auszuleihen. All das sind großartige und teils sehr innovative Wege hin zu einem neuen Umgang mit Kleidung. Im Idealfall hin zu einer längeren Nutzungsdauer und einer Schonung unserer wertvollen Ressourcen.

Angesichts der riesigen ökologischen und sozialen Probleme von Rohstoffanbau, Herstellung und Transport werden wir allerdings um einen Verzicht nicht herumkommen. Das ist zumindest meine Ansicht. Wir müssen wieder begreifen, dass es kein unendliches Wachstum geben kann und das gilt auch, wenn die Produkte (hoffentlich insgesamt) fairer werden. Wir werden nicht glücklicher, wenn wir jedem Ideal nachjagen. Immer trendy, immer up to date und ständig neu.

Ich jedenfalls kaufe mittlerweile sehr wenig. Und ich tue das bewusst und achtsam. Ich verzichte und habe dadurch mehr Raum für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Und ihr?

Wie sieht euer nachhaltiger Kleiderschrank aus?

***

 

So meine liebe Rachel, und jetzt kommt meine Frage:

Gerade im Kleiderschrank hatten wir ja wieder die Macht des Verbrauchers, der durch gezielten und bewussten Konsum und Verzicht etwas verändern kann. Aber was, wenn das nicht reicht um WIRKLICH Großes zu bewegen?

Mich beschäftigt gerade eine Frage, die sich um Verbote und politisches Lenken dreht: Soll und MUSS die Politik nicht vielleicht mehr Nachhaltigkeit aktiv einfordern? Nicht durch freiwillige Selbstverpflichtungen, sondern durch Verbote und Regelungen? So wie andere Länder mit dem Verbot von Plastiktüten, oder Einweggeschirr? Was denkst du denn darüber? Öko-Verbote ja oder nein?”

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