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Hausaufgaben: Null Bock!

Die vergangenen zwei Wochen hatten wir hier sehr regelmäßig die Situation, dass die Lust auf Hausaufgaben … nicht bestand. Sie war schlichtweg nicht existent. Dabei war und ist es vollkommen egal, ob es viele sind oder aber nur eine einzige, die höchstens – ich betone höchstens – zehn Minuten dauert. Ehrlich, ich übertreibe nicht. Genauso regelmäßig werden Hausaufgaben aber sowas von zügig und ordentlich, nach den Verhältnissen für K1, abgearbeitet, dass ich denke: “Wow! Wir haben’s geschafft!”

Leider weit gefehlt.

Hausaufgaben – FRUST

Ganz regelmäßig stehe ich nämlich weiterhin neben dem Tisch und frage mich, was genau in dem Gehirn da neben mir gerade passiert? Was läuft da drin eigentlich ab? Welche Stoffwechselfunktionen laufen nicht wie geschmiert oder vielleicht auch total super gut, so dass wir hier stehen, beide genervt voneinander sind und uns gegenseitig furchtbar annerven?

In dieser Situation kündigt die Schule einen Vortrag über das “Lernen lernen” an. Aufhänger sind – natürlich – die Hausaufgaben. Ich bin also doch nicht allein. Pfffuh! Aufatmen.

Dieser Abendvortrag findet – natürlich – an einem der Tage statt, an denen ich arbeite. Mein Glück – oder auch nicht. Das bedeutet: Ich arbeite bis 18Uhr, düse nach Hause, verköstige in scheinbarer Ruhe mit dem Herzensmann die Kinder, tue so, als hätten wir alle Zeit der Welt und versuche sie um 18:30Uhr alle(!) gewaschen, mit geputzten Zähnen und in ihren Schlafanzügen ins Familienbett zu manövrieren und schlüpfe danach selbst in frische Klamotten. Bei Betragen – d.h. ordnungsgemäßem Verhalten – darf noch Fernseh geschaut werden bis 19Uhr. Dann werden nach der Reihe die Lichter gelöscht und um allerspätestens 20:30Uhr herrscht Ruhe im Haus. Diese zwei Stunden kann ich jedoch nicht mit beeinflussen, weil ich dann hoffentlich frisch gemacht, wenngleich unglaublich müde in einem Vortrag über das “Lernen lernen” sitze.

Das Lernen lernen

Ich habe es tatsächlich geschafft. Um Punkt 19Uhr betrete ich den Raum, der schon gut gefüllt ist mit etwa 120 Eltern und ich bin neugierig, welche Lösungen der Lerncoach hat? Wie er sich vorstellen wird? Was ich Sinnvolles und Umsetzbares mitnehmen werde? Vielleicht gibt es auch einen Zaubertrank? Ein Gebräu, wie … bei Asterix und Obelix oder vielleicht auch wie bei den Schlümpfen? Irgendwie sowas?

Der Vortragende begrüßt uns Eltern und Lehrer auf freundliche und joviale Weise. Es wird gelacht, die Mienen lockern sich und es herrscht eine erwartungsvolle Atmosphäre. Ein bisschen lässt sich die Hoffnung auf die Lösung all unserer täglichen HausaufgabenKataströphchen schmecken.

Lernen, wiederholen, verknüpfen

Der Lerncoach gibt uns einen kleinen Einblick in die Art und Weise, wie unser Gehirn beschaffen ist, denn tatsächlich scheint es nicht größer als unsere beiden geballten Fäuste zu sein, und erklärt uns, wie wir in dieser Lagerhalle von Wissen und Erfahrungen funktionieren und arbeiten. Vorgestellte Methoden, wie sich das Wissen unserer Kinder festigen lässt und die Bedeutung von Wiederholungen, ohne die das Lernen nicht möglich ist, bringt er uns im ersten Teil des Vortrages näher. Kurzum stellt er fest: Wer nicht wiederholt, der braucht nichts Neues zu lernen. Ganz einfach.

So schaut es also aus. Der erste Teil des Vortrages hat Spaß gemacht, was sich daran messen lässt, dass auf einmal schon Pause war. Durch direktes Mitwirken und Ausprobieren, ließen sich die Inhalte des Vortrages unmittelbar nachvollziehen, auch wenn mir persönlich das meiste Gesagte durchaus bekannt war. Ich war folglich in meiner eigenen Hirn-Lagerhalle unterwegs und konnte Verknüpfungen nochmal neu erstellen bzw. ehemals Gelerntes aus dem Regal ziehen und wiederholt, aber in einer anderen Situation betrachten.

Unterschiedliche Lerntypen

Im zweiten Teil wurde uns die Theorie von vier verschiedenen Lerntypen erläutert. Was ich davon halten soll, weiß ich noch nicht so recht. Ich kann mir gut vorstellen, dass es diese vier Lerntypen gibt. Auch finde ich es nachvollziehbar, dass alle vier Anteile in jedem von uns stecken. Das bedeutet letztendlich: wir alle grundsätzlich dazu in der Lage Mathematik zu lernen oder künstlerisch aktiv zu sein. Eben anders und unterschiedlich. Ganz individuell. Aber jeder kann es. Häufig ist es unser Schul- bzw. Bildungssystem, das uns an unsere scheinbaren Grenzen des Lernens bringt.

Jedenfalls: Aus diesen Lerntypen ergeben sich für uns als Eltern Methoden und Haltungen, um  unseren Kindern dabei behilflich zu sein, Wissen zu erwerben und langfristig im Gedächtnis zu verankern.

Was ist mit Persönlichkeitstypen? Rahmenbedingungen?

Der Blick und die Verknüpfung dieser Lerntypen-Theorie mit weiteren Kriterien, die auf das Lernen Einfluss haben, hat mir etwas gefehlt. Dazu bestand aber auch nicht genügend Zeit und Raum während eines solchen Vortrages.

Ein Interview mit einem der Redner des LVB Lernen e.V. würde dbzgl. bestimmt die Möglichkeit schaffen in die Tiefe zu gehen. Mal schauen, ob sich das irgendwann in den kommenden Wochen hier auf Mamadenkt umsetzen lässt.

Ich bin jedenfalls aus dem Vortrag raus und dachte:

  1. Das war gut! Richtig gut. Die Zeit hat sich gelohnt und es war humorvoll.
  2. Mir hat gut gefallen, wie dieser Lerncoach darauf hingewiesen hat, dass es an uns liegt, was mit dem erworbenen und/oder aufgefrischten Wissen von diesem Vortrag passiert.
  3. Ich glaube, dass unterschiedliche Persönlichkeitstypen, das System Familie der jeweiligen Kinder und auch die Rahmenbedingungen viel Einfluss darauf haben, wie unsere Kinder lernen.

Gerade der letzte Punkt beschäftigt mich sehr. Neben aller Methodik, die ich anwenden kann, kommt es m.E. auch auf meine Beziehung zu meinen Kindern an. Was für ein Bild habe ich von dieser Beziehung? Wie streng bin ich? Wie sehr gehe ich mit und nehmen die Stärken meines Kindes in den Blick?

Und was ich aus den letzten Jahren unseres Reduzierens gelernt habe: Es macht was aus, wo und wie ich lerne. Läuft im Hintergrund das Radio und der Fernseher? Ist das Zimmer vollgestellt mit allen möglichen Gegenständen? Wieviel Zeit hat mein Kind zum Hausaufgaben machen, bevor es dann zur Musikschule, dann zum Fußball und davor noch eben zum Schwimmen gehen MUSS.

“Manche Kinder brauchen das, manche nicht”, mag der ein oder andere sagen. Aber mal ganz unabhängig davon: Alltag und Lebensstil einer Familie und des Kindes bestimmen die Möglichkeiten des effektiven Lernens ebenfalls maßgeblich.

Das ist meine Meinung, ja. Darüber wäre ich auch gerne mit dem Coach ins Gespräch gekommen. Weil es mich interessiert und ich viel darüber nachdenke.

Mein persönliches Hausaufgaben- und Lern-Fazit

Aber ich war zu müde. Jepp. Ich bin dann nach kurzem SmallTalk mit einer Bekannten ins Auto gekrochen und war froh irgendwann um halb zehn Zuhause zu sein. Den alltäglichen RollenklischeeMist, den ich während des Vortrages dann leider auch um die Ohren bekommen habe, hab ich vor der HausTür gelassen. Dazu nur kurz: Ich kann ziemlich gut rückwärts einparken, habe 14 Punkte in Latein (Abitur) und Mathe war mein Lieblingsfach. Außer Stochastik fiel mir dieses Fach leicht. Um meinen Mann zu verführen, koche ich kein gut duftendes Romantikessen und trotzdem stehe ich auf Drei-Gänge-Menüs. In Deutsch war ich NIE sehr gut. Trotzdem sitze ich an meinem zweiten und dritten Buch und gebe Nachhilfe in Deutsch. Bäm!

(Gerne, gerne und bitte, bitte schreibt in den Kommentaren doch einfach mal Dinge über euch, die solche Stereotypen und Rollenklischees ab absurdum führen. BITTE!)

Wie laufen bei euch die Hausaufgaben? Gibt es die überhaupt schon?

Hausaufgaben null Bock MamaDenkt

Noch ein bisschen was Grundsätzliches zum Thema Hausaufgaben, findet ihr hier.

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  1. Pingback: Du schaffst das! Du schaffst das, mein Kind! | MamaDenkt.de

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