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LeseStoff: Blackout. Morgen ist es zu spät von Marc Elsberg

(Rezension) (erschienen im blanvalet Verlag)  Morgen ist es zu spät. Blackout. Dann läuft der Kühlschrank nicht mehr, der öffentliche Nahverkehr bricht in einer ersten Welle zusammen, da Straßenbahnen plötzlich stehen bleiben, Ampeln weder grün noch rot anzeigen, keiner mehr weiß welche Ausfahrt zu nehmen oder welcher Teil des Elbtunnels gesperrt ist.

Blackout. Morgen ist es zu spät

Das von Marc Elsberg geschilderte Szenario, spannend verpackt in einem Roman, ist grotesk, furchterregend, schrecklich real und ganz und gar nicht entspannend.

Worum es geht? 

BLACKOUTMorgen ist es zu spaet von Marc Elsberg

BLACKOUTMorgen ist es zu spaet von Marc Elsberg

Der Countdown läuft. Wir leben in einer Welt, in der wir uns zunehmend abhängig machen von Strom. Irgendjemand dreht den Strom ab. Nicht nur in einer Wohnung, nicht nur in einer Stadt. Ganz Europa scheint plötzlich vom Netz zu gehen. AKWs müssen runtergefahren werden und Menschen kämpfen mehr oder weniger erfolgreich gegen x SuperGAUs. Wer steckt dahinter? Ein Italiener wird aufmerksam auf Unregelmäßigkeiten seines Stromzählers und macht sich auf die Suche. Glücklicherweise nicht allein.

Was gefiel mir gut?

Elsberg schreibt ungeheuer packend. (Ich würde gerne mehr von ihm lesen und bin gespannt, ob da noch was kommt.) Man springt von einer Szenerie im AKW in die einer PolizeiStation. Die Kapitel sind nicht sehr lang und es passiert immer irgendetwas. Auf 800 Seiten werden 12 Tage geschildert. 12 Tage, in denen Menschen von guten Nachbarn, zu Katzenjägern und Wegelagerern werden.

Elsbergs Roman scheint gut recherchiert, wenn man bedenkt, dass er im Nachwort feststellt, während des Schreibens mit der Realität einzelner seiner angenommenen Fiktionen konfrontiert worden zu sein.

Blackout – was macht das mit mir?

Als Leser komme ich plötzlich ins Grübeln. Denn wer von uns ist auf einen mehrwöchigen Stromausfall vorbereitet? Wer hat ein Plumpsklo? Oder genügend Vorräte? Wer würde ein Blackout verkraften? Wohin wir schauen, sind wir in unserem Alltag und in unseren KomfortZonen mit funktionierenden Stromkreisen und einwandfreier Elektronik sehr gut eingerichtet. Wenn es diese Energie nicht mehr gibt, wir an Benzin und Diesel aus unterirdischen Tanks an Tankstellen nicht mehr rankommen, wird es plötzlich still um uns.

Wenn auch nicht überall. Denn automatische Schließmechanismen im Tierpark versagen den Dienst. Elefanten, Paviane und Krokodile machen sich auf einen Spaziergang durch die Stadt. Die Kommunikation mit Kunden, Bekannten, Freunden, Familien, zwischen Kommunen, Städten, Handelspartnern, Ländern und Kontinenten ist unterbrochen. In Tierfabriken wird es plötzlich dunkel, obwohl in ihnen sonst etwa 20Stunden das Licht brennt. Kühe werden nicht mehr gemolken. Dabei haben wir sie doch so konstruiert: Gebt viel Milch. Möglichst einen rentablen Überschuss. Nach nur wenigen Stunden, würde das Gebrüll der leidenden Tiere kein Ende nehmen. AKWs würden überall auf dem Kontinent außer Kontrolle geraten.
Öffentliche Ordnung und Sicherheit würden sich vermutlich aufgrund der Psychologie des Menschen nur schwer und nicht lange kontrollieren lassen. LebensmittelProdukte in SupermarktKühlTruhen würden verderben, Medikamente nicht weiterproduziert. …

Was war weniger gut?

Nun ja, die mit diesem Buch verbundene Anspannung beim Lesen hat nicht so wirklich das Entspannungspotential für einen “Runterfahr-Urlaub”. Aber für sowas gibt’s keinen Punkteabzug. Ein wahrer Pageturner.

Fazit

Mir hat das Buch “Blackout” gefallen. Ich frage mich, ob es jemanden geben könnte, der es nicht zuende lesen würde?? Na ja, nichts ist unmöglich. Dieses Buch ist jedenfalls lesenswert. Mich lassen einzelne Inhalte im Hinblick auf meine persönlichen KomfortZonen nicht los. Mir fiel das Ziel wieder ein, drei Tage im Jahr mal keinen Lichtschalter zu betätigen. Ich habe es nicht geschafft. Nicht, weil es nicht geklappt hätte. Nein, vielmehr weil das Bedienen des Schalters so selbstverständlich geworden ist, dass das Licht immer schon brannte, bevor ich meiner Bewegung Einhalt gebieten konnte. Menschen, die Zuhause Vorräte anlegen, habe ich bislang belächelt. Das tut mir jetzt leid. Ich halte noch immer nichts vom Hamstern. Aber was spricht dagegen, sich vom heute jederzeit zugänglichen Strom unabhängiger zu machen?!

Also nochmal: Lässt sich gut lesen. Ist spannend. Gehaltvoll.

 

Ebenfalls spannend zu lesen, wenngleich kein Roman, ist das 2018 von Kathrin Hartmann verfasste Buch “Die grüne Lüge”. Hier mal der Link.

Gedanken zu erneuerbaren Energien und Alternativen Energiequellen habe ich mir auch im Zuge des noch nicht umgesetzten Kohleausstieg gemacht. Den Link zum Artikel findet ihr hier.

17 Kommentare

  1. Ein sehr interessanter Buchtipp! Vor allem ist das Szenario nicht einmal weit hergeholt, wenn man sich überlegt, was heutzutage alles vom Strom abhängt: Warm duschen, Nahrungszubreitung, Lagerung der Nahrung, Kommunikation in jeglicher Hinsicht, Unterhaltung in Form von Fernsehen, Playsi, etc. :-(

    In diesem Zusammenhang vielleicht interessant:
    die konkrete Bevorratungsempfehlung vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für 14 Tage: http://www.ernaehrungsvorsorge.de/de/private-vorsorge/notvorrat/.

    • Ha! Genau. Beides kommt im Buch zur Sprache. Dein LinkTipp. Und auch deine erweiterte Liste an ausfallenden Optionen, wenn der Strom weg ist. Im Übrigen: Auch der Autor stellt fest: Das Szenario ist leider nicht weit hergeholt. Danke für den LinkTipp. Werd mich weitereinlesen. Hatte im Urlaub mir das vorgenommen als ToDo: Suche eine offizielle Vorratsempfehlung. Hab ich dann aber bislang vergessen. Danke!

  2. maybee sagt

    Positiv an dem Szenario ist immerhin, dass damit die ganzen Geheimdienstüberwachereien auch ihr Ende finden. *fg*

  3. Johannes sagt

    Wer über das Thema nicht in einem Roman, sondern in einem sachlich-nüchternen Bericht lesen will, kann sich im Internet den Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung des Bundestages als pdf runterladen: BT-Drucksache 17/5672. Ziemlich erschreckend, wie abhängig wir sind.

  4. @Frau DingDong und @Johannes: Danke für eure weiterführenden LeseEmpfehlungen! SUPER! Echt. Auf diese öffentlichen, offiziellen Publikationen, Berichte und Broschüren werde ich mich mental erstmal vorbereiten müssen. …
    @maybee: Ja. Die Geheimdienste haben dann wenigstens auch keinen Strom mehr. Wobei… Vielleicht haben die ja schon längst vorgesorgt. … Keine Ahnung. … Irgendwie bestimmt. ;P

    • maybee sagt

      *hihi*
      Stimmt, aber wenn die Strom haben und wir nicht, ist die Internetüberwachung dahin. Das ist dann so als hätte man tausende Überwachungskameras (PRISM & CO) auf einen Festplatz (Internet) gerichtet auf den man niemanden drauf lässt (Stromausfall) :D

    • @Frau DingDong & @Johannes: Krass, dass ein solches Amt gibt. Aber definitiv auch notwendig…
      … hoffentlich haben die auch einen eventuellen Zombienagriff gedacht… *fg*

      • maybee sagt

        LOL :D

        Bei den hiesigen Waffengesetzen sind wir den Zombieangriffen schutzlos ausgeliefert. Da hilft nur die einsame Hütte auf der einsamen Insel irgendwo im Nirgendwo xD Oder Pfeil und Bogen und vieeeeel Übung xD

        • *rofl* :-)
          Genau! …oder eine von diesen mutierten Monster-Zucchinies, die sich im Moment im Gemüsegarten befinden: aka DIY-Knüppel.

  5. Und manchmal sind wir auch in einigen Energie Bereichen näher an einem Black Out als manche wissen. Einfacher Fakt, die Gasreserven die benötigt werden um einen Großteil unserer Häuser zu erwärmen. Diese sind im letzten Winter so arg gebraucht worden das die Speicher leer waren. Nun gibt es aber keine Regelung die das auffüllen erforderlich macht. Aktuell sind diese nur 70% voll. Noch so ein Winter wie der letzte. Und wir sind schon im Januar ohne Reserven. Ich denke die lösen das und wenn nicht?
    Das fiel mir gerade so ein als ich den Artikel gelesen habe.

  6. Pingback: (Werbung) Mehr Energie sparen. Die Stromrechnung ist da. | MamaDenkt.de

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