AlltagsAbenteuer
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Hausaufgaben in den Ferien?

Ja oder nein? In den letzten drei Monaten kam diese Frage in meinem Umkreis immer mal wieder auf. Auch so Gedanken, was machen, wenn die Schulnoten absacken? Entziehe ich als Elternteil meinem Kind dann die Dinge, in denen es aufgeht? In denen es seine Stärken ausleben und/oder Freude erleben kann?

Mal eben vorweg: Noch gibt es bei uns keine Noten, daher weiß ich noch nicht, ob ich das, was ich gerade denke, auch tatsächlich so umsetzen werde. Denn wenn ich eins gelernt habe, dann das: Ich behalte mir das Recht vor:

  1. Fehler zu machen und
  2. mich umzuentscheiden.
  3. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

Denn nur durch Versuch und Irrtum kann ich den Weg für meine Kinder und mich finden, der der richtige für uns ist. Für uns ganz persönlich.

Schlechtere Noten – Entzug der Hobbys?

Wie ist das also, wenn die Noten in der Schule schlechter werden? Ich finde es total schwierig, diese Frage pauschal zu beantworten.

a) Grundsätzlich glaube ich nicht, dass es Sinn macht, dem Kind zusätzlich das zu nehmen, was ihm Spaß macht. Denn seien wir doch mal ehrlich: Welches Kind freut sich über eine schlechte Note in Mathe, Deutsch oder Chemie? Mir ist noch keines begegnet. Scheinbare Gleichgültigkeit kommt schon mal vor, aber Freude? Es ist wohl eher Frust, der sich bei den Kindern/Jugendlichen entwickelt und ich kann froh sein, wenn mein Kind Wege findet, diesen Frust auch wieder abzubauen, wie z.B. beim Fußballspielen oder Kreativsein.

b) Natürlich kann es sein, dass mein Kind keine Lust auf Mathe hat, dass ihm das mathematische Verständnis nicht so leicht fällt, wie einem anderen Kind. Was genau ist es denn, was zu der schlechten Note geführt hat? Liegt es einzig und allein beim Kind? Ist die Beziehung oder Kommunikation mit dem zuständigen Lehrer gestört? Fehlt es dem Kind an Konzentration und wenn ja, warum? Wie sind die Verhältnisse im Elternhaus? Wie sehen die gruppendynamischen Prozesse in der Klasse aus? Welches Thema wird in Mathe gerade behandelt? Gleichungen und binomische Formeln oder Geometrie? Analysis oder Vektorrechnung? Das kleine Einmaleins oder simultanes Mengenerfassen? Was hat zu der Notenverschlechterung geführt?

c) Was bedeutet das? Welche Lösungswege könnten eingeschlagen werden? Wenn man wollte.

Hausaufgaben in den Ferien

Bei uns stehen aktuell wieder Ferien an. Ich habe das erste Mal gesagt bekommen, dass wir nach den Ferien reden müssen. Hui, das wird spannend. Ich behaupte zu wissen, wo die Stärken und auch die Schwächen meines Schulkindes liegen. Was ich von allen meinen Kindern sagen kann: Sie lieben das Lernen. Sie haben riesige Freude am Erlernen neuer Fertigkeiten und dem Erwerb von Wissen. Das ist total krass und immer wieder neu unglaublich faszinierend. Daher habe ich irgendwann entschieden, dass wir in den Ferien unsere eigene kleine Schule fortführen.

Die Kerle dürfen sich aussuchen, wozu sie mehr erfahren wollen und ich versuche, altersgerechte Angebote zusammenzustellen. Daher geht es die erste Hälfte bei uns wieder um unser Sonnensystem und in der zweiten Hälfte um Tiere. Bei meiner Frage, welche Tiere sie interessieren würden, meinte der eine, die fleischfressenden Raubtiere und der andere findet Tier mit weichem Fell und besonderem Niedlichkeitscharakter großartig.

Von daher…

Meine Kinder werden in den Ferien:

Lesen, entdecken, Informationen zusammensuchen, Fernsehschauen, nachbauen, aufmalen, schreiben, lernen, beobachten, staunen, Ausflüge machen und bestimmt werde ich auch ein bisschen Mathe einbauen.

Hausaufgaben werden sie allerdings keine machen.

Das ist mein Weg den Wissensdurst der Jungs zu erhalten, zu fördern und hoffentlich so zu stillen, dass sie auch weiterhin Lust und Freude am Lernen behalten. Mir graut es davor, dass Schule den natürlichen Wissensdurst der Kinder außer Acht verlieren und versiegen lassen könnte. Meiner Ansicht nach wollen Kinder Neues entdecken und dazu lernen. Manchmal liegt es nur an der Art des Lernens und den äußeren Rahmenbedingungen, wie Lernen ermöglicht wird.

So machen wir das also. Und ihr? Was denkt ihr dazu?

4 Kommentare

  1. Mona sagt

    In erster Linie sollte man den Sinn von Noten in Frage stellen… Aber dafür bedarf es einem völlig anderen Verständnis von Lernkultur. Die meisten Probleme schaffen sich die Schulen selbst und wir reproduzieren es von Jahrgang zu Jahrgang weiter, ohne zu hinterfragen, wo kommt dieses irrsinnige System her, in das wir Kinder stecken, wieso gibt es Jahrgangsklassen, Lehrpläne, Stundenpläne, Noten, Disziplinierungsmaßnahmen und weiterhin – wie müsste ein Lernumfeld aussehen, in dem sich ein Mensch entsprechend seiner Persönlichkeit und des heutigen Kenntnisstandes der Hirnforschung, Entwicklungspsychologie etc. gut entwickeln kann. Die Antwort ist leider – völlig anders als es gegenwärtig der Fall ist.
    Ich kann da nur auf Gerald Hüther, Manfred Spitzer, Herbert Renz-Polster, Alfie Kohn verweisen und die sehr impulsgebende Bewegung der demokratischen Schulen. Ich bin selbst sehr traurig darüber, dass wir in einer kleinstädtischen Gegend wohnen, wo diese Erkenntnisse noch nicht im geringsten durchgerieselt sind und die einzigen Alternativen zum selektiven Schulsystem nach wie vor die bekannten reformpädagogischen Strömungen sind. Dennoch steht für mich ganz klar fest, dass ich mein Kind nur an eine Schule geben werde, wo die Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund steht und nicht die Leistungsorientierung und der Wettbewerb.

  2. Es ist wirklich toll zu sehen, wie wissbegierig die Kinder von sich alleine aus sind – alles wird hinterfragt (oft in stundenlangen WARUM?-Ketten) und untersucht. In der Schule fehlt ganz klar der Praxisbezug. Warum soll ich etwas lernen, wenn ich gar nicht verstehe, wozu ich es brauche? Ganz oft will unser Großer die Hausaufgaben nicht machen, solange er nichts damit anfangen kann. Ich versuche ihm immer einen Praxisbezug für die Lerninhalte zu vermitteln und dann klappt’s meistens auch mit der Motivation. Schade, dass das schon in der Grundschule nicht passiert.
    Liebe Grüße,
    Verena

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