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Greenwashing auf den Punkt gebracht

greenwashing MamaDenkt 01

Das Phänomen Greenwashing auf den Punkt zu bringen ist wahrscheinlich nicht immer eindeutig. Dennoch erfordert es in den meisten Fällen gar nicht so viel Zeit und Aufwand um ein Gefühl für dieses Verfahren von Unternehmen zu entwickeln.

In den vergangenen Wochen bin ich mit diesem Begriff immer und immer wieder frontal zusammengestoßen. Greenwashing ist kein grünes, sondern ein schmutziges Geschäft. Nicht nur auf Kosten von Mensch und Natur, sondern auch unserer eigenen Urteilsfähigkeit und Glaubwürdigkeit. Immer wieder musste ich an das Buch „Die grüne Lüge“ von Kathrin Hartmann denken. Die Rezension steht noch aus, doch sobald ich sie fertig habe, dürfte ihr sie ebenfalls hier im Blog nachlesen.

Greenwashing an allen Ecken

Ich weiß, das macht mich unbequem und vermutlich wird es mir auch die ein oder andere Einladung zu einem „grünen Event“ vermasseln. Ja, es gibt hier kein schwarz und weiß. Aber, und zu diesem „Aber“ stehe ich, wir dürfen versuchen aus diesen Grauzonen herauszukommen. Wir dürfen dran bleiben und es absolut ernst meinen, wenn es darum geht Nachhaltigkeit und grünes Leben umzusetzen.

Im folgenden findet ihr ein paar Beispiele, die mich über Greenwashing haben nachsinnen lassen. Ich stell sie euch mal vor und versuche auf den Punkt zu bringen, was für mich ein Kriterium ist zu unterscheiden zwischen grünem Schein und was eben doch dem anstrengenden Versuch nachkommt den ökologischen Fußabdruck nachhaltig zu verringern und zurückzugeben, was wir nehmen.

Nebenbei erwähnt: Ja, es gab erst kürzlich einen Beitrag von Alex im Rahmen unserer Frage der Nachhaltigkeit auf diesen grünen Schein. Seitdem bin ich wie gesagt täglich damit konfrontiert, Menschen zu begegnen, die sich schnell mit diesem Greenwashing zufrieden zu geben. Hier der Artikel von Mitte Juni. In dem Zuge fällt mir ein, dass auch Svenja vergangenes Jahr auf diesem Blog mal zum Thema grüner Konsum geschrieben hat. Auch dieser Artikel ist sehr zu empfehlen.

Schuhe und Kleidung aus Meeres-Plastik

Ja, wir haben einen Problem, was das Mikroplastik und unseren Lebensraum angeht. Das betrifft also nicht nur Schildkröten und andere Meerestiere. Auch wir stehen schon jetzt vor einem Problem, dessen niemand mehr so richtig Herr zu werden scheint. Wir handeln einfach nicht langfristig, sondern nur für den Moment. Hier findet ihr den Text von vor nicht mal einem Jahr, in dem es um dieses Plastik ging.

Durch die Nahrungskette landet das im Duschgel oder der Zahnpasta verwendete Mikroplastik wieder auf unseren Tellern. Von der Wäsche und durch sie ins Abwasser gelangende Mikroteilchen an synthetischen Partikeln war noch gar nicht die Rede. Unsere Verwendung von Kunststoffgeschirr und das Säubern des selben im Geschirrspüler ist noch gar nicht mitgedacht.

Jetzt kommen tatsächlich Unternehmen auf die Idee Sportbekleidung und Laufschuhe aus genau dem Plastik herzustellen, dass aus den Ozeanen gefischt, aufbereitet und zu einem gewissen Anteil wiederverwendet werden kann. Dass die Produktpalette derselben Anbieter dieser besonderen Schuhe riesig ist und diese Heeresplastik-Bekleidung mal eben 1% ausmacht, wird nicht mitbedacht und durch geschicktes Marketing so positioniert, dass keiner nachfragt.

Das finde ich dreist, aber ja, es ist so. Dass dieselbe Firma weiterhin für einen großen Teil Mikroplastik durch die anderen 99% synthetischer Kleidung verantwortlich ist, daran denkt niemand. Wieso auch, diese besonderen Laufschuhe sind ja aus dem besagten Plastik im Meer.

Bananen und Äpfel sind schwarz wie Mango und Avocado

Ein anderes Thema ist unser Ernährungsverhalten. Vegan ist in, vegan ist hip, vegan kommt ziemlich gut an. Bis neulich, als dann plötzlich die, nicht ganz so neue, Info durchsickerte, dass Mangos und Avocados so viel Wasser schon bei der Herstellung benötigten, dass das Trinkwasser der im Anbaugebiet lebenden Menschen versiegt. Ade du veganes Mousse au Chocolat. Ade Tropical-Power-Smoothie mit Mangogeschmack.

Dass der Verzehr von Bananen oder auch der Einflug von Äpfeln aus Neuseeland mindestens genauso fragwürdig ist, wird nicht gesehen. Das mag in diesem Fall auch daran liegen, dass es bei eingeflogenen Äpfeln mehr noch um den daraus resultierenden CO2-Ausstoß geht, als um den Wasserverbrauch. Doch beide Kriterien sind wesentlich, wenn es um den ökologischen Fußabdruck und unseren Lebensstil im reichen Europa geht. Aus Kosten von Mensch und Umwelt. Schon jetzt – und nicht erst in Zukunft.

Allianzen im Sinne des grünen Waschens

Was ebenfalls zunehmend auffällt, ist der inflationäre Gebrauch irgendwelche Nachhaltigkeitssiegel. Ganze Unternehmen und ihre Supermarktketten kreieren sich inzwischen ihr eigenes grünes Label und fahren bei dem Verkauf der dazugehörigen Produkte ziemlich gut. Die Schwierigkeit und Obskurität dieser Nachhaltigkeitssiegel findet sich immer häufiger in Artikeln im Netz. Ein Unternehmen, das ich toll finde und ja, für das ich inzwischen auch arbeite, hat erst kürzlich einen Artikel zu dieser Thematik veröffentlicht. Den Link zum Wildlings Shoes Blog findet ihr hier und im Text den ein oder anderen Link in Sachen Nachhaltigkeitssiegel.

Überall steht inzwischen was von zertifiziertem Kakao, der den Bauern zugute kommen soll. Der Absatz an Kakao ist weiterhin gut, schließlich lieben wir Kekse, Schokolade und Kuchen mit herben Schokosplittern. Aber die Lage der Bauern hat sich in den vergangenen Jahren nicht wirklich verbessert. Wie kann das sein? Und warum lese ich sowas nur in einem Buch von Kathrin Hartmann? Ich komme mir dann meistens unglaublich dumm vor, wenn mir auffällt, wie dümmlich ich mich doch eigentlich angestellt habe. Denn auf einmal sind alle Schokoladen von vorher zertifiziert?!?

Greenwashing geht uns alle an

Es ist erstaunlich, wie wir mit unserem Verstand verfahren, sobald wir durch eine Ladentür treten. Wie wir uns verhalten, wenn wir in den Supermarkt gehen und uns an jeder Ecke der grüne Schein begegnet. Denn tatsächlich treffen wir an den unterschiedlichsten Punkten auf ihn. Sei es beim Kauf der etwas grüner gestalteten Süßigkeiten-Verpackung oder an der Fleischtheke, in der alle möglichen Wurstsorten mit „Aus der Region“ gekennzeichnet sind. An der Kasse dann das Schild, „Wir führen keine Plastiktüten“. Dafür sind alle Nahrungsmittel in Kunststoff und Pappe eingeschweißt und verpackt.

Das ist einfach nicht grün, was uns da suggeriert wird. Dennoch geben wir unseren Verstand und unsere Urteilsfähigkeit gehorsam nach dem Betreten des Supermarkts ab. An der Ladentür linksbefeindet sich eine Restloch überfüllte Garderobe, so könnte es scheinen. Wir können nichts dafür, wir haben es nicht besser gewusst.

Nein, das stimmt so natürlich nicht. Ja, bestimmte Dinge erfahren wir gar nicht mehr. Daher ist es ja so verdammt notwendig, dass wir nicht aufhören Fragen zu stellen. Nachzufragen, ob es eine Alternative gibt, woher die Wurst kommt, warum der Brokkoli eingeschweisst sein muss und ob das Glas Nougatcreme wirklich notwendig ist? Manche Dinge können wir uns aber auch denken, sobald wir mehrere Informationen in Beziehung zueinander stellen. Das können wir und das sollten wir.

Konkret gegen Greenwashing und für Nachhaltigkeit

Ich bin die Veränderung, die ich in dieser Welt haben will. Also fang ich dann mal an und zwar an vielen Stellen gleichzeitig, denn ich kenn das ja inzwischen. Noch viel zu oft lasse ich mich schnell zufrieden geben. Doch damit ist heute noch ein bisschen mehr Schluss. Damit es real wird, darf es konkret werden. Damit Nachhaltigkeit das Gebot der Stunde ist braucht es konkrete Entscheidungen.

Meine aktuelle Entscheidung: Ich werde mir keine neuen Laufschuhe mehr zulegen. Unter den vorherrschenden Arbeitsbedingungen der Menschen in diesen Schuhfabriken, trägt mein Lauf, der mir Kraft und Energie geben soll, nicht dazu bei, dass es mir gut, geschweige denn besser geht. Den Link zum erschütternden Video, das vor drei Wochen auf Facebook gepostet wurde, findest du hier.

Was ist deine Entscheidung? Ganz konkret, ganz aktuell? Hier und Jetzt, um die Welt zu verändern, zurückzugeben, was du genommen hast?

Greenwashing auf den Punkt MamaDenkt

4 Kommentare

  1. Toller Artikel, denn wir lassen uns wirklich viel zu oft blenden, von öko aussehenden Verpackungen, von tollen Labels und vollmundigen Versprechen. Und auch von unserer Bequemlichkeit, denn meist ist es eben mit Arbeit verbunden, sich die Informationen zu beschaffen, um Greenwashing durchschauen zu können.
    Allerdings hinkt der letzte Abschnitt etwas. Denn: „Manche Dinge können wir uns aber auch denken, sobald wir mehrere Informationen in Beziehung zueinander stellen.“ In diesem Sinne dürfte das Beispiel mit den Laufschuhen verfehlt sein. Denn dass für jemanden, der für Wildling Shoes arbeitet, die Produktionsbedingungen der einzige Grund ist, vom Kauf von dick besohlten, gut abgefederten und die Zehen einengenden Laufschuhen abzusehen, ist nicht wirklich plausibel… ;)

    LG, Julia

    • Vielen Dank liebe Julia!

      Es gibt auch noch andere Gründe, wieso für mich das barfußlaufen Experiment so interessant ist. Das stimmt. Ich merke, dass ich plötzlich ganz anders laufe und will einfach wissen, ob irgendwann der Muskelkater aus meinen Füße verschwinden wird.

      Aber ganz ehrlich, Produktionsbedingungen sind für mich Grund genug auf Alternativen auszuweichen. Denn bislang ist mir das Fehllaufen mit meinen Sportschuhen nicht aufgefallen…

      • Klar sind die Produktionsbedingungen IMMER ein Grund, das ist mir schon klar. So ernst war der Kommentar auch nicht gemeint, mir ist nur die Ironie der Formulierung aufgefallen. Für mich war die oft sehr bewusste Herstellung in vielerlei Hinsicht auch ein Anstoss, es jetzt mal mit Barfussschuhen zu probieren, aber eben nicht der einzige.
        Und ja, der Muskelkater lässt nach, auch wenn weiterhin noch kurzfristige Wewehchen auftauchen können. Gestützte, gepolsterte Schuhe haben unseren Füssen so lange einen Teil der Arbeit abgenommen, dass die Umstellung einfach Zeit braucht. Bei mir hat es gute 12 Monate gedauert, bis nichts mehr gezwickt hat, aber seither liebe ich das Gefühl, den Boden unter den Füssen spüren zu können.

  2. @Rage: Ich finde die Bücher von Kathrin Hartmann besonders „verdichtet“ geschrieben. Da klingt auf jeder Seite Wut und Trauer, aber auch Zuversicht durch. Ich hoffe, das gerade solche Bücher aufrütteln. Bei Kathrin Hartmann spürt Mensch, das sie nicht „neutral“ gegenüber den Inhalten ihrer Bücher ist. Und gerade deshalb finde ich die Literatur von Kathrin Hartmann so wichtig. Ich hoffe, das noch viel mehr Bücher erscheinen.

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