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Gutes auf den Teller: Ein Resümee

Resümee Gutes auf den Teller MamaDenkt

Unser Selbstversuch „Gutes auf den Teller“ zu bringen endet heute im wahrsten Sinne des Wortes. Drei Wochen liegen hinter uns, in denen wir uns diesem Experiment gestellt haben: Eine Woche haben wir die für uns nötigen Lebensmittel im konventionellen Supermarkt eingekauft. In der Woche danach ging es darum möglichst unverpackt einzukaufen, sei es auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen oder auch im Unverpackt Laden. Diese dritte Woche habe ich mir die Zeit genommen und mal verglichen. Wie ist das denn mit der  Zeit, dem Geld, dem entstehenden Müll, meinen Kräften als arbeitende Teilzeitmutter und wie macht die Familie das Ganze mit?

Gutes auf den Teller mit ein paar Zahlen

Eine Gegenüberstellung von Zahlen ist schwierig, wie ich finde, da eine Woche durch unterschiedliche Bedürfnisse fürs Vergleichen nicht aussagekräftig genug ist. Beispielsweise kaufen wir in der Regel nicht nur ein Paket Toilettenpapier, sondern drei Pakete, um möglichst nur einmal im Monat welches besorgen zu müssen. Das bedeutet, dass wenn ich in der ersten Woche losziehe und es kaufe, ich dasselbe für die sich anschließenden zwei Wochen ja erstmal nicht benötige. Der nötige Einsatz von Geld und Zeit fallen in dieser Woche weg. Und genau das, betrifft so viele verschiedene Einkäufe.

Dennoch möchte ich euch die von mir gesammelten Fakten in diesem Beitrag einmal vorstellen.

Zeitlicher Aufwand

In der ersten Woche war ich zweimal sehr bewusst einkaufen. Darüber hinaus fuhr der Mann abends auch mal eben zwei mal noch was einkaufen, macht also insgesamt viermal und damit 6h, die wir in dieser Woche mit dem Einkauf verbracht haben.

In der zweiten Woche haben wir den Einkauf Ewigkeiten nach hinten verschoben. Normalerweise geht’s dienstags spätestens mal los, doch das war dieses Mal anders. Dieses Mal habe ich den Einkauf von einem auf den anderen Tag verschoben. Wenn ich sowieso in der Stadt unterwegs war, also jeden Tag, habe ich zwei, drei Dinge gekauft, die ohne Verpackung auskamen. Erst Mittwoch und am darauffolgenden Samstag ging es richtig los. Solange hatte es gedauert, bis ich einen Essensplan und eine entsprechende Einkaufsliste erstellt hatte. Ich war einfach nicht vorbereitet, hatte keinen Plan und auch irgendwie so gar keine Idee, was ich sinnvolles kochen konnte, das außerdem möglichst ohne Verpackung auskam.

Letztlich habe ich daher in der zweiten Woche viel mehr Zeit gedanklich damit verbracht einzukaufen. tatsächlich fürs Einkaufen unterwegs war ich in beiden Wochen gleich lang.

Finanzielle Komponente

Um sich genaue Zahlen mal anzuschauen, lohnt sich die Gegenüberstellung von Laura total gut, die sie auf dem von ihr und Nina geführten Blog Heute ist Musik veröffentlicht hat. So ähnlich sieht es bei uns nämlich auch aus.

Butter kostet bei uns definitiv überall gleich viel. Die Nudeln sind im Unverpackt Laden natürlich teurer als im Supermarkt. Aber: Hier kommt es zweifelsohne darauf an, für welche Art von Nudeln ich mich denn entscheide und entsprechend als Vergleich heranziehe. Und dann stellt sich ja immer noch die Frage nach den durch gesundheitliche Erkrankungen entstehenden Kosten. Aber, ja, ich sehe das Problem: Es ist schwierig und nahezu unmöglich eine bestimmte Krebserkrankung an verunreinigten Nahrungsmitteln festzumachen. (Das ist ja das Perfide.)

Es ist und bleibt also vorerst teurer. Die Frage ist, ob wir es uns wert sind und an anderen Stellen verzichten. Denn ja, für unseren persönlichen Geldbeutel ist der Einkauf noch nicht komplett unverpackt möglich. Dafür müssen wir uns erst neu organisieren. Solange der Unverpacktladen als eine zusätzliche Strecke hinzukommt und an anderer Stelle bestimmte Einkäufe nicht wegfallen, sind die Spritkosten höher und das Ganze passt finanziell für uns nicht. Diese Gedankengänge sind nur leider schwer in Zahlen auszudrücken, weil so Vieles sich gegenseitig bedingt.

Produzierter Müll

Allein in der ersten Woche unseres Experiments haben wir bestimmt einen halben bis ganzen gelben Sack Müll produziert. Unfassbar. Obwohl wir viele Dinge, wie Milch und Joghurt im Glas kaufen und ich aktuell ein paar Trinkkartons für meine Upcycling-Workshops gesammelt habe, die deswegen nicht in den Müll gewandert sind.

In der zweiten Wochen war das viel, viel weniger. Ich glaube, wir haben noch nicht einmal ein Viertel eines Müllsackes gefüllt. Das war ein unglaublich tolles und befreiendes Gefühl, muss ich sagen.

So schön, dass wir jetzt in der dritten Woche wieder nur einen halbe Sack benötigt haben.

Meine Kräfte und das Verhalten meiner Familie

Ich merke, dass es stark an mir liegt, ob wir dieses unverpackte Einkaufen durchziehen oder nicht. Der Mann macht solche Experimente gerne mal für eine Woche, vielleicht sogar für einen Monat mit. Die Aussicht darauf, es immer so zu leben, raubt ihm – glaube ich – schlechtweg die Energie; betrachtet man mal all die anderen Projekte und Baustellen, die wir aktuell in unserem Leben haben.

Daher habe ich ganz oft das Gefühl sehr diplomatisch an solche Wünsche und Gedanken herangehen zu müssen.

Ich bin diejenige, die einen Essensplan vorbereitet haben muss und auch immer wieder erklärt, worin das Problem an Verpackungen liegt. Meine Kinder verstehen dann meist, dass ich ja gute Gründe habe, wenn ich von Müll und unserer Gesundheit spreche. Aber alle anderen machen es anders, selbst der Papa hat öfter mal nicht genügend Disziplin. Dann stellt sich schlichtweg die Frage: Wer hat Recht? Mama oder der Rest der Welt?

Diese Umstände sind natürlich anstrengend. Daher ist und bleibt, dass wir noch lange nicht bei den 100% unverpackt sind. Ich würde behaupten, wir haben gute 60% und damit noch sehr viel Luft nach oben. Luft, die ich gerne nutzen möchte, ohne jedoch meine Motivation an Druck und Frust verlieren zu wollen. Daher versuche ich meine Familie mitzuziehen und bin froh, über jeden Schritt. Denn jeder Schritt zählt, wie Jessica von Schokolica sagen würde.

Neues verändertes Einkaufsverhalten

Damit unverpacktes Einkaufen, ich will es lieber als Einkaufen ohne unnötige Verpackung bezeichnen, möglich wird, erfordert es aus meiner Sicht drei Dinge.

Bewussteres Essverhalten

Wenn wir uns darüber klar werden, dass wir unsere Umwelt, unsere Meere, die Luft, die wir atmen, unsere Böden, die Tier- und Pflanzenwelt und uns selber durch Plastik krank machen und vernichten, dann entwickelt sich vielleicht der Gedanke auf unnötiges Plastik zu verzichten.

Wenn wir endlich verstehen, dass wir auf Pump leben, diesen Planeten auf Kosten unserer Kinder zerstören, dann entsteht vielleicht der Gedanke,

  • dass es Sinn machen könnte, Eier nicht zu pellen und in Kunststoff einzuschweißen.
  • dass Bananen wirklich keine Plastikverpackung benötigen.
  • dass wir uns andere Unterscheidungen von bio und nicht-bio einfallen sollten. (Vielleicht macht es ja Sinn, dass das, was ich aus dem Gemüseregal nehme, das ist, was ich meine, was es ist. Denn wenn ich mich für sechs Tomaten entscheide, dann sind es die Tomaten, die ich letztendlich in den Einkaufskorb lege und nicht die Pestizide, Chlorpyrifos oder Chlorthalonil. Und hier findet ihr eine Studie, die Greenpeace vor ziemlich genau acht Jahren durchgeführt hat und bei der Tomaten auf diverse Pestizide durch den Anbau untersucht wurden.) 

Und ja, wenn wir klar haben, dass Verpackungen uns krank machen, unsere eigene, persönliche Gesundheit auf dem Spiel steht, dann besteht die Option, etwas verändern zu wollen. Vielleicht. Wenn wir uns bewusst machen, dass aus Verpackungen, sei es Dosen, Kartons oder Plastiktüten 100 mal MEHR Chemikalien in unsere Nahrungsmittel übergehen, als durch die weiter oben schon erwähnten Pestizidrückstände – dann vielleicht.

Verpackungen beinhalten nachweislich gesundheitsschädliche Stoffe, die an in sie verpackte Lebensmittel abgegeben werden, von denen wir Konsumenten doch gar nicht ausgehen. Wer kommt denn bitte von sich aus auf die Idee, dass die Verpackung unserer Lebensmittel dieselben gesundheitsschädlich macht?! Hier der sechs Jahre alte Artikel aus dem Greenpeace Magazin, der vorangegangene Gedanken bestätigt. (Seitdem ist der Anteil an Verpackungen weiter gestiegen, denn die Verpackungsindustrie ist eine viel Geld machende Industrie.)

Projekte, wie Gutes auf den Teller

Laura von Heute ist Musik bringt es sehr schön auf den Punkt, was es bedarf dieses Bewusstsein mit zu schärfen und zu sensibilisieren:

„Wie schon in meinem zweiten Text berichtet hat mich das Thema Verpackung weder auf dem Wochenmarkt, im Hofladen noch im Bioladen überzeugt. Da finde ich im normalen Supermarkt bessere Wege, um auf Plastik zu verzichten. Hier hilft tatsächlich nur ein Unverpacktladen. Damit es mehr von diesen gibt, ist so ein Projekt äußerst wichtig, denn indem wir uns mit dem Thema beschäftigen und andere informieren, bringen wir es in die Öffentlichkeit.“

Daher habe ich mir folgendes überlegt: Auf Facebook gibt es eine Gruppe, die ich gerade eben erstellt habe. Dort soll es Raum geben, uns gegenseitig zu informieren: Über neue Entdeckungen, Erfolge im Alltag oder aber auch News, die alle etwas angehen und entsprechend an viele Menschen weitergegeben werden sollten. Du bist herzlich eingeladen dazuzukommen. 

Politische Entscheidungen von unten und von oben

Und dann wünsche ich mir in der Tat mehr politische Entscheidungen im Sinne unserer gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung. Ich wünsche mir als Verbraucherin mehr Sicherheit, dass das, was ich esse und trage mir nicht schadet. Klar, da tut sich gleiche ein neue Diskussion auf. Der eine will aber rauchen, die andere Alkohol bis zum Exzess trinken. Und ja, das ist schädlich. Ich spreche hier jedoch von meinem Kauf von Milch, Brokkoli, Tomaten oder Äpfeln. Müsli, Chilipulver, Tee oder Kaffee. Ich wünsche mir, dass das drin ist, wovon ich ursprünglich ausgegangen bin, was drin ist. Und keine Chemikalien, die mich an Krebs oder anderen hormonellen Erkrankung leiden lassen werden.

Mein Einsatz als Verbraucherin in allen Ehren. Doch es ist und bleibt ermüdend, weil es sich wie ein Kampf gegen Windmühlen anfühlt. Ganz ehrlich: Manchmal ist da einfach auch das Gefühl, dass genau darauf, auf den Faktor Zeit, große Konzerne und auch Akteure aus Politik und Wirtschaft setzen.

Ich wünsche mir politische Entscheidungen. Von oben, aber auch von unten. Denn wieso sollte nicht eine ganze Kommune sagen: „Wir wollen das anders und setzen ein Zeichen.“ Ohne abzuwarten, dass von oben irgendwas passiert.

Mein Fazit zu Gutes auf den Teller

Die Aktion war super! Es hat total motiviert mit anderen Bloggern, wie auch Lila von Erdbeerpause in diesen Wochen unterwegs zu sein. Es war spannend zu lesen und mitzuverfolgen, was die Einzelnen alles beim Einkauf, dem Transport oder ihrer Improvisation zum Menüplan erlebt haben. Vielen Dank an euer Dabeisein und euren Einsatz!

Und wie schön, dass auch ihr Leser dabei ward: Auf Instagram, twitter oder auch Facebook. Wie gesagt, auf Facebook habt ihr jetzt die Möglichkeit auch der Gruppe Gutes auf den Teller anzuschließen. Ich freu mich auf euch!

Gutes auf den Teller MamaDenkt

Heute Abend sehen wir uns dann vielleicht wieder hier und ich erzähl euch von unserem Wochenende. Diesmal wieder in Bildern und mit einem Ausblick auf die kommende Woche. Bis später.

6 Kommentare

  1. Pingback: Wochenende in Bildern: Frühlingssonne, Farbe und Licht!! | MamaDenkt.de

  2. Leider bin ich voel zu selten auf FB. Nicht mein Medium. Das Experiment fand ich toll. Für uns sind zwei Faktoren ausschlaggebend nicht plastikfrei momentan zu leben: zum einen unser Budget, welches sehr begrenzt ist, und zumanderen der Zeitfaktor, da der nächste Unverpacktladen in Münster 60 Autofahrminuten entfernt ist.

  3. einen Unverpackt-Laden gibt es bei uns (auf dem Land) gar nicht. So bleibt uns was die Lebensmittel betrifft nur der Markteinkauf übrig. Doch selbst dort müssen wir sehr vorausschauend und geplant vorgehen. Denn sonst trage ich – schwupps – wieder die spontan gekauften Oliven oder den leckeren Frischkäse in Plastebüchsen nach Hause.

    Du schreibst es selbst sehr schön:
    „Aber alle anderen machen es anders, selbst der Papa hat öfter mal nicht genügend Disziplin. Dann stellt sich schlichtweg die Frage: Wer hat Recht? Mama oder der Rest der Welt?“

    Es bleibt immer ein Don-Quichote-Gefühl zurück.
    Viele Grüße
    Dieter

  4. Pingback: #gutesaufdenteller - Was bleibt! - Erdbeerpause

  5. Liebe Rachel,
    auch für mich war „Gutes auf den Teller“ und die Instachallenge eine spannende Reise. Und ja, es gibt noch viel zu tun, von oben UND von unten. Werbung ist für mich fast genau so wichtig wie die Politik, denn sie manipuliert und weckt in uns Bedürfnisse, die wir eigentlich gar nicht haben für Dinge, die keine Mensch und die Natur schon gar nicht braucht.
    Auch wenn ich mit „gutes unverpackt“ direkt an der Quelle sitze, schaffen auch wir als Familie kein komplett müll- oder plastikfreies Leben.
    Ich bin überzeugt, dass jede kleine Veränderung von vielen Einzelnen sehr viel bewirkt. Deshalb finde ich es wichtig zu sagen, dass niemand sich überfordert fühlen sollte, niemand zu selbstkritisch oder perfektionistisch sein sollte. Das ist ja demotivierend. JEDE eingesparte Verpackung und JEDE nicht gemachte Fahrt mit dem Auto zählt!!!
    Viele kleine Ziele, die gut umzusetzen sind, bringen Spaß und neue Inspirationen!!!
    Vielen Dank für die spannende Zeit mit „Gutes auf den Teller“

  6. Vally sagt

    Das ist ein spannendes Projekt! Ich will auch so gerne weniger verpackte Lebensmittel kaufen. Bin überrascht, dass Ihr – also Du und Laura – im normalen Supermarkt dafür mehr Möglichkeiten seht. Das erlebe ich hier anders (wohne in Bayern). Ich kenne hier zwei Bioläden, wo es Spender gibt (wie im Unverpacktladen), da kann man Getreide, Nüsse und Trockenfrüchte kaufen. Im verpackten Bereich gibt es da natürlich mehr Auswahl. Solche Spender habe ich in normalen Supermärkten noch nie gesehen. Obst, Gemüse und Brot gibt es in unseren Bioläden auch weitgehend verpackungsfrei, abgesehen von z.B. Rucolasalat, der leider immer in Plastikkartons ist. Wir haben in der nächsten Großstadt (ca. 50 km) auch einen Unverpacktladen, der ist allerdings sehr teuer, finde ich. Z.B. 1 kg Hirse 7 Euro, 1 kg Nudeln 4 Euro. Das bekomme ich im Bioladen 1/3 günstiger.
    Stimme Dir zu, dass es mehr Unterscheidungen braucht als bio/nichtbio.
    Danke für Deine Texten. Sie regen mich zum Denken an. 🙂

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