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Tomaten aus dem Joghurtbecher oder was zum Teufel macht Plastik in meinem Gemüsebeet?

Eine Frage der Nachhaltigkeit Tomaten aus dem Joghurtbecher und Plastikmüll im Gemüsebeet

Wisst ihr was? Heute geht es direkt mit Alex Antwort auf meine Frage der Nachhaltigkeit von vor zwei Wochen los. Es geht um Joghurtbecher und Eisberge. Viel Vergnügen!

Tomaten, Joghurtbecher und Eisberge

Oh liebe Rachel, dass ist ja mal eine Frage. Schwierig und spannend zugleich, denn du fragst mich heute nicht nur als Verbraucher und Konsument, sondern auch noch als Biologin. Das heißt meine Antwort sollte jetzt WIRKLICH kompetent sein, oder? Na dann mal los. In deiner aktuellen Frage der Nachhaltigkeit geht es um Joghurtbecher, die du zum „Anziehen“ von Tomatenpflanzen und Co. verwendest.

Wie ungesund ist das denn eigentlich? Was sagst du als Biologin dazu? Wie bereitest du dich auf die Anzuchtzeit vor? Wie ist das mit chemischen Substanzen und Kunststoffen in Joghurtbechern? Gehen sie in die Pflanzen über?

Eine Frage, die wahrscheinlich viele so oder so ähnlich schon beschäftigt hat.

Im Endeffekt geht es darum wie Plastik in unserer Umwelt wirkt und auf welchen Wegen es schließlich wieder zu uns zurückkommt.

Dass das früher oder später passiert ist unumstritten. Da gibt es zum Beispiel Plastik-Bestandteile, die in Flüssigkeiten abgegeben werden und im Körper wie Hormone wirken. Und es gibt Mikroplastik im Meer, das in Fisch und Meeresfrüchten wieder auf unserem Teller landet. Manche Mechanismen verstehen wir bereits. Vieles bleibt aber bislang im Dunkeln, denn wir haben die Problematik einfach noch nicht lang genug auf dem Schirm. Oder wann habt ihr das erste Mal von Bisphenolen oder Mikroplastik gehört? Das ist wahrscheinlich noch keine zehn Jahre her, oder? In der Wissenschaft, vor allem für Langzeitstudien, ein Wimpernschlag.
Je nach ihrer Art sind Kunststoffe über lange Zeit sehr stabil. Danach beginnen sie sich langsam zu verändern. Sie geben einzelne Bestandteile wie Weichmacher an die Umwelt ab, werden spröde und zerfallen schließlich in immer kleinere Teilchen.

Plastik verändert sich, aber es verschwindet nicht.

Auch nicht das Plastik, das wir thermisch verwerten und als Schlacken auf irgendwelchen Deponien einlagern. Inwieweit diese Schlacken und Müllbestandteile dann untereinander wechselwirken? Ich bin mir nicht sicher, dass wir darüber und über die Langzeitfolgen schon irgendwelche haltbaren Aussagen treffen können. Lange galt beim Thema Müll eben aus den Augen aus dem Sinn. Und in gewisser Weise ist es ja immer noch so, oder? Wir exportieren unsere Abfälle lieber oder machen Straßenbelag aus ihnen, als dass wir endlich anfangen würden wirklich etwas zu verändern. Durchdacht ist das alles nicht. Wie schon gesagt. Plastik löst sich eben nicht in Luft auf. Auch nicht als Straßenbelag, der tagtäglich UV-Strahlung, Wind und Wasser ausgesetzt sein wird. Bei mir jedenfalls hinterlässt das ein riesengroßes Fragezeichen.
Und was ist jetzt mit deinen Joghurtbechern? Da kann ich dich beruhigen. Zum Einen verweilen deine Pflanzen ja nicht lange im Plastikbecher. Und zum Anderen weiß man durch viele Studien, dass (Nutz)Pflanzen erstaunlicherweise recht wenig Schadstoffe aufnehmen. Problematisch ist das allerhöchstens bei Wurzelgemüse und das zieht man ja ohnehin nicht auf der Fensterbank vor. Blätter und oberirdische Früchte bleiben meist unbelastet. Ich an deiner Stelle würde eher versuchen das Problem komplett zu umgehen. Wir benutzen zum Anziehen unserer Pflanzen statt einem Joghurtbecher zum Beispiel alte Eierkartons, Einmachgläser oder Auflaufformen. Und mal abgesehen davon.

Der Weg der potentiellen Plastikbestandteile in deinen Körper ist über den Joghurt selbst viel schneller als über den Umweg Tomatensetzling, oder?

Ich mache mir weniger Sorgen um den Joghurtbecher, der für einige Wochen als Pflanzgefäß genutzt wird, sondern vielmehr um all den Plastikmüll, der mittlerweile in unserer Landschaft schlummert. Für Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte. Nach und nach wird sich unser Müll in Parks, Wäldern und auf Äckern in Mikroplastik verwandeln. Denn Mikroplastik ist nicht nur ein Problem unserer Meere. Unsere Böden werden langsam aber sicher verseucht und die Folgen für die Umwelt und uns selbst sind nicht abzusehen. Wir haben dieses Jahr ein kleines Feld in einem Gemeinschaftsgarten bekommen und als wir am Wochenende unsere Parzelle vorbereitet haben, war ich entsetzt. Überall in der Erde waren kleine Kunststoffteilchen zu finden. Oft kaum noch sichtbar. Es war Verpackungsmüll, Reste von Unkrautflies, Textilfasern und vieles, das man gar nicht mehr erkennen konnte (auf dem Titelbild seht ihr die Ausbeute meiner Müllsammelaktion).

Plastik IST bereits ein Teil unserer Umwelt geworden. ÜBERALL!

Und das Traurige ist, es wird jeden Tag mehr. Irgendwann werden die Zerfallsprodukte klein genug sein um auch Zellmembranen zu überwinden. Die der Pflanzen und schließlich auch unsere eigenen Körperzellen. Das ist eine Frage der Zeit. Du siehst also. Deine Joghurtbecher sind nur die Spitze des Eisbergs, aber doch gleichzeitig auch der Ursprung des Problems. Auf Dauer wird nämlich nur helfen auf Plastik zu verzichten. Vor allem auf unnötiges Verpackungsplastik.

Oder was meint ihr?

***

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu deprimierend… aber vielleicht wird ja deine nächste Antwort wieder ein bisschen positiver? Du weißt ja, dass unsere (Kunststoff)Textilien ein nicht zu unterschätzender Faktor für den Eintrag von Mikroplastik in unsere Umwelt sind. Wie gehst du mit diesem Wissen um? Was für Konsequenzen ziehst du daraus? Immer wieder begegnet mir in diesem Zusammenhang der Guppy Friend. Dieser Beutel, der in der Waschmaschine verhindern soll, dass die Kunststofffasern ins Abwasser gelangen. Was hältst’s du davon? Plastik mit Plastik bekämpfen?

Eine Frage der Nachhaltigkeit Tomaten aus dem Joghurtbecher und Plastikmüll im Gemüsebeet Pinterest

Weitere Artikel rund um unsere Frage der Nachhaltigkeit könnt ihr euch hier durchzulesen. Wenn es zum Beispiel um dem heimischen Müllberg geht – einmal hier klicken. Oder ihr wollt wissen, wieso wir überhaupt diese Gesprächsreihe losgetreten haben, dann hier entlang.

Alex hat mir auch mal einen Blick in ihren Kleiderschrank gewährt und beschrieben, wie sie das mit dem Klamottenkauf handhabt und sieht. 

Letztes Jahr nach meinem Aufenthalt in Hamburg hab ich auch mal versucht in Worte zu fassen, wie das mit der echten Nachhaltigkeit ausschaut. Es ist nicht alles schwarz – weiß. Aber auch nicht alles grau.

7 Kommentare

  1. maybee sagt

    (Nicht nur) Dieses Thema macht mir immer deutlich, wie gerne man als Mensch die Augen verschließt vor unangenehmen Fakten.

    Das Kleidungsbeispiel ist super, denn es gibt durchaus Leute, die auf die eine oder andere Kunstfaser nicht verzichten können, um Ihren Beruf auszuüben. Aber wir haben nicht die Technik das so zu reinigen, dass davon nichts im Wasser landet. Ergo, wir und unsere Nachfahren trinken über kurz oder lang genau das Zeug wieder. Wohl bekomm’s.

    And yet you do nothing. Wir haben so Kunstfaserzeug im Schrank, durchaus eher neu. Keine Ahnung, wie ich das meinen Kindern erkläre. Mit Nichtwissen, kann ich mich (und zunehmend weniger Zweibeiner sich) jedenfalls nicht aus der Affäre ziehen.
    Wie Glaubwürdig das ist, wenn Leute sagen, sie hätten von nichts gewusst, kann der eine oder andere dieser Tage gut beurteilen, weil seine Großeltern so ein Thema ja auch auf der Tagesordnung hatten.

    Das ist zudem ein Thema, bei dem ich einfach keine befriedigende Lösung für das Problem auf dem Schirm habe.

    Handwäsche oder Feinwäsche führt übrigens zu weniger Reibung und weniger Mikroplastik (Hörensagen; aber plausibel, wenn man darüber nachdenkt). Aber weniger ist nicht keines und keines ist wohl die sinnvolle Zielsetzung.

    Andererseits hat man daneben den Verpackungsmüll, den man wirklich super leicht reduzieren kann. Einmal rein gefuchst kommt man ohne Probleme mit 0,9 kg Plastik p. a. pro Kopf aus.
    Noch Mal: 0,9 kg Plastik im Jahr, pro Kopf. Das geht. Das hat weder lange gedauert, noch brauchen wir wahnsinnig viel Hirn oder Zeit dafür. Das hat sich über 24 Monate dahin entwickelt. Von einem durchschnittlichen Plastikverbrauch zu 1,8 kg Plastik für den gesamten 2 Köpfe Haushalt. Ein wesentlicher Faktor davon sind übrigens Flaschen und Glasdeckel, deren Gewicht ja nur zu einem Teil Plastik ist. Das ist gemessen an dem Durchschnittsverbrauch von 37 kg pro Kopf lächerlich, aka 2,4 % davon.
    Aber genau genommen immer noch zu viel, weil es zu 90% Verpackungsmüll ist, der eigentlich völlig überflüssig ist.

    Ist doch schön, wenn man die Sachen so voranbringen kann. Bei Kleidung geht das aktuell nur, wenn man keine Kunstfaserkleidung hat oder Kunsfaserkleidung nicht wäscht ;-) [Erfahrungsberichte dazu gerne!].
    Das Konzept mit diesem Plastiksack höre ich zum ersten Mal und finde ich unsinnig, weil absolut nicht plausibel. Das Ding wird selbst auch Plastik verlieren.
    Und solche Säcke führen prinzipiell zu schlechterer Waschwirkung, weil weniger Reibung/Abrieb. Ob man das Merkt weiß ich nicht, aber wenn ich bei der Stadt für die Müllabfuhr arbeiten würde, käme meine Arbeitskleidung sicher nicht da rein.

    Ich bin irgendwie der Meinung, dass wir uns bei dem Thema auch um des subjektiven Seelenheils auch bewusst machen müssen. Deswegen ist es ganz gut auch anzusehen, was wir erreichen können und was JETZT und HIER durch uns selbst machbar ist. Auch wenn es nicht 100% ist und auch wenn es noch besser geht und wir die Welt noch nicht gerettet haben. Der Schritt in die richtige Richtung ist wichtig. Jedes bißchen hilft. Und wenn es nur dazu hilft, dass wir unseren Kindern und Enkeln bessere Erklärungen für das „Und was hast Du so getan als …“ liefern können als die meisten anderen.

    Es gibt immer wieder die Argumentation, das müsse die Politik lösen, der einzelne könne nix machen. Es gibt auch immer wieder die Argumentation, die Politik macht nix, der einzelne muss das lösen.
    Ich bin inzwischen der Meinung die Diskussion ist zeitverschwendung und man sollte einfach Mal dort wo man gerade ist anfangen zu machen, statt andere davon zu überzeugen, dass ihr Weg sinnlos ist. Am Ende hat keiner hier eine Ahnung, wo die Wege die wir gerade entlang laufen enden, bis wir dort sind.

    Ich weiß zwar nicht, ob das jetzt weniger deprimierend ist, als vorher, aber ich habe mich redlich bemüht das etwas ins positive zu setzen.

    • Ja, es ist einfach nicht möglich allein zu 100% die Welt zu retten. Aber insbesondere auf de Frage, „Was hast du denn getan, Mama?“ – darauf will ich eine Antwort geben können, die mich nicht beschämt im Erdboden versinken lassen wird.

      Ich schließe mich deinen Ausführungen daher sehr gerne an! Ja, es ist ein Stückweit deprimierend – ich war vorgestern auf einer Mülldeponie und einfach fassungslos, wieviel Müll da einfach mal so entsteht… In dem Moment konnte ich erklären, wieso ich Eis am Stiel total doof finde und tatsächlich versuche ANDERS einzukaufen.

      Diese 0,9kg Plastik… Boa, davon sind wir noch weit entfernt, wie ich befürchte. Aber wir bleiben dran. Danke auch für den Link. Den muss ich allerdings erst noch lesen…

      • maybee sagt

        Nein. Das ist doof, wenn Du Dich an der Zahl orientierst. Das ist nicht so zielführend. Ich wollte damit nicht, einen Maßstab setzen für andere, sondern nur klar machen „Es geht!“.

        Der Weg den eigenen Müll zu wiegen und zu sagen „Nächste(n) Monat/Woche ist es weniger“, der ist viel besser. Kein Stress und konstruktiv mit den eigenen Gegebenheiten umgehend.

        Ihr habt mehr Leute mit anderen Anforderungen im Haushalt. Ihr habt andere Einkaufsmöglichkeiten und Zielsetzungen und so weiter.

        Wir haben uns auch nur an uns selbst orientiert und es einfach immer besser gemacht im Verlauf der Zeit. Ohne Ziel, ohne Vergleichsmaßstab jenseits der eigenen Müllsäcke :) Anders einkaufen ist ein sehr wichtiger Schritt. Markt statt Supermarkt macht einen krassen Unterschied, nicht im Geldbeutel, aber im Müllsack. Ganz viele Sachen gibt es zudem im Glas – nicht überall, nicht alles. Das spart Plastikmüll. Wohl keine Energie beim Transport, aber eben den Plastikmüll. Manche Sachen können wir ersatzlos streichen (Küchenrolle), haben aber volles Verständnis dafür, wenn eine Familie mit Kindern hier in Plastik verpacktes Papier kauft, um den Altag etwas besser managen zu können. Es gab einen gewissen Essig-Essenzhersteller, der seit unlängst nur noch Plastikflaschen verkauft. Sein Pech ;-) Habe allerdings noch 20 Glasflaschen auf Vorrat gekauft – Irritierte Blicke von umstehenden Menschen muss man da schon aushalten.
        Andererseits kann man den Kindern halt etwas mehr (und glaubwürdigeres) sagen als „Ich wusste von nix“. Alleine für den letzten Punkt und für das ruhig schlafen können lohnt sich’s, auch wenn’s anstrengend ist. Und auch wenn der Müllsack mal schwerer ist zeitweise ;-)

  2. Tanja Heller sagt

    Ich nehme einen Minitontopf. Für meine Sonnenblumen nur das Beste! Als Wasserspeicher. Sehr praktisch. Und ein Schraubverschlussglas als Minigewächshaus. Plastik finde ich so hässlich. Wenn jedes Auswaschen einer Tubberdose ja angeblich so giftig ist … bin ich froh, dass ich das nicht verwende. 0,9 kg Plastik. Welche Menge Berg ist das? Plastik wiegt ja nix.

    • maybee sagt

      Wir haben alle 8 Wochen einen gelben Sack voll. Also gibt’s bei uns ~6 Mal im Jahr einen gelben Sack.
      Die Flaschendeckel sind relativ schwer ;-) Auch wegen des grundsätzlich geringen Gewichts von Verpackungsplastik habe ich das dazugeschrieben ;-)

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