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Kastanien als Waschmittel

Kastanien als Waschmittel 02

Dass sich mit Kastanien die Wäsche waschen lässt, hatte ich schon vor einigen Jahren mitbekommen. Sowohl Blogleser als auch Bloggerkollegen haben meist im Herbst darauf hingewiesen, dass sie nun für einige Zeit endlich wieder Kastanien als Waschmittel nutzen können. Diverse Anleitungen für die Zubereitung lassen sich kinderleicht im Netz finden. Doch ausprobiert hatte ich das Waschen mit Kastanien bislang noch nicht.

Kastanien als Waschmittel nutzen

Ich persönliche lege weiterhin viel Wert darauf, dass unsere Waschmaschine nicht jeden Tag, sondern höchstens 3-4 Mal in der Woche läuft. Der reduzierte Gebrauch dieses Gerätes ist mir sehr wichtig. Als Großfamilie haben wir inzwischen auch einen relativ guten Rhythmus gefunden, der uns – mal Magen-Darm-Infekte oder große Besucherzahlen ausgenommen – zwei- bis dreimal Mal die Woche Wäsche waschen lässt.

Jetzt war ich auch dazu bereit, es mit etwas anderem Waschmittel zu versuchen. Mit einem Waschmittel, das ich aus den gesammelten Kastanien meiner Kinder herstellen wollte. Denn von den zig Kastanienmännchen blieb immer ein gewisser Teil an Kastanien übrig, der irgendwann im Winter nur noch im Garten und auf der Terrasse, im Sandkasten wir neben der Haustür vor sich hingammelte.

Inspiration: Ein Blogger-Workshop in Sachen Nachhaltigkeit

Hierzu inspirierte mich zusätzlich mein Besuch in Hamburg. Denn irgendwie war die Sache mit den Kastanien in einem der Vorträge kurz Thema und ich dachte: “Warum hab ich es nicht schon längst mal ausprobiert, um jetzt ‘meinen Senf dazugeben’ zu können?”

Do it Yourself

Als ich Samstag nach Hause kam, hatte ich die Entscheidung irgendwie schon getroffen, dass ich es dieses Mal ausprobieren wollte. Kurzerhand zogen wir Sonntag los und sammelten zum xten Mal dieses Jahr einige der wunderschönen Handschmeichler. (Es war ja nicht so, dass wir noch keine überall in irgendwelche Papiertüten und Körbchen aufbewahrten.)

Kastanien als Waschmittel 03

Am Montag ging es los. Ich warf einen kurzen Blick in den Blog von Lisa und Michael, die bei ihrem experiment selbstversorgung auch die Zubereitung und Verwendung von Kastanien als Waschmittel schon längst ausprobiert hatten.

Zubereitung des Kastanien-Waschmittels

Die Jungs hatte ich vorher alle Schalen und kleinen Ästchen aussortieren lassen und wusch nun eine große Tüte mit Kastanien. Im Anschluss zerquetschte ich die Früchte mit einem großen Stein. Die aufgebrochenen Kastanien warf ich zerbröselt in vier große Gläser.

Sehr unbedacht füllte ich jedes Glas zu mindestens 2/3 mit Kastanienstückchen. Die Gläser füllte ich danach bis kurz unter den Deckel mit Wasser. Nachdem ich mit meiner Arbeit fertig war, las ich an einer anderen Stelle im Netz, dass sich das Waschmittel nur einige Tage im Kühlschrank aufbewahren ließ. Das war jetzt irgendwie doof. Schließlich hatte ich vier Flaschen auf Vorrat vorbereitet, die ich in den kommenden anderthalb Monaten aufbrauchen wollte. Und von unserem Waschrhythmus 2-3 Mal die Woche, wollte ich auch nicht abrücken. Zumindest nicht freiwillig. Ich lagerte eines der Gläser im Kühlschrank, die anderen drei mussten erst mal neben der Spüle in der Küche stehen bleiben.

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Als ich anderthalb Tage später von der Arbeit kam, sah ich plötzlich eine kleine Pfütze um eine der Flaschen stehen, obwohl alles andere trocken war. Schnell wollte ich die Flaschen im Spülbecken entleeren, war allerdings etwas zu langsam. Zwar flogen mir die ausgebeulten Deckel der Glasflaschen nicht um die Ohren. Allerdings war ich froh, meine Regenjacke noch angehabt zu haben.

Merke: Die aufgeschüttete Lauge sollte nicht zulange stehen gelassen werden. Es scheinen irgendwelche Gärungsprozesse abzulaufen. Daher ist es wichtig, die Kastanienstücke nach 4.6 Stunden durch ein Handtuch oder ein Sieb abzuseihen.

Erste Waschergebnisse

Die Lauge aus dem Kühlschrank habe ich heute aus der Flasche in eine mit einem Geschirrtuch abgedeckte Tasse gefüllt. Die Flüssigkeit aus der Tasse wurde ins normale Waschfach der Waschmaschine gefüllt. Nachdem ich eine 40° Wäsche mit vielen verschmutzten Kinderklamotten angestellt hatte, warteten wir ab. Dabei war eine pinke Schlammhose, eine gelbe schon ewig nicht mehr gewaschene Regenjacke und zwei Kleinkindpullis mit diversen Essensresten.

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Meine Waschergebnisse könnt ihr auf instagram bestaunen. Es ist wirklich unglaublich und ich bin sprachlos. Die Wäsche ist nahezu vollständig sauber geworden. Mindestens genauso gut, wie mit meinem anderen BioÖko-Waschmittel. Meine Kastanien haben unsere Wäsche gründlicher saubergemacht als so manches herkömmliche Waschmittel. Das erstaunt mich am meisten.

Was Kastanien mit der Wäsche nicht machen können: Sie gut duften lassen. Ihr solltet eher darauf achten, dass sie nicht riecht, weil ihr die Lauge vielleicht zu lange (im Kühlschrank) habt stehen lassen. (Meine Lauge hat jedenfalls nicht zulange gestanden, trotz der anderthalb Tage.) Es kursiert der Tipp, die entstandene Lauge mit ein paar Tropfen eines ätherischen Öls auszuprobieren. Lavendel, Zitronengras oder was auch immer. Das probiere ich beim nächsten Mal.

Warum Kastanien das können? Ich hab mich mal ein bisschen eingelesen. Allerdings würde das an dieser Stelle zu weit führen. Die Waschkraft von Kastanien lässt sich mit den in ihnen steckenden Saponinen erklären. Dafür gibt es dann irgendwann mal einen Science Slam.

Wer jetzt genauer wissen möchte, wie viele Kastanien, mit wieviel Flüssigkeit, mit Schale oder ohne, oder oder oder, der kann mich ja für einen Vortrag (inklusive Workshop) buchen. Genügend Kastanien haben wir dafür jedenfalls gesammelt.

Habt ihr schon mal Kastanien als Waschmittel verwendet? Wie waren eure Ergebnisse? Es gibt ja auch die Möglichkeit mit Efeu zu waschen, weil auch das die gefragten Saponinen enthält. Das probier ich beim nächsten Mal aus.

Kastanien als Waschmittel verwenden MamaDenkt

Wenn dir dieser Artikel gut gefallen hat, dann schau doch mal bei diesem Do-it-Yourself hinein. Mit den Minis haben wir uns auf die kalte Jahreszeit vorbereitet und Vogelfutter hergestellt. Eine prima selbstgemachte Geschenkidee.

Seitdem wir den Minimalismus und die Nachhaltigkeit für uns entdeckt haben, probieren wir gerne alles mögliche aus. Dabei kommt dann auch mal ein Projekt, wie “8 Wochen ohne Zucker” heraus. Davon kannst du hier nachlese, wo es um den Projektstart geht. Du kannst aber auch direkt zu unserem Resümee springen, wenn dir die jeweiligen Beiträge für die acht Wochen als Einstieg zu viel erscheinen.

17 Kommentare

  1. Im Herbst schreiben alle über Kastanien :-D Ich nämlich auch. Wie schön, dass dann immer mehr Leute das lesen und ausprobieren. Danke.

  2. Hab neulich auch wieder drüber nachgedacht und mich dagegen entschieden. Bei den Waschnüssen, die ich mittlerweile eh kritisch sehe, war das Problem vor ein paar Jahren das Restwasser in der Maschine, das unten drin bleibt und das ich nicht jedes mal abpumpen will, fing dann an zu gammeln. Deswegen probiere ich das erst gar nicht mit den Kastanien. Und wegen Allergien.

    • Was ist denn bei den Waschnüssen passiert? Mit dem Restwasser? Ich habe sowieso mal gehört, dass es Sinn macht, die Waschmaschine regelmäßig mit Essigwasser bei 90° waschen zu lassen. Leer. Vielleicht genau deshalb? Das hatte allerdings nichts mit Kastaninen oder Waschnüssen zu tun.

      • Wasche nur auf 40 Grad. Ich hab diesen Biofilm nicht am Waschpulverfach und muss sie nicht extra laufen lassen bei 90 Grad. Nur nach den Waschnüssen weil die ganze Küche danach stank. Ginge gut, wenn ich 2 Maschinen Wäsche hätte , Nüsse abwechselnd mit Waschpulver, wie Maria schreibt.

  3. Hallo Rachel,
    das ist ja cool – davon hatte ich noch nicht gehört! Mit einigen Tropfen einer Mischung aus ätherischen Ölen von Zitrone, Mandarine und Orange kann ich mir das Duftergebnis sehr angenehm vorstellen. :)
    Liebe Grüße, Verena

  4. Hab auch schon hin und her überlegt ob ich das mit den Kastanien oder auch mit dem Efeu waschen ausprobiere. Bin aber immer wieder von ab, da Herr Aurelia und ich Allergiker sind und dann das Restwasser in der Maschine :-( Das ist jetzt schon doof da ich nur auf max. 40° wasche und das ein mal die Woche, fängt es immer an zu stinken so das ich alle paar Wochen eine 60°- 90° Maschine leer durchlaufen lassen muss. Wenn ich dann noch die Lauge der Kastanien oder Efeublätter drin habe, die noch schneller gammelt? Hmm ich weiß nicht, ist echt ne schwierige Sache und ich bin hin und her gerissen.
    Ich werd es auch lassen wie Tanja oben und mich nicht selber weiter verrückt machen :-)

    LG Aurelia

    • Selber verrückt machen ist grundsätzlich doof.

      Ich bin froh, es endlich mal ausprobiert zu haben. Über das Wasser, das in der Maschine bleibt hatte ich gar nicht nachgedacht. Aber wir waschen ja schon was häufiger mit unseren 2-3 Mal und außerdem habe ich mir angewöhnt, die Maschine regelmäßig auf 90° mit Essigwasser durchwaschen zu lassen. Den Tipp haben ein paar Kids gegeben und ausprobiert, weil sie das Einfüllfach von Waschmaschinen genauer untersucht haben. Und eben das, was da so an Resten hängen bleibt.

  5. M@ria sagt

    Mit Kastanien waschen geht prima! Ich nehme 1 TL selbst hergestelltes Kastaniengranulat und weiche es über Nacht in Wasser ein. Das Wasser gebe ich mit 1 TL Waschsoda in die Waschmaschine. Duftstoffe und Weichspüler brauche ich eh nicht.
    Die Bedenken mit den Allerien verstehe ich gerade nicht.

  6. Nanne sagt

    Wäsche muss doch auch gar nicht riechen. Mir ist das sehr suspekt, dass etwas was nicht riecht unbedingt nach etwas anderem riechen soll. Das ist uns doch auch nur durchs Marketing bestimmter Firmen so vermittelt worden.

    Das mit den Allergien interessiert mich auch. Ich hab nämlich viele, aber Kastanien? Hätte ich jetzt nicht gedacht…

    • Grundsätzlich hast du recht. Ich stelle halt nur fest, dass Wäsche, wenn sie nicht schnell genug trocknet einen unangenehmen Geruch entwickeln kann. Da mag ich es in der Tat lieber, wenn ich alles dran setze, dass sie schnell trocknet und vielleicht ein wenig nach Lavendel duftet. Ich mag diese Frisch sehr gern. Und wenn es funktioniert, warum nicht?

  7. M@ria sagt

    Das Problem mit der Wäsche, die nicht schnell trocknet und dann im ungünstigen Fall etwas muffelt, kenne ich aus meiner alten Wohnung. Ne, gegen Lavendel o.ä. spricht auch nichts. Ich brauch´s halt nur heute nicht mehr.

    Die Kastanien drehe ich durch den Fleischwolf, dann lasse ich es gut lufttrocknen und lagere das Granulat in ganz normalen Schraubgläsern.

    Waschsoda gibt es im Drogerieladen beim Waschmittel für knapp 1 Euro/500 g.

  8. Hallo!

    Ich wasche auch immer wieder einmal mit Kastanien, aber nicht ausschließlich. Mir kommt auch vor, dass die Wäsche mit der Zeit etwas muffiger riecht.

    Deshalb wechsle ich verschiedene Alternativen ab. So klappt das ganz gut und führt auch dauerhaft zu keinen Problemen.

    lg
    Maria

    • maybee sagt

      Das muffen liegt daran, dass du einfach weniger starkes Waschmittel hast mit den Kastanien.

      Da hilft afaik: Heißer Waschen oder mehr Waschmittel. Bei uns ging es durch mehr Waschmittel aka doppelte Menge Kastanien gut weg (Sportklamotten).

  9. andrea sagt

    Ich hab lange ausschließlich mit Waschnüssen (und Duftöl) gewaschen, aber da roch die Wäsche wirklich irgendwann muffig – also hab ich das Duftöl weggelassen, hab aber auch die Waschnüsse ein bisschen im Verdacht. Auf Dauer war ich mit ihrer Reinigungswirkung auch nicht immer zufrieden.
    Mein aktueller Kompromiss: Waschnüsse + ein ganz kleines bisschen Sensitiv-Waschmittel (duftet nur wenig).
    Das mit den Kastanien hört sich super an!! Schade, dass hier die meisten schon weggesammelt sind, aber ich werde es mal ausprobieren :-)

  10. ich gebe inzwischen zum Kastanienwaschmittel immer noch 60 ml Essig (in das Weichspülerfach). So hoffe ich, dass die Maschine nicht verkalkt. Zudem wirkt Essig antibakteriell. Ich teste gerade ob Essig auch gegen den muffigen Geruch hilft, wenn die Wäsche nicht schnell genug trocknet. Essig soll auch ein Ersatz für Weichspüler sein.

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