AlltagsAbenteuer, Featured Blogpost, res publica
Kommentare 19

Kinderbetreuung im Home Office – 12 simple Ideen

Kinderbetreuung im Home Office veranschaulicht durch ein arbeitendes Legomännchen.

Auf dem Sofa sitzend, noch immer ein wenig erschöpft durch den zurückliegenden grippalen Infekt, denke ich darüber nach, wie die kommenden drei Wochen in dieser Familie aussehen sollen? Die Kids werden morgens nicht das Haus verlassen und nicht zur Schule gehen. Wie soll das gehen? kinderbetreuung im Home Office.

Das Ziel ist klar: Es braucht Ideen, wie außerplanmäßige Schulschließungen, wochenlange Kinderbespaßung at home und kreative Programmpunkte aussehen könnten. Vor allem umsetzbar müssen sie sein, so dass auch wir dazu kommen, unseren Job im Home Office zu verrichten und die Kids sich weitestgehend eigenständig beschäftigen können. Zumindest über das ein oder andere Zeitfenster hinweg.

Kinderbetreuung im Home Office

Grundsätzliches mal vorab: Die Situation ist speziell. Mehr noch, sie ist Ergebnis eines Virus (das Corona – Virus) , das oder der die Menschheit nun schon seit einigen Wochen im Griff hat. Die Sorge um das Ausmaß und der Versuch entsprechende Vorbereitungen zu treffen, laufen seit Monaten. Die WHO hat am 11.03.2020 die Zustände als Pandemie bezeichnet.

Neben aller Panikmache in den Medien, treffe ich in den vergangenen Wochen gehäuft auf informierte Menschen und Experten, deren Anliegen es ist, Panik zu unterbinden und dennoch auf Brisanz und Lage aufmerksam zu machen.

Schulschließungen, Absagen von Veranstaltungen – open end

Aus Solidarität für die Nächsten rücken wir auseinander. Wir verzichten auf große Unterhaltungsevents, sagen Treffen und Sitzungen ab, um den Ausbruch eines für viele Menschen gefährlichen Virus auszubremsen. Dafür verzichten wir auf unnötige Sozialkontakte, denn auch wir könnten längst als Übeträger fungieren. Das macht Generationengerechtigkeit aus. (An dieser Stelle komme ich nicht drumherum zu schreiben, dass ich es großartig finde, wie fridaysforfuture auf aktuell anstehende Streiks – auf der Straße – verzichtet, um sich mit älteren Generationen zu solidarisieren. Stattdessen wird zum #netzstreikfürsklima aufgerufen und ich ziehe den Hut vor diesen sehr jungen, erwachsenen und verantwortungsvollen Menschen.)

Tagtraum oder nicht? Kann das wirklich sein?

Glauben kann ich das Ganze aber dennoch nicht so wirklich. Es ist surreal und ich kann einfach nicht fassen, dass alles geschlossen und abgesagt wird – mehr oder weniger. Im Laufe weniger Stunden wurden große Events unterbunden, Schulen- und Kindergärten geschlossen, Supermärkte gestürmt, Gottesdienste abgesagt und Feierlichkeiten bis auf weiteres verschoben. So etwas hat es noch nicht gegeben. Zumindest nicht in meinem Leben. Wir schreiben Geschichte und das in diesem Augenblick auf ganz besondere Weise.

Am Montag werden sich viele Eltern in der Situation befinden, ihre daheim gebliebenen Kinder irgendwie zu betreuen, sogar zu “beschulen”. Im besten Fall erhalten sie von Seiten der Schule und dem Lehrpersonal Unterstützung bei dieser Beschäftigung der Kids, indem zum Beispiel entsprechendes Lehrmaterial zusammen gestellt und digital verfügbar gemacht wird; wie bei uns.

Homeschooling versus nackter Realität

Grundsätzliches möchte ich vorab noch feststellen: Obwohl Sozialkontakte auf ein Höchstmaß reduziert werden sollen, machen es bestimmte Jobs notwendig zur Arbeit zu gehen. Es gibt Dinge, die lassen sich nicht remote, von zu Hause aus, im Home Office erledigen. Dafür brauchen wir Lösungen und ich hoffe so sehr, dass wir gute finden.

Und selbst wenn wir, mein Mann und ich, uns in der glücklichen Lage befinden, im Home Office arbeiten zu können, heißt das noch lange nicht, dass wir die Beschulung unserer Kinder mal eben übernehmen (können). Selbst die parallele Betreuung wird uns herausfordern und hoffentlich nicht an unsere Grenzen bringen.

Der Gedanke an die Kinderbetreuung im Home Office löst nicht romantische Homeschooling-Vorstellungen bei mir aus, wie ich sie vor Jahren mal gehabt habe. Denn natürlich wird von mir erwartet, dass ich mich meinen beruflichen Aufgaben widme, für die ich schließlich auch ein Gehalt gezahlt bekomme. Allerdings bin ich mir auch sicher, dass wir das schon irgendwie schaffen werden – als Familie. Was ich mir nicht wünsche, und das war in den letzten zwei Wochen der Fall, dass es so wird wie im Krankenlager. Denn dann hängt die ganze Arbeit meist an einer_m von uns beiden Großen, weil mindestens eine_r von uns auch krank ist – wie zuletzt. Dann ist und wird es schwierig.

Der Weg ist das Ziel

Zurück zur Kinderbetreuung im Home Office. Ich bin mir sehr sicher, dass das hier morgen nicht reibungslos verlaufen wird. Wir werden uns hier alle finden müssen. Denn: Wie so häufig ist Solidarität nicht nur erforderlich, sondern auch herausfordernd.

Fakt ist, die meisten Schulen sind bundesweit geschlossen. Das allein will schon was heißen. Doch da Infektionen an Schulen, in Kindergärten und Kindertagesstätten sehr viel Tempo aufnehmen können, ist und war das eine logische und alternativlose Entscheidung. Sie ist eine gute und wir müssen gemeinsam nach Lösungen und Strategien suchen, wie wir uns gegenseitig unterstützen können, ohne das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren: Die Kurve der Erkrankungen nicht explodieren zu lassen, sondern zu verlangsamen, kurz: #flattenthecurve. (Was es mit diesem begriff auf sich hat, könnt ihr hier in der T3n nachlesen.)

Was bedeutet das nun für Eltern und Sorgeberechtigte? Wir müssen (teilweise sehr) kreativ werden. Die einen wollen diese zusätzlich gewonnene Zeit mit Dingen, wie Baumhaus bauen und Kanufahrten füllen. Schön, wer das kann, wir leider nicht, da wir ja keinen Urlaub haben, sondern lediglich die Kinderbetreuung im Home Office stattfinden muss. Die anderen beschweren sich, lassen ein wenig Empörung über solche drastischen Maßnahmen erklingen und entscheiden weiterhin in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein. “Was das Ganze denn soll, schließlich gäbe es noch Menschen, die arbeiten müssten.” Dass es hierbei gerade eher um die Entscheidung geht, ob es zu drei Wochen oder aber monatelangem Ausfall kommt, scheint noch nicht durchgedrungen zu sein.

Ich befürchte, dass es bei uns zu Hause auf Mandalas ausmalen und wilde Tobe-Einlagen hinauslaufen wird. (Zum Glück gibt es bei meinem Arbeitgeber aktuell ein Bewegungsprogramm fürs Home Office, das mich nach 40 Minuten eine kurze Bewegungspause einlegen lässt. Vielleicht verbinde ich die mit dem Toben der Kids… )

12 simple Ideen im Home Office

Damit wir morgens jedenfalls keinen Zirkus zu Hause haben – zumindest nicht mehr als sonst – und das Theater abends auch irgendwann ein Ende hat, habe ich mir mal die Mühe gemacht und zusammengetragen, wie die Kinderbetreuung hier in den nächsten Tagen aussehen wird.

Ein Wochenplan muss her

Bei uns läuft das im idealen Fall vermutlich so: Ich stehe um 6.00 Uhr auf, arbeite zwei Stunden, damit es um 8.00 Uhr Frühstück geben kann. Um 9.00 Uhr wird dann offiziell mit der Arbeit im Home Office begonnen. Die beiden Schulkinder sollen dann ihre schulischen Aufgaben erledigen. Das Kindergartenkind wird spannend: Malbuch malen? Wir werden sehen.

Um 10.00 Uhr gibt es eine kurze Pause für alle. Irgendwas Aktives, damit danach weitergearbeitet werden kann. Vielleicht was zum Schnausen oder eine Hörspielpause zum Abschluss.

Um 10.30 Uhr geht’s weiter mit der Schule und dem Kindergarten. Ich hoffe, dass der Kreativschrank uns irgendwie weiterhelfen wird. Außerdem wird es Bücher zum Vorlesen für die Katzen geben und einen Berg Puzzles.

Um 12.00 Uhr wird getobt und das Versprechen eingelöst, dass die Kids sich einer LernApp widmen dürfen. Danach wird experimentiert und sie erhalten ihre Challenge, damit wir kochen können. Zumindest eine_r von uns beiden.

Nach dem Mittagessen, wenn der Vormittag gut gelaufen ist, darf auch nochmal an den Tablets gespielt werden. Vielleicht die 30 Minuten, um beruflichen Aufgaben rund zu machen, nach dem Mittagessen. Dann ist Freizeit angesagt. Wir gehen raus, wenn das Wetter sich hält und werden weiter gesund.

Abends wird’s jetzt immer einen Kino-Abend geben. Denn auch wenn diese Woche beim Klimafasten die Unterhaltungselektronik ansteht: außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.

Konkrete Beschäftigungsideen: simpel und eigenständig!

Das Ganze ist und bleibt natürlich ausbaufähig. Solltet ihr Gutes ausprobiert haben, gebt gerne Bescheid. Wir probieren gerne aus. Zu meinen eigenen Forscherwochern, die ich in unseren Ferien eingeführt habe, wird es wohl nicht kommen, denn: Ich muss ja arbeiten. Aber vielleicht nutzen wir die frei gewordene Zeit an den Nachmittagen. Denn Sport- und Kulturvereine haben ihr Programm ja auch erstmal bis auf weiteres auf Eis gelegt.

Simpel und eigenständig bedeutet, dass die Kids wissen, wo sich das nötige Material befindet, sich es gut selber handhaben können – ohne Hilfestellunegn unsererseits – und ich danach nicht mehr Arbeit mit aufräumen, aufwischen und in Ordnung bringen habe. Los geht’s.

Ihr findet im folgenden erstmal ganz viele Links, zu eigenen oder anderen Beiträgen, auf online-Plattformen, um digitales Lernen umzusetzen.

  1. Für kleinere Kinder findet ihr in diesen Spielideen für drinnen vielleicht die ein oder andere Anregung. Auf jeden Fall gibt es auf Pinterest ganz viel Ideen, die es sich lohnt abends mal durchzugehen, um auch zu checken, ob ihr alles dafür zu Hause habt. Sei es das selber machen von Kreide oder das Basteln einer Handpuppe aus alten Socken.
  2. Learnattack und scoyo bieten für die kommenden Wochen und Monate kostenfreie Zugänge zu ihren Lernprogrammen. Bei Learnattack könnt ihr euch für zwei monate einfach anmelden und an scoyo eine entsprechende E-Mail senden, dass eure Schulen geschlossen wurden.
  3. Dann gibt es jede Menge gute Apps, wie beispielsweise die Anton-App oder auch Apps wie Die MausApp oder die ElefantenApp.
  4. Gutes TV ist in diesen Zeiten Gold wert, sollte es doch mal regnen oder ihr die Kids nicht alleine rausgehen lassen können oder ihr einfach mal ‘ne Pause braucht: Wissen macht Ah!, Logo!, kika – das sind unsere Favoriten.
  5. kleines Projekt: Meine Kids habe ich Freitag gefragt, worauf sie Lust haben? Sie durften sich für die kommende Woche ein Thema aussuchen, Regenwürmer, Ninjas, Corona oder auch das Feenland – ganz egal. Die Aufgabe würde sein, sich jeden Tag mit der Thematik für eine halbe Stunde auseinanderzusetzen. Am Freitag soll es ein Produkt des Projekts geben: ein Buch, ein Plakat – irgendwas, das sie uns vorstellen können. Ja, ich weiß, irgendwie doch mit mehr Aufwand verbunden, sofern ich sicherstellen möchte, dass auch was dabei rumkommt und ich nicht nur die Berichterstattung der vergangenen Tage zum Corona-Virus mitgeteilt bekomme. Am liebsten hätte ich hier auch die ein oder andere Aufgabe eingespeist. Doch das muss ich mal noch abwarten, wie es diese erste Woche läuft.
  6. Psychohygiene für Mama – TOTAL wichtig und natürlich auch für Papa! Locker bleiben. Im schlimmsten Fall lernen die Kids nichts und ihr habt einen riesigen Berg an Arbeit nachzuarbeiten. ABER, die Alternative wäre, dass ein Virus eine komplette Gesellschaft lahmlegt. Tief durchatmen. Vielleicht lohnt es sich, nun doch einen twitter-Account anzulegen, auf Instagram Menschen anzutreffen, die sich in genau derselben Situation befinden, wie ihr. Wie ich, sei es hysterisch, erschöpft, leicht verzweifelt oder aber stolz, beruhigt und dankbar irgendwie doch nicht allein mit dieser Kinderbetreuung zu sein. Oder ihr gründet einen WA-Stammtisch, um im Gespräch zu bleiben.
  7. Kreativschrank zur Selbstbeschäftigung – spätestens JETZT lohnt sich dieser alte Schrank, die Schublade mit Bastel- und Spielkram für die Kids, an die sie immer dran dürfen. (Unseren habe ich erst letzte Woche entmüllt, nachdem ich es auf dem Sofa nicht mehr ausgehalten habe.)
  8. Wochen- und Menüplan für die Zeit während des Home Offices – DAS haben wir heute tatsächlich gemacht. Das Resultat seht ihr oben.
  9. DiYProjekt (erfordert ein wenig Vorbereitung im Vorfeld: für die Nachmittage, weil Sport- und Musikvereine auch erstmal ruhen. Kreide selbermachen, Gartenprojekt, Hochbeet anlegen, Laubhütte bauen)
  10. Challenges for the Kids – zu dritt müssen sie irgendwelche Herausforderungen meisten. angedacht für die Zeit, wenn wir mit dem Kochen beginnen und das Lernen oder Arbeiten an den Schulaufgaben erstmal ausläuft (alle zusammen müssen 10 Puzzles in 45 Minuten machen; alle duplo-Bausteine sollen verbaut werden, eine großartige Maschine erfinden und auf Tapete aufmalen, die genialste Bude bauen, Zimmer aufräumen, Gummibärchen aus einer riesigen Reisschüssel fischen finden auch die Großen toll…)
  11. Schokolade – Schokolade – Schokolade
  12. LÜK-Kästen, Lehrmaterial von der Schule oder auch Webseiten auf denen sich Ideen zu Experimenten finden (und die ich vorher noch gar nicht gekannt hatte) … Meine Freundin Melanie von glücklichscheitern hat außerdem einen Artikel in der t3n geteilt, in denen eine Reihe toller weiterer Apps und Links zusammengestellt sind, um digitales Lernen mal auszuprobieren.

Neben Pinterest gibt es viele tolle Bücher, mit noch viel mehr kreativen, einfachen und auch kurzweiligen Ideen. Ein Paar davon spiele ich euch die Woche über in meine Instagram-Story. Auf buch7.de könnt ihr sie euch easy nach Hause schicken lassen. Sowieso meine Empfehlung in diesen Zeiten, wenn es darum geht, Bücher zu bestellen und nicht in die Bücherei oder Buchhandlung gehen zu können.

Ein Kind schaut beim Trinken durch den Boden eines Glases und zieht eine Grimasse.
Auch das ist Home Office…

Ambitioniert? Mag sein, aber ein Plan für unsere Kinderbetreuung im Home Office. Eine Idee, an der wir uns entlang hangeln werden, einfach um in diese vor uns liegenden Wochen zu kommen. Denn ganz ehrlich: Lieber so, als diese Pandemie zu unterschätzen und dann schließlich nichts mehr tun zu können, sondern nur noch zuzuschauen, wie ein komplettes Gesundheitssystem zusammenbricht.

Wir können das schaffen. Ich will das glauben und das Beste aus der Situation machen. Was könnt ihr sonst noch so empfehlen? Ich freue mich auf eure Ideen und Tipps in den Kommentaren oder auf Social Media.

19 Kommentare

  1. Pingback: Abenddämmerung - Zurück zum verrückten HomeofficeSchooling | Ich lebe! Jetzt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.