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Coltan, Entwicklung mit der Crowd und ein modulares SHIFTPHONE – offene Fragen

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In den vergangenen Wochen habt ihr meine Interview-Reihe mit Samuel, CEO von SHIFT, hier im Blog schon mitverfolgen dürfen. Samuel hat uns einen Einblick in die Entstehung des Unternehmens gegeben, uns seine Unternehmenswerte ausgeführt, erläutert und berichtet, was für ihn und SHIFT soziale und ökologische Nachhaltigkeit bedeuten. Die jeweiligen Artikel habe ich euch verlinkt. Heute geht es um eure offenen Fragen, die per Mail oder in den Kommentaren eingegangen sind. Wie kann ein modulares SHIFTPHONE preislich mithalten? Wie ist das mit Coltan und was genau bedeutet Gerätepfand?

Ein modulares SHIFTPHONE

Dabei sind Begrifflichkeiten wie modulares SHIFTPHONE, Reparierbarkeit und Gerätepfand gefallen, sowie Fragen bei euch Lesern aufgekommen. Eure Themen und Fragen aus den Kommentaren, auf meinen Social Media-Kanälen, aber auch in Vieraugen-Gesprächen möchte ich in diesem letzten Teil meiner Interview-Reihe Raum geben. Here we go.

Coltan und andere seltene Erden

Werfen wir nochmal einen konkreten Blick in Sachen sozialer Nachhaltigkeit auf eure Shiftphones: Welche Seltenen Erden, die in konventionellen Smartphones verarbeitet sind, hältst du für die kritischsten? Wie löst ihr diese Problematik für euer Produkt?

Das Thema faire Mineralien haben wir schon ziemlich früh für wichtig empfunden, haben aber gemerkt, dass durch die noch nicht transparente Lieferkette es sehr, sehr schwierig ist, da durch zu kommen. Wir haben für uns entschieden, dass wir mit dem Thema Coltan anfangen, weil es relativ wahrscheinlich ist, dass Coltan aus Konfliktminen kommt. Es gibt mittlerweile Mienen, die faires Coltan anbieten. Für uns war es damals jedoch nicht möglich dieses Coltan zu beziehen und auch in unsere Lieferketten unterzubringen. Daher haben wir damals gesagt: „Wir wollen gerne auf Coltan verzichten.“ Stattdessen haben wir Mikrokapazitoren eingesetzt, die ohne Coltan auskommen.

Aktuell sind wir dabei nochmal genauere Analysen zu machen, welche Materialien in unseren Smartphones vorhanden sind. Das bedeutet, die Geräte werden pulverisiert und wir analysieren genau, zu welchen Anteilen und zu welchen Mengen welche Materialien enthalten sind. Auf diese Weise erhoffen wir uns den nächstgroßen Hebel zu erkennen und anzupacken, indem wir das entsprechende Material fair einkaufen und in unsere Lieferkette aufnehmen.

Das ist aber ein Prozess. Wir haben länger gebraucht ein Labor zu finden, dass diese Untersuchungen durchführen kann. Die Materialienbestimmung einer Hauptplatine ist relativ schwierig. Letztendlich waren wir erfoglreich und ich freue mich schon sehr auf dieses Projekt, weil es die Fairness unserer Produkte nochmal auf eine neue Ebene heben kann und wir nochmal ganz neue Einsichten dazu gewinnen können.

Fairness und dennoch günstige Preise?

Wenn ein modulares SHIFTPHONE unter so vielen fairen Bedingungen hergestellt wird, wie schafft ihr es, sie mit so günstigen Preisen zu verkaufen?

Wir haben die Produkte von Anfang an mit der Crowd zusammen, quasi mit unseren Kunden entwickelt. Dabei haben wir mit der Uni in Kassel zusammengearbeitet, die immer wieder Kundenumfragen durchgeführt und unsere Kunden gefragt hat, was ihnen wichtig ist.

Auf diese Weise konnte der Kunde die Produkt- und Preisgestaltung mit beeinflussen. Uns war es wichtig auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen zu können. Natürlich bedeutet ein günstiger Preis auch, dass man Abstriche in der Qualität oder Abstriche in der Ausstattungsvielfalt machen muss. Hier haben wir versucht einen guten Kompromiss zu schaffen und auf die Kunden einzugehen, die uns im Crowdfunding unterstützt haben. Unsere Kunden wollten nicht unbedingt die superkrassen vollausgestatteten Phones, sondern sprachen sich für ein gutes solides Telefon mit einer vernünftigen Kamera aus, mit dem sie die alltäglichen Aufgaben bewältigen können. Daraufhin haben wir die Geräte entsprechend entwickelt und gemerkt, dass man auf diese Weise gute Preise erzielen kann, trotz einer möglichst fairen Endfertigung.

Keine Investoren

Ein weiterer Punkt, warum wir recht günstige Preise machen können, ist, dass wir keine Investoren in der Firma haben, die Geld herausnehmen können. Alle Gewinne, die entstehen, bleiben entweder in der Firma oder werden an gemeinnützige Organisation gespendet, die das Thema Nachhaltigkeit oder soziale Aspekte fördern.

Keine Werbung

Noch ein Grund für unsere relativ günstigen Geräte ist, dass wir keine Werbung machen. Wenn jemand mal Werbung für ein modulares SHIFTPHONE entdeckt, dann liegt das entweder daran, dass wir das geschenkt oder unglaublich günstig angeboten bekommen haben oder weil Menschen uns unterstützen wollten oder sie der Meinung sind, dass es wichtig ist anderen Menschen von unserem Projekt zu berichten.

Unser Geld kommt auf diese Weise
– direkt unseren Mitarbeitern zugute
– der Weiterentwicklung unserer Geräte
– der Firma an sich
– oder aber es wird gespendet. Das sind die Optionen.

Was die Ausstattung der Geräte angeht, haben wir beim SHIFT 6mq oder dem SHIFT 6m gesagt, dass wir die Kunden ansprechen wollen, die sagen „Wir brauchen aber Highend. Wir wollen eine Spitzenkamera in unserem Gerät haben, denn wir machen nicht nur Schnappschüsse. Dafür benötigen wir eine richtig gute 4K – Auflösung im Videobereich. Wir brauchen 21 megapixel für die Kamera und insgesamt eine sehr hochwertige Ausstattung des Geräts.“ Deshalb ist der Preis des SHIFT 6m oder SHIFT 6mq natürlich höher.

Finanzierung mit und durch die Crowd

Dadurch dass, wir unsere Phones mit Vorbestellung und Crowdfunding finanzieren, können wir unseren Kunden natürlich einen nochmal günstigeren Preis anbieten. Wir müssen keine Darlehen aufnehmen, sondern können mit den Geldern der Kunden arbeiten. Das SHIFT 6m hat man anfangs für 432, -€ bekommen. Der Endkaufpreis wird bei 555,-€ liegen. Was ich total schön finde und was mich immer wieder ermutigt, ist, dass uns unsere Kunden ihr Vertrauen schenken und sie sehen, dass wir es wirklich ernst meinen, die Firma gut und nachhaltig zu führen.

Ein modulares SHIFTPHONE – ist das möglich?

Ich habe in meinem Leben drei Smartphones gehabt. Die ersten beiden sind nicht mehr tauglich für meine Arbeit als Bloggerin und Referentin. Es sind immer mehrere Einzelteile, die nicht funktionsfähig sind, die ich jedoch a) nicht selber austauschen darf und b) auf die es keine Garantie gibt, wenn ich es doch tue. Ihr werbt damit, dass ihr sowohl ein Gerätepfand als auch in Zukunft ein modulares SHIFTPHONE auf den Markt bringen werdet. Wie lange sollen Einzelteile austauschbar sein??

Unser Ziel ist, dass Kunden ihr Gerät selber reparieren. Die Ersatzteile des neuen SHIFT 6m wollen wir für die nächsten zehn Jahren bereitstellen können. Das planen wir und wir hoffen, dass uns das gelingen wird. Für uns als kleiner Hersteller kann das immer auch mal schwierig werden, da wir oft mit kleineren Zulieferern zusammenarbeiten.

Beim 6m haben wir sehr, sehr viel unserer Zeit dafür verwendet, Komponenten zu finden, die langfritsig lieferbar sind. Viele Kompontentn haben wir in hohen Stückzahlen auch schon eingekauft, um das gewährleisten zu können. Hierbei muss man natürlich eine gute Relation finden, um nicht selber Elektroschrott zu produzieren. Trotzdem wollen wir möglichst lange Ersatzteile bereitstellen, damit Geräte reparierbar bleiben.

Da wird durch den Gerätepfand und die Upgrades immer wieder Geräte zurückbekommen, haben wir bislang auch immer gebrauchte Ersatzteile vorrätig. Wenn das mal nicht der Fall sein sollte, dann erhalten die Kunden von uns die Möglichkeit eines Upgrades auf ein neueres Gerät und wir kümmern uns um das alte. Im besten Fall kommt es dann zur Reparatur, im schlechteren Recycling.

Was bedeutet Gerätepfand?

Gerätepfand bedeutet: Der Kunde zahlt 22,-€ für das Gerät mehr. Diese 22,-€ erhält er zurück, wenn er uns das Gerät mit einem Pfandzertifikat, das dem Produkt beiliegt, zurückschickt.

Damit erhoffen wir, die Motivation unserer Kunden zu steigern, die Geräte tatsächlich an uns zurückzuschicken. Wir schauen uns das Gerät an, beurteilen, in welchem Zustand es sich befindet, welche Defekte vorliegen. Wenn wir die Ersatzteile dafür haben, wird das Gerät repariert und für den Weiterverkauf freigestellt. Oder wir nutzen es als Austauschgerät im Support, so dass wir auf jeden Fall gewährleisten können, dass das Gerät weiter im Umlauf bleibt.

Sollten wir keine Ersatzteile mehr haben, nutzen wir die einzelnen Teile weiter. Wir sammeln sie, kategorisieren sie und nutzen sie weiter als Ersatzteile. Werden sie nicht länger gebraucht, kümmern wir uns in der letzten Instanz um das Recycling. Dabei nehmen wir die Geräte komplett auseinander, sammeln Kunststoff- und Metallteile sowie alle Kabel extra. Wir sammeln die Hauptplatinen, die Mikrofone und Lautsprecher und geben diese an die jeweiligen Recycling-Experten weiter.

Lieber Samuel, ich danke dir für deine Infos, deine Zeit und auch deinen Einsatz für eure Vision! Euer Unternehmen ist großartig. Für jemanden wie mich hat sich ein ersehnter Wunsch erfüllt.

Ich habe seit langem ein schlechtes Gewissen beim Einsatz meiner Arbeitsgeräte (PC, Smartphone…) in Sachen Nachhaltigkeit. Ich komme aber nicht um sie herum, wenn ich weiterhin viele Menschen erreichen und Unternehmen und Visionen wie die eure vorstellen und bekannt machen möchte. Daher: Danke!

Wie können wir euch in Zukunft denn in eurer Arbeit unterstützen?

Vielen Dank für das Lob und die anerkennenden Worte! Was uns eine Riesenunterstützung ist: Euer Weitersagen von SHIFT. Dass es uns gibt. Sei es in eurem Freundeskreis, via Facebook oder wo auch immer ihr euch im Alltag bewegt. Dadurch, dass wir keine Werbung machen, ist das ein riesiges Geschenk für uns.

Gerne könnt ihr auch eure Ideen und Tipps an uns weiterleiten: Wie wir unsere Produkte noch fairer und nachhaltiger machen können. Wie wir Produktionsbedingungen verbessern oder unsere Lieferketten transparenter bekommen können – immer her damit. Wir sind für all diese Gedanken und Erfahrungen sehr, sehr dankbar.

Wenn ihr Lust habt, bei uns mitzuarbeiten in Form von einem Praktikum oder ihr eure Bachelor- oder Masterarbeit bei uns schreiben wollt, meldet euch. Wenn ihr Ideen habt, wie ihr unser Team bereichern könnt, sind wir dafür unglaublich dankbar. Das alles wären riesige Geschenke von euch an uns, über die wir uns freuen und für die wir sehr dankbar sind.

Damit unterstützt ihr uns sehr.

Auf geht‘s Leute…

Ich freue mich schon auf euer Feedback. Jetzt habt ihr einen Einblick in die Arbeit der SHIFT GmbH erhalten, wisst, was ein modulares SHIFTPHONE ist. Was nehmt ihr aus dieser Interview-Reihe mit? Was findet ihr, muss unbedingt noch gesagt werden?

Vielen Dank fürs Lesen! Teilt den Artikel! Bringt ihn unter die Leute und helft auf diese Art SHIFT noch bekannter zu machen. Denkt dran, ihr macht damit ein Riesengeschenk!

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  1. Pingback: gutes unverpackt. Im Interview mit Judith Vogt | MamaDenkt.de

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